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Veröffentlicht am 18.04.2025

Slapstickhaft bis absurd

Der Duft des Wals
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Für dieses Buch braucht man eine ganz spezielle Art von Humor. Ich fürchte, meiner ist es eher nicht.

Wir sind in einem Ferienparadies, das stinkt, weil ein Wal gestrandet ist. Dort wollten Judith und ...

Für dieses Buch braucht man eine ganz spezielle Art von Humor. Ich fürchte, meiner ist es eher nicht.

Wir sind in einem Ferienparadies, das stinkt, weil ein Wal gestrandet ist. Dort wollten Judith und Hugo eigentlich ihre Ehe retten, aber die stinkt ihnen auch. Töchterlein Ada stinken ihre Eltern. Alle zusammen stellen fest, dass ein Urlaub mit Nasenklammer kein richtiger Urlaub ist, während Waldemar der Hotelboy, Parfüm versprüht und das Zimmermädchen anschmachtet.

Wenn man möchte kann man darin schon einen gewissen Tiefgang und Symbolik finden, wenn man aber nicht danach sucht, liest man eine seltsame Geschichte mit jeder Menge Slapstickelementen, die im Verlauf zunehmend absurd wird. Da ist eine Flugbegleiterin im religiösen Wahn, ein Zimmermädchen mit Narkolepsie, Sex im Bällebad, Drogenrausch in der Tanzbar, oder eine Eule, die von einer Drohne gemetzelt wurde. Den Urlaub wünscht sich niemand, das Buch auch nicht unbedingt.

Dabei ist der Stil grundsätzlich ganz schön. Das Geschehen wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, was einen schönen Rundumblick ergibt. Das könnte hübsch sein, wäre die Handlung die Spur interessanter.

Das Hörbuch lesen verschiedene Sprecherinnen, denen jeweils eine Figur zugeordnet ist. Auch das hat Charme, konnte mich aber trotzdem nicht sehr für dieses Buch einnehmen. Es dauert 5 Stunden und 4 Minuten.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Etwas schnörkellos

Halbe Leben
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Der Auftakt dieses Buches ist aufsehenerregend. Klara ist tot, abgestürzt bei einer Wanderung. Hat die slowakische Pflegerin, die bei ihnen im Haus lebt, sie umgebracht oder nicht? Das ist die Frage, die ...

Der Auftakt dieses Buches ist aufsehenerregend. Klara ist tot, abgestürzt bei einer Wanderung. Hat die slowakische Pflegerin, die bei ihnen im Haus lebt, sie umgebracht oder nicht? Das ist die Frage, die gleich zu Anfang des Buches im Raum steht.

Wie es zu dieser Situation kam, wird dann nüchtern und ausführlich geschildert. Klaras Mutter ist dement und braucht Hilfe. Klara und ihre Familie sind damit überfordert, weshalb Paulina und Radek angestellt werden, die sich abwechselnd um Irene kümmern.

Man blickt in das Familienleben hier und da. Paulina muss ihre eigene Familie in der Slowakei vernachlässigen, um sich um ignorante Österreicher zu kümmern, die nicht über ihren Tellerrand schauen. Das ist durchaus ein wichtiges Thema, nur fand ich die Aufbereitung in diesem Buch nicht besonders fesselnd. Die Figuren bleiben alle ihrem Klischee treu, das ganze Geschehen ist recht vorhersehbar, auch wenn es natürlich traurig ist.

Auch sprachlich ist dieses Buch eher schnörkellos. Man kann es gut lesen, aber es hat mich nicht tiefer beeindruckt, was ein bisschen schade ist. Aus dem Thema hätte man wirklich mehr machen können.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Wichtiges Thema in Leichtverpackung

Der Einfluss der Fasane
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Das war knapp, sehr knapp sogar, beinahe hätte das hier ein wichtiges Buch werden können. Bis etwa zur Hälfte habe ich noch daran geglaubt. Es geht um Sensationsjournalismus, den man gerade in heutigen ...

Das war knapp, sehr knapp sogar, beinahe hätte das hier ein wichtiges Buch werden können. Bis etwa zur Hälfte habe ich noch daran geglaubt. Es geht um Sensationsjournalismus, den man gerade in heutigen Zeiten durchaus mal thematisieren könnte.

Hella Karl ist Kulturjournalistin und leitet das Feuilleton einer Zeitung. Als sie vom Selbstmord eines bekannten Theatermachers hört, schlägt ihr Gewissen. Sie hatte unlängst über ihn berichtet. Äußerst kritisch. Kai Hochwerth war berühmt, hochmütig und rücksichtslos. Hat sie ihn in den Tod getrieben? Die Berliner Gesellschaft scheint davon überzeugt zu sein und auch ihre Zeitung findet, sie sollte erst einmal Urlaub nehmen in dieser schwierigen Situation.

Das ist der Teil, der mir gefallen hat. Leider konzentriert sich das Buch nicht darauf. Hellas Familien- und Liebesleben und sogar ihre Kindheit werden auch gründlich beleuchtet und sind dabei eher unspektakulär. Das Buch verläuft sich in mäßig interessanten Schlenkern, statt bei der Sache zu bleiben und dann in der zahmsten aller Lösungen zu enden.

Die Sprache ist natürlich toll, geschliffen, spitzfindig und humorvoll, das Buch ist durchaus ein Vergnügen. Nur hatte ich inhaltlich sehr viel mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Nicht das beste Buch des Autors

Skin City
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Ich bin grundsätzlich Fan von Johannes Groschupfs Krimis, weil er so wunderbar atmosphärisch schreibt. Man bekommt viel mehr als einen Krimi erzählt, man kann auch in finsterste Ecken Berlins abtauchen ...

Ich bin grundsätzlich Fan von Johannes Groschupfs Krimis, weil er so wunderbar atmosphärisch schreibt. Man bekommt viel mehr als einen Krimi erzählt, man kann auch in finsterste Ecken Berlins abtauchen und erlebt hautnah, wie es da so ist. Hier hat mir dieses Erlebnis gefehlt. Es ist noch immer ein gut erzählter Krimi, aber ich war nicht so nah dran.

Die Polizistin Romina Winter kannte ich schon aus dem Vorgängerbuch. Sie ist Roma, tough unangepasst und jetzt ist tatsächlich ihre eigene Familie in finstere Dinge verwickelt. Rominas Schwester wurde schlimm verprügelt, warum?
Daneben bekommt man es noch mit der Kunstwelt zu tun. Ein Hochstapler ist unterwegs, der als Kunstberater windige Geschäfte abwickelt. Und eine georgische Einbrecherbande räumt systematisch im Villenviertel Berlins auf.

Das alles wird plastisch und einfühlsam beschrieben und hängt irgendwie zusammen. Vielleicht war das aber ein bisschen viel auf einmal. So manche Wendung der Geschichte kam mir schon sehr zufällig vor. Sogar Romina unterläuft spontan eine seltsame Wandlung. Man hat sie als originelle Frau kennengelernt haben, die mit beiden Beinen im Leben steht, plötzlich ist sie liebeskrank. Der Tod ihres Vaters dagegen bewegt sie nicht besonders, der muss untersucht werden, aber für Trauer scheint sie keine Zeit zu haben.

Das neue Buch von Johannes Groschupf ist unterhaltsam und lesenswert, in gewisser Weise sogar überraschend, aber seine anderen Bücher haben mir deutlich besser gefallen.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Toller Stil, toller Sprecher, wenig originelle Handlung

Klapper
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Den Erzählstil dieses Buches mochte ich sehr. Es klingt frisch, originell, auf ganz eigene Art poetisch, schon irgendwie nach Jugendsprache, aber Jugendsprache mit einem Lyrikfilter, ein klein bisschen ...

Den Erzählstil dieses Buches mochte ich sehr. Es klingt frisch, originell, auf ganz eigene Art poetisch, schon irgendwie nach Jugendsprache, aber Jugendsprache mit einem Lyrikfilter, ein klein bisschen viel Wetterbericht, aber das schafft Ambiente. Das Lesen macht großen Spaß.

Die Handlung ist sparsam, es geht deutlich mehr um Befindlichkeiten. Thomas ist 15, ein Nerd, der sich in Computerspielen auskennt, im Leben weniger. Er wird Klapper genannt, weil er so dünn ist, dass seine Gelenke klappern. Und dann kommt Bär in seine Klasse, die Bär heißt, weil sie sich Bär nennt. Was passiert ist wenig überraschend, bis auf eins. Eine Überraschung gibt es schon. Ansonsten haben wir hier Teenager mit dem ganzen Teenagerprogramm von Hemmungen über Drogenkonsum zu Peinlichkeiten, Verliebtheiten oder nicht, langweiligen Lehrern und nervigen Eltern. Dabei wird das Innenleben der Teenager sehr einfühlsam und plastisch geschildert, Verklemmtsein und Selbstzweifel zum Miterleben, nur wer will das denn miterleben? Ich bin froh, dass ich das hinter mir habe. Kurze Schwenks in das Leben des erwachsenen Klappers bringen nicht viel mehr Erkenntnis, außer dass eine verstörende Kindheit verstörte Erwachsene hervorbringt.

Die Erwachsenen im Geschehen sind durch die Bank unglaubwürdig. Erst sind sie durchgedreht und lästig, später dann doch elterlich liebevoll, warum weiß man nicht. Vielleicht ist das auch Kindersicht, die sich gewandelt hat, wahrscheinlich ist es schlicht egal, weil sie nur ein schlecht durchdachter Rahmen sind. Richtig daneben fand ich den Lehrer, der den durch und durch introvertierten Klapper nötigt, auf einer Beerdigung ein paar nette Worte zu sagen, niemand auf der Welt kann so unsensibel sein, selbst wenn Klapper natürlich daran wächst, eine unmögliche Aufgabe gemeistert zu haben.

Pascal Houdus liest das Hörbuch und macht das großartig, verkörpert die unterschiedlichsten Figuren authentisch, sogar Bärs schwer verstrahlten Vater. Es dauert 5 Stunden und 47 Minuten und ist durchaus ein Erlebnis durch den tollen Stil und den tollen Sprecher. Der Inhalt hat mich nicht so überzeugt, aber ich bin sehr gespannt auf weitere Bücher des Autors, der hier ein vielversprechendes Debüt abgeliefert hat.

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