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Veröffentlicht am 09.03.2025

Solides Handwerkszeug

Die Brücke von London
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Der historische Roman „Die Brücke von London“ spielt auf zwei Ebenen. Da ist zum einen die Zeit, in der die Brücke, die bislang die einzige Verbindung zur City darstellt, von der Westminster Bridge Konkurrenz ...

Der historische Roman „Die Brücke von London“ spielt auf zwei Ebenen. Da ist zum einen die Zeit, in der die Brücke, die bislang die einzige Verbindung zur City darstellt, von der Westminster Bridge Konkurrenz bekommt. Juliana, die aufgrund der Spielschulden ihres Mannes, eines Tuchhändlers, und seines plötzliches Todes vor dem finanziellen Aus steht, bekommt diese verschlechterte Situation besonders zu spüren. Sie muss sich auf Schmugglergeschäfte einlassen, um ihr Geschäft zu retten. Dabei erhält sie Unterstützung von dem jungen Adler und seiner Bande, einer Reihe obdachlos lebender Kinder, die entweder ohne Eltern oder von zu Hause abgehauen sind. Als der junge Brückenbauer Oliver nach London kommt und mehr als nur geschäftliches Interesse an Juliana zeigt, spitzt sich die Lage zu. Denn Oliver repräsentiert das Bridge House, das auf der Brücke für Recht und Ordnung sorgt. In dieser Mission kommt er auch einem Verbrechen auf die Spur, bei dem die Sicherheit der ganzen Brücke auf dem Spiel steht.
Schon in den Zeiten ihres Baus ist die London Bridge vor Unheil nicht gefeit. Auf der zweiten Zeitebene ca. 500 Jahre zuvor kämpfen Eistrid und ihre Schwester Sybilla, die magisches Wissen hat und Visionen über die Zukunft, gegen das Unheil, das auf der Brücke lastet und das auch über ihrer Familie liegt.
Julius Arth schreibt einen soliden historischen Roman über zwei spannende Kapitel der London Bridge. Besonders die epischen Beschreibungen sowie ein Reigen illusterer Figuren führen dem Leser das Leben in diesen Zeiten bildlich vor Augen. Die Dynamik zwischen den Figuren sorgt für Spannung, auch wenn die Einführung der Personen und der Umstände bisweilen etwas breit gerät.
Ein solider gemachter Roman für ein paar Stunden gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Episch

Die Tochter der Drachenkrone
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Der epische historische Roman „Die Tochter der Drachenkrone“ zeigt das Schicksal der Fürstentochter Gwenllian, die nach dem Tod zwischen die Fronten der um die Herrschaft rivalisierenden Brüder gerät. ...

Der epische historische Roman „Die Tochter der Drachenkrone“ zeigt das Schicksal der Fürstentochter Gwenllian, die nach dem Tod zwischen die Fronten der um die Herrschaft rivalisierenden Brüder gerät. Als Frau bleibt ihr zur damaligen Zeit nur ein Mittel der Wahl,
Einfluss zu nehmen: die Heirat mit einem anderen Herrscher. Dabei ist aber nicht nur taktierendes Kalkül im Spiel, sondern zunehmend auch Gefühle.
Der Roman öffnet den Blick auf die rauen Zeiten im 12. Jahrhundert in Wales. Irren und Wirren von Kriegen, Intrigen und Liebe nehmen den Leser mit sich. Gwenllian ist sicherlich keine typische Frau der damaligen Zeit, sie versucht, das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, nicht nur für sich selbst, sondern auch in der Suche nach Frieden für ihr Volk. Spannend, bisweilen aber auch ein wenig lang, und gefühlvoll, bisweilen aber auch ein wenig gefühlsselig schildert die Autorin Sabrina Qunaj, die Expertin für historische Schmöker ist, das Schicksal einer besonderen Frau in unruhigen Zeiten in einer männerdominierten Gesellschaft.

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Das erklärt vieles!

Somebody told me
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Der Ratgeber über Ernährung für die Frau in den Wechseljahren teilt sich in einen Theorieteil, den ich schon sehr praktisch fand, und einen Praxisteil, den ich eher theoretisch fand.
Im Theorieteil machen ...

Der Ratgeber über Ernährung für die Frau in den Wechseljahren teilt sich in einen Theorieteil, den ich schon sehr praktisch fand, und einen Praxisteil, den ich eher theoretisch fand.
Im Theorieteil machen die Autorinnen deutlich und klar verständlich, was im weiblichen Körper passiert, wenn er in die Wechseljahre kommt. Dabei geben sie schon ein paar einfach umzusetzende Tipps gegen Wechseljahrbeschwerden. Im zwei Teil werden dann die vier Säulen, auf denen das Leben nicht nur der Frauen in den Wechseljahren ruht: Vorsorge, Bewegung, Erholung und Ernährung. Der Schwerpunkt ruht hierbei auf dem Ernährungskonzept, dass die beiden Autorinnen, Ernährungswissenschaftlerin und Gynäkologin, speziell zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden, aber auch nicht unschmackhaft und ungesund für den Rest der Familie entwickelt haben. Auch hier vermitteln sie viel Wissenswertes und für mich auch viele neue Erkenntnisse, die aber, wenn man sich und seinen Körper betrachtet, sinnvoll erscheinen. Allerdings geht es hier nicht um konkrete Rezepte, für die man Beispiele auf der homepage zum Buch (eigentlich ist es mehr das Buch zur homepage) finden kann. Von daher bleibt für mich das Ernährungskonzept sehr theoretisch und mir fehlt ein wenig die Idee, wann esse ich was, zumal ich von einigen der hier vorgestellten guten Nahrungsmitteln noch nie gehört haben. Die Autorinnen räumen auch selber ein, dass die Umstellung anfangs schon umständlicher und aufwändiger sei. Dies ist auch der Eindruck, der sich mir vermittelt, da die Umstellung doch mit sehr vielen Ernährungsgewohnheiten bricht, auch wenn die versprochenen Resultate wünschenswert sind. Auch die vielen Fachbegriffe für chemische Elemente und Reaktionen und deren Produkte sind für mich etwas sperrig, auch wenn das Konzept im Ganzen verständlich und auch plausibel ist.
Der Schreibstil ist durch die direkte Ansprache an den Leser recht vertraut, und der Leser fühlt sich an vielen Stellen verstanden und in seinen Problemen ernst genommen. Die Autorinnen sind in ihrer Aussagen nicht dogmatisch und versuchen, den Leser zu ermutigen, Dinge auszuprobieren ohne Perfektionismuszwang oder einem Ansatz von Ganz oder Gar nicht. In Aussicht gestellt werden keine Wunder von ewiger Jugend und Schönheit, sondern ein gesünderes Leben mit mehr Wohlbefinden und das ist doch etwas, wofür es sich den Versuch, dies selbst in die Hand zu nehmen, lohnt.
Insgesamt fand ich den Ratgeber eine lohnenswerte Lektüre mit viel Empathie, Ermutigung und praktischen Anregungen, die jetzt auf entspannte Umsetzung warten.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

"und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen"

Ginsterburg
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Ginsterburg ist eine kleine Stadt mit historischem Kern (n)irgendwo in Deutschland. Mosaikartig entfalten sich vor des Lesers Augen Lebensausschnitte unterschiedlicher Bewohner: des jungen Lollo mit seiner ...

Ginsterburg ist eine kleine Stadt mit historischem Kern (n)irgendwo in Deutschland. Mosaikartig entfalten sich vor des Lesers Augen Lebensausschnitte unterschiedlicher Bewohner: des jungen Lollo mit seiner Passion fürs Fliegen und seiner Mutter, sozialistisch ausgerichteter Buchhändlerin, des Journalisten und späteren Schritleiters Eugen nebst erkalteter Gattin und entflammter Tochter, den zarte Bande mit Merle verbinden. Und kameradschaftliche mit dem Blumengroßhändler und frisch ernanntem Keisleiter Otto Gürckel mit den Zwillingen Knut und Bruno, strammen Hitlerjungen, und ohne Ehefrau, die ihn wegen eines „Goldfasans“ in Berlin hat sitzen lassen. Sowie mit Clemens Jungheinrich, Papierfabrikant, zuerst für Bücher, dann für Granatenanzünder. Alle drei alte Frankreich-Überlebende aus dem ersten große Krieg. Und dann gibt es noch den Militärarzt Gustav Hansemann, dessen Einsatzgebiet sich aber zunehmen nach Osten verlagert. Daneben noch eine Figuren Nebenpersonal, Nachbarn, Freunde usw. Anhand von drei Stichproben aus der Zeit des 1000jährigen Reiches: Aufstieg 1935, Höhpunkt 1940 und Fall 1945 zeigt Arno Frank, wie es den Bewohnern ergeht: aus den Kindern werden Kriegshelden oder -opfer, aus den Politikern und Industriellen werden Profiteure und Kriegsgewinnler, denen aber private Tragödien nicht erspart bleiben, manch einer macht Karriere im Reich, andere verlieren ihre Existenz oder auch ihr Leben. Schon in der scheinbaren Idylle im Jahre 1935, als alles noch ganz harmlos schien und es so langsam wieder aufwärts ging mit dem von Ersten Weltkrieg gebeugten Deutschen Reiches, tauchen Vorahnung auf das bevorstehenden Grauen in einzelnen lakonischen Sätzen auf. Auch 1940 ist der Krieg wenig präsent in Ginsterburg. Er dringt eher in Form von Meldungen über Heldentaten an die Bewohner. Auch wenn der Held dann auch den Heldentod gestorben ist. Die Verbrechen, die den Aufstieg des Deutschen Reiches begleiten, werden mehr angedeutet als ausgeführt. Da verschwinden schon mal Familien oder eine mit einem Juden verheiratete Schwester muss aufgenommen werden. Hansemann, der Arzt, der so gerne Experimente durchführt, hat viel zu tun im Osten, was genau, bleibt ausgespart, aber denkbar. Ab und an schleicht sich ein leiser Zweifel ein bei dem ein oder anderen, wird aber nicht lauter. Und 1945 geht dann alles ganz schnell. Die einen feiern noch die letzten Orgien vor dem Fall und dann schreitet Gott mit lautem „Bumbumbum“ durch das Paradies Ginsterburg auf der Suche nach den sündigen Menschen, die sich versteckt haben, weil sie etwas Verbotenes getan haben. Auch Ginsterburg geht unter wie der Rest des Reiches. Und wie im Rest des Reiches sterben auch die Unschuldigen und die Opfer und überleben die Schuldigen und tauchen ab im allgemeinen Untergang, tauchen später in der Geschichte vielleicht wieder auf als ehrenwerte Namensgeber von Schulen oder bleiben spurlos verschwunden. Und deshalb ist der Krieg schlimmer als die Hölle, denn er trifft Sünder und Unschuldige gleichermaßen und ohne erkennbares Muster.
Arno Frank erzählt in gewohnt begeistertem Stil, der den Leser leicht durch Schweres und Tiefgehendes führt. Franks Figuren sind menschlich, keiner ist gut, schillernder Held, oder widerwärtig und böse, der reine Antagonist. Jeder hat eine eigenen Geschichte, macht Fehler, tut Gutes, erfährt Gutes und erleidet Schlimmes. Menschlich, allzu menschlich sind die Figuren. Und die Menschen sind eben gut und böse, die einen mehr, die anderen weniger. Gerade hinter dem Menschlichen verbirgt sich auf die Unmenschlichkeit, der Abgrund, der sich in Franks Erzählung zwischen den Zeilen manchmal auftut und in einzelnen Sätzen. Sein leises, feines Erzählen kommt ohne gewaltige Bilder, übermächtiges Grauen und große Gebärde aus. Dafür bleibt es lange im Kopf, lässt lange die Gedanken über das Gelesene nachdenken. Und doch nicht so ganz begreifen. In dem Figurenmosaik fällt es bisweilen schwer, den Faden der einzelnen Figuren zu verfolgen. Es ist dem Leser nicht vergönnt, bei einer zu verweilen, sich einzudenken und -zufühlen. Viele Fragen bleiben am Ende offen: Was wird aus Lollo und seiner Jugendliebe, Eugens Tochter? Was wird aus Kreisleiter Gürckel, was aus seiner mit der Haushälterin türmenden Frau? Was aus dem Arzt Hansemann, der kurz vor dem Untergang wieder in Ginsterburg auftacht? Welche Ginsterburger findet Gott mit seinem „Bumbumbum“ im Padadies? Wer kommt davon? Wofür steht der blaue Fuchs, der Uta Mohelsky am Ende den Weg „nach Hause“ zeigt? Welche Funktion hat der Wanderzirkus mit der Weissagerin Zola Vovoni, die in Anbetracht, was sie in der Zukunft der Ginsterburger sieht, verrückt wird? Sind diese Fragen überhaupt wichtig?
Vielleicht nicht, aber offene Fragen am Ende sind oft schwer auszuhalten.
Am Modell, quasi en miniature, zeigt Frank ein beeindruckendes Bild des Gesamtdeutschen Reichs in seinen drei Etappen, des 1000jährigen Reichs, das innerhalb von 12 Jahren Aufstieg, Höhepunkt und Untergang hingelegt hat und dabei ganz unterschiedliche Gesichter seiner Bewohner zum Vorschein gebracht hat. Es geht mehr um das Schildern und das Beobachten von Entwicklungen, von Schicksal, Fügung, Glück und Unglück, von Plänen und Zufällen, weniger um das Bewerten und Urteilen von Gut und Böse. Am Ende nach gefallenem Vorhang sieht sich der Leser mit vielen offenen Fragen, ohne tragischen Helden und ohne Moral von der Geschicht.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Düster und wenig fortschrittlich

Triebwasser
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„Triebwasser“ – so der Name des Romans von Sandra Altmann – ist das Wasser, das in einem Elektrizitätswerk das Wasser zur Stromgewinnung antreibt, vereinfacht erklärt. Um den Bau eines solchen geht es ...

„Triebwasser“ – so der Name des Romans von Sandra Altmann – ist das Wasser, das in einem Elektrizitätswerk das Wasser zur Stromgewinnung antreibt, vereinfacht erklärt. Um den Bau eines solchen geht es in dem Roman. Dieser sorgt unter den Einwohnern des kleinen Dörfchens am Wallersee für Konflikte. Da sind die, die am Fortschritt teil- und Nutzen von ihm haben wollen. Und da sind die anderen, die darin eine Gefährdung ihres Bestandes sehen. Allerdings geht es beiden Seiten weniger um den Nutzen, den der Fortschritt im Allgemeinen für die Gemeinschaft haben könnte, oder dessen Schaden. In der Regel geht es um persönliche Belange, um Gewinnsucht, Existenzangst, durchmischt von Aberglauben, der auch zur Erhaltung des Status quo und zur Erziehung eingesetzt wird. Schon die Kinder lassen sich in ihren Handlungen vom Aberglauben leiten, beschwören Naturgötter zur Heilung der kranken Mutter, sehen in Naturgewalten das Wirken von Naturgeistern. In der Regel zur Strafe für vermeintliche Sünden. Schon dadurch entsteht ein lastender Druck auf der Gemeinschaft. Liebe und Eifersucht, Neid und Missgunst, Trunksucht und Grobheit tun ihr übriges die Dynamiken im Dorf aufs äußerte zu spannen, bis sich in einem unerwarteten Ende die Spannung auf tragisch-komische Weise entläd. Jeweils abwechselnd wird die Handlung in einem Kapitel pro Monat entfaltet und dann in Anlehnung daraus eine der Figuren aus dem Dorf: sieben Männer, drei Frauen und sechs Kinder aus drei Familien vorgestellt, indem die Autorin sie aus ihrer eigenen Perspektive heraus erzählen lässt. So ergibt sich ein interessanter multiperspektivischer Blick auf die Geschehnisse. Dabei verleiht sie jeder Figur eine authentische Sprache, mit Hilfe der diese ungeschönt ihre Gedanken verrät. Dabei geht es häufig derb und lieblos zu, was schon eine gewisse abschreckende Wirkung auf den Leser hat. Die Kinder wirken häufig dumm, zänkisch oder auch vom Aberglauben hysterisch. Die Frauen sind verhärmt vom Schicksal, häufig gefühlskalt oder gar bösartig. Die Männer, die gerne über den Durst trinken, sind grob, lieblos, triebgesteuert oder auch von hinterlistiger Schläue. Es gibt kaum eine Figur, die den Leser zur Identifikation einläd. Man kann sich schon vorstellen, dass ein hartes, der Natur abgerungenes Lebens als Fischer oder Holzbauer Menschen so werden lässt, aber eigentlich möchte man sich das so gar nicht so gerne vorstellen. Dass es der Fortschritt schwer hat bei solchen Menschen, ist offensichtlich. Auch der Lehrer, der sich immer mehr der Dorfgemeinschaft assimiliert, vermag kaum, einen rationaleren oder humaneren Standpunkt zu vermitteln. Die Geschichte verliert sich immer mehr in der Atmosphäre eines düsteren Heimatromans à la Andrea Maria Schenkel oder Franz Xaver Krötz und verliert den Anbruch einer neuen Zeit zunehmend aus den Augen.
Eine nicht unspannende, düstere, allerdings wenig erbauliche Lektüre!

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