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Veröffentlicht am 10.03.2025

Anders als erwartet

Andersgasse 7 1: Ein Fall für den fantastischen Flusenwutz
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Christiane Schreiber erschafft mit dem Kinderkrimi, Andersgasse Nr. 7 - ein Fall für den Flusenwurtz, den ersten Band einer Reihe magischer Detektivgeschichten für junge Leser ab 8 Jahren.
Hauptprotagonist ...

Christiane Schreiber erschafft mit dem Kinderkrimi, Andersgasse Nr. 7 - ein Fall für den Flusenwurtz, den ersten Band einer Reihe magischer Detektivgeschichten für junge Leser ab 8 Jahren.
Hauptprotagonist Karl lebt im Haus seiner Tante, dem gleichen Haus, in dem auch seine beste Freundin Elsa lebt. Hier wohnen weitere fantasievolle und skurrile Gestalten, die alles andere sind als normal und die beiden Kinder deshalb immer wieder einladen, ihren Geheimnien auf den Grund zu gehen. So z.B. ein unsichtbarer Mann, eine böse Hexe, wegen der Elsa sich nicht auf den Flur traut, oder der alte Seefahrer, der voller vergangener Geheimnisse steckt.
Alles in allem sind sie Figuren sehr interessant und voller Fantasie. Die Brillenschlange, die in der Handtasche wohnt, oder die Flusenwutze, die jeglichen Dreck auffressen.
Leider wurde mir der Hauptprotagonist Karl im Laufe des Bundes immer unsympathischer. Erst jagt er die Diebe und dann fängt er selbst am zu stehen, schert sich nicht um die Konsequenzen seines Handelns und zeigt keinerlei Einsicht, sondern rechtfertigt sich mit seinem forschenden Dedektivsein. Diese Charakteristik finde ich für Kinder dieses Lesealters unangemessen, da Protagonisten eine Vorbildfunktion haben sollen! Karl hingegen reitet sich immer tiefer rein.
So schön und spannend dieses Werk auch beginnt, desto mehr verliert es an Tiefe und Empathie im weiteren Verlauf.
Der Schreibstil ist dabei interessant und kindgerecht, die teils unheimlichen Wesen und ihr Handeln bzw. ihre Rolle, muss man in diesem Lesealter aber aushalten können.
Am besten haben mir die Illustrationen gefallen, die auch die Ergebnisse des Dedektivseins darstellen, weniger die teils überladene Story, die in sich nach meinem Geschmack nicht ganz rund ist. Vielleicht überzeugt der nächste Band mehr.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Durchwachsen

Das Pfauengemälde
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"Die Briefmarken schnitt er aus, legte sie in Wasserschalen
und dann auf Zeitungspapier. Das Album mit den rumänischen
Marken war das dickste, oft sah ich ihn spät am Abend
mit der Pinzette darüber gebeugt ...

"Die Briefmarken schnitt er aus, legte sie in Wasserschalen
und dann auf Zeitungspapier. Das Album mit den rumänischen
Marken war das dickste, oft sah ich ihn spät am Abend
mit der Pinzette darüber gebeugt sitzen, als könnten die bunten
Papierstücke das zurückbringen, was er verloren hatte: seine
Heimat, seinen Wohlstand, seine Anerkennung." - so spannend, und beinahe literarisch unübertrefflich, beginnt der neue Roman der Autorin Maria Bidian.
Er besticht durch ein atemberaubendes Buchcover, welches einem Gemälde gleicht und spielt im fernen Rumänien.
Erwartet hatte ich eine interessante Familiengeschichte mit Themen, wie Aufarbeitung der Vergangenheit oder Überwindung von vererbten Traumata, denn im Zentrum des Romans steht eine besondere Vater-Tochter-Beziehung. Einst war Nicu, der mittlerweile verstorbene Vater von Ana, ein Widerstandskämpfer in Rumänien, welcher nach längerer Inhaftierung und Enteignung gezwungen war nach Deutschland auszuwandern. Er versuchte jedoch immer wieder nach Rumänien zurück zu kehren und sein Haus und das darin befindliche Pflaumengemälde, zurückzubekommen. Nach Nicus Tod reiste stattdessen Ana nach Rumänien, um das Gemälde als Erinnerung an ihren Vater zu bekommen.
Die Geschichte beginnt spannend, verliert sich dann aber leider irgendwann und sowohl die Vater-Tochter-Beziehung, als auch die Suche nach dem Pfauengemälde rücken weit in den Hintergrund. Der Roman erzählt stattdessen in ständigem Perspektivwechsel und Zeitsprüngen den bürokratischen Aufwand und Werdegang der Beschaffung von Anas rumänischen Papieren. Auch werden ständig neue Familienmitglieder vorgestellt, was den Überblick und vor allem den Fokus verlieren lässt. Der Schreibstil ist unübertrefflich, doch auf einen Spannungsbogen wartet man vergebens. Ein sehr ruhiger Roman, der inhaltlich leider nicht viel hermacht, schade.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Geht so

Mitte des Lebens
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Mitte des Lebens- eine Philosophie der besten Jahre ist des neuste Werk der Schweizer Autorin Barbara Bleisch. Eindrucksvoll betrachtet sie die Mitte des menschlichen Daseins aus einer philosophischen ...

Mitte des Lebens- eine Philosophie der besten Jahre ist des neuste Werk der Schweizer Autorin Barbara Bleisch. Eindrucksvoll betrachtet sie die Mitte des menschlichen Daseins aus einer philosophischen Sicht und beleutet hierbei sachlich und teils liebevoll persönlich, die damit verbundenen Vor- und Nachteile des Alterns. Von der Selbstfinding bis hin zur midlife crisis werden hier einige Klischees bedient. Wer ein solches Werk liest, muss sich bewusst sein, keinen Roman, sondern die Auseinandersetzung mit einem speziellen Lebensabschnitt zu studieren, der sachbezogen durch Studien und Statistiken begleitet wird. Dieses Buch spricht dennoch viele spannende Themen an und wirft Fragen in den Raum, mit welchen sich die meisten von uns früher oder später auseinander setzen müssen. Für mich mit Mitte Dreißig, sind Themen wie das eigene Ableben oder die Altersvorsorge der Eltern, noch keine zumutbar relevanten Fragen, mit denen ich mich jetzt gern befassen möchte. Der persönliche Bezug, das die Autorin über eine schwer erkrankte Freundin berichtet, macht das Werk weniger unnahbar und greifbarer. Wenn dieses Werk auch sehr gut recherchiert scheint und für viele evtl den Nagel auf den Kopf trifft, so war er für mich nicht das Richtige und hat mich eher deprimiert. Wir setzen uns viel zu häufig mit den angeblich "existentiellen Fragen des Lebens"auseinander wie, bin ich glücklich dort wo und mit wem ich dort gelandet bin, mit dem was ich erreicht und was ich mir aufgebaut habe oder habe ich etwas verpasst. Die Welt in der wir aktuell leben bietet mitunter vielleicht auch zu viele Möglichkeiten sich immer wieder neu zu erfinden, Angst zu haben etwas verpassen zu können, sich vergleichen zu müssen und nach immer Höherem zu sterben. Ich empfinde diese Ratlosigkeit als ein krankhaftes Erscheinungsbild, das wir dringend versuchen sollten aufzubrechen und uns mehr dem zu widmen, was wir haben und den Moment einfach zu genießen. In Würde altern, wieder genügsamer werden und andere Lebensweisen für das nächste Leben aufsparen - meine Meinung! Alles in allem ein interessantes Buch, mit einem wunderschönen Buchcover, aber inhaltlich mit deutlich Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 07.06.2024

Macht Mut

Mutmurmeln für den ersten Schultag
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Bei dem Gedanken an seine Einschulung übermorgen wird Linus plötzlich ganz murmelig. Murmelig, dass ist "wenn sich dein Bauch anfühlt, als würden Murmeln drin rumsausen." Da hat Nachbarskind Lolle plötzlich ...

Bei dem Gedanken an seine Einschulung übermorgen wird Linus plötzlich ganz murmelig. Murmelig, dass ist "wenn sich dein Bauch anfühlt, als würden Murmeln drin rumsausen." Da hat Nachbarskind Lolle plötzlich einen super Einfall, wie sie Linus von seiner Aufregung befreien kann.
Gemeinsam erschaffen sie geheime Mutmurmeln. Um diese mit genügend Mut aufzuladen, müssen die beiden Freunde zunächst einige Mutproben bestehen, um am Ende des Tages die ultimative Mutmurmel in ihren Händen halten zu können.
"Mutmurmeln - für den ersten Schultag" von Autorin Sarah Welk ist ein kunterbuntes Vorlese- und Bilderbuch mit einer süßen Geschichte, das sich gut für Schulanfänger:innen eignet, die auch ein bisschen Mut für ihren ersten Schultag benötigen können.
Das Motiv, die Angst vor der Veränderung, dem neuen Unbekannten gegenüber zu stehen, ist toll gewählt. Die Illustrationen sind sehr farbenfroh und ebenso positiv gestaltet. Die Intention der Autorin ist meiner Meinung nach jedoch nicht so gut in der Umsetzung gelungen wie erhofft.
Die Mutproben sind teilweise weit hergeholt, banal und stehen in keinem Zusammenhang (zueinander oder der bevorstehenden Schulzeit). Die Kinder wirklich im Vergleich zur Lehrerin recht groß und sind keineswegs so scheu und schüchtern, wie es für den ersten Schultag typisch wäre, sondern vielmehr taff und freudig aufgeregt, aber vielleicht soll auch dies dem Leser gerade Mut schenken. Die Szenarien folgen mir zu dicht aufeinander. Dem Inhalt wird somit auf den wenigen Seiten wirklich viel abverlangt.
Toll finde ich den Zusammenhalt der beiden Freunde, der immer wieder deutlich wird und dass andere Erstklässler in der Geschichte sich ebenfalls den Mutmurmeln öffnen.
Alles in allem ein nettes Geschenk für jeden Erstklässler zu Beginn der Einschulung, in der Hoffnung, dass sich die Leser mit den Sorgen und Ängsten von Linus identifizieren und auf Lolles Lösungsstrategie einlassen können.

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Veröffentlicht am 14.03.2024

Lily

Lily und der Herzenszauber
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Lily und der Herzenszauber ist das neuste Kinderbuch der Autorin Lucy Fleming und fasziniert kleine Leser ab 4 Jahren.
Besonders beeindruckend sind die überaus bezaubernden und für sich selbst sprechenden ...

Lily und der Herzenszauber ist das neuste Kinderbuch der Autorin Lucy Fleming und fasziniert kleine Leser ab 4 Jahren.
Besonders beeindruckend sind die überaus bezaubernden und für sich selbst sprechenden Illustration. Tiefgründig erzählen sie ihre eigene kleine Geschichte und laden zum Entdecken und Erzählen ein.
Die Geschichte hinter den wunderschönen Illustrationen ist leider etwas flach. Der Buchrücken erzählt bereits die gesamte Geschichte und lässt wenig Spielraum für Spannung/ Überraschung. Lily ist als Protagonisten sympathisch und liebevoll dargestellt, sticht aber nicht durch die ihr zugeschriebenen Attribute hervor. Sie ist durchaus hilfsbereit und aufgeschlossen, doch soll sie für Stärke und Zusammenhalt unter den Freunden stehen, so ist es sie, die nach einem Sturm den Glauben und die Hoffnung verliert und von ihren Freunden aufgegangen und ermutigt werden muss.
Die Geschichte ist im Allgemeinen viel zu schnell erzählt und die Motive, außer das der Freundschaft, erfahren nicht die Tiefe, die ihnen zugeschrieben wird. Der Titel verspricht mehr als er halten kann und passt nicht zum Werk. Alles in allem ein nettes Kinderbuch mit bezaubernden Illustration, die dieses Buch schlicht und einfach ausmachen!

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