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Veröffentlicht am 10.03.2025

Ohlsen Ohlsen

Die Brandung – Moorengel
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Am Thorsberger Moor wird ein einzelner menschlicher Finger gefunden und der Museumsleiterin Fria Svensson zugespielt, die ihre Expertise und den Fall an Hauptkommissar Ohlsen Ohlsen abgibt. Gleichzeitig ...

Am Thorsberger Moor wird ein einzelner menschlicher Finger gefunden und der Museumsleiterin Fria Svensson zugespielt, die ihre Expertise und den Fall an Hauptkommissar Ohlsen Ohlsen abgibt. Gleichzeitig verschwinden ein siebenjähriges Mädchen und mehrere Zuchtkätzchen.

In rasanter Abfolge wechseln Szenen, Schauplätze, Handlungsstränge, oftmals derart, dass man gar nicht weiß, um welche Figur es sich auf der aktuellen Seite handelt, schon spielt auf der nächsten jemand anderes die wichtigste Rolle. So dauert es eine gewisse Zeit, bis man sich zurechtfindet im deutsch-dänischen Grenzgebiet, in dem eine Leiche gefunden wird und ein Kind verschwunden ist. Die persönliche Betroffenheit über den Vermisstenfall spürt man sowohl bei Ohlsen als auch bei Fria, aber dieser muss zwischenzeitlich auf Eis gelegt werden, der Moorleiche wird Vorrang eingeräumt. Interessante Details kommen aufs Tapet, neue Charaktere werden eingeführt, wer ist wichtig fürs Geschehen, wer soll ablenken und in die Irre führen? Die Ermittler sind gefragt, der Leser darf sich ebenfalls den Kopf zerbrechen. Zwischen Fingergliedern, Leichen aus dem See, Katzen und einer vernachlässigten, verschollenen Schülerin wird man förmlich hin- und hergerissen.

Den Leser erwarten spannende Stunden, das Ende wird nicht jedem gefallen, für mich ist es aber stimmig, genau so, wie es Karen Kliewe niederschreibt. Leseempfehlung für scharfsinnige Köpfe.

Veröffentlicht am 05.03.2025

Der Fremde

Stumme Zypressen
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Im malerischen Montegiardino in der Toskana geht alles seinen ruhigen Lauf, bis ein Fremder nachts anreist und tags darauf stundenlang um die Marktstände spaziert. Was will der unheimliche Mann in Schwarz ...

Im malerischen Montegiardino in der Toskana geht alles seinen ruhigen Lauf, bis ein Fremder nachts anreist und tags darauf stundenlang um die Marktstände spaziert. Was will der unheimliche Mann in Schwarz im Dorf und warum sind plötzlich zwei Gänse tot? Als dann auch noch ein Wanderer angeschossen wird, hält man den Unnahbaren für einen hinterhältigen Jäger, der sein eigentliches Ziel verfehlt hat.

Auch im vierten Band dieser unterhaltsamen Krimiserie spart Paolo Riva nicht mit bildreichen Eindrücken aus der hügeligen Landschaft in der flirrenden Sommerhitze und eindrücklichen Schilderungen vom Dorf selbst. Sei es Fabio an der alten Cimballi-Kaffeemaschine in seiner Bar auf dem Kirchplatz, sei es der belebte Markt mit seinen Farben und Gerüchen und alteingesessenen Händlern, jede Einzelheit ist dazu da, dass der Leser sich sofort wohlfühlt inmitten bereits bekannter Gesichter, allen voran Commissario Luca, alleinerziehender Vater und Chef dreier Esel. Wer die Reihe bereits kennt, weiß, was ich meine, wer sich fragt, wer mit drei Eseln lebt, dem empfehle ich sogleich Band 1: Flüssiges Gold.
Viel Toskanaflair ist also auch diesmal dabei, dazu ein Hahn namens Gaius Julius Caesar, der den Nachbarn Schlaf und Nerven raubt. Ein wenig Geduld muss man allerdings aufbringen, bis der klug und pragmatisch handelnde Kommissar endlich einen wirklichen Fall zum Ermitteln bekommt. Und dieser wird dann zwar auch logisch, aber recht rasch abgehandelt. Nichtsdestotrotz bietet die Kulisse Platz zum Träumen, erlebt man mit Signora Agnellis Viechern eine tierische Tragikomödie [kindle, Pos. 369] und als Draufgabe verschiedenste Ermittlungsansätze, die mit aufregenden Szenen gegen Ende hin dann doch noch rechtzeitig den wahren Täter und sein Motiv entlarven.

Ein schöner Teil dieser eher ruhigen Krimireihe, die mich immer wieder in Urlaubsstimmung versetzt und einen Schuss an Aufregung liefert, welche der umsichtige Kommissar aber stets kalmieren kann. Sympathische Charaktere in stimmungsvoller Umgebung, davon darf es gerne noch mehr geben.

Veröffentlicht am 26.02.2025

Auge um Auge

Mörderfinder – Das Muster des Bösen
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Bereits vor der offiziellen Eröffnung der gemeinsamen Detektei WaBi von Fallanalytiker Max Bischoff und Rechtspsychologen Marvin Wagner ergibt sich ein erster Fall: der neunjährige Sohn eines Richters ...

Bereits vor der offiziellen Eröffnung der gemeinsamen Detektei WaBi von Fallanalytiker Max Bischoff und Rechtspsychologen Marvin Wagner ergibt sich ein erster Fall: der neunjährige Sohn eines Richters wird entführt, wahrscheinlich deshalb, weil der Richter zu milde Urteile gefällt hat und jetzt Rache geübt werden soll: Auge um Auge.

Spannende Szenen mit dem Knastfriseur Kai Weinand, der wichtige Informationen an Max Bischof liefert, eröffnen diesen fünften Fall der Mörderfinder-Reihe. Zwischen Eröffnungsfeier der Detektei, Internetrecherche und Ermittlungen schieben sich kursiv gedruckte Abschnitte aus Tätersicht mit durchaus brutalen Einzelheiten, denen man nicht zartbesaitet gegenübertreten sollte - grausame Details, auch an Kindern, werden hier geschildert. Spätestens, als es weitere Opfer gibt, ist klar, dass schnell gehandelt werden muss, da kommt es Max und Marvin gerade recht, dass sich freiwillige Helfer nahezu aufdrängen. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Bischofs Ex-Kollegen und nunmehrigem Leiter im KK11, Horst Böhmer. Recht bald habe ich einen Täter im Visier, aber weit gefehlt, Arno Strobel hält am Ende eine ganz andere Auflösung für mich bereit. Es geht im Laufe der Handlung immer turbulenter und gefährlicher zu, sodass die Abhandlung des Motivs dann doch fast ein wenig zu flott daherkommt. Insgesamt ist der Fall aber sehr fesselnd und die Figuren können einen wie gewohnt in ihren Bann ziehen.

Ein in sich abgeschlossener Fall, den man auch für sich allein stehend lesen kann, in der Gesamtheit der ganzen Reihe ist „Das Muster des Bösen“ aber gewiss noch besser. Interessante Themen werden aufgegriffen und auf geschickte Weise in die Handlung eingebettet. Mir hat‘s wieder gut gefallen!


Veröffentlicht am 26.02.2025

Nach Hause

Für Polina
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Hannes und Polina werden am selben Tag geboren, die Mütter freunden sich noch im Krankenhaus an, sodass die Kinder viel Zeit miteinander verbringen. Hannes ist von Anfang an besonders, er ist auf fast ...

Hannes und Polina werden am selben Tag geboren, die Mütter freunden sich noch im Krankenhaus an, sodass die Kinder viel Zeit miteinander verbringen. Hannes ist von Anfang an besonders, er ist auf fast beängstigende Weise ruhig und hinkt in seiner Entwicklung anderen Kindern hinterher. Aber – er brennt für die Musik, ist überaus talentiert am Klavier und komponiert bald eigene Melodien, die er auf seine Mitmenschen abstimmt. Viele Jahre, nachdem sich seine und Polinas Wege getrennt haben, will er das Mädchen, in das er sich einst verliebt hat, wiederfinden, selbstverständlich mit der Melodie, welche er mit vierzehn für sie erschaffen hat.

Mit seiner gelassenen, angenehm dahinfließenden Schreibweise setzt Takis Würger die wenigen Personen in diesem Buch perfekt in Szene, beschreibt überaus anschaulich, wie Hannes das Licht der Welt erblickt und eine ganz außergewöhnliche Kindheit durchlebt. Der Bub bemerkt natürlich sein „Anderssein“, kommt damit allerdings allem Anschein nach gut zurecht, bis ihm ein Unfall die Mutter raubt. Er merkt, dass ihn mit Polina mehr verbindet als „beste Freunde sein“ und erspürt aus seinem Innersten ein Lied, das er auf dem Klavier zum Leben erweckt, kann aber seine Gefühle ihr selbst gegenüber nicht in Worte fassen und zum Ausdruck bringen. So vergehen wichtige Momente, ohne dass Hannes und Polina sich einander wirklich öffnen, ihre Leben driften auseinander, kreuzen sich nur noch für wenige Augenblicke. In der Zwischenzeit begleiten wir Johannes durch einen steinigen Weg, der ihm viel abverlangt – und auch für den Leser bisweilen lang ist – bis er wieder zur Musik und zum Klavier – und nach Hause – zurückfindet.

Distanziert und dennoch voller Gefühl – das ist mein Eindruck von „Für Polina“, eine bittersüße Liebesgeschichte, fernab von Alltäglichkeit oder romantischem Kitsch. Wer Außergewöhnliches sucht, findet es hier!

Veröffentlicht am 25.02.2025

Der Plan

The boy you always wanted
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Francines Großvater hat Krebs und wird bald sterben. Da er keinen männlichen Nachkommen hat, welcher die Familientradition und Ehrerbietung den Ahnen gegenüber fortführen kann, ersinnt Francine einen raffinierten ...

Francines Großvater hat Krebs und wird bald sterben. Da er keinen männlichen Nachkommen hat, welcher die Familientradition und Ehrerbietung den Ahnen gegenüber fortführen kann, ersinnt Francine einen raffinierten Plan: der Sohn einer befreundeten Familie, Ollie, soll die Rolle des männlichen Erben ehrenhalber einnehmen.

Locker fließt dieser schöne Jugendroman dahin, die schweren Themen Tod, Tradition, starres Familiengefüge passen sich mit Leichtigkeit in die Handlung ein, in der eine aufkeimende Liebe natürlich nicht fehlen darf. Was kompliziert beginnt, geht auch kompliziert weiter, denn die chinesisch-vietnamesischen Hauptpersonen legen Wert auf Familie und Althergebrachtes, dem sich insbesondere die pflichtbewusste Francine nicht entziehen möchte. Dabei stößt sie allerdings auf Überraschungen, mit welchen sie nie gerechnet hätte.

Witzig, humorvoll und mit einem aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen asiatischer Kultur präsentiert Michelle Quach diese liebenswerte Geschichte, in die – laut dem Vorwort – durchaus auch Persönliches miteinfließt. Angenehm zu lesen und trotz der Angst um den Großvater sehr unterhaltsam und informativ.