Jeder Schurke braucht einen Helden
Thousand Autumns. Buch 1Jeder Schurke braucht einen Helden.
Tja, was soll ich sagen - ich war neugierig auf das chinesische Light Novel von einer sehr populären Autorin im asiatischen Raum. Es ist übrigens einer der ersten ...
Jeder Schurke braucht einen Helden.
Tja, was soll ich sagen - ich war neugierig auf das chinesische Light Novel von einer sehr populären Autorin im asiatischen Raum. Es ist übrigens einer der ersten Light Novels, die im Programm eines Publikumsverlags erscheinen, der keine Mangasparte hat.
Es hat mich stark an „Tiger & Dragon“ erinnert, dem Drama, das Anfang der 2000er aus dem asiatischen Raum zu uns hinüber schwappte. Sowohl die Kampfkunst als auch die Dialoge. Ich mochte den Film damals.
Die Hauptfiguren sind beide sehr starke Charaktere, aber auf denkbar gegensätzliche Weise. Shen Qiao ist der Anführer einer Kampfkunstschule, er hat ein reines Herz. Doch sein Leben ändert sich, als er nach einem Kampf nur schwer verletzt überlebt und all seine erworbene Stärke verliert. Yan Wushi findet ihn - und nimmt ihn mit an die Huanyue-Schule, doch nicht etwa mit der ehrenvollen Absichten. Er will ihn gesund pflegen - und sein reines Herz verderben. Shen hat zu allem Überfluss sein Gedächtnis verloren und Yan gibt sich als sein Meister aus …
Aber halt, ganz so einfach ist es nicht. Es entwickelt sich trotz der angekündigten BoysLove Prämisse zunächst in eine andere Richtung. Schon nach wenigen Dutzend Seiten sucht sich Shen allein seinen Weg durch das altertümliche China auf der Suche nach alter Stärke. So manches mal werden ihm auch Wegbegleiter oder Gegner zur Seite gestellt.
Meng Xi Shi webt sehr viel historischen Input mit ein - interessant, keine Frage! Aber wenn ihr mich jetzt nach Details fragen würdet, ich würde nichts mehr wissen. Es war faszinierend, so viel über die Geschichte Chinas zu erfahren. Doch ohne tiefere Vorkenntnis bleibt nicht allzu viel haften. Ich kann mir aber vorstellen, dass der geschichtliche Inhalt - so aufgearbeitet - im asiatischen Raum Erfolge feiert. Für mich war er einfach zu dicht.
Der Schreibstil hat dafür gesorgt, dass ich schnell im Buch voran kam. Einfach, flüssig und manchmal sarkastisch. Insbesondere die Dialoge zwischen Shen und Yan fand ich sehr amüsant. Die beiden waren wie Feuer und Wasser, die aufeinander prallen. Auch die Beschreibungen von Landschaft und Städten sorgten bei mir für Kopfkino. Andererseits war ich immer nur der Beobachter von der Seitenlinie aus. Die tiefgehende Auseinandersetzung mit der Handlung hat mir gefehlt. Warum ist Wushi beispielsweise so wie er ist? Solche Sachen haben mich einfach nicht erreicht.
Der erste Band ist prachtvoll aufgemacht. Ich war hin und weg. Artwork im Mangastyle, eine farbige Karte. Ein Namenverzeichnis, ein Glossar, ein Grußwort der Autorin, Anmerkung der Übersetzerin, Fußnoten im Fließtext, wo der westliche Leser darüber stolpern könnte - kurzum: Der Verlag hat wirklich alles getan, um uns den Einstieg ins Buch so einfach wie möglich zu machen!
Fazit? Es gibt viele Aspekte, die ich wirklich gut fand. Insbesondere das Magiesystem hat mich begeistert, weil ich es aus vielen Animeserien wiedererkannt habe. Doch richtig begeistern konnte mich „Thousand Autums“ nicht. Der letzte Funke hat für mich gefehlt.