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Veröffentlicht am 17.03.2025

Nichts ist wie es scheint – ein echter Dicker

Ein ungezähmtes Tier
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Joel Dicker versteht es wie kein anderer Autor seine Leser immer wieder mit nicht vorhersehbaren Wendungen zu überraschen. Dies gelingt ihm auch in seinem neuesten Werk „Ein ungezähmtes Tier“ spielend, ...

Joel Dicker versteht es wie kein anderer Autor seine Leser immer wieder mit nicht vorhersehbaren Wendungen zu überraschen. Dies gelingt ihm auch in seinem neuesten Werk „Ein ungezähmtes Tier“ spielend, das wie gewohnt mehrere Zeitebenen miteinander verschachtelt und so von Anfang an Spannung aufbaut, die sich mehr und mehr steigert. Im Laufe der Handlung kommen auch hinter den zunächst eher spießig wirkenden Fassaden einiger Protagonisten die dunklen Seiten zum Vorschein und es bleibt sehr lange unklar, wer eigentlich das titelgebende ungezähmt Tier ist.
Von Beginn an ist klar, dass es am Ende einen Überfall auf einen Juwelier geben wird und es kann immer wieder neu spekuliert werden, wer diesen aus welchem Grund ausführen wird und welche Rolle die Personen dabei spielen werden. Raffiniert wird der Verdacht des Lesers mal auf die eine mal auf die andere Person gelenkt und am Ende kommt es doch ganz anders, obwohl ich irgendwann doch auf die richtige Fährte gekommen bin.
Wie erwartet ein spannendes Buch ganz im Stile der anderen Dicker-Romane, wobei es in meinen Augen nicht ganz an die Marcus Goldman Trilogie herankommt. Dennoch ein absolut fesselnder Roman und eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Erhellendes Portrait einer dunklen Zeit

Ginsterburg
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In drei Zeitabschnitten - 1935, 1940 und 1945 - schildert Arno Frank in seinem neuesten Werk "Ginsterburg" das Schicksal ausgewählter Bewohner in einer fiktiven Stadt mit dem titelgebenden Namen während ...

In drei Zeitabschnitten - 1935, 1940 und 1945 - schildert Arno Frank in seinem neuesten Werk "Ginsterburg" das Schicksal ausgewählter Bewohner in einer fiktiven Stadt mit dem titelgebenden Namen während der NS-Zeit. Obwohl einige Biografien nur kurz angerissen werden, wird schon relativ früh klar wer den "neuen Zeiten", die mit der Machtergreifung Hitlers angebrochen sind, euphorisch entgegen geht, wer skeptisch und wer ein Mitläufer ist. Im Laufe des Romans entwickelt sich die vermeintliche Kleinstadtidylle weit weg von der Reichshauptstadt und der Front zur Hölle des Krieges in jeglicher Form. Auch wenn manches nur grob angerissen wird ist diese Entwicklung, die auch die Bewohner durchmachen, gut nachvollziehbar. Teilweise wirken grausame Geschehnisse, die nur beiläufig geschildert werden sogar noch schockierender.
Mit diesem Buch liefert Arno Frank somit durchaus Erhellendes über eine dunkle Zeit deutscher Geschichte und regt zum Nachdenken und Innehalten an. Nebenbei liefert es noch einige mir bisher nicht bekannte Fakten wie z.B. zur Entwicklung der vermeintlichen deutschen Wunderwaffe "Natter".
Mich hat der Roman sehr angesprochen und bewegt. Irritiert hat mich lediglich, dass in die Geschichte der fiktiven Stadt Ginsterburg die real existierende Persönlichkeit Lothar Siebert eingewoben wurde, der jedoch in Dresden aufgewachsen ist (und das jedoch in keinster Weise zu den Beschreibungen der Stadt Ginsterburg passt). Auch endet mir das Werk etwas zu abrupt und das Schicksal einiger Protagonisten bleibt letztlich offen.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Ein sehr bewegender Appell für den Frieden

Und später für immer
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Inspiriert von den Tagebüchern seines Großvaters schildert Volker Jarck in „Und später für immer“ wie der Soldat Johann Meinert in den Wirren der letzten Kriegstage eine günstige Gelegenheit nutzt, um ...

Inspiriert von den Tagebüchern seines Großvaters schildert Volker Jarck in „Und später für immer“ wie der Soldat Johann Meinert in den Wirren der letzten Kriegstage eine günstige Gelegenheit nutzt, um von einem unweit seiner Heimat gelegenen Flugplatz, auf dem er stationiert ist, zu fliehen. Nachdem es ihm gelungen ist, sich unentdeckt bis zum Bauernhof seines Onkels und seiner Tante durchzuschlagen, versteckt er sich dort in der Scheune, um auf das Kriegsende zu warten und dann endlich zu seiner Ehefrau und dem neugeborenen Kind, das er noch nie gesehen hat heimzukehren.
Dabei ist die Angst sein ständiger Begleiter – vor den Feldjägern, vor Leuten, die ihn entdecken und verraten könnten oder Fanatikern, die ihn als Deserteur lynchen könnten. In seiner Erinnerung und seinen Tagebüchern blickt Johann aber auch immer wieder auf die Kriegsjahre zurück. In den kurzen, stark verdichteten Kapiteln wird deutlich wie die anfängliche Naivität und Überheblichkeit der jungen Soldaten nach und nach weicht und am Ende angesichts der sicheren Niederlage und der verbrannten Erde nur noch das nackte Überleben als Ziel bleibt.
Mich hat Johanns Geschichte sehr bewegt – obwohl vieles nur kurz umrissen oder knapp angedeutet wird, werden die Gräuel des Krieges durchaus spürbar und das Buch ist ein weiterer Appell dafür, dass alles dafür getan werden sollte, dass sich all dieses Leid nie mehr wiederholt.

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Veröffentlicht am 04.06.2024

Sehr schön erzählter historischer Roman

Der König und der Uhrmacher
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Arnaldur Indridason ist mit "Der König und der Uhrmacher" ein sehr schöner historischer Roman gelungen, der durch seinen besonderen Erzählstil ein wenig an ein Märchen erinnert. Dabei trifft der nach Dänemark ...

Arnaldur Indridason ist mit "Der König und der Uhrmacher" ein sehr schöner historischer Roman gelungen, der durch seinen besonderen Erzählstil ein wenig an ein Märchen erinnert. Dabei trifft der nach Dänemark ausgewanderte isländische Uhrmacher Jon während der Reparatur einer besonderen antiken Uhr im Kopenhagener Königspalast auf den dänischen König Christian. Dieser besucht ihn in der Folgezeit regelmäßig und lässt sich von Jon dessen Familiengeschichte erzählen, die auf tragische Weise vom Vater und Vorgänger des Königs beeinflusst wurde. Dabei wird irgendwann klar, dass die beiden Protagonisten weit mehr verbindet, als aufgrund ihres Standes zu erahnen ist. Parallel zur Wiedenstehung der zerstörten Uhr entsteht so ein Gesamtbild der damaligen Zeit mit ihren teils grausamen Verfehlungen und einigen philosophischen Exkursen über Zeit und Wahrheit. Das Buch wirkt nach und hebt sich deutlich aus der Masse historische Romane ab - eine klar Leseempfehlung nicht nur für Freunde dieses Genres.

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Veröffentlicht am 26.03.2024

Überraschend anders, aber trotzdem gut

Lichtjahre im Dunkel
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Friedrich Anis neuer Roman „Lichtjahre im Dunkel“ beginnt zunächst wie die vorherigen Bände um den früheren Polizisten und jetzigen Privatdetektiv Tabor Süden – ein Mensch verschwindet von jetzt auf gleich ...

Friedrich Anis neuer Roman „Lichtjahre im Dunkel“ beginnt zunächst wie die vorherigen Bände um den früheren Polizisten und jetzigen Privatdetektiv Tabor Süden – ein Mensch verschwindet von jetzt auf gleich aus seinem gewohnten Leben und Süden wird beauftragt den Vermissten zu finden. Dabei beschreibt Ani in seinem ganz eigenen Stil mit besonderer Wortwahl die Lebensumstände der verschwundenen Person. Vor den Augen des Lesers entsteht nach und nach ein immer klareres Bild, das meist gebrochene, vom Schicksal geprägte Lebensläufe zeigt und sich zu einer Milieustudie kleinbürgerlicher Viertel Münchens mit ihren Schattenseiten zusammenfügt.
In diesem Buch verschwindet jedoch nach etwa einem Drittel auch Tabor Süden nahezu komplett aus der Handlung und ich war sehr überrascht, dass er nur am Ende nochmal kurz wieder auftaucht. Die weitere Aufklärung des Falles übernehmen Oberkommissarin Fazira Nazri und ihr Team, wobei die Handlung die meiste Zeit von anderen Hauptpersonen vorangetrieben wird und die Polizeiarbeit nicht im Mittelpunkt steht. Spätestens jetzt wird klar, dass das Buch alles andere als ein klassischer Krimi ist, worauf der aufmerksame Leser schon durch den Vermerk „Roman“ auf dem Cover hätte kommen können. Ebenso wie durch den fehlenden sonst üblichen Zusatz „Ein Fall für Tabor Süden“ auf dem Titel.
Obwohl ich den kauzigen Süden vermisst habe, hat mich der Roman in seinen Bann gezogen – ich konnte in das Milieu der Protagonisten mit all ihrer Tristesse und Traurigkeit tief eintauchen und empfand die Handlung bis zum Ende als sehr spannend. Wer einen klassischen Kriminalroman erwartet, der sollte eine andere Lektüre aus der reichhaltigen Auswahl dieses Genres wählen. Wer jedoch Friedrich Ani kennt und mag oder wer sich auf etwas Neues jenseits altbekannter Pfade einlassen und in die Tiefen der Menschen am Rande der Gesellschaft mitgenommen werden möchte, dem kann ich „Lichtjahre im Dunkel“ absolut empfehlen.

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