Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2025

Freundinnenschaft am Puls der Zeit

Wenn wir lächeln
0

Wenn wir lächeln ist das Debüt von Mascha Unterlehberg, das im Dumont Verlag erscheint.

Jara und Anto lernen sich auf dem Fußballplatz kennen, Anto spielt nicht gut, ist mit Abstand die mutigste Spielerin ...

Wenn wir lächeln ist das Debüt von Mascha Unterlehberg, das im Dumont Verlag erscheint.

Jara und Anto lernen sich auf dem Fußballplatz kennen, Anto spielt nicht gut, ist mit Abstand die mutigste Spielerin auf dem Platz. Ihre Freundschaft wächst über die Jahre zu einer Schwesternschaft, sie teilen Lipgloss, Alkohol und Zigaretten miteinander, sind füreinander da und jeden Abend auf Achse. Doch irgendwann entgleitet ihnen die Kontrolle über ihre Gemeinsamkeiten und das enge Gefüge zerbricht.

Das Buch zeigt die Frauenfreundschadt zwischen Jara und Anto, es beginnt mit einem einschneidenden Ereignis und springt in die Vergangenheit zurück, um die Entwicklung der Figuren, die beide bei ihrer Mutter aufwachsen, näher zu beschreiben. Wir tauchen ein in ihr Leben, sehen, welch unterschiedlichen Milieus beide entstammen und begleiten sie bei ihren gemeinsamen Aktionen, ihren Streifzügen in der Nacht mit Einbrüchen, Alkoholexzessen und ihren Gewaltfantasien. Das mag verstören, doch man kommt den Freundinnen ganz nah, manche Themen werden aber nur angedeutet und es bleibt der Erfahrung oder Fantasie der Leserin überlassen, wie sie diese Lücken füllt oder auslegt. So deutet die Autorin beispielsweise einige Gewaltszenen an, bei denen man nicht genau weiß, wie sehr es die Figuren getroffen hat. Man kann es nur ahnen! Solche Stilelemente mögen gefallen, ich mag es lieber klar, auch wenn es auch hart zu lesen und zu ertragen ist. Auch habe ich lange das Gefühl gehabt, dass Jara in Anto verliebt ist, doch das wurde nie ausgesprochen oder näher thematisiert. Sicher ist aber, dass Neid und Eifersucht eine Rolle spielen.

Die Erzählweise ist besonders, mit kurzen, manchmal recht rohen Sätzen werden Dialoge und Erlebnisse beschrieben, es wird aber auch poetisch, sobald die jungen, schönen Frauen lächeln und es wird eindringlich, sobald die Abwehrfähigkeit im Raum steht.

Für mich stellte sich beim Lesen die Frage, müssen Frauen immer nur lächeln und zeigt dieses Lächeln auch das wahre Empfinden hinter einer schönen Fassade? Nein, denn tief in den Frauen brodelt es und selbst wenn sie lächeln, können sie gegenhalten und kontern. Dieses Rollenbild steckt in uns und lässt sich nicht so leicht abschütteln, es sei denn, man trägt einen Baseballschläger, um auszuteilen, in der Gefahr des Übergriffs.

In ihrem Roman zeigt die Autorin auch die Kampf- und Verteidigungsbereitschaft der neuen Generation von Frauen, sie sich wehren wollen, falls es nötig wird.

Mascha Unterlehberg spiegelt in ihrem Gegenwartsroman durch Anto und Jara die Rolle der Frau. Beide symbolisieren auf moderne Weise den femininen Charakter in einer patriarchalischen Welt, in der Frauen zusammen halten müssen. Sie entwickeln sich zur Frau, lehnen sich gegen das typische Rollenbild in der Gesellschaft auf, wollen auffallen, sind miteinander wie Schwestern verbunden, um sich dann wieder zu verlieren.

Eine bewegende Geschichte über das Einfinden in die Frauenrolle und ein Buch, das nachdenklich macht.

Veröffentlicht am 05.04.2025

Schein und Wirklichkeit des Dorflebens!

Hier draußen
0

Bei DTV erscheint das Debüt von Martina Behm, ihr Roman trägt den Titel "Hier draußen".

Lara und Ingo ziehen mit ihren beiden Kindern aus Hamburg ins (fiktive) holsteinische Örtchen Fehrdorf auf einen ...

Bei DTV erscheint das Debüt von Martina Behm, ihr Roman trägt den Titel "Hier draußen".

Lara und Ingo ziehen mit ihren beiden Kindern aus Hamburg ins (fiktive) holsteinische Örtchen Fehrdorf auf einen renovierungsbedürftigen Hof, sie wünschen sich mehr Ruhe für die Familie. Doch so schön es hier auch ist, schon bald ergeben sich Probleme. Denn Ingo fährt auf seiner Pendelstrecke zur Arbeit nach Hamburg eine weiße Hirschkuh an, laut Jäger Uwe ist der Tod des Tieres ein schlimmes Omen. Der Aberglaube besagt, wer sie tötet, stirbt innerhalb eines Jahres. Gemeinsam erlösen sie das verletzte Tier.

In ihrem Roman stellt uns Martina Behm auf unterhaltsame Weise die ländliche Szenerie, sowie die unterschiedlichen Menschen aus Fehrdorf vor und lässt uns an ihren Erlebnissen, Lebensgeschichten und Gedanken teilhaben. Bei vielen Figuren erfahren wir die Wünsche und Pläne, die sie sich für ihr Leben erhoffen und bekommen im Laufe der Handlung mit, wie sich ihr Leben entwickelt und was aus den Träumen geworden ist. Das erhoffte friedliche Landleben ohne den Stress der Großstadt ist am Ende häufig ebenfalls problembelastet. Es ist ein Trugschluss, dass man hier die heile Welt vorfindet.


Bei diesem Roman habe ich etwas gebraucht, um mich einzulesen und die vielen Figuren musste ich erst einmal richtig einordnen können, um dem Fluss der Geschichte gut folgen zu können. Doch dann hat mich die Story immer mehr interessiert, denn die Figuren hauchen dem Ganzen Leben ein.

Lara wurde mir sympathisch und immer vertrauter. Sie arbeitet kaum noch als Grafikerin und kümmert sich statt dessen um die Kinder und die Renovierung des Hofs. Das Leben auf dem Land ist eintöniger, aber häufig genauso problembelastet wie in der Stadt. Neue Bewohner werden nicht gleich akzeptiert, bei Dorffesten lernt man sich näher kennen und gewinnt nähere Bekanntschaften.

Wir lernen den alleinstehenden Jäger Uwe kennen, der abergläubisch ist und den Hof seiner verstorbenen Eltern weiter führt.

Schweinezüchter Enno führt den Betrieb nach alter Tradition, seine Frau Tove hat ganz andere Vorstellungen vor der Zukunft des Hofes. Söhnke und Maggie mästen Hähnchen, ihre Tochter studiert, fühlt sich aber doch als Landwirtin wesentlich wohler. Jutta und Armin sind die Letzten der einst großen Kommune im Dorf, sie sind hier heimisch geworden.

Der Erzählton ist eher sachlich gehalten, die Beschreibungen der Figuren und Schwierigkeiten im ländlichen Raum wirken authentisch und verbergen nicht, welche Nachteile das Landleben mit sich bringt. Denn auch die Alteingessenenen haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen, Kleinbauern fürchten um ihre Existenz, die Jugend zieht es in die Städte, die Hofnachfolge steht in den Sternen.


Im Ganzen wirkt die Geschichte auf mich recht düster und beklemmend, wobei daran besonders die Paarprobleme, Unfälle mit Tieren und Gefahr durch Güllegruben ihren Anteil haben. Der Autorin ist es gelungen, durch die ständigen Wechsel der Perspektive viele interessante Aspekte des Landlebens sichtbar zu machen und mit den Figuren zu einer runden Geschichte zu verflechten.


Ein authentischer Blick auf das Landleben und ein aussagekräftiger Roman über die Dorfgemeinschaft!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2025

Guter Einstieg für Leseanfänger!

Milli Meerjungfee legt los
0

Das Erstlesebuch Milli Meerjungfee legt los von Linda Sturm mit Illustrationen von Angela Glökler erscheint bei Penguin Kinderbuch. Es ist der sechste Band der Reihe Einfach selbst lesen: 1. Lesestufe.

Auf ...

Das Erstlesebuch Milli Meerjungfee legt los von Linda Sturm mit Illustrationen von Angela Glökler erscheint bei Penguin Kinderbuch. Es ist der sechste Band der Reihe Einfach selbst lesen: 1. Lesestufe.

Auf dem Stundenplan von Meerjungfrau Milli steht eine Wassertanz-Stunde, doch darauf hat Milli gar keine Lust. Das ist einfach nur langweilig und Milli hat eher Lust auf ein echtes Abenteuer. Zum Glück bekommt sie eine Feen-Ausrüstung geschenkt, die bis eintausend Meter wasserfest sein soll. Das muss sie gleich ausprobieren und soll als echte Meerjungfee auch gleich einen ersten Wunsch erfüllen. Doch die Zauberei als richtige Fee ist gar nicht so leicht und hat ihre Tücken, vor allem für kleine Heringe...

Dieses Buch bietet Erstlesern eine lustige Geschichte von Milli und ihrem Freund Mo, die sich auf die Suche nach dem verschwundenen Hering Nr. 8 machen und dabei spannende Abenteuer erleben.

Das erste Kapitel ist die Einführung in die Geschichte, sie sollte vorgelesen werden. Als kleine Mitleseaufgabe werden die Namen Milli, Mo und Fee im Text eingebunden, sie sind besonders gut erkennbar weil sie farbig hervorstechen. Die weiteren Kapitel enthalten kurze Sätze zum Selberlesen, die in großer Erstleseschrift in Druckbuchstaben gut lesbar ausgeführt werden.

Die Suche nach dem kleinen Hering durchzieht die ganze Geschichte und beschreibt ein Abenteuer mit einem Fischer und einem Hai. Sehr deutlich hervorgehoben werden die Dialoge in Form von Sprechblasen, was mir sehr gut gefällt.

Die Texte enthalten auch einige Reime, so macht das Lesen auch richtig Spaß. Einen Kritikpunkt habe ich mit dem für mich ungewöhnlichen Satz "Der Stab tut nicht." in einer Sprechblase. Das hätte man auch besser formulieren können.

Die farbigen Illustrationen wirken sehr lebendig und sind niedlich anzusehen, sie begleiten die Texte auf verständliche Weise.
Am Ende des Buches befindet sich ein einfaches Lesequiz, das Inhalte aus dem Text abfragt.

Diese abenteuerliche Geschichte weckt Interesse zum Selberlesen und unterhält mit seinen schönen Illustrationen und liebenswerten Figuren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.03.2025

Lehrreiches Sachbilderbuch, das Interesse weckt!

Tricksen, Täuschen, Tarnen
0

Im Tulipan Verlag erscheint für Kinder ab vier Jahren das Sachbilderbuch Tricksen, Täuschen, Tarnen von Babette Pribbenow mit Illustrationen von Rinah Lang.

Tiere haben erstaunliche Tricks auf Lager, ...

Im Tulipan Verlag erscheint für Kinder ab vier Jahren das Sachbilderbuch Tricksen, Täuschen, Tarnen von Babette Pribbenow mit Illustrationen von Rinah Lang.

Tiere haben erstaunliche Tricks auf Lager, um sich vor Feinden zu schützen oder um sich selbst ungesehen an ihre Beute heran zu machen. Manche erwecken mit ihrem Äußeren den Eindruck, ein anderes, gefährliches oder ungefährliches Tier zu sein. Diese Täuschung nennt man Mimikry und findet sie sowohl bei Beutetieren, als auch bei Räubern.

Die Schwebfliege sieht zur Abschreckung einer gefährlichen Wespe täuschend ähnlich und entgeht damit einigen Feinden. Der Seeteufel sieht auf dem Meeresboden aus wie ein mit Algen besetzter Stein und lockt mit seiner Angel Beutetiere heran.

Das Chamäleon ist ein Meister der farblichen Verwandlung und passt sich geschickt an seine Umgebung an. Diese Form der Tarnung nennt man Mimese und wird auch vom Fetzenfisch und vom Polarfuchs genutzt.

Manche Tiere sind besonders auffällig und farbprächtig und deuten damit auf ein wehrhaftes Verhalten hin. Ein Beispiel dafür sind die Pfeilgiftfrösche im Amazonas-Regenwald.

Richtig gut gefallen mir die Abbildungen der Tiere und Pflanzen, sie kommen den Originalen sehr nahe. Geschickt vermittelt die Farbwahl des Hintergrundes den natürlichen Eindruck von Blumenwiese, Regenwald, Unterwasserwelt oder verschneiter Landschaft.

Dieses Buch stellt viele Tarn- und Verwandlungskünstler aus dem Tierreich vor, die zu ihrem Schutz oder zum besserem Beutefang bestimmte Tricks entwickelt haben. Man erfährt interessante Fakten zu Zweihöcker-Spinnenfressern, Glühwürmchen, Feuerfisch oder Oktopuss, manche Inhalte sind sehr einzigartig und erfordern biologisches Interesse und Wissen, was bei Kleinkindern noch nicht entsprechend vorliegt.

Vom inhaltlichen Anspruch her erscheinen mir die Texte für die Altersklasse ab vier Jahren etwas hoch gegriffen. Besser gelingt die Wissensvermittlung durch die den naturnah gestalteten Bilder, sie vermitteln optisch die speziellen Tarn- und Täuschungstricks recht eindeutig.

Ein thematisch gut aufbereitetes Sachbuch über Mimikry und Mimese, die an mehreren Beispielen aus dem Tierreich interessant erläutert wird. Um diese Fakten gut zu verstehenen, würde ich die Altersklasse allerdings um einige Jahre nach oben korrigieren.

Veröffentlicht am 19.03.2025

Lustiges Vorleseabenteuer

Känguru Knickohr – Huhu, Känguru! Was hörst denn du?
0

Bei Penguin Junior erscheint Britta Sabbags Bilderbuch "Känguru Knickohr – Huhu, Känguru! Was hörst denn du?" mit lustigen Illustrationen von Igor Lange.

»Aufwachen, mein Schatz!«, ruft Mama Känguru ...

Bei Penguin Junior erscheint Britta Sabbags Bilderbuch "Känguru Knickohr – Huhu, Känguru! Was hörst denn du?" mit lustigen Illustrationen von Igor Lange.

»Aufwachen, mein Schatz!«, ruft Mama Känguru am Morgen. Doch Knickohr, das kleine Känguru, hört anscheinend nicht und kuschelt weiter. So geht es den ganzen Tag über, alles was Mama Känguru sagt, versteht Knickohr völlig anders. Und das hat einen guten Grund, es hört nur, was es hören will, denn damit wird der Tag ganz nach Knickohrs Geschmack.

Britta Sabbags gut verstängliche und schön gereimte Texte rund um Alltagserlebnisse von Knickohr machen das Buch für Klein und Groß zu einem humorvollen Leseerlebnis. Kleinkinder können sich gut in das Kängurukind hineinversetzen und merken natürlich, dass es nicht hören will. Jeder Frage oder Aufforderung von Mama Känguru steht eine "unerwartete" Antwort von Knickohr gegenüber. Auch an die Kinder wird stets die Frage danach gestellt, was Knickohr wohl verstanden hat. So müssen die Kinder sich überlegen, was Mama wohl eigentlich gemeint hat.
Man muss einfach schmunzeln, wie Knickohr seine Mama auszutricksen versucht, um seine Wünsche durch zu setzen und es ist wohltuend zu sehen, wie liebevoll sich Mama diese kleinen Frechheiten gefallen lässt.


Die bunten Bilder zeigen erkennbare Mimik, was mir sehr gefällt und sie verbreiten gute Laune, indem sie die Aktivitäten von Knickohr und seinen Freunden sichtbar machen. Da wird gehopst, gesprungen, gegessen, gekuschelt und eine Kissenschlacht gemacht, dass es eine wahre Freude ist.

Ein lustiges Buch zum Vorlesen und gemeinsam Entdecken der vielen kleinen Hörfehler vom Känguru!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere