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Veröffentlicht am 20.08.2025

Düstere Atmosphäre und feministische Themen

Glory of Broken Dreams (Devil's Dance 1)
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Ruby Braun lädt uns mit ihrem Auftakt der Devil's Dance Reihe in eine düstere, magische Welt voller Geheimnisse, Hoffnung und Romantik ein. Das Hotel Lichtenstein als Handlungsort verkörpert dabei all ...

Ruby Braun lädt uns mit ihrem Auftakt der Devil's Dance Reihe in eine düstere, magische Welt voller Geheimnisse, Hoffnung und Romantik ein. Das Hotel Lichtenstein als Handlungsort verkörpert dabei all das, während dort zu Beginn der Handlung freie Plätze im Varietéprogramm ausgeschrieben werden. Unsere Protagonistin Charlotte erhält eine einmalige Chance, ihrem großen Traum einer berühmten Tänzerin näherzukommen und ergreift diese trotz der Warnung ihrer Schwester Wanda.

Braun schafft es, mit magischer Sprache eine düstere Atmosphäre zu schaffen, die von Beginn an einen Hauch Gefahr verströmt und eine knisternde Spannung erzeugt. Während ich direkt in einen flüssigen Lesefluss gekommen bin, hat mich die Magie des Hotels zunächst etwas überfordert. Hier denke ich, muss man sich einfach reinfallen lassen und Gegebenheiten akzeptieren, statt sie wirklich zu verstehen. Ich empfinde diesen Aspekt sowohl als Stärke, da so die geheimnisvolle Atmosphäre aufrecht erhalten wird, sowie auch als kleine Schwäche, da ich immer alles verstehen und durchblicken möchte.

Die Zusammensetzung der Charaktere und die damit angesprochenen Themen sind für mich eine weitere große Stärke des Buches. Wir erleben durch Charlotte und Willem, der als Showboxer im Hotel arbeitet, eine Slow-Burn-Romance, bei der ich mitfühlen konnte, aber auch die Beziehungen zu den anderen divers besetzten Charakteren hat mich berührt. Besonders die komplexe Schwestern-Beziehung zwischen Charlotte und Wanda und die entstehenden Frauenfreundschaften und die Solidarität unter den Varietétänzerinnen fand ich gut umgesetzt. Durch die verschiedenen Lebensrealitäten dieser werden intersektional feministische Themen angesprochen, was mich begeistert hat und wovon ich mir im zweiten Band noch mehr erhoffe.

Die Geschichte endet mit vielen offenen Fragen, die mich gespannt auf Band 2 warten lassen, der Wandas Perspektive nach dem Cliffhanger mehr in den Fokus rückt.

Glory of Broken Dreams ist mit den angesprochenen Themen meinem Empfinden nach nochmal ein wenig komplexer und tiefgehender als die Academy of Dream Analysis, die ich bereits sehr geliebt habe. Ruby Braun ist ein glorreicher Auftakt ihrer neuen Devil's Dance Reihe gelungen, den ich sehr gerne weiterempfehlen möchte. Ich vergebe aufgrund meiner oben beschriebenen Ambivalenz sehr gute 4,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Vergangenheit und Schuld

Unter Grund
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In "Unter Grund" von Annegret Liepold begleiten wir Franka durch ihre Vergangenheit, ihre Jugend, lernen ihre familiären Verhältnisse kennen und mit welchen inneren Konflikten sie zu kämpfen hat. Und wie ...

In "Unter Grund" von Annegret Liepold begleiten wir Franka durch ihre Vergangenheit, ihre Jugend, lernen ihre familiären Verhältnisse kennen und mit welchen inneren Konflikten sie zu kämpfen hat. Und wie sie schlussendlich immer weiter in die rechte Szene hineingerät.

Dabei springt die Erzählung in der Zeit, was mir den Zugang zur Geschichte anfangs etwas schwer gemacht hat, und doch untermauert der Aufbau die inhaltliche Ebene der Radikalisierung Frankas so gut. Die Geschichte beginnt ganz ruhig und wir werden langsam in Frankas Leben eingeführt. Während wir als Lesende bereits mitbekommen, dass etwas unter der Oberfläche brodelt, beschreibt Liepold mit feinem Auge zunächst eher Beobachtungen im Außen. Erst nach und nach dringen wir weiter in Frankas Innenwelt vor und müssen dann auch schon miterleben, wie sich Franka immer stärker radikalisiert. Was sie selbst scheinbar nüchtern und unbeteiligt wahrzunehmen scheint. Außerdem erleben wir auch durch die Zeitsprünge Frankas gegenwärtige Scham gegenüber ihrer Vergangenheit und ihre Suche nach Schuld.

Liepolds Schreibstil hat mir mit seiner Bildhaftigkeit und zum Teil poetischen Sprache als Gegenpol zu den durchaus harten und empörenden Inhalten gut gefallen. Manche Beschreibungen waren mir allerdings zu ausführlich und einzelne Passagen deshalb leider etwas langatmig.

Eine meiner Hoffnungen an das Buch, nämlich die Frage, wie wir Menschen vom rechten Rand zurückgewinnen können, ist dabei erwartungsgemäß nur bedingt beantwortet worden. Es gibt immer Fälle, wie der Frankas, in denen dies möglich ist, aber ebenso ist das Gegenteil (auch erfahrungsgemäß) möglicherweise wahrscheinlicher. Trotzdem ermöglicht mir die Geschichte am Ende einen - zumindest kleinen - hoffnungsvollen Blick, dass Engagement Wirkung zeigen kann.

Vielleicht waren meine Erwartungen an Liepold aufgrund ihres Studiums der Politikwissenschaften etwas zu hoch, sodass ich mir eine Auseinandersetzung auf einer weiteren Ebene gewünscht hätte. So habe ich persönlich leider nicht allzu viel Neues mitnehmen können. Nichtsdestotrotz finde ich "Unter Grund" auch genau so, wie es ist, sehr gelungen und empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Unterhaltsame Geschichte über Emanzipation

The Freedom Clause
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In “The Freedom Clause” von Hannah Sloane begleiten wir Daphne und Dominic, die nach drei Jahren Ehe ihre Beziehung öffnen, weil sich eine durch den Alltag eingeschlichene (sexuelle) Unzufriedenheit zwischen ...

In “The Freedom Clause” von Hannah Sloane begleiten wir Daphne und Dominic, die nach drei Jahren Ehe ihre Beziehung öffnen, weil sich eine durch den Alltag eingeschlichene (sexuelle) Unzufriedenheit zwischen ihnen breitgemacht hat. Nachdem Dominic Daphne zunächst zu dem Experiment überreden muss (schonmal sehr uncool), legen die beiden Regeln fest, wie es vielleicht doch funktionieren könnte: nur eine Nacht im Jahr, nie mit derselben Person, der Partnerperson nichts darüber erzählen und das für die nächsten fünf Jahre. Ob und wie die beiden sich durch diese Erfahrungen möglicherweise verändern, wird anschaulich und sehr unterhaltsam dargestellt.

Sloanes Schreibstil ist leicht und gut zugänglich. Erzählerisch liegt der Hauptfokus zwar schon auf der weiblichen Protagonistin, trotzdem erfahren wir auch einiges aus Dominics Wahrnehmung.
Eine Besonderheit und für mich ein Highlight fand ich die Einbindung von Rezepten, über welche Daphne ihre Erfahrungen auf einem anonymen Blog verarbeitet. An der Stelle hätte ich das ein oder andere Rezept auch sehr gerne ausprobiert nachzukochen, allerdings ist leider keines dabei, welches ich ohne Abwandlung hätte kochen können (alleine möglicherweise der Smoothie mit Joghurt-Alternative und die Salsa).

Das Buch spielt über den Zeitraum von fünf Jahren, für welchen auch die Absprache getroffen wurde, sodass ich Daphne und Dominic intensiv kennenlernen und die Entwicklung der beiden gut mitverfolgen kann (Daphnes ist dabei sehr viel prägnanter und schöner anzusehen). Daphne schafft es immer mehr, für ihre Bedürfnisse einzustehen und diese zu kommunizieren, Grenzen zu setzen und auch ihre sexuelle Selbstbestimmung zu erlangen. (Zu Dominic sage ich an dieser Stelle nichts weiter.)

Insgesamt habe ich die Handlung mit viel Spannung und Wohlwollen verfolgt und in kürzester Zeit weggelesen. Leider waren die Entwicklungen für mich allerdings nicht allzu überraschend, sodass es nicht zu einem Highlight gereicht hat.
Trotzdem ist “The Freedom Clause” ein durchaus inspirierendes und überaus unterhaltsames Werk, das wichtige Thematiken anspricht und somit mit 4,5 Sternen eine klare Empfehlung von mir bekommt.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Spannend und klebrig wie Honig

Die Honeys (Erstauflage mit gestaltetem Farbschnitt): Ein queerer Mystery-Thriller für Fans von Pretty Little Liars
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“Die Honeys” von Ryan La Sala ist ein queerer Jugend-Mystery-Thriller. Wir begleiten Mars nach dem Tod der Zwillingsschwester an die Aspen-Sommerakademie, um Antworten über Caroline und ihren plötzlichen ...

“Die Honeys” von Ryan La Sala ist ein queerer Jugend-Mystery-Thriller. Wir begleiten Mars nach dem Tod der Zwillingsschwester an die Aspen-Sommerakademie, um Antworten über Caroline und ihren plötzlichen Tod zu finden. Dort muss sich Mars den binären Genderrollen beugen und ins Haus der Jungen ziehen, fühlt sich aber viel stärker von den mysteriösen und schönen Mädchen, den Honeys, hingezogen, zu denen auch seine Schwester gehörte. Und die Suche bringt gefährliche Geheimnisse ans Licht, die Mars’ Verstand und Vertrauen mehrfach erschüttern.

Ich mag den Schreibstil La Salas in seiner Einfachheit und der Atmosphäre, die er erzeugt, sehr. Die Spannung war von Anfang an da, auch wenn für mich im Verlauf der Geschichte die ein oder andere Länge gegeben war. Dies lag vor allem an den Abläufen an der Akademie, die für mich nicht immer ganz passend und nachvollziehbar waren, stellt aber auch meinen einzigen Kritikpunkt dar.

Durch verschiedene Charaktere wird in dem Roman immer wieder Queerfeindlichkeit aufgegriffen, mit der man als lesende Person auf jeden Fall umgehen können muss. Ich finde die Thematik aber gut umgesetzt, da Mars als genderfluide Person diese immer wieder benennt, einordnet und sich dagegen wehrt.

Die Thematik rund um die Imkerei und die Bienen fand ich sehr spannend. Grundsätzlich können mich Bienen sehr begeistern und es wird auch viel auf deren (Sozial-) Verhalten eingegangen. Die Metaphorik dessen, die im Verlauf immer deutlicher wird, hat die Geschichte zunächst gruselig erscheinen lassen, konnte mich durch ihre Vielschichtigkeit aber schlussendlich begeistern und zum Nachdenken anregen.

“Die Honeys” ist ein Roman, der mich auf vielen verschiedenen Ebenen begeistern konnte durch Spannung, Grusel, Freundschaft, Bienen, Trauer (-bewältigung), Queerness und ein klein wenig Romantik. Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Spannende Ergänzung abseits des Piratensettings

Desert Prince
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“Desert Prince” von Lilly C. Zwetsch ist eine Novelle im Universum der "Warrior of the Sea”-Trilogie und kann nach Band 2 der Reihe gelesen werden. Es handelt sich um eine Shifter-Romance mit einer guten ...

“Desert Prince” von Lilly C. Zwetsch ist eine Novelle im Universum der "Warrior of the Sea”-Trilogie und kann nach Band 2 der Reihe gelesen werden. Es handelt sich um eine Shifter-Romance mit einer guten Portion Spice.

Wir begleiten Asher, den wir in The Rivals Race kennenlernen und welcher sich zum Ende der Handlung von der Piratencrew lösen musste. Nun jagt er seinen inneren Dämonen nach, um einen Schwur zu begleichen, den er vor Ewigkeiten abgelegt hat. Auf seinem Weg lernt er Kitara kennen, die ihn fasziniert, aber auf keinen Fall sein Geheimnis erfahren darf.

Mir hat sehr gefallen, dass wir Asher in dieser Kurzgeschichte nochmal besser kennenlernen und seiner Geschichte der Raum gegeben wird, ausführlich erzählt zu werden. Ich hatte ihn schon in The Rivals Race lieb gewonnen und seine kriegerische Art, vor allem aber sein ehrenhafter Charakter und Gerechtigkeitssinn haben dies nur bestärkt.
Kitara finde ich ebenfalls einen sehr liebenswerten Charakter. Die beiden ergänzen sich gut und auch wenn es nicht von Anfang an harmonisch mit ihnen läuft, spürt man die Verbindung und den gegenseitigen Respekt der beiden sofort.

Ich mochte die Geschichte sehr und fand sie definitiv bereichernd für die gesamte Reihe, auch wenn sie nicht unbedingt für die Handlung in Band 3 notwendig zu kennen ist. Die Länge mit ca. 150 Seiten war auch angenehm und hat insgesamt gut gepasst. Von mir eine klare Empfehlung!

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