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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2025

Bereit für ihre Überzeugung zu sterben

Revolutionäre des Glaubens
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Wie kann es sein, dass Christen andere Christen grausam hinrichten – und dabei noch glauben, im Namen Gottes zu handeln? Diese Frage stellt sich beim Lesen dieses Buches über die Täufer im 16. Jahrhundert. ...

Wie kann es sein, dass Christen andere Christen grausam hinrichten – und dabei noch glauben, im Namen Gottes zu handeln? Diese Frage stellt sich beim Lesen dieses Buches über die Täufer im 16. Jahrhundert. Besonders erschütternd ist, wie Reformatoren, die selbst erst kurz zuvor gegen die Staatskirche aufbegehren, nun mit Härte gegen Andersgläubige vorgehen.

Das Buch erzählt eindrucksvoll von mutigen Männern und Frauen, die wegen ihres Glaubens verfolgt, eingesperrt, verbannt oder gar getötet werden. Trotz aller Grausamkeit breitet sich die Bewegung rasant aus.

Der Autor kennt die Geschichte der Schweizer Täufer sehr gut. Er zeichnet jedoch keine ausführlichen Biografien der Märtyrer, sondern zeigt die historischen Entwicklungen anhand prägender Persönlichkeiten und Ereignisse. Wer also nur auf fesselnde Lebensgeschichten hofft, könnte etwas enttäuscht sein. Stattdessen bietet das eher wissenschaftlich gehaltene Buch wertvolles historisches Wissen über den couragierten Einsatz der Täufer für die Freiheit, selbst zu entscheiden, was sie glauben. Doch es enthält auch einige spannende Geschichten, die teilweise so außergewöhnlich sind, dass sie sich lesen wie ein Roman.

Der Autor beschreibt Lebensläufe, zitiert Quellen, fügt passende Bibelstellen hinzu, und veranschaulicht das Gesagte mit abgedruckten Bildern. Er ist davon überzeugt, dass die Erfahrungen dieser Menschen für unsere Zeit wichtig und relevant sind, denn Religionsfreiheit und Toleranz sind auch heute wichtige Themen.

Der Text ist zwar anspruchsvoll und manchmal wegen der vielen Namen schwer zu folgen, aber die geschilderten Schicksale berühren und fesseln. Obwohl der Autor Sympathie für die Täufer zeigt, verschweigt er nicht ihre Fehler, wodurch das Buch ausgewogen und glaubwürdig wirkt.

Fazit: Ein lesenswertes und bewegendes Buch über eine oft vergessene Glaubensbewegung, das von Menschen erzählt, die bereit sind, ihren Besitz, ihre Familie und sogar ihr Leben für ihren Glauben hinzugeben. Es regt zum Nachdenken über Einigkeit und Streitigkeiten unter Christen an, über Toleranz und Religionsfreiheit. Empfehlenswert für alle, die sich für Geschichte und für mutige Menschen mit Überzeugung interessieren.

Veröffentlicht am 05.05.2025

49x Gottes Treue

Diospi Suyana - Ein Experiment mit Gott
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Nach über zwanzig Jahren zieht Klaus-Dieter John Bilanz. Der Mediziner und Gründer von Diospi Suyana, einem modernen Krankenhaus in den Bergen Perus, berichtet in diesem Buch über Wunder, die er und seine ...

Nach über zwanzig Jahren zieht Klaus-Dieter John Bilanz. Der Mediziner und Gründer von Diospi Suyana, einem modernen Krankenhaus in den Bergen Perus, berichtet in diesem Buch über Wunder, die er und seine Mitarbeiter in den letzten Jahren erlebt haben. Er erzählt von neuen Bauprojekten, von Widerstand seitens der Behörden und von richtungsweisenden Gesprächen mit Verantwortungsträgern.

Das Cover könnte ein Kinder- oder Jugendbuch vermuten lassen, doch dieses Buch richtet sich an Erwachsene und ist eine Sammlung von bewegenden Geschichten über Gottes Wirken in der heutigen Zeit. Anfangs wird der Leser aufgefordert, sich auf ein Experiment einzulassen. Wie zuverlässig ist Gott? Wirkt er auch heute noch Wunder? „Ob die jahrtausendealten Versprechen Gottes auch dann gelten, wenn wir nicht mehr ein noch aus wissen?“

Anhand von vielen kurzen Geschichten erzählt der Autor, wie er Gottes Handeln erlebt. Seine Erzählung beginnt mit der vielleicht schwierigsten Zeit für ein Krankenhaus, die Covid-Pandemie, und geht weiter bis zur jetzigen Zeit. Er erzählt von wertvollen Kontakten und von den Menschen, die dieses vorbildliche Krankenhaus für die Ärmsten unterstützen. Ein besonderes Anliegen ist ihm die geistliche Stärkung der Peruaner. Neben Radiosendungen, Schulunterricht und Kinderclubs organisiert der Autor mit bangem Herzen ein riesiges Jugendfestival.

Das Buch lässt sich leicht lesen. Der Erzählstil ist angenehm und viele der Geschichten sind spannend und laden zum Staunen ein. Sie machen deutlich, dass es hier nicht um das geht, was Menschen tun können. Immer wieder geschieht das Unwahrscheinliche, so oft, dass es sich dabei wohl nur um Wunder handeln kann.

Einige Passagen sind nicht so fesselnd, da die hohen Persönlichkeiten den meisten Lesern wahrscheinlich nicht bekannt sein werden. In diesen Kapiteln kann der Eindruck entstehen, dass es auf menschliche Auszeichnungen ankommt. Aber dann kommt wieder ein Bericht über ein Wunder im Alltag, sodass der Blick wieder auf Gott gerichtet wird.

Dieses vierte Buch des Autors über das beeindruckende Werk kann gut ohne Kenntnisse der anderen Bände gelesen werden. Das Ziel des Buches, durch Erlebnisse aufzuzeigen, dass Gott nicht nur existiert, sondern auch Anteil an unserem Leben nimmt, ist auf jeden Fall gelungen!

Fazit: Ein spannendes und lesenswertes Buch über Gottes Wirken in Peru, das deutlich macht wie viel Gott aus dem Leben eines Menschen machen kann, der sich ihm ganz zur Verfügung stellt. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 24.03.2025

Kurze Rede, langer Sinn

Ohne Himmel sind wir unbedacht
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Die Gesprächsrunde ist eröffnet. Einer der Teilnehmer setzt an, um seine Weisheiten zum Besten zu geben. Nach zehn Minuten weiß noch immer niemand, was er eigentlich sagen will. Wie oft das vorkommt! In ...

Die Gesprächsrunde ist eröffnet. Einer der Teilnehmer setzt an, um seine Weisheiten zum Besten zu geben. Nach zehn Minuten weiß noch immer niemand, was er eigentlich sagen will. Wie oft das vorkommt! In einer Legion von Wörtern findet sich nur wenig Sinn.

Aphorismen sind das Gegenteil. Hier wird Sprache sehr präzise verwendet, sodass nur wenige Wörter eine bedeutende, tiefe Aussage haben. Eine Wahrheit, die bisher nur irgendwie gespürt wurde, findet in knapper Sprache Ausdruck. Vier oder fünf Wörter, ein Wortspiel, vielleicht auch einige kurze Sätze, laden zum Nachdenken ein.

Solche Sinnsprüche finden sich auf den Seiten dieses Buches. Mal ist es nur ein Gedanke pro Seite, mal sind es vier. Aufgelockert wird das Buch durch schlichte Zeichnungen, deren Sinn sich erst beim längeren Hinschauen entfaltet. Eine schöne Ergänzung ist das Lesebändchen.

Diese Sammlung von Aphorismen ist kein Buch zum schnellen Durchlesen. Immer mal wieder ein weiser Satz ist hier vielleicht die richtige Dosierungsempfehlung. Es geht um den Himmel, um Nachfolge, um das Verhältnis zwischen Mensch und Gott und um viel mehr.

Fazit: Kurz und prägnant, bietet dieses Buch viel Stoff zum Nachdenken. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 24.03.2025

Besser führen

The Secret Sauce
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Burger ist definitiv nicht gleich Burger! Nicht nur Liebhaber dieses Gerichts wissen, dass es sehr große geschmackliche Varianten gibt. Der Unternehmer und Business-Coach Bill Staub ist überzeugt: Es kommt ...

Burger ist definitiv nicht gleich Burger! Nicht nur Liebhaber dieses Gerichts wissen, dass es sehr große geschmackliche Varianten gibt. Der Unternehmer und Business-Coach Bill Staub ist überzeugt: Es kommt auf die Sauce an! Die Mischung unterschiedlicher Zutaten kann für ein einzigartiges Geschmackserlebnis sorgen. Und dasselbe trifft auch auf Management zu. Es gibt einige wertvolle Komponenten, also Eigenschaften eines Leiters, die für einen erfolgreichen Führungsstil sorgen. Sechs dieser Charaktermerkmale werden hier entfaltet.

Der Autor versteht sich als Lernender. Als ihm klar wird, dass sich Führungsstile stark unterscheiden können, beschließt er herauszufinden, was einen guten Leiter ausmacht. Er sucht sich ganz bewusst Vorbilder, die Verantwortung für andere Menschen tragen, und macht sich auf die Suche nach den Prinzipien, die ihr Unternehmertum kennzeichnen. Aus diesen Zutaten bastelt er seine „secret sauce“ zusammen.

Dieses Buch ist sehr leicht zu lesen und abwechslungsreich gestaltet. Zu jeder der sechs Zutaten gibt es ein Kapitel. Nach einem Einstieg ins Thema sind Auszüge aus einem Interview mit einer erfolgreichen Person abgedruckt. Die Gedanken werden anschließend anhand von mehreren Beispielen aus dem Leben vertieft. Dabei verrät der Autor auch viel über seine eigenen Erfahrungen und Herausforderungen, wodurch er nahbar und authentisch wirkt. Jedes Kapitel endet mit einer Zusammenfassung. Besonders hilfreich ist die konkrete Aufforderung zur Übertragung der Inhalte auf die eigene Situation. Im Anhang sind die sieben Interviews vollständig abgedruckt.

Gemeinsam ist den Interviewpartnern, dass sie ihren christlichen Glauben bewusst leben wollen, auch wenn das ihnen Nachteile einbringt. Ihre Zeugnisse sind beeindruckend und herausfordernd. Schade ist, dass es recht viele Wiederholungen gibt. Das betrifft vor allem die Interviews. Sie sind zum einen komplett abgedruckt, im jeweiligen Kapitel sind sie in Auszügen zu lesen, dazu kommen Zitate und Zusammenfassungen des Autors, sodass einige Aussagen mehrmals wortgleich wiederholt werden.

Fazit: Sechs Zutaten werden hier beschrieben, die zusammengenommen eine besondere Sauce ergeben, die zu einem besseren Leitungsstil führt. Das ist nicht nur für Unternehmer interessant, sondern für jeden, der mit Menschen zu tun hat!

Veröffentlicht am 16.03.2025

Zurück ins Leben

Das Spiel zwischen Licht und Schatten
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Es ist kaum auszuhalten. Die Enge. Der stechende Geruch nach Blut und Schweiß.

Britische Soldaten bergen die verborgenen Opfer eines Nazis. Der Kunsthändler hatte einen geheimen Kerker im Keller seiner ...

Es ist kaum auszuhalten. Die Enge. Der stechende Geruch nach Blut und Schweiß.

Britische Soldaten bergen die verborgenen Opfer eines Nazis. Der Kunsthändler hatte einen geheimen Kerker im Keller seiner Villa.

Eine schwer verwundete Frau ist die einzige Überlebende. Maggie ist noch jung, doch es scheint, dass sie nach diesem schrecklichen Erlebnis nichts mehr vom Leben zu erwarten hat. Sie war monatelang in einem finsteren Loch eingesperrt. Ihre einzigen Besucher waren da, um sie zu foltern. Nun ist sie zwar frei, doch ihre äußeren und inneren Verletzungen machen ihr schwer zu schaffen. Dazu kommen die Befragungen durch den Geheimdienst. Vielleicht am schlimmsten ist das Gefühl, dass man ihr nicht glaubt.

Dieses Buch zeichnet den Weg dieser Frau zurück ins Leben. Am schwersten wiegt für sie das Gefühl, von Gott im Stich gelassen worden zu sein. Von ganzem Herzen wollte sie ihm dienen. Große Opfer nahm sie auf sich, beseelt von dem aufrichtigen Wunsch, das Richtige zu tun. Gott müsste sie dafür doch zumindest mit Gesundheit und einem erfüllten Leben belohnen, meint sie.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Maggies verzweifelte Kämpfe mit Gott. Ihre Enttäuschung und Wut, ihr Versuch, eigene Lösungen zu finden, ihre Leere und Sehnsucht. Ihre Hoffnungslosigkeit und Suche nach einem erfüllten Leben werden eindrücklich geschildert und lassen den Leser mitfühlen. Unerwartete Wendungen und Begegnungen mit Menschen aus Maggies Vergangenheit sorgen für Spannung, sodass es schwerfällt, mit dem Lesen aufzuhören. Schade ist nur, dass der Leser wenig über Maggies Kindheit, Jugend und Familie erfährt. So bleibt ihre Figur fast zweidimensional und es fällt ohne dieses Hintergrundwissen manchmal schwer ihre Gefühle und Entscheidungen nachzuvollziehen.

Die Eindrücke von den Nachkriegsjahren in Amerika und der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit mitsamt den Nürnberger Prozessen in Deutschland sind sehr interessant. Besonders beeindruckt die Tiefe, mit der die Motive der Nebencharaktere geschildert werden, etwa die eines alten Freundes oder des Agenten, der Maggie befragt.

Fazit: Von Anfang bis Ende weist diese Erzählung auf einen Gott hin, der zwar nicht immer leicht zu verstehen ist und nicht alle unsere Wünsche erfüllt, aber doch gut und vertrauenswürdig ist. Mit lebendig gezeichneten Figuren und einer spannenden Handlung ist dieser Roman sehr empfehlenswert!