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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2025

Fertigkeiten verbessern - so geht es!

Die Kunst des klugen Streitgesprächs
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In einer Welt, in der Diskussionen oft in hitzige Debatten ausarten, bietet Reto U. Schneider mit seinem Buch "Die Kunst des klugen Streitgesprächs" einen erfrischend humorvollen und zugleich tiefgründigen ...

In einer Welt, in der Diskussionen oft in hitzige Debatten ausarten, bietet Reto U. Schneider mit seinem Buch "Die Kunst des klugen Streitgesprächs" einen erfrischend humorvollen und zugleich tiefgründigen Leitfaden für konstruktive Gespräche. Der Autor, bekannt für seine präzisen Analysen und unterhaltsamen Schreibstil, beleuchtet, warum wir so selten unsere Meinung ändern und wie wir dennoch zu produktiven Dialogen gelangen können.
Schneider erklärt, dass viele Diskussionen scheitern, weil wir uns nicht bewusst sind, ob wir gerade eine Meinung, einen Glauben oder Wissen vertreten. Er führt den Leser durch verschiedene Denkfehler und zeigt auf, wie diese unser Gesprächsverhalten beeinflussen. Mit Beispielen aus der Wissenschaft, Geschichte und Popkultur macht er komplexe Themen zugänglich und regt zum Nachdenken an.
Besonders hervorzuheben ist Schneiders Fähigkeit, trockene Theorie mit lebendigen Beispielen zu verbinden. Er nutzt Anekdoten aus der Bibel, Facebook und der TV-Serie "Big Bang Theory", um seine Argumente zu untermauern und die Leser zu fesseln. Diese Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit macht das Buch sowohl lehrreich als auch unterhaltsam.
Abschließend lässt sich sagen, dass "Die Kunst des klugen Streitgesprächs" nicht nur ein Ratgeber für bessere Diskussionen ist, sondern auch ein Spiegel unserer eigenen Denkmuster. Schneider fordert uns heraus, unsere Überzeugungen zu hinterfragen und offen für andere Perspektiven zu sein. Ein Muss für alle, die in einer pluralistischen Gesellschaft respektvoll und effektiv kommunizieren möchten.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Neustart statt Krise: Wie die Wechseljahre zur Superkraft werden

Die Kraft der Wechseljahre
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Suzann Kirschner-Brouns' Buch Die Kraft der Wechseljahre ist ein erfrischender und ermutigender Leitfaden für Frauen ab 40, die diese Lebensphase nicht als Ende, sondern als kraftvollen Neubeginn sehen ...

Suzann Kirschner-Brouns' Buch Die Kraft der Wechseljahre ist ein erfrischender und ermutigender Leitfaden für Frauen ab 40, die diese Lebensphase nicht als Ende, sondern als kraftvollen Neubeginn sehen möchten. Die Autorin, selbst Ärztin und erfahrene Begleiterin vieler Patientinnen durch die Wechseljahre, beleuchtet nicht nur die körperlichen Veränderungen, sondern legt einen besonderen Fokus auf die oft vernachlässigten psychischen und emotionalen Aspekte dieser Zeit.
Das Buch ist in zehn thematische Abschnitte gegliedert, die von den Chancen der Wechseljahre über Schönheit, Sexualität und Partnerschaft bis hin zu seelischer Gesundheit und Vorsorge reichen. Kirschner-Brouns verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der weit über medizinische Fakten hinausgeht. Sie ermutigt Frauen, sich selbst neu zu entdecken, alte Rollenbilder zu hinterfragen und die Wechseljahre als Gelegenheit für persönliches Wachstum und Selbstermächtigung zu nutzen.
Besonders hervorzuheben ist der positive Grundton des Buches. Statt die Menopause als Verlust zu betrachten, präsentiert die Autorin sie als Chance für mehr Klarheit, Selbstbewusstsein und Lebensfreude. Mit praktischen Tipps, persönlichen Geschichten und einem einfühlsamen Schreibstil bietet sie Leserinnen Werkzeuge an, um diese Lebensphase
Es gibt auch sehr spezifische Kapitel, wie etwa jene über langjährige Partnerschaften oder "graue Scheidungen", nicht direkt auf ihre Lebenssituation zutreffen. Dennoch bieten diese Abschnitte wertvolle Einblicke und können helfen, das Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten zu vertiefen oder können überblättert werden.
Fazit: Die Kraft der Wechseljahre ist ein inspirierendes und informatives Buch, das Frauen ermutigt, die Wechseljahre als kraftvolle und transformative Lebensphase zu begreifen. Es ist eine wertvolle Lektüre für alle, die sich mit den Veränderungen dieser Zeit auseinandersetzen und sie als Chance für persönliches Wachstum nutzen möchten.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Ein Norweger erzählt uns aus dem Jahr 1681 über Leipzig

Die Lungenschwimmprobe
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Tore Renberg legt mit Die Lungenschwimmprobe einen historischen Roman vor, der nicht nur spannend erzählt, sondern auch tief in die Abgründe einer Zeit eintaucht, in der Wissenschaft gegen Aberglauben, ...

Tore Renberg legt mit Die Lungenschwimmprobe einen historischen Roman vor, der nicht nur spannend erzählt, sondern auch tief in die Abgründe einer Zeit eintaucht, in der Wissenschaft gegen Aberglauben, Gerechtigkeit gegen Machtmissbrauch und Menschlichkeit gegen Fanatismus kämpft. Die Geschichte um die junge Anna Voigt, die im Leipzig des Jahres 1681 des Kindsmords beschuldigt wird, ist spannend erzählt und entfaltet sich zu einem vielschichtigen Gesellschaftsbild des 17. Jahrhunderts. Wer an historischen Stoffen interessiert ist, hat hier einen Volltreffer!
Was dieses Buch ausmacht, ist seine kluge Mischung aus historischer Genauigkeit und erzählerischer Kraft. Der Norweger Tore Renberg versteht es, authentische Figuren zum Leben zu erwecken – der fortschrittliche Arzt, der mit seiner bahnbrechenden Methode den Grundstein für die moderne Rechtsmedizin legt, der mutige Anwalt, der gegen alle Widerstände kämpft, und der unbarmherzige Ankläger, der mehr einem Inquisitor als einem Richter gleicht. Doch auch die Nebenfiguren haben Gewicht und machen die Erzählung noch glaubhafter. Besonders gelungen ist die Art, wie er die barocke Welt mit all ihren Widersprüchen und Grausamkeiten einfängt – vom Rechtssystem, das Frauen wie Anna schutzlos zurücklässt, bis hin zur Allgegenwärtigkeit der Kirche, die nicht nur Trost, sondern auch unbarmherzige Kontrolle ausübt.
Das Buch liest sich trotz seiner über 700 Seiten flüssig, denn Tore Renbergs Sprache ist direkt, klar und gleichzeitig voller Atmosphäre. Er vermeidet blumige Übertreibungen und setzt stattdessen auf eine Bildkraft, die das Geschehen fast greifbar macht. Man riecht förmlich den modrigen Kerker, spürt die Kälte der Folterkammer und das beklemmende Gefühl der Ohnmacht, das Anna und viele andere Frauen ihrer Zeit durchleben mussten.
Außerdem ist der Roman sehr gut übersetzt von Karoline Hippe und Ina Kronenberger, wie ich finde, auch wenn ich es mangels Norwegischkenntnissen nur aus Laienperspektive beurteilen kann.
Besonders gelungen ist die Verknüpfung von historischem Geschehen mit emotionaler Tiefe. Hier wird nicht nur ein Prozess erzählt, sondern das Schicksal eines Mädchens, das sich in einer Welt behaupten muss, die ihre Stimme nicht hören will. Und damit wird das Buch auch über seine Zeit hinaus relevant – es zeigt, wie schwer es ist, gegen festgefahrene Strukturen anzukämpfen und wie kostbar jedes bisschen Fortschritt ist.
Sehr gern gelesen.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Land gegen Stadt - nein, viel viel mehr drin in diesem Roman

Hier draußen
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Landleben, Idylle, Naturverbundenheit – so romantisch sich diese Begriffe auch anhören mögen, in Martina Behms Roman "Hier draußen" zeigt sich schnell: Das Dorfleben hat seine eigenen Tücken. Fehrdorf, ...

Landleben, Idylle, Naturverbundenheit – so romantisch sich diese Begriffe auch anhören mögen, in Martina Behms Roman "Hier draußen" zeigt sich schnell: Das Dorfleben hat seine eigenen Tücken. Fehrdorf, ein kleines holsteinisches Dorf, wird für die Großstädter Ingo und Lara Fenske zur Herausforderung. Die Menschen dort wissen, wo sie hingehören – nur die Neuzugezogenen straucheln. Und als Ingo auf dem Heimweg einen weißen Hirsch anfährt, geraten Aberglauben, Traditionen und die gut gehüteten Geheimnisse der Dorfbewohner ins Wanken.
Martina Behm bringt mit feinem Humor und einem messerscharfen Blick für Details das Spannungsfeld zwischen Stadt und Land auf den Punkt. Ihre Figuren sind keine Klischees, sondern vielschichtig und lebendig. Besonders beeindruckend ist, wie sie verschiedene Perspektiven einnimmt: Mal erleben wir eine Szene durch die Augen eines Jungbauern, für den eine Rinderflucht vor allem peinlich ist, mal aus Sicht der wortkargen Landbewohner oder der überforderten Neuankömmlinge. Diese erzählerische Dynamik hält das Buch spannend und sorgt für eine außergewöhnliche Lebendigkeit.
Ein besonderes Highlight ist die atmosphärische Dichte: Staubige Landstraßen, schwere Landmaschinen, der weiße Passat der Fenskes – die Bilder, die die Autorin zeichnet, lassen mich mitten ins Geschehen eintauchen. Dazu kommt ihre schnörkellose, pointierte Sprache, die das Buch zu einer echten Leseperle macht. Besonders gelungen ist auch, wie sie die ungeschönte Realität des Landlebens zeigt: das harte Dasein der Landfrauen, die Herausforderungen der Landwirtschaft und die Frage, was "Bio" wirklich bedeutet.
"Hier draußen" ist ein Roman, der viel mehr ist als nur eine Stadt-gegen-Land-Geschichte. Er ist scharf beobachtet, klug erzählt und wunderbar unaufgeregt in seinem Humor. Wer literarische Unterhaltung ohne Kitsch und Klischees sucht, wird an diesem Buch große Freude haben. Und nach dem letzten Satz bleibt nur eine Frage: Wann kommt mehr von Martina Behm?

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Eine harte norwegische Ansicht

bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann
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Was für ein Roman. Hammer. Oliver Lovrenski hat mit "Bruder, wenn wir nicht Family sind, wer dann" einen Roman geschrieben, der sprachlich und inhaltlich herausfordert, weil er so was von außerhalb jeglicher ...

Was für ein Roman. Hammer. Oliver Lovrenski hat mit "Bruder, wenn wir nicht Family sind, wer dann" einen Roman geschrieben, der sprachlich und inhaltlich herausfordert, weil er so was von außerhalb jeglicher literarischer Normen liegt. Das Buch erzählt die Geschichte von Ivor und seinen Freunden – vier jungen Männern, die in Oslo aufwachsen, aber kaum Chancen auf ein besseres Leben haben. Ihre Realität ist geprägt von Gewalt, Drogen und einer Sehnsucht nach Zugehörigkeit, die sie nur in ihrer brüchigen Freundschaft zu finden scheinen. Sehr hart, kaum ertragbar.
Oliver Lovrenski selbst stammt aus sozial schwachen Verhältnissen, daher nimmt man dem Autoren ab was er schreibt, er kennt dieses – ja sein Millieu.Die Sprache seines Romans ist roh, direkt und durchzogen von einem Slang, der für viele Leser:innen gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Hier liegt ein faszinierender Widerspruch: Während literarische Werke oft eine gewisse sprachliche Ästhetik anstreben, verzichtet Oliver Lovrenski bewusst darauf. Stattdessen wirkt seine Sprache wie ein ungefilterter Strom an Gedanken, manchmal stakkatoartig, manchmal unfertig, aber immer authentisch. Daher eben auch leicht anstrengend. Dieser Stil ist keine spielerische Provokation, sondern spiegelt die Lebenswelt seiner Protagonisten wider – eine Welt, in der Regeln, auch sprachliche, nicht mehr viel zählen.
Wer sich auf dieses Buch einlässt, muss bereit sein, sich von vertrauten literarischen Strukturen zu lösen. Es gibt keinen sanften Einstieg, keine geschliffenen Metaphern, sondern nur die harte Realität, serviert in einer Art Telegrammstil, der zwischen Poesie und Chaos schwankt. Manche Sätze bohren sich tief ins Herz, andere sind wie eine Ohrfeige. Es ist ein Roman, der nachhallt, aber nicht unbedingt bequem ist.
Besonders beeindruckend ist, wie Oliver Lovrenski die Sehnsucht seiner Figuren nach einem besseren Leben einfängt. Trotz all der Trostlosigkeit gibt es Momente, in denen sie sich vorstellen, jemand anderes zu sein – ein Künstler, ein Unternehmer, ein Star. Doch diese Träume zerplatzen schnell an der Wirklichkeit. Traurig.
"Bruder, wenn wir nicht Family sind, wer dann" ist ein mutiges Buch. Es fordert seine Leser:innen heraus, es verlangt, dass man sich auf eine ungewohnte Erzählweise einlässt.

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