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Veröffentlicht am 24.09.2025

Deep Cuts von Molly Brinkley hat mir viel gegeben und Leonard Cohen genommen

Deep Cuts
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In “Deep Cuts” von Molly Brinkley verfolgen wir das Leben von Percy Marks ab dem College Anfang der 2000er über mehrere Jahre. Dabei spielen diverse Beziehungen und Freundschaften und deren positive und ...

In “Deep Cuts” von Molly Brinkley verfolgen wir das Leben von Percy Marks ab dem College Anfang der 2000er über mehrere Jahre. Dabei spielen diverse Beziehungen und Freundschaften und deren positive und negativen Entwicklungen eine wichtige Rolle, am zentralsten ist aber ihre komplizierte Beziehung zu Joe Morrow in dieser Zeit. Sie sind dabei Freunde, Verliebte, Vertraute, Entfremdete und kreativ Verschwörte beim Songwriting und beim über Musik diskutieren und philosophieren. Die Schwierigkeit bei ihrer musikalischen „Beziehung“ liegt vor allem darin, dass Joe als talentierter Musiker und Songschreiber eine andere und vermeintlich überlegene Rolle einnimmt als Percy, die als leidenschaftlicher, aber unmusikalischer Musikfan die beratende und kritische Rolle vertritt. Die grundlegende sexuelle und romantische Anziehung und die musikalische Verbindung zwischen den beiden konkurrieren über die Spanne vieler Jahre, in denen beide sich in ihren Karrieren, Wohnsitzen und sozialen Umfeldern ständig annähern und entfernen, aber nie voneinander ablassen können.
Ich war als großer Musikfan sofort begeistert vom Ansatz und Aufbau des Buches. Die Kapiteltitel sind prägende Songs, die in den Kapiteln eine Rolle spielen, Aufhänger für Gedanken und Handlungen der Charaktere sind oder einfach sehr passend titelgebend für den Vibe der Inhalte sind. Es wird ausschweifend und sehr tiefgehend und intim über Musik, Texte und damit verbundene popkulturelle Fakten und Phänomene philosophiert. In Monologen, Dialogen, Songtexten oder literarischen Texten der Charaktere, meist der Protagonistin Percy, werden dabei Zusammenhänge und Parallelen zum persönlichen Leben und der Entwicklung dieser Charaktere gezogen.
Die frustrierend schwierige und, ehrlich gesagt, toxische Beziehung zwischen Joe und Percy hat mich bis zum offenen Ende sehr gefesselt. Die verkappte Romantikerin in mir hofft natürlich auf eine weniger toxische und mehr harmonische Zukunft fern der letzten Buchseiten. Die pessimistischere Realistin kann sich zumindest mit dem Gedanken zufriedenstellen, dass Percy und Joe wunderbar bedeutende Musik geschaffen haben und damit diese fiktive Realität zu einer besseren gemacht haben werden.
Ich habe mich an vielen Stellen sehr gut mit Percy identifizieren können, vor allem mit ihrer großen Lieber zur Musik, als verbittert unmusikalische und deshalb auch neidische Liebhaberin dieser Kunstform. Abgesehen davon habe ich mich aber auch sehr verbunden zu ihren negativen bis traumatischen Erlebnissen gefühlt und zu ihren Gedanken und Handlungen, selbst oder vor allem auch zu ihren schlechten und vermeintlich unerträglichen Eigen- und Machenschaften, auch wenn mich diese wahrscheinlich eher abstoßen müssten. Aber wenn ich ehrlich bin, trafen die wahrscheinlich einfach zu sehr ins Schwarze, was meine tiefe Verbundenheit zu diesem umstrittenen Charakter erklärt.
Mein einziger negativer Kritikpunkt betrifft die Sprache und Wortwahl im Buch. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt oder ob junge Leute Anfang der 2000er in Amerika wirklich so gesprochen haben und einige Worte und Begriffe, die mir irgendwie unnatürlich und holzig vorkamen, bei jungen Erwachsenen damals und dort tatsächlich gängig waren. Vor allem in Dialogen zwischen engen Freunden und Vertrauten oder neuen Bekanntschaften in der Szene dachte ich mir häufig: So redet doch niemand im echten Leben, oder?! Aber wie gesagt, das kann auch einfach nur meine persönliche Auffassung sein und hat dem Inhalt und meinem Lesegenuss jetzt auch keinen Riesenschaden zugefügt. Ich bin gespannt auf das nächste Buch von Molly Brinkley, werde es in Originalsprache lesen und mal schauen, ob es mich auch dann stört.
Ich habe „Deep Cuts“ auf jeden Fall sehr genossen, dabei geweint und mich gleichzeitig über die geteilte Leidenschaft zur Musik mit den Charakteren gefreut. Die tiefgehende Auseinandersetzung mit Musik und Texten hat mir nicht nur Freude gebracht, sondern auch Infos und Gedankenanregungen. Positive und, wie im Titel dieser Rezension angedeutet, negative Erkenntnisse nehme ich mir aus diesem Roman sehr zu Herzen und freue mich schon auf meine nächstes Leseerfahrung von Molly Brinkley.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Emily Henry hat sich dieses Mal selbst übertroffen

Great Big Beautiful Life
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Der neue Roman "Great Big Beautiful Life" von Emily Henry hat mich wirklich sehr begeistert und ich habe aktuell ein übles Book Hangover!
Kurz zum Inhalt, ohne irgendwas zu spoilern und, oh boy, gibt es ...

Der neue Roman "Great Big Beautiful Life" von Emily Henry hat mich wirklich sehr begeistert und ich habe aktuell ein übles Book Hangover!
Kurz zum Inhalt, ohne irgendwas zu spoilern und, oh boy, gibt es viele spoilerhafte Momente in dieser Geschichte! Aber ich werde mich zügeln und nicht zu viel verraten: Wir begleiten die junge Autorin Alice Scott auf eine kleine Insel in Georgia, auf der sie die vor langer Zeit untergetauchte und unter einem Pseudonym lebende Margarete Ives vermutet, ihres Zeichens frühere millionenschwere Medienimperiumserbin und weltbekanntes Society-Girl in ihrer Jugend. All das ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs an Dingen und Erlebnissen, die Margarete zu ihrer Familie und ihrem Leben erzählen könnte. Genau das erhofft sich Alice von ihrem Besuch bei Margarete: eine Chance, die Biografie/Memoiren der mittlerweile Einsiedlerin zu schreiben und damit nicht nur ihren Traumjob zu angeln, sondern auch all die fiesen Falschmeldungen und Annahmen der Öffentlichkeit richtigzustellen, die Margarete und ihre Familie erst zu Fall und dann in ihre Verstecke getrieben hatten. Dort angekommen wird ihr aber erstmal ein Konkurrent präsentiert: der Pulitzer-Preisträger (für eine andere bekannte Biografie) Hayden, der nicht nur verboten gut aussieht, sondern auch die Definition von grumpy ist – zuerst. Beide Konkurrenten sollen einen Monat lang abwechselnd Margarete interviewen dürfen und am Ende würde das bessere Ergebnis die Zusage bekommen, die Biografie umzusetzen. Von nun an erfahren wir parallel die lange und ereignisreiche Familiengeschichte des Hauses Ives und die anfangs schwierige und immer wärmer werdende Beziehung zwischen Alice und Hayden, die unterschiedlicher nicht sein könnten (zumindest nach ersten Eindrücken), sich aber auf dieser kleinen Insel ständig über den Weg laufen. Auch Nebengeschichten, wie die Beziehung von Alice zu ihrer Mutter und dem kürzlich verstorbenen Vaters oder die Begegnungen mit dem eigenartigen aber freundlichen Cecil sind interessant und spielen zum Ende hin nochmal eine wichtige Rolle.
Der Aufstieg und Fall des Hauses Ives hat mich wirklich sehr in seinen Bann gezogen und hat mich überrascht, weil ich so etwas noch nie (in dem Ausmaß) bei Emily Henry gelesen habe, was ich mega fand. Ich war beeindruckt, wie sie mehrere Geschichten parallel webt, ohne mich als Leserin zu sehr zu verwirren oder mich einen Erzählstrang mehr lesen wollen zu lassen als den anderen (Gegenwart/Vergangenheit oder die Entwicklung der Beziehung von Alice zu Margarete/Hayden). An manchen Stellen hab ich mir wirklich fast einen Stammbaum der Familie Ives gewünscht, aber der wäre, wie wir am Ende erfahren, entweder sinnlos oder ein Spoiler.
Ich kann gar nicht so genau sagen, was mir an Henrys Schreibstil immer so gefällt, aber ich lese, oder eher verschlinge, ihre Bücher einfach immer total gern. Was mir in jeder ihrer Geschichten auffällt, ist dass ich alle Hauptcharaktere immer sehr liebe. Die sind nie perfekt oder machen keine Fehler, aber sie sind immer interessant und vielschichtig und meist nicht, wie sie auf die ersten Zeilen scheinen. Ganz besonders in die weiblichen Hauptcharaktere und ihre Love Interests bin ich immer sehr verliebt. Auch in diesem Fall habe ich Alice sofort ins Herz geschlossen und Hayden geshippt, weil ich schon in freudiger Erwartung war, was passieren würde, wenn Alice seine harte Schale knackt. Und ich wurde nicht enttäuscht und durfte lesen, wie sich eine ganz tolle und schöne Romanze entfaltet. Wirklich genau, was ich mir von einem Buch dieses Genres erhoffe und noch viel mehr. Emily Henry hat sich dieses Mal im World- und Character-Building selbst übertroffen. Wie macht sie das bloß? Sie bringt soo viele Bücher raus und dann sind da auch einfach solche Meisterwerke dabei…. How?!?
Einziger Mangel und liegt wahrscheinlich eher an meinem Bedürfnis, die Geschichte nicht loslassen zu wollen: das Ende ist schon sehr abrupt, was irgendwie typisch Emily Henry ist. Ich war etwas traurig, nicht genauer zu erfahren oder selbst mitzubekommen, wie die Konfrontation zwischen Hayden, Margaret und Nicollet stattfand und sich die Beziehung entwickelte. Auch Cecil haben wir „persönlich“ nochmal getroffen, um seine Sicht der Dinge geschildert zu bekommen. Und natürlich hätte ich vor allem nochmal mehr von Hayden und Alice lesen wollen, also nur dieser Schnelldurchlauf mit obligatorischer Schwangerschaft, als Zeichen eines Happy Ends, was mich allerdings als Trope nie befriedigt, aber das ist ein anderes Thema…
Auf jeden Fall gibt es mir eine große Leseempfehlung für alle Emily Henry Fans und für alle die es werden wollen: fangt am besten mit ihren früheren Büchern an, damit ihr die genießen könnt, bis ihr zu diesem großartigen Meisterwerk hier kommt und freut euch auf ein tolles Leseerlebnis. Aber seid für das Book Hangover gewappnet!

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Fesselnde Tragödie

Wie Risse in der Erde
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Im Buch "Wie Risse in der Erde" von Clare Leslie Hall verfolgen wir die tragische Geschichte und die Beziehungen zwischen Beth, Gabriel, Frank und ihren Familien. Dabei überspannt das Erzählte einen Zeitraum ...

Im Buch "Wie Risse in der Erde" von Clare Leslie Hall verfolgen wir die tragische Geschichte und die Beziehungen zwischen Beth, Gabriel, Frank und ihren Familien. Dabei überspannt das Erzählte einen Zeitraum von fast 15 Jahren (spielt hauptsächlich in den Jahren 1955 und 1968) und beinhaltet eine leidenschaftliche Dreiecksbeziehung, Liebe, Trennungen, einige Tragödien und gipfelt schließlich in einem spannenden Todesfall mit Mordprozess. Wir springen immer wieder in den Zeitebenen und wissen von Anfang an vom Mordprozess, aber erfahren erst gegen Ende, wer in diesem Todesfall gestorben ist, was der Verwurf und Tathergang sind und vor allem, wer unter Anklage steht, was das Buch wirklich bis zum Ende sehr spannend macht und nicht nur mit einem, sondern mit 2 großen und eher unerwarteten Plottwists aufgelöst wird.
Wie bereits erwähnt, empfand ich das Buch als sehr spannend und ich war von Anfang bis Ende sehr gefesselt. Nicht zuletzt, weil ich wirklich mit allen Hauptcharakteren mitgefühlt und quasi für alle gerootet habe. Das hat mich natürlich sehr mitfiebern lassen, für wen es am Ende ein Happy End oder eine Tragödie gibt, sowohl in Liebesdingen, als auch vor Gericht. Ich möchte gar nichts spoilern, weil mich die Plottwists wirklich kalt erwischt haben (zumindest einer davon, den anderen habe ich so schon vorgeahnt/befürchtet), aber so viel kann ich sagen: Ich habe auf jeden Fall ein paar Tränen verdrückt, was schon alles darüber aussagt, wie sehr ich in der Story drin war.
Einziger Kritikpunkt ist vielleicht, dass der doch modern wirkende Schreibstil einen immer wieder vergessen lässt, dass die Geschichte eigentlich in den 50er und 60er Jahren spielt, was vielleicht für ein paar Handlungsstränge wichtig und sinngebend ist, aber ansonsten auch kein großer Störfaktor ist. Deshalb auch nur ein winziger Kritikpunkt :)
Alles in Allem empfehle ich das Buch auf jeden Fall weiter und habe es auch schon an Freundinnen weiterverliehen, die solche Geschichte immer zu schätzen wissen und nicht unbedingt immer ein hundertprozentiges Happy End brauchen. Ähnlich wie beim „Gesang der Flusskrebse“ mit dem dieses Werk meines Erachtens guten Grundes oft verglichen wird, werde ich Leseerfahrung nicht so schnell vergessen und noch eine Weile darauf herumzukauen haben. Und das meine ich als absolutes Kompliment.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Alles, was ich mir von einer guten Romance erwarte und erhoffe

Story of My Life
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In „Story of my Life” von Lucy Score erleben wir, wie die einst erfolgreiche Romance-Autorin Hazel nach einer schlimmen Ehe und Scheidung und der darauffolgenden Lebens- und Schreibkrise kurzerhand ein ...

In „Story of my Life” von Lucy Score erleben wir, wie die einst erfolgreiche Romance-Autorin Hazel nach einer schlimmen Ehe und Scheidung und der darauffolgenden Lebens- und Schreibkrise kurzerhand ein renovierungsbedürftiges Haus in einer Kleinstadt kauft und dorthin mit ihrer besten Freundin und kürzlich gefeuerten Literaturagentin Zoey zieht. Die Begrüßung dort ist nicht ganz so herzlich, wie erwartet und Hazel und Zoey müssen sich einigen Hürden und grumpy bis feindseligen Kleinstadtbewohnern stellen. Mehr oder weniger hilfreich bei Bewältigung der Hürden und der Renovierung von Hazels neuem Haus sind die Bishop Brothers – Campbell, Gage und Levi. Dass allesamt toll aussehen und alle auf ihre eigene Art und Weise sehr viel Charme haben, ist natürlich klar! Viel mehr zu allen möglichen Irrungen und Wirrungen der Beziehungen und Liebschaften, will ich gar nicht verraten, aber es werden einige klassische und beliebte Tropen bedient :)
So viel zum Inhaltlichen, aber was alles sehr typisch und altbekannt wirkt, wird durch den tollen, smarten und witzigen Schreibstil und die liebevoll gezeichneten Charaktere zu einem Roman, den ich verschlungen und so sehr genossen habe. Ich habe gelacht, will unbedingt mehr von Story Lake und seinen Bewohner*innen lesen und wissen und wurde über meine Erwartungen hinaus gut unterhalten. Häufig gefallen mir Romance Bücher ganz gut, sie sind ein netter Zeitvertreib und willkommene temporäre Ausflucht aus der Realität, aber diese Geschichte blieb einfach ein bisschen mehr hängen, deshalb gibt es von mir eine große Empfehlung, an alle, die dieses Genre lieben aber auch an alle, die vielleicht gerne mal reinschnuppern wollen. Ich glaube, das Buch kann eine sehr gute Einstiegsdroge in das Genre sein :)
Das Cover ist tatsächlich das einzige an der ganzen Sache, das mir nicht so besonders gut gefallen hat, aber das wäre für mich auch nie ein Grund, ein Buch nicht zu lesen, also gibt das von mir auch keinen Abzug in der Gesamtbewertung.
Einen großen Pluspunkt gibt es für die Version in Originalsprache Englisch. Egal ob Englisch oder Deutsch, ich lese solche romantischen oder seichten Bücher einfach gerne in Originalsprache, weil ich es sehr oft als holprig empfinde, wenn moderne, alltägliche, gesprochene, jugendliche Sprache in eine andere Sprache übersetzt werden. Meist gibt es einfach keine gute Übersetzung oder entsprechende Idiome in der anderen Sprache, die den Lesefluss und das Lesevergnügen und die Identifikation mit dem Gelesenen nicht beeinträchtigen. Daher auch vielen Dank an Vorablesen und gerne mehr von englischsprachigen Büchern!

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Unbehaglich und gleichzeitig so interessant und inspirierend

Moralische Ambition
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Rutger Bregman hat mit "Moralische Ambition" ein tolles Werk geschaffen, das den Leser dazu anregt, sehr viel und tiefgehend über die ethischen Herausforderungen unserer Zeit nachzudenken. Ich kannte Bregman ...

Rutger Bregman hat mit "Moralische Ambition" ein tolles Werk geschaffen, das den Leser dazu anregt, sehr viel und tiefgehend über die ethischen Herausforderungen unserer Zeit nachzudenken. Ich kannte Bregman bereits durch diverse Videos und Interviews und bin großer Fan seiner provokanten Thesen und seiner Fähigkeit, komplexe Themen verständlich zu machen und gekonnt in Diskussionen einzubinden. Er beleuchtet in diesem Buch die moralischen Dilemmata, mit denen wir in einer zunehmend komplexen Welt konfrontiert sind und schafft es dabei, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen, indem er sowohl historische als auch zeitgenössische Beispiele heranzieht, um seine Argumente zu untermauern. Seine Schreibweise ist (wie auch schon in seinen Videos) klar und trotzdem raffiniert, was das Lesen zu einem wahren Vergnügen macht und dabei viel Verständnis schafft. Besonders beeindruckend finde ich an Bregmans Art zu denken und zu schreiben, dass er schwierige Fragen aufwirft, ohne dabei den Leser zu verurteilen oder in eine bestimmte Richtung zu drängen. Stattdessen ermutigt er uns, selbst zu reflektieren und unsere eigenen moralischen Überzeugungen zu hinterfragen.
Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist die positive Grundhaltung, die Bregman vermittelt. Er zeigt auf, dass moralische Ambition nicht nur notwendig, sondern auch erreichbar ist. Dies gibt dem Leser Hoffnung und inspiriert dazu, aktiv an einer besseren Welt mitzuarbeiten, auch wenn er selbst im Prolog sagt: „Es ist ein Buch, das Ihnen keinen Trost spendet, sondern Unbehagen bereitet“. Beides kann gleichzeitig wahr sein, so wie das Buch beweist.
Insgesamt ist "Moralische Ambition" ein wichtiges und anregendes Buch, das nicht nur für Philosophie-Interessierte von großem Wert ist. Es regt zum Nachdenken an und bietet wertvolle Einsichten, die in der heutigen Zeit besonders relevant sind. Ich hoffe, dieses Werk erreicht ganz viele Menschen und hilft damit, die Welt ein bisschen besser zu machen, gerade in Zeiten wie diesen.

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