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Veröffentlicht am 25.03.2025

Zwei Frauen am Berg

Wild wuchern
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MEINUNG:

Bei Wild Wuchern hat mich sofort das Cover angesprochen. Für mich ist ein absoluter Hingucker. Man kann es drehen und wenden und gleichzeitig drückt die Frau auf dem Cover für mich sehr viel ...

MEINUNG:

Bei Wild Wuchern hat mich sofort das Cover angesprochen. Für mich ist ein absoluter Hingucker. Man kann es drehen und wenden und gleichzeitig drückt die Frau auf dem Cover für mich sehr viel aus. Außerdem lese ich sehr gerne Debüts von deutschsprachigen Autorinnen.

Der Roman hat keine einzelnen Kapitel. Er ist ein einziges Kapitel und ich finde, dass es auch passt. Es passt zu Maries Panik - ihrem Gehetzt sein - ihrer Angst. Der Roman ist ein einziger innerer Monolog, als wären wir direkt in Maries Kopf. Der Roman hat den typischen österreichischen Klang, der für mich an manchen Stellen immer komisch wirkt, obwohl es zur Situation nicht passt. Allein immer die Artikel vor den Namen von Personen finde ich immer etwas skurril.  Der Roman beginnt mit Maries Flucht zu Johanna. Es wurde so plastische beschrieben, dass ich förmlich mit ihr den Berge hoch gerannt bin. Relativ schnell ist klar, dass zwischen Marie und ihrem Mann Peter etwas vorgefallen ist, was mit häuslicher Gewalt zu tun hat.

Die Geschichte ist aber nicht nur Maries Geschichte, sondern auch die von Johanna, die Maries Cousine ist und es war für mich fast schon mehr Familiengeschichte, denn Marie und Johanna sind zwar zusammen aufgewachsen, aber sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Marie, die Hübsche und Brave, die immer den familiären und gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen möchte und Johanna, die als Eremitin auf dem Berg des Großvaters lebt und schon immer wenig gesprochen hat. Es treffen Welten aufeinander und Marie drängt in Johannas Refugium ein, was der gar nicht so recht ist. Die Autorin streut auch immer wieder Klischees über die feinen Wiener (Marie) und die Österreicher aus den Bergen, z.B. Tirol (Johanna) ein, die nochmal deutlich machen, wie die Vorurteile zwischen Stadt und Land sind. Ich fand das recht amüsant. Begeistert hat mich auch die Atmosphäre, die die Autorin geschaffen hat. Ich konnte mir die klare Bergluft, die zerklüfteten Berge und die grünen Almen sehr gut vor meinem inneren Augen vorstellen und bekam direkt wieder Sehnsucht nach dem Berg. Mir gefiel auch die Gegensätzlichkeit zwischen Johanna und Marie und mit welcher Kraft Johannas für eigenes Leben gekämpft hat. Die letzten Seiten haben mir sehr berührt als man endlich mehr über die wortkarge Johanna erfährt. 

FAZIT:

Wild Wuchern ist ein kraftvoller, poetischer, feministischer und gesellschaftskritischer Roman über zwei Cousinen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Buch ist ein einziger innerer Monolog, welches man eigentlich in einem Rutsch lesen muss. Mir gefiel auch die unterschwelligen Spannung, da es auf einige Dinge noch Antworten geben musste. Ein tolles, atemloses Debüt in Österreichs Bergen!

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Von Schönheit und Blumen

Wie du mich ansiehst
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MEINUNG:

Nach Das leise Platzen der Träume habe ich mit großer Spannung den nächsten Roman von Eva Lohmann entgegen gefiebert. Ich habe auch gar nicht lange den den Klappentext gecheckt. Es stand schon ...

MEINUNG:

Nach Das leise Platzen der Träume habe ich mit großer Spannung den nächsten Roman von Eva Lohmann entgegen gefiebert. Ich habe auch gar nicht lange den den Klappentext gecheckt. Es stand schon fest, dass ich dieses Buch auf jeden Fall lesen muss.

Der Roman greift die vielfältige Themen auf. Es geht sehr viel um Loslassen. Mittelpunkt ist schon ein wenig das eigene Aussehen, was ist Schönheit, vor allem, wenn man sich wie Johanna in der vermeintlichen Mitte des Lebens befindet. Bisher war es für Johanna nie ein Thema gewesen, im Gegenteil hat sie auch immer ihre Tochter Rosa dazu erzogen, dass sich nicht auf Äußerlichkeiten reduzieren lassen soll und dass man sich auch nicht ungefragt zu Äußerlichkeiten von anderen äußert. Plötzlich zieht Johanna in Betracht "etwas machen zu lassen". Die ersten beiden Eingriffe merken weder Hannes, noch Rosa, doch ein Eingriff geht sprichwörtlich in die Hose. Interessant fand ich auch die Betrachtung der Wahrnehmung von außen - das Gesehen werden, derer sich Johanns langsam bewusst, dass sie nämlich langsam zurück geht, umso älter sie wird. Ich finde, sie fasst es gut zusammen. In jungen Jahren als Frau stören einen Blicke vom anderen Geschlecht fast schon oder man stört sich an Übergriffigkeiten und mit 40 schaut sich kaum noch jemand um.  Frauen werden unsichtbar.

In dem Roman geht es aber auch noch um das Loslassen von Karl, Johannas Vater, der vor kurzem verstorben ist und dessen Garten sie geerbt hat. In dem Zusammenhang blickt sie auch immer wieder in die Vergangenheit und die Beziehung ihrer Eltern, die sich getrennt haben als Johanna noch jünger war. Der Garten stand für mich gleichzeitig für Vergangenheit und Gegenwart und bietet Johanna auch einen Rückzug als in ihrer Familie problematisch wird wegen ihres verpatzten Schönheitseingriff. Ich mochte die Reaktionen von Rosa und Hannes nicht besonders. Bei Rosa kann ich es noch nachvollziehen, da sie von ihrer Mutter einfach enttäuscht ist, aber bei Hannes bin schon ein bisschen sauer geworden. Immerhin ist es Johannas Entscheidung, was sie mit ihrem Körper tut und dass entspricht eventuell nicht ganz seinem Bild. Ich finde es generell kein Thema, wo einer Person rein reden würde. Die eigene Schönheit und Attraktivität bewertet jede und jeder für sich allein, wenn dies solche schönheitschirurgische Eingriff erfordert, dass ist das eben so. Johannas Beziehung bzw. Ehe zu ihrem Mann Hannes habe ich nicht so richtig gefühlt. Ich habe mich ein paar Mal gefragt, warum sie mit ihm zusammen ist. Man kann gut sagen, dass hier gilt: Gegensätze ziehen sich an. Hannes, der Ordentliche und Johanna, die Chaotische. 

FAZIT:

Wie du mich sahst mocht ich wieder sehr, was besonders an der ruhigen, reflektierten Erzählweise von Eva Lohmann liegt. Es ist ein bisschen wie sich mit einer Freundin zu unterhalten und Gedanken auszutauschen, daher ist es für mich auch absolut kein Problem, dass es hier keine große Handlung gibt. Jetzt heißt es wieder Warten.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Hoffungsvoll mit einer Prise Humor

Sonnenhang
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MEINUNG:

Kathrin Weßling ist eine Autorin, der ich schon lange folge und ihre Bücher auch sehr gerne lese. Sie trifft einfach einen Nerv bei mir, der gut zu meiner Lebensphase passt. Nix passiert“ mochte ...

MEINUNG:

Kathrin Weßling ist eine Autorin, der ich schon lange folge und ihre Bücher auch sehr gerne lese. Sie trifft einfach einen Nerv bei mir, der gut zu meiner Lebensphase passt. Nix passiert“ mochte ich sehr und auf Sonnenhang habe ich mich auch schon viele Monate gefreut.

Ich habe den Erzählton von Kathrin Weßling dieses Mal als viel gesetzter und ruhiger empfunden, was sicher auch an ihrer Protagonistin Katharina Webeling liegt, die fast ein bisschen wie sie selbst heißt. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar biographische Parallelen gibt zumindest hinsichtlich der Depression. Katharina ist Ende 30, Single und allein lebend mit ihrer Katze in Berlin-Wedding. Sie befindet sich damit in einem Lebensabschnitt, in dem viele andere Menschen bereits verheiratet sind, ein oder mehrere Kinder haben und vielleicht auch in einem Haus mit Garten wohnen. Nun könnte man sagen, jeder wie er mag, aber Katharina ist keineswegs glücklich über diesen Zustand. Besonders schlimm wird es, als ihr die Gebärmutter entfernt werden muss und sie sich damit konfrontiert sieht nie eigene Kinder zu bekommen. Die Autorin beschreibt Katharinas Schmerz darüber so gut, dass mit Katharina hätte weinen können. In meinen Augen wird gut aufgezeigt, dass sich das Lebensglück nicht immer in Elternschaft und Heirat finden lassen muss. Das muss auch Katharina verstehen, auch wenn der Weg dahin wirklich schwer ist.

Ich hatte dein Eindruck, dass Katharina sich auch allein gelassen fühlt in ihrer Situation, denn ihre Freundin mit zwei Kindern hat kaum Zeit für sie und eine andere Freundin ist auch in einer Partnerschaft. Es zeigt mal wieder, wir konzentriert unsere Gesellschaft auf die Paarbeziehung ist. Ihre Arbeit im Altersheim sorgt dafür, dass Katharina zumindest unter Menschen ist, auch wenn diese Personen ein ganz anders Leben haben. Sie bieten einen starken Kontrast zu Katharina, denn für sie ist das Leben praktisch vorbei. Katharina hat auch ohne Uterus noch genug Möglichkeiten. Es braucht seine Zeit bis Katharina da erkennt. Ich fand es schön, wenn vielleicht auch ein bisschen kitschig beschrieben, dass sie hier in den Alten so etwas wie Wahlfamilie bekommt - Personen, denn sie wichtig ist.

FAZIT:

Sonnenhang ist trotz aller ernsten und schweren Themen ein humorvoller und vor allem hoffnungstiftender Roman. Ich finde, dass sich der Roman erwachsener liest als andere Bücher der Autorin. Kathrin Weßling hat mit Protagonistin Katharina eine Charakter geschaffen, mit dem man sich identifizieren kann und die sich trotz aller Höhen und Tiefen immer wieder aufrappelt, ohne dass es unauthentisch und überspitzt wirkt. 

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Kunst und Toxik

Die blaue Stunde
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MEINUNG:

Bisher habe ich alle Bücher von Paula Hawkins gelesen. Natürlich ist sie am meisten bekannt für ihr berühmtestes Buch Girl on the train, aber auch für Wer das Feuer entfacht und Into the Water. ...

MEINUNG:

Bisher habe ich alle Bücher von Paula Hawkins gelesen. Natürlich ist sie am meisten bekannt für ihr berühmtestes Buch Girl on the train, aber auch für Wer das Feuer entfacht und Into the Water. Ich habe mich auf Die blaue Stunde sehr gefreut. 

Alles beginnt damit, dass in einer Skulptur der berühmten Künstlerin Vanessa Chapman ein menschlicher Knochen gefunden wird. Das ruft James Becker, den Kurator der Galerie auf, der Chapman all ihre Werke vermacht hat nach ihrem Tod. Die Galerie gehört seinem guten Freund und Sohn des Erbens. Er macht sich auf die Suche nach Eris, um Antworten zu finden und außerdem weitere Werke von Vanessa zu bekommen, die der Galerie eigentlich zu stehen würden. Dort trifft er auf Vanessas engen Freundin Grace.

Das Leben von Vanessa war sehr bewegt und wir lernen die posthum kennen bzw. gibt es Einblicke in ihre Sicht durch diverse Tagebucheinträge. Paula Hawkins verknüpft hier sehr geschickt Gegenwart, mit den Tagebucheinträgen und einigen Rückblicken. Es gibt ein relativ großes Beziehungsgeflecht rund um Vanessa, welches viele Frage aufwirft, u.a. die schwierige und toxische Beziehung zu ihrem Mann, der ebenfalls tot ist. Dessen Leiche man aber bis jetzt nicht finden konnte. Dann stellt sich die Frage, warum Vanessa die Werke der Fairburn Galerie vermacht hat, denn diese Beziehung war auch schwierig und zu guter Letzt ist das die Beziehung zu Grace. Ich hatte von Anfang ein seltsames Gefühl mit Grace.  Die Autorin hat hier einen interessanten Charakter geschaffen, aber Grace wird auch ein wenig stereotypisiert dargestellt. Sie, die graue Maus neben einer schillernden Person wie Vanessa und die auch alles für sie tun würde. Es ist schwierig diese beide Charaktere zu mögen. James Becker dagegen mochte ich, auch wenn er mir ein wenig zu naiv manchmal war. 

Mir gefielen vor allem die Landschaftsbeschreibungen von der fiktiven (Halb-)Insel Eris Island. Ich liebe einerseits sowieso Schottland und andererseits passt dieser Ort sehr gut zur Atmosphäre, die Paula Hawkins hier geschaffen hat. Die Abgeschiedenheit von Eris sorgt für die ein oder andere Situation, die vor der Gesellschaft und auch der Justiz verborgen bleibt.  Die Spannung baut sich langsam und stetig auf. Ich hatte irgendwann schon eine Ahnung, was und wer hier hinter einigen Dingen stecken könnte. Das Ende ist stark, aber auch diskutabel.

FAZIT:

Die blaue Stunde ist für ein sehr gelungener Mix aus Spannung, dunklen Geheimnissen sowie unaufgedeckten Kriminalfällen, komplexen zwischenmenschlichen Beziehung, die oft toxisch sind und natürlich viele Kunst. Für mich definitiv eines ihrer besten Bücher.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Unsere Erde

Umlaufbahnen
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MEINUNG:

Bei Umlaufbahnen hat mich zuerst das Cover angesprochen. Ich freue mich, dass der Verlag das Original Cover übernommen hat. Mein Interesse ist gestiegen als ich gelesen habe, dass es den diesjährigen ...

MEINUNG:

Bei Umlaufbahnen hat mich zuerst das Cover angesprochen. Ich freue mich, dass der Verlag das Original Cover übernommen hat. Mein Interesse ist gestiegen als ich gelesen habe, dass es den diesjährigen Booker Prize gewonnen hat. 

Der Roman, auch wenn ich ihn als solches nicht bezeichnen würde, gibt Einblick in die Leben der sechs AstronautInnen, von den zwei Kosmonauten sind, sprich aus Russland. Da wird schnell klar, dass hier strikt getrennt wird. Man ist zwar auf einer gemeinsamen Mission, aber es dürfen z.B. nicht die gleichen Toiletten genutzt werden. Im Verlauf der Geschichte, die keinem wirklich roten Faden folgt, außer den Umlaufbahnen, die die Erde um die Sonne macht, lernt man einiges über den Alltag an Board eines solchen Raumstation. Mir hat gefallen, dass hier auch eine leise Kritik geäußert wird, dass bei aller Romantisierung dieser Mission, auch sehr viel Geld notwendig ist und dass der Treibstoffverbrauch eine sehr große Umweltbelastung darstellt. Die Ausbildung erfordert auch viele Entbehrungen , z.B. dass man lange fort von der Familie ist und das sogar die Lebenserwartung sinkt. Von einer Astronautin stirbt während dessen auch die Mutter und sie konnte nicht Abschied nehmen. Doch alle sind sich einig, dass sie es immer wieder so machen würden. 

Der Roman liest sich ein bisschen, wie ein Teil von der Unendlichkeit, denn es gibt nicht so richtig einen Anfang und kein festes Ende. Natürlich ist klar, dass die Crew irgendwann zurückkehren muss, aber theoretisch könnte sie ewig sich so weiter treiben lassen. Die Sprache ist so wunderbar poetisch und atmosphärisch. Der Text hat vor meinem inneren Augen ganz viele Bilder ausgelöst, als würde ich eine Doku über unsere Erde schauen. Es war als würde ich selbst mit in der Raumstation sitzen und von oben auf die Erde schauen. Spannend auch, wie die Landschaften beschrieben werden. Die Crew sieht z.B. auch einen heran nahenden Taifun und andere Umweltphänomene. Die Übersetzung ist hier wirklich großartig gelungen. 

FAZIT:

Umlaufbahnen ist eine wundervolle poetische Reise durch unsere Weltall. Das Buch liest sich als würde meine Dokumentation sehen, die so etwas heißt, wie "Unsere Erde". Gleichzeitig führt uns das Buch vor Augen, wie kostbar unser Planet ist und wie wir ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Das Buch eine sehr angenehme Lektüre, um einmal aus der momentanen schwierigen geopolitischen Lage abzutauchen. Eine sehr gute Wahl von der Booker Prizes Jury, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ein Buch, was man immer wieder lesen kann.

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