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Veröffentlicht am 19.05.2025

Nachrichten aus dem Jenseits

Die Glückslieferanten
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Die Himmelsboten überbringen den Menschen Pakete, versandt von Personen, die zum Zeitpunkt der Lieferung bereits verstorben sind. Diese Sendungen enthalten Botschaften an die Hinterbliebenen, die ihnen ...

Die Himmelsboten überbringen den Menschen Pakete, versandt von Personen, die zum Zeitpunkt der Lieferung bereits verstorben sind. Diese Sendungen enthalten Botschaften an die Hinterbliebenen, die ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern sollen, sowie Hinweise, die ihnen verhelfen zum Weg ins Glück.

Letztes Jahr konnte mich der Roman der Autorin mit dem Titel »Die Erinnerungsfotografen« restlos begeistern, umso größer also meine Freude auf das vorliegende Buch mit dem wunderbaren Titel »Die Glückslieferanten“, das eine ebenso schöne Leseerfahrung versprach. Zuerst zu den positiven Punkten: Das Cover und der Farbschnitt sind wunderschön sowie unlimitiert, was ich großartig finde. Zusätzlich passt das Buch perfekt zum Vorgänger, zusammen ergeben diese ein perfektes Paar. Aber - und natürlich folgt nun das Aber - der Inhalt schaffte es leider nicht, mich auch nur annähernd so zu begeistern, wie es das vorherige Werk geschafft hat. Ich empfand die Geschichten seicht und flach, also ohne nennenswerte Tiefe; eher nah an den Sprüchen in Glückskeksen, was die Aussagen betraf. Die Charaktere blieben blass, dazu verwechselte ich permanent die Personen, weil die Namen, Nachnamen sowie die in Japan üblichen Zusätze mich ständig verwirrten. Bedauerlicherweise passte es diesmal nicht zwischen Buch und mir, was sich mit dem nächsten Werk der Autorin hoffentlich wieder ändert. Wer eine leichte Unterhaltung sucht, die mit Weisheiten garniert ist, der wird hier sicherlich fündig. Ich wünsche eine schöne Lesezeit.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Kommt leider nicht an „Das Leuchten der Rentiere“ dran

Die Zeit im Sommerlicht
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In den 1950er Jahren in Schweden muss die erst siebenjährige Sámi Else-Maj ihr Zuhause sowie Familie und Freunde verlassen und wird in ein Nomadeninternat geschickt. Dort wird sie mit anderen Kindern von ...

In den 1950er Jahren in Schweden muss die erst siebenjährige Sámi Else-Maj ihr Zuhause sowie Familie und Freunde verlassen und wird in ein Nomadeninternat geschickt. Dort wird sie mit anderen Kindern von Rentierhirten unterrichtet, bekommt einen schwedischen Vornamen und darf ihre Muttersprache nicht mehr sprechen. Die furchteinflössende Hausmutter Rita Olsson führt das Internat mit eisernen Hand, Verfehlungen oder andere Ungehorsamkeiten werden strengstens bestraft. Einzig die Erzieherin Anna versucht, die Kinder zu beschützen, verschwindet jedoch eines Tages spurlos. Dreißig Jahre später taucht Anna wieder auf, bringt die Leben ihrer früheren Schützlinge durcheinander, aber auch die Chance auf Heilung der Wunden mit.

Bereits im Jahr 1909 hatte Bischof Olof Bergkvist die Idee zu einer »Lappenschule«, die dazu gegründet wurde, um die samischen Rentierhalter an die schwedische Leitkultur anzupassen. Diese grausame Vorgehensweise wurde fast fünf Jahrzehnte lang praktiziert, Kinder im Alter von sieben Jahren ihren Eltern förmlich entrissen, ihrer Muttersprache beraubt und zur Umerziehung gezwungen. Lange Zeit haben die betroffenen Familien geschwiegen, sich oft geschämt, geschuldet dem Stolz, kein Opfer gewesen zu sein. Die Mutter der Autorin war selbst auf einer Nomadenschule gewesen, dies nahm Ann-Helén Laestadius zum Anlass, darüber ihr zweites Buch für Erwachsene zu schreiben. Vieles habe sie eigener Aussage nach jedoch ausgelassen, weil manche Vorkommnisse schlicht und ergreifend zu grausam gewesen seien, um diese aufzunehmen.

Mehrere Perspektiven bemüht die Autorin, springt zwischen den Zeiten zusätzlich hin und her. Dabei sind die Erlebnisse der Kinder gleich, das Ergebnis jedoch unterschiedlich. Da wäre Marge, die sich ein Kind wünscht, und als das adoptierte Kind endlich da ist, nicht in der Lage ist, sich vernünftig um das kleine Mädchen zu kümmern. Oder Jon-Ante, am liebsten Jonne genannt, der darauf förmlich beleidigt reagiert, wenn man ihn aus Spaß mit dem verächtlichen Begriff „Lappe“ betitelt, und der nicht in der Lage war und ist, eine Beziehung mit einer Frau einzugehen. Da ist aber auch Anne-Risten, die sich Anne nennt und einen Schweden geheiratet hat, die ihre Herkunft gänzlich verleugnet, um anerkannt zu werden und damit fast ihre Identität verliert. Sie, Else-Maj und weitere Erwachsene verbinden ihre Erlebnisse in der Kindheit, gleichzeitig aber geht jeder von ihnen unterschiedlich mit den erlittenen Traumata um.

Der zweite Roman von Ann-Helén Laestadius berührte mich, auch wenn er leider an den großartigen Vorgänger »Das Leuchten der Rentiere« nicht ganz heranreicht. Das Buch ist ruhig, stellenweise zu ruhig, im Leben der beteiligten Menschen passiert einfach nicht viel. Die zurückliegenden Geschehnisse sind grausam, aber auch diese Grausamkeit nutzt sich ein wenig ab, wenn sie sich wiederholt. Die samischen Wörter und Sätze hätte ich mir dabei sofort übersetzt gewünscht, das Glossar hinten zu platzieren, hat meinem Lesefluss eher geschadet als genutzt. Letztlich hielt mich der Umstand bei der Stange, dass es um wahre Schicksale geht und dies erschütterte mich wirklich sehr. Insgesamt ein guter Roman, der durch die nüchterne Sprache ein bisschen an Authentizität einbüßt.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Farblose Enttäuschung

Blutrotes Karma
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Während die Studenten im Jahre 1968 protestieren und es überall in Paris Unruhen gibt, findet Hervé die brutal zugerichtete und zur Schau gestellte Leiche einer Freundin. Er holt seinen Halbbruder Mersch ...

Während die Studenten im Jahre 1968 protestieren und es überall in Paris Unruhen gibt, findet Hervé die brutal zugerichtete und zur Schau gestellte Leiche einer Freundin. Er holt seinen Halbbruder Mersch hinzu, der bei der Mordkommission arbeitet. Zusammen mit ihm und einer Freundin der ermordeten jungen Frau machen sich die drei auf die Suche nach dem Mörder, die sie bis nach Indien und darüber hinaus führt.

Riesig war meine Vorfreude auf das Buch, seit ich vor geraumer Zeit das vorherige Werk des Autors mit dem Titel »Die marmornen Träume« gelesen habe. Leider wich diese ziemlich schnell einer Ernüchterung, denn nach den ersten hundert Seiten war klar: dies wird kein Vergnügen. Ellenlange Ausführungen zu Politik, Verweise auf diverse politische Gruppierungen und andere Bünde verschiedener Menschen. Die Beschreibung der Örtlichkeiten, der französischen Straßen, Plätze und Parks, fand ich ebenfalls überflüssig, hatten diese letztendlich nichts mit dem Hauptthema zu tun. Meine Hoffnung bestand lange Zeit darin, dass es mit dem Mord dann endlich losgeht und thematisch ein wenig in eine andere Richtung geht, aber leider zerschlug sich diese bald, denn nun kam zusätzlich die religiöse Komponente hinzu, die der Autor genüsslich auf die Spitze trieb.

Insgesamt bleibe ich enttäuscht zurück, der Thriller schaffte es einfach nicht, mein Interesse zu wecken, geschweige denn, mich zu fesseln. Es gab zwar einige spannende Momente, aber dies war mir gemessen an der Seitenzahl einfach zu wenig. Dennoch würde ich es erneut versuchen, denn ich weiß, dass der Autor es auch anders kann.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Leider etwas überladen

Das Flimmern kleiner Lichter
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Ronja arbeitet als Pflegehilfskraft in Hamburg, als sie einen Anruf bekommt, dass eine ihrer Patientinnen zwangseingewiesen wurde. Der Ronja bis dahin unbekannte Enkel überredet diese dazu, seine Oma aus ...

Ronja arbeitet als Pflegehilfskraft in Hamburg, als sie einen Anruf bekommt, dass eine ihrer Patientinnen zwangseingewiesen wurde. Der Ronja bis dahin unbekannte Enkel überredet diese dazu, seine Oma aus der Klinik zu entführen und zu verstecken. Wider besseren Wissens lässt sich Ronja darauf ein, was schlimme Ereignisse nach sich zieht. Hilfe bekommt sie dabei von unerwarteter Seite.

»Natürlich verstand das Mädchen damals noch nichts vom Leben einer Frau, doch es verstand sehr gut, was ein Leben in Angst vor einem Mann aus einer Frau machen konnte.« (Seite 7)

Als ich den Prolog las, dachte ich, dass dies ein intensives und großartiges Leseerlebnis werden würde. Leider hielt das Buch nicht, was der Anfang versprach. Dies lag für mich in erster Linie daran, dass die Autorin in diesem schmalen Buch zu viele Bereiche angesprochen hat, was dazu führte, dass ich irgendwann den Überblick darüber verloren habe, worauf sie hinaus will. Gewalt in der Familie sowie solche gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Promiskuität, Einsamkeit, Drogensucht kamen darin vor, nur um einige Themen zu nennen. Dazu handelte die Protagonistin entgegen ihrer eigenen Erfahrungen, sie benahm sich für mich einfach nicht authentisch genug. Es gab einige besondere Abschnitte und auch den ein oder anderen Satz, der bei mir hängen blieb, insgesamt aber fand ich die Geschichte zu überladen, auch wenn die Message letztendlich doch noch rüberkam. Weniger wäre hier wahrscheinlich mehr gewesen.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Leider eher unspektakulär

Die blaue Stunde
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James Becker, Kurator der Fairbun-Stiftung, der die verstorbene Künstlerin Vanessa Chapman ihre Kunst vermacht hat, erhält einen Anruf, weil in einer Skulptur der Verstorbenen, die die Stiftung verliehen ...

James Becker, Kurator der Fairbun-Stiftung, der die verstorbene Künstlerin Vanessa Chapman ihre Kunst vermacht hat, erhält einen Anruf, weil in einer Skulptur der Verstorbenen, die die Stiftung verliehen hat, mutmaßlich ein menschlicher Knochen entdeckt worden sei. Um die Angelegenheit so diskret wie möglich zu klären, fährt Becker auf die abgeschiedene Gezeiteninsel Eris Island, auf der Chapman gelebt und die sie ihrer Vertrauten, der im Ruhestand befindlichen Ärztin Grace Haswell, vererbt hat. Haswell, gleichzeitig die Testamentsvollstreckerin der Erblasserin, besitzt eine Menge schriftlicher Aufzeichnungen von Chapman, die sie vor der Herausgabe durchsehen will und deswegen seit Jahren zurückhält. Dies ist nicht das einzige Ärgernis, auf das Becker stößt, während er nach der Wahrheit sucht.

»Bei Verstand bleibt man, indem man daran festhält - wenn man zu lange lockerlässt und seinem Verstand gestattet, Orte aufzusuchen, die er fürchtet oder nach denen er sich sehnt, riskiert man, dass er einem entgleitet. Man erlaubt es sich nicht, bestimmte Dinge wieder wachzurufen, wenn einem der eigene Verstand etwas wert ist.« (Seite 274)

Leider lässt mich dieses Buch nach dem Lesen sehr unbefriedigt zurück. Die Idee und auch den Aufbau des Buches kann ich lobend erwähnen, mir gefiel es, zwischen den Kapiteln wiederholt Bruchstücke der Aufzeichnungen der Künstlerin zu finden und auch die Rückblenden eine der zwei Hauptpersonen betreffend waren überaus interessant. Insgesamt konnte mich die Geschichte aber leider überhaupt nicht fesseln, denn abgesehen von einigen wenigen Passagen, die meine Aufmerksamkeit erregten, empfand ich die Erzählung als langatmig und überwiegend blass. Vielleicht hatte ich nach dem letzten Werk der Autorin falsche Vorstellungen, allerdings erwarte ich auch bei einem Roman eine gewissen Unterhaltungswert. Die Auflösung konnte mich zwar überraschen, aber das reicht mir persönlich nicht, um die Wertung zu verbessern. Schade, aber manchmal passt es einfach nicht.

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