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Veröffentlicht am 27.03.2025

Bienvenue à Paris ...

Die tausend Farben von Paris
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Es ist schon viel zu lange her, dass ich Paris, die Stadt der Liebe und der Kunst, besucht habe. Und so machte ich mich natürlich gerne durch die literarischen Augen der Autorin Catherine Durant, vielen ...

Es ist schon viel zu lange her, dass ich Paris, die Stadt der Liebe und der Kunst, besucht habe. Und so machte ich mich natürlich gerne durch die literarischen Augen der Autorin Catherine Durant, vielen auch bekannt unten den Namen Petra Mattfeldt, Caren Benedict und Ellin Carsta, auf die Reise ins Jahr 1951. Kaum angekommen treffe ich als erstes auf den sympathischen Amerikaner Jack, der Dank der sogenannten G. I. Bill der US Army ein Künstlerleben in der französischen Hauptstadt genießen darf. Das Geld ist knapp aber die Liebe ist groß, mit der er die zauberhafte Französin Rose Chevalier überschüttet, ein Mädchen aus gutem Hause, das auch ihm nicht abgeneigt ist. Auch Frank Levant ist Amerikaner und hat es als Sänger in Paris zu Ruhm gebracht und ist zudem der kleinen Blumenverkäuferin Amelie hoffnungslos verfallen. Die Liebe der beiden Paare könnte so schön sein, wenn nicht einige gutgehütete Geheimnisse, den französischen Himmel verdunkeln würden. Schnell finden sich die Vier inmitten einer Spionagegeschichte wieder, die mich als Leserin streckenweise die Luft anhalten ließ. Kommen die jungen Leute da heil wieder raus oder holt den ein oder anderen seine Vergangenheit ein?

Was hier als locker, leichter Liebesroman beginnt, entwickelt sich beim Lesen schnell als eine Spionagegeschichte vom Feinsten. Wie von der Autorin gewohnt, lässt ihre extensive Recherche vor Ort keine Wünsche offen. Als würde ich selbst durch Paris schlendern, konnte ich so die Charaktere begleiten und hatte die schönsten Bilder vor Augen. Die Bemühungen, jedem der Protagonisten eine Kunstrichtung zuzuweisen, sind wunderbar gelungen und so war es mir möglich Jacks Malerei, Roses einzigartige Fotografien, Jacks Musik und Amelies Blütenzauber beim Lesen auf mich wirken zu lassen.

Hier kommen weder Spannung noch die Liebe zu kurz und das Ganze fügt sich zusammen zu einer rasanten Story. Durch das informative Nachwort der Autorin bekam ich nochmal einen tiefen Einblick in die tatsächlichen Fakten und so vergebe ich hier natürlich sehr gerne mit fünf farbigen Sternen die Bestnote. Alle Bücher, inklusive diesem aktuellen, bekommen von mir eine von Herzen kommende Empfehlung und ich freue mich heute schon auf weitere Geschichten aus ihrer Feder.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2025

Mein Monatshighlight !!!

Zwei Leben
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„Zwei Leben“, der Titel hätte nicht besser gewählt werden können, denn um genau die geht es. Genauer gesagt geht es um die beiden Frauen Roberta und Gertrud, die beide ihr Leben in einem kleinen Dorf in ...

„Zwei Leben“, der Titel hätte nicht besser gewählt werden können, denn um genau die geht es. Genauer gesagt geht es um die beiden Frauen Roberta und Gertrud, die beide ihr Leben in einem kleinen Dorf in Süddeutschland führen oder fristen – je nachdem, wie man es betrachtet - die eine von Geburt an, die andere durch ihre Heirat mit dem Pfarrer Herrmann, der der kleinen Gemeinde vorsteht. Die junge Roberta hat gerade ihre Lehre in einer Industrieschneiderei beendet und freut sich wieder heimkehren und auf dem Hof ihrer Eltern wieder mit ihren eigenen Händen eine ehrliche Arbeit verrichten zu dürfen. Nicht so die „Frau Pfarrerin“, die schon lange bereut hat, sich in diese Einöde verpflanzen hat zu lassen. Während Getrud immer unglücklicher wird, genießt Roberta das Leben mit ihrer großen Liebe Wilhelm, dem Pfarrerssohn, und kann sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Für Getrud hingegen bringt eine Reise mit ihrem Bruder Georg eine ganz neue Erleuchtung und bei ihrer Rückkehr zieht sie ihre Konsequenzen. Doch dann kommt alles ganz anders als geplant und eine schreckliche Tragödie verändert das Leben von Robert und Gertrud auf einen Schlag …

Oh weh, dieses Hörbuch hat mich berührt, wie schon lange keines mehr zuvor. Ich konnte tief eintauchen und mich fallen lassen in eine Geschichte, die mir an Herz und Nieren ging. Ich möchte nicht spoilern und erwähne deshalb an dieser Stelle keine weiteren Details zu der Geschichte an sich, so viel sei aber gesagt, sie hat mich sehr beeindruckt und wird mir bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben. Für mich das bisher absolut beste (Hör)buch des Autors, von dem ich bereits fünf Vorgängerbücher genießen durfte. Absolute, von Herzen kommende Empfehlung verbunden mit fünf dicken, fetten beeindruckten Sternen!

Veröffentlicht am 12.03.2025

Tiefe Einblicke in eine unbekannte Welt ...

Eine ganze Welt
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Also ich muss ja sagen, dieses (Hör)buch fand ich höchstinteressant und sehr, sehr berührend. Im Mittelpunkt steht die 57jährige Suri Eckstein. Suri entstammt einer chassidischen Familie. Die "Chassidim" ...

Also ich muss ja sagen, dieses (Hör)buch fand ich höchstinteressant und sehr, sehr berührend. Im Mittelpunkt steht die 57jährige Suri Eckstein. Suri entstammt einer chassidischen Familie. Die "Chassidim" sind ultraorthodoxe Juden, deren Bräuche ins 18. Jahrhundert zurückreichen und von denen die meisten – wenn nicht in Israel - in New York leben. Ich betone an dieser Stelle ihr Alter, denn Suri ist schwanger, mit Zwillingen, und gerät dadurch in höchste Not. Sie kann sich niemandem anvertrauen, denn sie würde Schande über die Familie bringen. So schiebt sie das Offensichtliche vor sich her und versucht den Babybauch zu vertuschen. Nicht einmal ihrem Mann Yidel kann sie sich öffnen, so groß ist ihre Scham.

Doch dann eröffnet sich für sie „Eine ganze Welt“, in dem sie auf Freiwilligenbasis im Krankenhaus arbeiten kann, um anderen Frauen in Not zu helfen und sei deren Not auch nur dem Fakt geschuldet, dass sie neben Jiddisch nie die englische Sprache erlernt haben. Sie lässt ihr Leben während ihrer eigenen ungewollten Schwangerschaft nochmal Revue passieren und stellt fest, dass nicht alles wofür der Glaube steht, in Ordnung ist. Nicht in Ordnung ist es totzuschweigen, wenn junge Mädchen von ihrem Psychiater gegen ihren Willen missbraucht werden. Nicht in Ordnung ist es auch, dass ihr eigener Sohn den Freitod wählte, weil er schwul war und von der Gemeinde geächtet wurde. So viel scheint nicht in Ordnung …

Die Autorin Goldie Goldbloom lebt als Chassidin in Chicago und hat acht Kinder. Sie schreibt also aus eigener Erfahrung, was den Roman rund um Suri so authentisch macht. Ich hatte keine Ahnung, dass diese Welt so komplex und streng ist aber ihren Mitgliedern wohl gleichzeitig auch ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl vermitteln soll. Möchte ich tauschen? Niemals! Dennoch fand ich diesen literarischen Ausflug in die Gemeinde Williamsburg in Brooklyn sehr bereichernd. Von mir gibt es ohne zu Zögern mit fünf Sternen die volle Punktzahl. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter an all die LeserInnen, die mal aus ihrer eigenen Welt ausbrechen und eine neue Welt kennenlernen möchten.

Veröffentlicht am 09.03.2025

Die eigentlichen Antworten liegen weit in der Vergangenheit ...

Stromlinien
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Es kann keine einfache Kindheit gewesen sein, die die Zwillingsschwestern Enna und Jale bei ihrer Oma erlebt haben. Ihrer Oma, die kaum mehr als ein paar Worte am Stück redet und durch die Haft ihrer geliebten ...

Es kann keine einfache Kindheit gewesen sein, die die Zwillingsschwestern Enna und Jale bei ihrer Oma erlebt haben. Ihrer Oma, die kaum mehr als ein paar Worte am Stück redet und durch die Haft ihrer geliebten Tochter Alea für immer negativ geprägt sein wird. Doch die beiden Mädchen sind Kämpferinnen und erobern sich ihren eigenen Alltag geprägt vor allem durch ihre nicht enden wollenden Fahrten mit der „Sturmhöhe“, dem kleinen Boot, das schon ihrer Mutter erst Heimat und später ihr Untergang sein sollte. Enna und Jale sind ihre eigenen besten Freundinnen, kleben aneinander wie Pech und Schwefel, bis der Wunsch nach ein bisschen Eigenständigkeit ihre traute Zweisamkeit zu bedrohen scheint. Doch nun soll ja alles anders und besser werden. Ihre Mutter, von der sie bis heute nicht wissen, warum sie im Gefängnis sitzt, soll entlassen und alles soll gut werden. Doch dann verschwindet die Mutter und schließlich auch noch Jale, und Emma hat nur noch eine Mission: sie muss die Beiden finden.

In vielen stetig wechselnden Perspektiven nimmt uns die Autorin Rebekka Frank mit auf eine Reise in die Vergangenheit und Gegenwart und versucht mit uns als Lesern gemeinsam Licht ins Dunkel früherer Zeiten zu bringen. Die Geschichte beginnt schließlich mit einer Verhaftung vor hundert Jahren und einer anschließenden tragischen Ozeanfahrt, die die Weichen für die Zukunft stellt. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, um allen zukünftigen Lesern die Spannung nicht zu nehmen aber so viel sei gesagt, lasst euch ein auf den Roman „Stromlinien“, ihr werdet es nicht bereuen. „Little by little“ finden die einzelnen Puzzlestückchen einen Platz im großen Ganzen und das weite Ausholen macht auf einmal den perfekten Sinn. An manchen Stellen hätte ich die Geschichte vielleicht ein wenig gerafft, aber das schmälerte für mich den Lesefluss nur geringfügig. Alles in allem ist „Stromlinien“ ein perfekt durchdachter Roman, der mit seinen bildhaften Beschreibungen den Leser das Plätschern der Elbe beim Lesen fast hören und den Wellengang fast spüren lässt. Ich vergebe von 4,5 auf 5 aufgerundete Sterne verbunden mit einer von Herzen kommenden Leseempfehlung. Wer hier noch Zweifel hat sollte seine Finger einfach mal über das wunderbare Cover gleiten lassen und sich einfangen lassen von der Leselust, die hierbei unweigerlich entstehen wird!

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  • Cover
Veröffentlicht am 08.03.2025

Gönnen Sie sich etwa Besonderes ...

Ein ungezähmtes Tier
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Ich kaufe selten Bücher, meistens laufen sie mir auf die eine oder andere Weise über den Weg. Doch als ich sah, dass Joel Dicker mit „Ein ungezähmtes Tier“ einen neuen Kriminalroman rausgebracht hatte, ...

Ich kaufe selten Bücher, meistens laufen sie mir auf die eine oder andere Weise über den Weg. Doch als ich sah, dass Joel Dicker mit „Ein ungezähmtes Tier“ einen neuen Kriminalroman rausgebracht hatte, musste ich ihn haben … sofort!

Es geht ganz im Groben um zwei Ehepaare, die sehr unterschiedlich sind und zwischen denen dennoch eine Art Freundschaft entsteht. Da haben wir zum einen das Traumpaar schlechthin, Sophie und Arpad Braun, die mit dem großen Haus, den schnittigen Autos und den erfolgreichen Karrieren das Glück gepachtet zu haben scheinen. Neu zugezogen in der Nachbarschaft sind der Polizist Greg mit seiner Frau Karine, die als Verkäuferin in einer Boutique arbeitet. Sie wohnen zwar im gleichen Nobelvorort, letztere leben aber „nur“ in einem kleinen Reihenhäuschen. Während bei Greg und Karine ein leichter Neid an der Tagesordnung ist, gehen Sophie und Arpad ganz natürlich mit den beiden um und so fühlen sich alle schnell wie zu Hause in dem Quartett. Bald jedoch wird klar, dass drei von vieren mehr als ein Geheimnis hegen und so gerät die Viererkonstellation langsam, aber sicher ins Schwanken und das Vertrauen droht zu zerbröseln. Währenddessen laufen im Hintergrund in Einschüben immer wieder Informationen zu dem bevorstehenden geplanten Raubüberfall … wer jedoch mit wem, warum und wann bleibt im Dunkeln.

In bekannter Dicker Manier baut der Autor auch diesmal einen Spannungsbogen auf, der kaum zu überbieten ist. Immer wieder dachte ich, dass ich jetzt auf der richtigen Fährte wäre, nur um im nächsten Kapitel zu erfahren, dass ich doch auf dem Holzweg war. Wer Dicker mag, wird auch diesen Roman lieben. Intelligent, spannend und unvorhersehbar bekommt er von mir mit fünf Sternen die absolute Bestnote. Hoffentlich bekommt das Buch viele Leser/Hörer und vor allem viele neue Fans für diesen wunderbaren Autor!

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