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Veröffentlicht am 15.06.2025

Starke Welt, schwächelnde Tiefen

Guardian 1. Seelenwächter
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Eins vorweg: Das hier ist eine Rezension aus westlicher Sicht. Leider habe ich nicht viel Ahnung von asiatischen Begebenheiten (weder in der Sprache, noch in der Kultur), also seht es mir bitte nach.

Was ...

Eins vorweg: Das hier ist eine Rezension aus westlicher Sicht. Leider habe ich nicht viel Ahnung von asiatischen Begebenheiten (weder in der Sprache, noch in der Kultur), also seht es mir bitte nach.

Was sofort heraussticht: die Welt. Richtig cool gemacht! Allein schon eine medusa-ähnliche Figur als Nebencharakter? Liebe ich. Auch das ganze Konzept rund um Seelenwächter ist angenehm anders als das, was man sonst so aus westlicher Fantasy kennt. Große Stärke des Buchs!

Leider fehlt’s den beiden Hauptfiguren an Tiefe. Sie sind zwar beide von Anfang an ganz offensichtlich heiß aufeinander, aber das war’s dann auch schon fast mit der Dynamik. Slowburn ist hier Fehlanzeige – außer man ist schon zufrieden, wenn sie’s nicht direkt im ersten Kapitel miteinander treiben.

Die Sprache ist recht simpel gehalten – fast schon so, als wäre das Buch für Kinder oder sehr junge Teenager geschrieben. Das steht für mich im starken Kontrast zu den erwachsenen Themen, die behandelt werden. Vielleicht ist das typisch für Light Novels, da fehlt mir der Vergleich. Aber für meinen Geschmack hat das nicht gut zusammengepasst.

Ein kleiner Übersetzungsfehler ist mir auch aufgefallen: Der Begriff „Nachname“ wurde genutzt, obwohl Familiennamen in der chinesischen Kultur vorne stehen (wie es im Buch auch der Fall ist).

Und dann gibt’s da noch einen Comic-Relief-Charakter mit eigener POV. Die hätte man sich ehrlich sparen können. Seine „witzigen“ Szenen wirken platt, aufgesetzt und unterbrechen den Rest der Story eher als dass sie was beitragen.

Fazit: Tolle Welt, spannende Idee – aber sprachlich und charakterlich leider nicht überzeugend umgesetzt. Wer sich aber an der Oberfläche wohlfühlt und einfach was Frisches sucht, könnte trotzdem seinen Spaß haben.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Zeitschleife der Gefühle

Gestern waren wir unendlich
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Wer anhand des Klappentextes eine harmonische, romantische Beziehung erwartet, wird überrascht: Henry und Louis starten mit einem handfesten Streit ins Buch. Das Thema dieses Streits wirkt zwar zunächst ...

Wer anhand des Klappentextes eine harmonische, romantische Beziehung erwartet, wird überrascht: Henry und Louis starten mit einem handfesten Streit ins Buch. Das Thema dieses Streits wirkt zwar zunächst fast banal, aber die Darstellung macht deutlich, wie subjektiv Verletzlichkeit und emotionale Trigger sind – und das finde ich sehr gelungen. Beide Hauptfiguren sind realistisch gezeichnet, mit Ecken, Kanten und nachvollziehbaren Gefühlslagen. Man liest nicht über „Figuren“, sondern über Menschen.

Leider habe ich selten einen Protagonisten so konsequent unsympathisch gefunden wie Henry. Seine Art war für mich ein echter Dämpfer beim Lesen – selbst in den emotionalen Momenten blieb er für mich unzugänglich. Adam, eine Nebenfigur, war dafür ein absolutes Highlight; sowie auch Dylan, dem wir im zweiten Band wohl noch begegnen werden.

Ein zentrales Motiv ist Louis’ "Zeitschleife" – und die wird auch formal konsequent durchgezogen. Ganze Dialoge wiederholen sich wortwörtlich, was durchaus zwiespältig ist. Einerseits wirkt es etwas bequem, andererseits erzeugt es genau den gewünschten Effekt: Man wird genauso mürbe wie Louis. Lesende und Figur teilen das Gefühl der Frustration und Ohnmacht. Ein kluger, wenn auch mutiger Kniff.

Die Auflösung teilt sich in zwei Hälften – die eine lässt sich früh erahnen, die andere überrascht und ergänzt das Bild stimmig. Insgesamt bleibt ein schönes, nachdenkliches Gesamtbild zurück. Was mir allerdings gefehlt hat, war die emotionale Wucht, die ich mir von der Thematik erhofft hatte. Kein Tränchen, keine Gänsehaut – vielleicht, weil Louis mehr mit Wut als mit Trauer auf seine Lage reagiert. Das ist zwar mehr als nachvollziehbar, aber für mich persönlich allerdings weniger berührend.

Der Ausblick auf die beiden Protagonisten im zweiten Band hat mir dafür sehr gefallen und macht Lust auf mehr.

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Unverbrauchtes Thema

Seven Ways to Tell a Lie
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Colin Hadlers Seven Ways To Tell A Lie hat mich sofort mit seinem auffälligen, modernen Cover gecatcht – und auch inhaltlich hat der Roman einen aktuellen Nerv getroffen. Der Umgang mit Deepfakes und digitaler ...

Colin Hadlers Seven Ways To Tell A Lie hat mich sofort mit seinem auffälligen, modernen Cover gecatcht – und auch inhaltlich hat der Roman einen aktuellen Nerv getroffen. Der Umgang mit Deepfakes und digitaler Manipulation ist spannend, relevant und wurde hier auf eine frische, zeitgemäße Weise erzählt. Auch, dass es dabei nicht zu abgedreht war, tat in dem aktuellen Stadium der Realität sehr gut daran, sich einfinden zu können.

Der Schreibstil ist angenehm locker, das Tempo hoch – man fliegt förmlich durch die Seiten und hat definitiv Spaß dabei. Gerade für Leser*innen, die auf kurzweilige Spannung stehen, ist das Buch ideal.

Allerdings: So sehr mich das Konzept begeistert hat, hätte die Geschichte von mehr Tiefe profitiert. Viele der angedeuteten Geheimnisse wirkten nur oberflächlich angerissen, fast wie Skizzen, die nie richtig ausgemalt wurden. Hier hätte ein paar zusätzliche Kapitel oder sogar ein zweiter Band gutgetan, um den Figuren und ihrer Vergangenheit/Gegenwart mehr Raum zu geben.

Auch die Auflösung konnte das starke Setup leider nicht ganz einlösen. Besonders das letzte Video, das den Protagonisten selbst betraf, wirkte eher enttäuschend und konnte den emotionalen Impact nicht liefern, den ich mir erhofft hatte.

Trotzdem mochte ich den Ausgang der Geschichte – der Mix aus Happy und Sad End war genau richtig gewählt: nicht zu kitschig, aber auch nicht gnadenlos düster.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

"Nadya war von der Göttin des Todes erwählt, sie hatte nie unschuldig sein können."

Das schwarze Herz des Winters – Unholy
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Ich gebe zu, vermutlich hätte auf dem Klappentext alles stehen können und ich hätte es bei dem Cover gekauft 😅
Es war das erste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ich berichte heute davon, weil ...

Ich gebe zu, vermutlich hätte auf dem Klappentext alles stehen können und ich hätte es bei dem Cover gekauft 😅
Es war das erste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und ich berichte heute davon, weil übermorgen der zweite von drei Bänden auf Deutsch erscheint.
An der Stelle: Ich versuche, englischsprachige Bücher nach Möglichkeit in der Originalfassung zu lesen, aber ich lebe nun einmal in Deutschland und Impulskäufe enden somit in der Regel auf Deutsch. (Und innerhalb einer Reihe werde ich danach nicht mehr wechseln, weil mein innerer Monk sonst die Krise kriegt^^")
Der Schreibstil sagte mir tatsächlich nicht sonderlich zu. Allerdings ist es an der Stelle gut möglich, dass es tatsächlich an der Übersetzung lag, da manche Formulierungen auf mich etwas eigenartig wirkten.
Dafür gefiel mir das Worldbuilding umso besser. Die verschiedenen Orte und Gebiete, die Konflikte und Ansichten der unterschiedlichen Völker und deren andersartigen Kulturen konnten mich direkt überzeugen und fesseln. Besonders leicht haben es mir da die Kapitelanfänge gemacht, denen immer ein Auszug aus den heiligen Schriften der Protagonistin vorangeht.
Die Erzählperspektive wechselt immer zwischen der Sicht einer auserwählten Klerikerin und der Sicht des verfeindeten Kronprinzen. Dabei setzen sich die Puzzleteile für den Leser viel schneller und natürlicher zusammen, als im Verlauf der Geschichte für die Charaktere. Ich bin ein großer Fan von dieser Art von Erzählung und freue mich jedes Mal, wenn ich sie irgendwo finden kann.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Wunderschön und tolles Setting

The Kinder Poison
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Als ich die Aufmachung des Buches das erste Mal erblickte, war ich bereits hin und weg. Meine Lieblingsfarbkombi (Lila + Gold), zusammen mit der Blume und dem Skorpion - himmlisch! Dazu noch der Titel ...

Als ich die Aufmachung des Buches das erste Mal erblickte, war ich bereits hin und weg. Meine Lieblingsfarbkombi (Lila + Gold), zusammen mit der Blume und dem Skorpion - himmlisch! Dazu noch der Titel und der Farbschnitt und mir war klar, dass ich dieses Buch unbedingt brauchte.
Nun, nachdem ich ein eARC gelesen habe, stelle ich fest: Ich brauche das Buch immernoch :D
Es handelt sich hierbei um einen sehr kurzweiligen Read, den ich innerhalb eines Tages durch hatte.
Zwar hat es hat einige Mankos, zu denen ich gleich komme, aber die Welt, Charaktere und Story konnten problemlos über diese hinwegtrösten.
Zunächst war das Buch deutlich jünger geschrieben, als ich erwartet hatte. Ich wusste zwar, dass es sich hierbei um YA handelt, hatte aber gedacht, dass wir uns da eher am oberen Ende befanden. Stattdessen waren wir eher auf dem Level von Hunger Games - was natürlich nichts Schlechtes sein muss, wenn man danach sucht!
Die Protagonistin handelt daher ziemlich naiv und einfältig, wofür sie auch des Öfteren bestraft wird. Außerdem entwickeln die Beziehungen sich zwischen den Charakteren auch so hastig, wie man es von dieser Altersgruppe erwaret.
Abgesehen davon hat es jedoch sehr viel Spaß gemacht, sich mit ihnen durch die Wüste zu kämpfen!
So viel Spaß, dass ich jetzt überlege, ob ich den Rest der Reihe auf Englisch lese, um nicht eine Ewigkeit warten zu müssen :P

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