"Es wäre alles genau so möglich gewesen"
Die Farben der Revolution. Éléonore und RobespierreDer Roman spielt in den Jahren 1791 bis 1794 in Paris. Es ist ein bewegter Zeitabschnitt während der Französischen Revolution. Alles beginnt, als Éléonore Duplay und ihre Schwester Babette, auf dem Marsfeld ...
Der Roman spielt in den Jahren 1791 bis 1794 in Paris. Es ist ein bewegter Zeitabschnitt während der Französischen Revolution. Alles beginnt, als Éléonore Duplay und ihre Schwester Babette, auf dem Marsfeld die Petition für ein allgemeines Wahlrecht unterschreiben. Wenig später entgehen die beiden jungen Frauen nur knapp einem blutigen Massaker, als plötzlich die Nationalgarde beginnt, auf das versammelte Volk zu schießen. Éléonore sucht daraufhin ihren Vater im Jakobinerclub auf, wo sich Gegner der absolutistischen Monarchie treffen. Dort begegnet sie zum ersten Mal Maximilien Robespierre. Die Faszination ist beidseitig, und als Robespierre wenig später ein Zimmer bei der Familie Duplay bezieht, sehen sich die beiden täglich. Obwohl Éléonore bereits dem Schreinergesellen Jean versprochen ist, der einmal die väterliche Werkstatt übernehmen soll, entwickelt sich zwischen ihr und Maximilien ein zartes Band der Zuneigung. Éléonore bewundert die Unbestechlichkeit Maximiliens und kann seine Zukunftsvision von einer freien Republik nur allzu gut nachvollziehen. Er schätzt ihre Klugheit, ihr künstlerisches Talent und ihren Mut, denn Éléonore setzt sich unermüdlich für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Sie haben gemeinsame Ideale aber auch größere politische Meinungsverschiedenheiten, vor allem aber haben sie den Traum von einer gemeinsamen Zukunft. Ihre Liebe steht jedoch unter keinem guten Stern, und jeder, der sich schon mit den historischen Fakten der Französischen Revolution befasst hat, weiß um Robespierres Schicksal, und obwohl ich wusste, wie es letztendlich ausgeht, habe ich diesen Roman mit großer Faszination gelesen. Jeanette Limbeck hat äußerst gründlich recherchiert, was man schon an den zahlreichen Quellenangaben im Anhang sieht. Kleinere Abweichungen von der historischen Realität hat sie separat aufgelistet, auch gibt es ein umfangreiches Personenverzeichnis, an dem man sieht, dass die meisten Personen wirklich gelebt und gewirkt haben und es nur sehr wenige fiktive Charaktere in der Handlung gibt. Der Roman ist in der 1. Person geschrieben. Éléonore Duplay schildert die Ereignisse der Jahre aus ihrer Sicht, und man erhält hier ein ganz anderes Bild von Robespierre als man es gemeinhin kennt. Ihre Erzählung ist sehr sachlich und wirkt manchmal distanziert und kühl, was aber durchaus ins Bild passt, denn man hat den Eindruck, als hätte sie für ihren Rückblick auf vergangene Tage alle Emotionen in ihrem Inneren verschlossen, so als wären die Hoffnungen und Träume dieser starken jungen Frau, die sich stets für die Rechte der Frauen eingesetzt hat, zusammen mit Maximilien gestorben. Alle Ereignisse sind so plastisch dargestellt, dass man völlig in diese damalige Welt eintaucht. Die Charaktere sind brillant ausgeführt, und man kann ihre Zuversicht, ihre Erwartungen aber auch ihre Bedenken und Ängste sehr gut nachvollziehen. Für mich war es sehr fesselnd, hier so detailliert über eine Zeit zu erfahren, die mir bisher nur bruchstückhaft bekannt war.
Der Titel des Romans "Die Farben der Revolution" ist perfekt gewählt, denn Éléonore war Künstlerin und bezeichnete sich selbst als Malerin der Revolution. Das Portrait auf dem Buchcover soll ein Selbstbildnis in Pastell von ihr sein. Die tragische Geschichte von Éléonore Duplay und Maximilien Robespierre ist definitiv ein Lese-Highlight für mich.