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Ellinor

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2025

Große Liebe

Für Polina
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Es gibt Bücher, die sind vom ersten Satz an einfach perfekt. Genau so eines ist Für Polina. Fritzi Prager ist eine ganz besondere Figur, aber auch die anderen Personen sind unglaublich gut herausgearbeitet ...

Es gibt Bücher, die sind vom ersten Satz an einfach perfekt. Genau so eines ist Für Polina. Fritzi Prager ist eine ganz besondere Figur, aber auch die anderen Personen sind unglaublich gut herausgearbeitet und liebenswert (wobei ich Polina tatsächlich am wenigsten mochte). Ich liebe generell Bücher, in denen es um die Liebe zur Musik und besonders talentierte Menschen geht. Ich höre mir dann auch diese Stücke an oder versuche- wie in diesem Fall- mir vorzustellen, wie sie klingen könnten.
Was Für Polina aber so außergewöhnlich macht, ist der Ton, in dem die Geschichte geschrieben ist. Er erinnerte mich an etwas, ich kann es aber trotz intensiven Nachdenkens nicht benennen. Eventuell ein John Irving zu seiner besten Zeit (dazu passt auch der ungewöhnliche Tod Fritzis). Auf jeden Fall waren es dieser Ton, diese Sprache, die mich von Anfang an gefangen nahmen. Um sie genießen zu können, habe ich das Buch tatsächlich langsam gelesen, langsamer als ich so eine fantastische Geschichte normalerweise lesen würde.
Das Buch war mein drittes von Takis Würger. Die anderen habe ich gerne gelesen, Für Polina ist aber eine Klasse für sich. Ganz große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Schönes Coming of Age Buch

Paradise Garden
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Ich mag Road-Trip-Bücher und ich mag Coming-of-Age-Bücher. Ich mag Mutter-Tochter-Geschichten und ich mag Bücher über Außenseiterinnen. Paradise Garden, der Debütroman von Elena Fischer beinhaltet als ...

Ich mag Road-Trip-Bücher und ich mag Coming-of-Age-Bücher. Ich mag Mutter-Tochter-Geschichten und ich mag Bücher über Außenseiterinnen. Paradise Garden, der Debütroman von Elena Fischer beinhaltet als diese Elemente - und er ist wirklich gut!
Die Vierzehnjährige Billie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter in einem Hochhaus, das Geld reicht gerade so für das Nötigste, Urlaub ist nicht drin. Doch die beiden haben Glück und gewinnen im Radio eine kleine Summe, die es ihnen ermöglicht, ein paar Tage an der Nordsee zu verbringen. Kurz bevor sie losfahren können, taucht plötzlich Billies angeblich kranke ungarische Großmutter auf und nistet sich bei den beiden ein. Der Urlaub ist nun gestrichen. Doch es kommt noch schlimmer, denn völlig unerwartet stirbt Billies Mutter. Das Mädchen flieht daraufhin vor Jugendamt und Großmutter und macht sich völlig alleine auf den Weg zur Nordsee - auf den Spuren ihres unbekannten Vaters.
Billie und ihre Mutter Marika haben eine ganz besondere Beziehung, die mich in vielerlei Hinsicht fasziniert hat. Ich finde es toll, mit wieviel Fantasie und Einfallsreichtum mit Marika sich und Billie durchs Leben bringt. Für Billie hätte ich mir jedoch gewünscht, dass Marika nicht so sehr vor allem flieht und ihrer Tochter ein wenig mehr Stabilität gibt.
Besonders schön an Paradise Garden finde ich die Struktur und den Aufbau der Geschichte. Die Leser
innen erfahren mit der ersten Zeile, dass Marika stirbt. Dennoch ist sie während fast der gesamten Geschichte sehr präsent, auch ihr eigentlicher Tod findet viel später statt. Die Geschichte wird auch niemals kitschig, es gibt keine bewusst herbeigeführten plötzlichen Sinneswandel. Die Personen entwickeln sich, aber niemals so, dass es unrealistisch wird. Gerade die Wendung ziemlich am Ende fand ich sehr gelungen.
Paradise Garden ist ein ganz wunderbares Debüt und ich freue mich schon sehr auf das nächste Buch von Elena Fischer.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Ein Opus Magnum

Lektionen
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Ian McEwan schreibt in der Regel eher kürzere Bücher. Über 400 Seiten geht selten eines hinaus, häufig sind es sogar unter 200. Mit Lektionen legt er jedoch ein Buch vor, das man nicht nur aufgrund seiner ...

Ian McEwan schreibt in der Regel eher kürzere Bücher. Über 400 Seiten geht selten eines hinaus, häufig sind es sogar unter 200. Mit Lektionen legt er jedoch ein Buch vor, das man nicht nur aufgrund seiner 700 Seiten als Opus Magnum bezeichnen kann. Das Werk umspannt achtzig Jahre und mehrere Generationen. Derartige Zeitspannen kennt man von dem Autor fast gar nicht.

Ich gestehe, dass ich großer Ian McEwan-Fan bin und die meisten seiner Bücher gelesen habe. Seine neuesten Werke waren allerdings oft nicht mehr ganz so nach meinem Geschmack. Mit Lektionen hat er nur aber erneut etwas grandioses geschaffen. Dieser Mann kann einfach schreiben. Und trotz der Länge des Textes ist hier kein Wort zuviel.

Auch die Personen sind sämtlich fantastisch herausgearbeitet. Es gibt auch keine unnötigen Sentimentalitäten (was manch anderer sicher in eine derartige Geschichte eingebaut hätte).

Interessant finde ich auch einen Vergleich zwischen dem Autor und Roland Baines, der Hauptfigur des Romans. Beide wurden im gleichen Jahr geboren und erhielten eine musikalische Ausbildung. Es ließen sich also durchaus autobiographische Züge erkennen. Hierauf wird im Buch auch angespielt, wenn auch in einem anderen Zusammenhang. Und natürlich musste ich dabei gleich an einen anderen Autor denken: John Irving, der sich bei fast jedem seiner Werke diesen Diskussionen gegenübersieht.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Bester Band der Reihe

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
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Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt ist bereits der vierte Band um das ermittelnde Rentnerquartett. Und vielleicht ist es sogar der bisher beste Band der Reihe. Nach dem ersten ...

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt ist bereits der vierte Band um das ermittelnde Rentnerquartett. Und vielleicht ist es sogar der bisher beste Band der Reihe. Nach dem ersten Buch war ich mir eigentlich sicher, dass die darauffolgenden deutlich schwächer ausfallen würden, wie das häufig der Fall ist, da die besten Ideen bereits aufgebraucht sind. Doch das Gegenteil ist der Fall: die vier Hauptfiguren wachsen immer mehr zusammen, entwickeln und ergänzen sich. Auch die Nebenfiguren sind so gut beschrieben. Selbst die Krimihandlung ist immer nachvollziehbar, was keinesfalls selbstverständlich ist. Diesmal bin ich besonders begeistert davon, weil mein Verdacht bezüglich des Täters richtig war 😉
Was diese Serie so besonders macht, ist der Tonfall: Richard Osman schreibt mit sensationellem britischen Humor und wird niemals geschmacklos. Dass dies auch im Deutschen so gut funktioniert, liegt auch an der tollen Übersetzung von Sabine Roth. Der Autor weiß aber auch ganz genau, wann Humor fehl am Platz ist und er den Ton wechseln muss: als es um Elizabeth und ihren demenzkranken Mann Stephen ging, standen mir die Tränen in den Augen, so einfühlsam waren diese Szenen beschrieben.
Ich kann diese Serie nur jedem wärmstens empfehlen. Es ist allerdings sinnvoll, die Bücher der Reihe nach zu lesen.

Veröffentlicht am 12.04.2025

Hätte ausführlicher sein können

Ich bleibe hier
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Ich bleibe hier erzählt die Geschichte einer Südtiroler Familie vom 1. Weltkrieg bis zum Beginn der Fünfzigerjahre. Südtirol wurde nach dem Ende des österreichischen Kaiserreichs Teil Italiens. Dabei wurde ...

Ich bleibe hier erzählt die Geschichte einer Südtiroler Familie vom 1. Weltkrieg bis zum Beginn der Fünfzigerjahre. Südtirol wurde nach dem Ende des österreichischen Kaiserreichs Teil Italiens. Dabei wurde alles italienisiert: die Orte bekamen italienische Namen, Deutsch wurde verboten und Italiener aus dem Süden des Landes wurden in die Bergregion umgesiedelt. Im Dorf Graun versuchen Trina und ihr Mann Erich Widerstand gegen Mussolini und später gegen Hitler zu leisten. Schließlich soll sogar ein Staudamm gebaut werden, in dessen Fluten das Dorf versinken wird.

Die Geschichte lässt sich schnell und gut lesen und Trina und Erich sind sehr sympathische Charaktere. Allerdings ging mir vieles zu schnell und wurde nicht ausführlich genug erklärt und beschrieben. Der ganze Roman hat weniger als 200 Seiten, umfasst aber eine Zeitspanne von über 30 Jahren. Dass dabei vieles nur knapp beschrieben werden kann, ist klar. Ich fand auch den Teil mit der verlorenen Tochter nicht ganz gelungen. Einerseits schreibt Trina den Bericht an ihre Tochter, andererseits vernichtet sie alles, was sie noch für ihr hat und verdrängt sie ganz aus ihrem Leben. Dieses Verhalten finde ich ein wenig unschlüssig. Ich hätte mir insgesamt mehr von diesem Buch erwartet. Es ist aber gut geschrieben, sodass ich es dennoch empfehlen würde.