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Veröffentlicht am 05.05.2025

Ungewöhnliche Biografie & feministisches Sachbuch, keine leichte Kost

Girlhood
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"Als junge Frau warf ich mich gegen alles - andere Körper, Städte, mich selbst - und rieb mich daran, konnte aber den Spuren, die ich auf den Dingen hinterließ oder diese Dinge auf mir, nie irgendeine ...

"Als junge Frau warf ich mich gegen alles - andere Körper, Städte, mich selbst - und rieb mich daran, konnte aber den Spuren, die ich auf den Dingen hinterließ oder diese Dinge auf mir, nie irgendeine Aussage entnehmen. Ich warf mich gegen mein Leben, als könnte es mir verraten, was ich tun musste, um keinen Schmerz mehr zu fühlen, so lange, bis ich innerlich grün und blau war. Das Weiche, das ich dabei hin und wieder fand, so klein und flüchtig es auch gewesen sein mochte, war kostbar. Gut möglich, dass es mir das Leben gerettet hat."

Melissa Febos hat im Vergleich zu den meisten "Durchschnittsfrauen" eine ungewöhnliche und teils heftige Lebensgeschichte (Drogen, Arbeit als Domina, ...) hinter sich. Diese hat sie in ihrem Buch "Girlhood" verarbeitet.
Gerade zu Anfang fand ich ihre Geschichte schwer zugänglich und etwas sperrig geschrieben. Doch nach und nach tauchten einige wirklich kluge feministische Gedanken auf, vor allem, was das Aufwachsen als Mädchen und Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft angeht:

"So unmöglich es mir damals schien, über den Schmerz und die Dunkelheit zu sprechen - ich glaube heute nicht mehr, dass ich etwas Außergewöhnliches erlebt habe. Für viele ist es eine dunklere Zeit, als wir uns eingestehen wollen. In diesen Jahren verinnerlichen wir immer mehr die Geschichte, die man uns erzählt, eine Geschichte über uns - was wir wert sind, was Schönheit bedeutet, was gefährlich ist und was normal. Nach und nach lernen wir, die Gefühle anderer, das Wohlergehen anderer, ihre Wahrnehmungen und ihre Macht über unsere eigenen zu stellen. Diese Konditionierung kann dazu führen, dass wir viele Aspekte unseres Selbst verbannen, dass wir anfangen, unseren Körper zu hassen und zu missbrauchen, dass wir versuchen, andere Mädchen zu kontrollieren und ein Leben lang Werten anhängen, die nicht in erster Linie unserer Unversehrtheit, unserem Glück, unserer Freiheit oder unserem Vergnügen dienen. Auch wenn meine Mädchenjahre mit die letzten waren, die noch nicht unter dem Einfluss des Internets standen, sind mir bei denen, die seitdem groß wurden und werden, viele derselben Herausforderungen begegnet."

"Bevor ich erfuhr, was man unter Schönheit verstand, hatte ich an meinem Körper nichts als Freude."

"Mädchen hatten nicht riesig zu sein. Sie hatten nicht stark und verschorft zu sein. Groß und stark, das wollte jedes Tier sein, aber wir wollten das unerklärlicherweise nicht.
Mensch zu sein bedeutete, dass die Weibchen anders als die der meisten Spezies ein prachtvolles Gefieder zu pflegen hatten. Wir wetteiferten darum, die Schwächste, Kleinste und Kindlichste zu sein. Wie es aussah, verwendeten wir all unsere Kraft darauf, uns klein zu machen, um den Männchen zu gefallen. Ziel war es, so weich und reinlich und zart wie möglich zu sein. Das ergab überhaupt keinen Sinn. Ich war es nicht gewohnt, mich kleinzumachen. Ich war weder reinlich noch zart."

"Diese extreme Werteumkehr - "groß und stark" wird vom Besten zum Schlechtesten - finde ich im Nachhinein schockierend. Männern stand offenbar die ganze Welt offen, sie schienen auf sämtliche wahrnehmbare Artenals überlegen zu gelten, aber uns hielt man davon ab, nach irgendeiner als männlich gelesenen Form von Dominanz zu streben. In irgendeiner Hinsicht als "männlich" beschrieben zu werden, war die schlimmste aller Beleidigungen."

"Mein Körper, wenn auch vom Wesen her unbeständig, ließ sich aushungern, verstecken und durch verlangen quasi neu konfigurieren - wenn ihm jemand schön fand, wurde er es."

"Stell dir nur mal diese Energievereudung vor!
Aber wahrscheinlich brauchst du das gar nicht, denn du weißt selbst, dass man sein Leben danach ausrichten kann, das Patriarchat zu bekämpfen, und trotzdem noch Anteile in sich hat, die der Überzeugung sind, der eigene Wert würde exakt mit der eigenen Attraktivität für Männer korrelieren. Es ist eine der Raison d'Êtres des Feminismus."

"Aber es ist das Zusammenspiel all dieser Faktoren, das die Macht des Patriarchats festig: eine elegante Maschinerie, deren Kolben sich still und leise in unserem eigenen Kopf bewegen und deren glänzendes Räderwerk wie irrtümlich für unseren eigenen Schmuck halten. "

"Wir wissen das, oder etwa nicht? Zumindest, wie häufig es zu sexuellen Übergriffen kommt - etwa eine von vier Frauen erleben Sie -, aber ich habe keinerlei Forschungsergebnisse darüber gefunden, wie oft wir ohne unser Einverständnis von Männern berührt werden, und zwar von klein auf: Man kneift uns in den Bauch oder in die Wange, drückt uns die Schulter oder legt uns eine Hand aufs Bein, ganz zu schweigen von missliebigen Umarmungen oder der Hand eines Fremden die in einer Bar unseren Rücken streift. Schon ein oberflächlicher Blick genügt, um sich nicht mehr zu wundern, warum eine Frau "sehr verwirrt" darüber sein kann, "wem ihr Körper eigentlich gehört".

Das Buch bietet einige interessante Denkanstöße, jedoch hätte ich mir noch andere Impulse gewünscht. Stellenweise war es mir etwas zu langatmig und ausschweifend geschrieben.
Es ist keine leichte Kost und sicher nicht für jeden zugänglich.
Insgesamt eine interessante Biografie, die mich literarisch jedoch nicht komplett überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Glück und Unglück dreier Freundinnen

Verheiratete Frauen
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„Verheiratete Frauen“ von Cristina Campos ist ein Roman über drei Frauen ab 40, drei Freundinnen. Den größten Teil des Romans geht es um Gabriela, eine Journalistin. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn ...

„Verheiratete Frauen“ von Cristina Campos ist ein Roman über drei Frauen ab 40, drei Freundinnen. Den größten Teil des Romans geht es um Gabriela, eine Journalistin. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn -und einen Liebhaber, Pablo, einen zehn Jahre älteren Schriftsteller. Ihren Ehemann Germán begehrt sie nicht mehr, bei Pablo findet sie endlich wieder sexuelle Erfüllung. Dennoch ist sie unzufrieden mit der Situation, sie will nicht mehr nur die Geliebte sein, sondern Pablo ganz für sich haben. Doch der möchte seine Frau nicht verlassen. Sein Argument: nach kurzer Zeit würde es im Alltag auch nicht besser sein als mit den aktuellen Ehepartner*innen.
Dann sind a noch Silvia, eine Fotografin, die schwanger von ihrem Ehemann ist, der sie eigentlich nicht glücklich macht. Insgeheim fühlt sie sich zu Frauen hingezogen, besonders zu Zaira, doch sie kann nicht zu ihren Gefühlen stehen.
Und Stylistin Cósima ist frisch verheiratet und spürt, dass ihr Mann sie nicht mehr begehrt. Sie spioniert ihm hinterher, da sie einen Verdacht hat.

Mir fällt die Rezenstion dieses Romans etwas schwer. Die Leseprobe klang eigentlich ganz vielversprechend, aber das Buch konnte keine allzu große Begeisterung in mir auslösen. Es war nicht wirkich schlecht, aber auch nicht besonders herausstechend aus der Masse der Neuerscheinungen.
Ich konnte die Handlungen und Reaktionen der Protagonistinnen nicht immer nachempfinden; am ehesten konnte ich mich noch in das Innenleben von Gabriela einfühlen. Besonders die Passagen über ihren damals unerfüllten Kinderwunsch waren sehr berührend und bewegend. Auch die Freundschaft der drei Frauen, die sich durch den gesamten Roman hindurchzieht, ist recht gut getroffen.
Dazwischen hatte das Buch aber einige Längen und ich schwankte zwischen 3 bis 4 Sternen, entscheide mich aber doch für nur 3 Sterne, da ich hier keine eindeutige Leseempfehlung geben kann.

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Glück und Unglück dreier Freundinnen

Verheiratete Frauen
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„Verheiratete Frauen“ von Cristina Campos ist ein Roman über drei Frauen ab 40, drei Freundinnen. Den größten Teil des Romans geht es um Gabriela, eine Journalistin. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn ...

„Verheiratete Frauen“ von Cristina Campos ist ein Roman über drei Frauen ab 40, drei Freundinnen. Den größten Teil des Romans geht es um Gabriela, eine Journalistin. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn -und einen Liebhaber, Pablo, einen zehn Jahre älteren Schriftsteller. Ihren Ehemann Germán begehrt sie nicht mehr, bei Pablo findet sie endlich wieder sexuelle Erfüllung. Dennoch ist sie unzufrieden mit der Situation, sie will nicht mehr nur die Geliebte sein, sondern Pablo ganz für sich haben. Doch der möchte seine Frau nicht verlassen. Sein Argument: nach kurzer Zeit würde es im Alltag auch nicht besser sein als mit den aktuellen Ehepartner*innen.
Dann sind a noch Silvia, eine Fotografin, die schwanger von ihrem Ehemann ist, der sie eigentlich nicht glücklich macht. Insgeheim fühlt sie sich zu Frauen hingezogen, besonders zu Zaira, doch sie kann nicht zu ihren Gefühlen stehen.
Und Stylistin Cósima ist frisch verheiratet und spürt, dass ihr Mann sie nicht mehr begehrt. Sie spioniert ihm hinterher, da sie einen Verdacht hat.

Mir fällt die Rezenstion dieses Romans etwas schwer. Die Leseprobe klang eigentlich ganz vielversprechend, aber das Buch konnte keine allzu große Begeisterung in mir auslösen. Es war nicht wirkich schlecht, aber auch nicht besonders herausstechend aus der Masse der Neuerscheinungen.
Ich konnte die Handlungen und Reaktionen der Protagonistinnen nicht immer nachempfinden; am ehesten konnte ich mich noch in das Innenleben von Gabriela einfühlen. Besonders die Passagen über ihren damals unerfüllten Kinderwunsch waren sehr berührend und bewegend. Auch die Freundschaft der drei Frauen, die sich durch den gesamten Roman hindurchzieht, ist recht gut getroffen.
Dazwischen hatte das Buch aber einige Längen und ich schwankte zwischen 3 bis 4 Sternen, entscheide mich aber doch für nur 3 Sterne, da ich hier keine eindeutige Leseempfehlung geben kann.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Über Fremdbestimmung, Machtmissbrauch und das Erwachsenwerden

Mein letztes Jahr der Unschuld
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Im Roman „Mein letztes Jahr der Unschuld“ von Daisy Alpert Florin geht es um die junge Isabel. Sie stammt aus einer jüdischen Familie, ist eher ein unsicherer Charakter, sie hat ihren Platz in der Welt ...

Im Roman „Mein letztes Jahr der Unschuld“ von Daisy Alpert Florin geht es um die junge Isabel. Sie stammt aus einer jüdischen Familie, ist eher ein unsicherer Charakter, sie hat ihren Platz in der Welt und ihre eigene Stimme noch nicht recht gefunden.

"Zev forderte mich auf, meine Überzeugungen zu begründen, zum Beispiel, warum ich Feministin oder Demokratin war. Ich war von Natur aus nicht besonders redegewandt und hatte irgendwann verstanden, dass das, was ich fühlte, nichts taugte, solange es nicht ausgesprochen oder begründet werden konnte. Vielleicht glaubte ich deshalb, Zev zuhören zu müssen."


Es ist ihr letztes Jahr am Wilder College. Es kommt zu einer sexuellen Begegnung mit ihrem Kommilitonen Zev, mit dem sie eigentlich nur eine lockere Freundschaft verband. Das war so nicht geplant und Isabel wollte das auch eigentlich nicht so. Hinterher ist sie unsicher. War das sexuelle Gewalt?

"Irgendwo tief in mir tat etwas weh, das ich weder sehen noch benennen konnte."

"Glaubst du im Ernst, ich hätte dich vergewaltigt?", fragte er.
Ich lehnte mich gegen die Tischplatte und spürte, wie sich dessen harte Kante in meinen Rücken bohrt. Glaubte ich das? Ich wusste es nicht mehr. Alles was Zev bis jetzt gesagt hatte, war richtig. Ich war freiwillig mit ihm in sein Zimmer gegangen. Ich hatte nichts gesagt. Er dachte, ich wollte es. Und ich dachte auch, dass ich es wollte. Das Verwirrende daran war, dass es nicht das war, was ich mir unter einer Vergewaltigung vorstellte, also das, wogegen ich mich seit meiner Jugend hatte wappnen sollen. Das hier war Sex in einem Studentenwohnheim in New Hampshire, in einem Zimmer mit Blick auf den Fluss. Und ich hatte nicht mal Nein gesagt."

Kurz darauf kommt mit R.H. Connelly ein gutaussehender und sympathischer Professor als Vertretung ans College. Isabel fühlt sich zu ihm hingezogen und er überhäuft die zutiefst verunsicherte Isabel mit Lob, was ihrem angeknacksten Ego natürlich guttut. Sie weiß, dass er verheiratet ist, dennoch beginnt sie eine Affäre mit ihm, die natürlich geheim bleiben muss. Durch ihn fühlt sich Isabel endlich schön und talentiert, also als genau die Frau, die sie gerne sein will. Durch ihn glaubt sie auch, ihrem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, näher zu kommen. Aber es bleibt eine Unsicherheit. Ist sie die einzige, mit der er eine Affäre hat? Ist es richtig oder falsch?

"Der Nachhall des Wortes flackerte durch mich hindurch wie eine Leuchtreklame. Ich war etwas Besonderes. Ich setze mich auf und vergrub das Gesicht an seiner Brust. Glaubte ich ihm? Wir hatten gerade erlebt, wie Bill Clinton schwor, keine Affäre mit Monica Lewinsky gehabt zu haben. Nahmen wir ihm das ab? Wir glaubten, was wir glauben wollen, wir glaubten das, was für uns am besten war. Lügen waren nicht so schlimm, wie man uns als Kindern weiß gemacht hatte, und außerdem waren wir keine Kinder mehr."

Als sich am College um sie herum ein Drama zwischen einem verheirateten Professoren-Ehepaar abspielt, beginnt sich alles zu verändern. Als Isabel von einem Geheimnis erfährt, muss sie sich entscheiden: Belässt sie alles, wie es ist - oder übernimmt sie Verantwortung und redet, wodurch sie allerdings ihre Affäre verraten würde?

Ich tue mir hier mit der Bewertung etwas schwer. Es ist eher ein Buch der leisen Töne, was ich grundsätzlich mag. Hier fehlt mir jedoch das gewisse Etwas. Das Kernthema wird von zahlreichen Nebensächlichkeiten ein wenig aus dem Auge verloren, zwischendrin fand ich die Geschichte dann ein wenig langweilig. Das Buch ist nicht wirklich schlecht, konnte mich aber auch nicht richtig begeistern. Ich vergebe letztlich 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Über Fremdbestimmung, Machtmissbrauch und das Erwachsenwerden

Mein letztes Jahr der Unschuld
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Im Roman „Mein letztes Jahr der Unschuld“ von Daisy Alpert Florin geht es um die junge Isabel. Sie stammt aus einer jüdischen Familie, ist eher ein unsicherer Charakter, sie hat ihren Platz in der Welt ...

Im Roman „Mein letztes Jahr der Unschuld“ von Daisy Alpert Florin geht es um die junge Isabel. Sie stammt aus einer jüdischen Familie, ist eher ein unsicherer Charakter, sie hat ihren Platz in der Welt und ihre eigene Stimme noch nicht recht gefunden.

"Zev forderte mich auf, meine Überzeugungen zu begründen, zum Beispiel, warum ich Feministin oder Demokratin war. Ich war von Natur aus nicht besonders redegewandt und hatte irgendwann verstanden, dass das, was ich fühlte, nichts taugte, solange es nicht ausgesprochen oder begründet werden konnte. Vielleicht glaubte ich deshalb, Zev zuhören zu müssen."


Es ist ihr letztes Jahr am Wilder College. Es kommt zu einer sexuellen Begegnung mit ihrem Kommilitonen Zev, mit dem sie eigentlich nur eine lockere Freundschaft verband. Das war so nicht geplant und Isabel wollte das auch eigentlich nicht so. Hinterher ist sie unsicher. War das sexuelle Gewalt?

"Irgendwo tief in mir tat etwas weh, das ich weder sehen noch benennen konnte."

"Glaubst du im Ernst, ich hätte dich vergewaltigt?", fragte er.
Ich lehnte mich gegen die Tischplatte und spürte, wie sich dessen harte Kante in meinen Rücken bohrt. Glaubte ich das? Ich wusste es nicht mehr. Alles was Zev bis jetzt gesagt hatte, war richtig. Ich war freiwillig mit ihm in sein Zimmer gegangen. Ich hatte nichts gesagt. Er dachte, ich wollte es. Und ich dachte auch, dass ich es wollte. Das Verwirrende daran war, dass es nicht das war, was ich mir unter einer Vergewaltigung vorstellte, also das, wogegen ich mich seit meiner Jugend hatte wappnen sollen. Das hier war Sex in einem Studentenwohnheim in New Hampshire, in einem Zimmer mit Blick auf den Fluss. Und ich hatte nicht mal Nein gesagt."

Kurz darauf kommt mit R.H. Connelly ein gutaussehender und sympathischer Professor als Vertretung ans College. Isabel fühlt sich zu ihm hingezogen und er überhäuft die zutiefst verunsicherte Isabel mit Lob, was ihrem angeknacksten Ego natürlich guttut. Sie weiß, dass er verheiratet ist, dennoch beginnt sie eine Affäre mit ihm, die natürlich geheim bleiben muss. Durch ihn fühlt sich Isabel endlich schön und talentiert, also als genau die Frau, die sie gerne sein will. Durch ihn glaubt sie auch, ihrem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, näher zu kommen. Aber es bleibt eine Unsicherheit. Ist sie die einzige, mit der er eine Affäre hat? Ist es richtig oder falsch?

"Der Nachhall des Wortes flackerte durch mich hindurch wie eine Leuchtreklame. Ich war etwas Besonderes. Ich setze mich auf und vergrub das Gesicht an seiner Brust. Glaubte ich ihm? Wir hatten gerade erlebt, wie Bill Clinton schwor, keine Affäre mit Monica Lewinsky gehabt zu haben. Nahmen wir ihm das ab? Wir glaubten, was wir glauben wollen, wir glaubten das, was für uns am besten war. Lügen waren nicht so schlimm, wie man uns als Kindern weiß gemacht hatte, und außerdem waren wir keine Kinder mehr."

Als sich am College um sie herum ein Drama zwischen einem verheirateten Professoren-Ehepaar abspielt, beginnt sich alles zu verändern. Als Isabel von einem Geheimnis erfährt, muss sie sich entscheiden: Belässt sie alles, wie es ist - oder übernimmt sie Verantwortung und redet, wodurch sie allerdings ihre Affäre verraten würde?

Ich tue mir hier mit der Bewertung etwas schwer. Es ist eher ein Buch der leisen Töne, was ich grundsätzlich mag. Hier fehlt mir jedoch das gewisse Etwas. Das Kernthema wird von zahlreichen Nebensächlichkeiten ein wenig aus dem Auge verloren, zwischendrin fand ich die Geschichte dann ein wenig langweilig. Das Buch ist nicht wirklich schlecht, konnte mich aber auch nicht richtig begeistern. Ich vergebe letztlich 3 Sterne.

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