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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Merano criminale
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Während Ispettore Emmengger und seine Kollegin und Lebenspartnerin Eva Marthaler über den Ankauf von Möbelstücken diskutieren, findet eine Joggerin die Leiche einer Frau, die nicht die einzige Tote bleiben ...

Während Ispettore Emmengger und seine Kollegin und Lebenspartnerin Eva Marthaler über den Ankauf von Möbelstücken diskutieren, findet eine Joggerin die Leiche einer Frau, die nicht die einzige Tote bleiben wird. Eine zunächst vage Verbindung deutet auf ein Feinschmeckerlokal in Meran. Also nimmt Paul Tschugg, der begnadete Schauspieler, dort die Rolle eines Soßenkochs an. Blöd ist nur, dass er zwar das Handwerk des Schauspieler beherrscht, aber leider nicht kochen kann. Da hilft auch der Nachhilfeunterricht bei Evas Mutter nichts ....

Gleichzeitig reißen die Carabinieri die Ermittlungen an sich und booten Emmengger und Marthaler aus. Doch die beiden recherchieren heimlich weiter und entdecken zwei, zwanzig Jahre zurück liegende Ereignisse: Den bislang nicht aufgeklärten Überfall auf einen Geldtransport und das mysteriöse Verschwinden von Rainer Sandvoss.

Wie das alles zusammenhängt, müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Elisabeth Florin hat uns wieder einen komplexen Krimi rund um die wunderschöne Bergwelt von Meran beschert, in der auch die Kulinarik nicht zu kurz kommt.

Der Krimi lässt uns in die Vergangenheit eintauchen, sodass wir Leser immer ein wenig mehr wissen als Eva und Emmi. Trotzdem gelingt es Elisabeth Florin erstens die Spannung stetig zu steigern, bis sie sich in einem gefährlichen Showdown entlädt und zweitens, führt sie uns Leser immer wieder auf falsche Fährten. So geraten nicht nur die Flying Taifls sondern auch der unbeliebte Lokalreporter Magnus Braunhofer in den Fokus der Ermittlungen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Südtirol-Krimi wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.04.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Johann Strauss - Walzertod
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Katharina Eigner, bekannt durch ihre Salzburg-Krimis rund um Sprechstundehilfe Rosemarie Dorn, wechselt mit diesem historischen Roman Zeit und Stadt und entführt uns in das Wien von 1844. Es herrscht Kaiser ...

Katharina Eigner, bekannt durch ihre Salzburg-Krimis rund um Sprechstundehilfe Rosemarie Dorn, wechselt mit diesem historischen Roman Zeit und Stadt und entführt uns in das Wien von 1844. Es herrscht Kaiser Ferdinand, der kein großes Licht auf dem Kaiserthron ist und als Ferdinand der Gütige, in die Geschichte eingehen wird. Die Fäden hinter Ferdinand zieht allerdings ein andere: Fürst Clemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859). Es ist die Zeit des Biedermeiers, das in wenigen Jahren mit den Revolutionen von 1848/49 blutig zu Ende gehen wird. Und blutig geht es auch hier in diesem Roman zu.

Ein Frauenmörder macht die Stadt, in der die Walzermusik von Johann Strauss Vater den Ton angibt, unsicher. Die Frauen scheinen nichts miteinander gemein zu haben, bis Heinrich Kaunitz, der Lohnkutscher, der häufig Johann Strauss Sohn durch die Stadt fährt, in das Visier der Polizei gerät. Dann entdeckt man beinahe zufällig, dass alle Frauen, bis auf eine, eine leere Tanzkarte für den Ball der Medizin bei sich haben und die eine, die fehlende, hat Kaunitz. Kaunitz, nicht verwandt oder verschwägert mit dem bekannten Adelsgeschlecht, das unter Maria Theresia den Staatskanzler gestellt hat, beginnt selbst zu ermitteln, zumal auf den Tanzkarten ein Name, den er sehr gut kennt, mehrfach aufscheint: Johann Strauss.

Damit spannt die Autorin elegant den Bogen zum zweiten Handlungsstrang: Zu Johann Strauss Sohn, dessen 200. Geburtstag die ganze Welt 2025 feiert. Noch ist der Schani, wie er genannt wird, allerdings nicht berühmt, sondern ein 18-Jähriger, der nichts anderes will, als Musik zu machen. Getrieben von seiner Mutter Anna, die ob der Frauengeschichten ihres Ehemannes Johann Strauss Vater, alles dafür tut, um den Sohn als Konkurrenten für den Vater zu etablieren.

„Er würde den Alten vom Thron stoßen, ihm den Rang ablaufen. Johann Strauss Vater, der Walzerkönig, hatte seine Familie mit Füßen getreten. Er würde dafür büßen.“ (S. 37)

Ein dritter Handlungsstrang bringt die Sicht auf die Ermittlungen des Polizisten Theo Haas in die Morderie ein, der sich mit einem neuen Assistenten, herumschlagen muss. Der ist ein Verwandter seines Vorgesetzten und macht ihm, dem Ermittler, natürlich Zores.

Meine Meinung:

Katharina Eigner zeigt mit ihrem ersten historischen Krimi das Wien abseits der Walzerseligkeit. Wir erleben an Hand des Fiakers Heinrich Kaunitz wie es Kleinunternehmern geht, wie die Zensur unter Metternich zahlreiche Bücher, wie Alexandre Dumas „Der Graf von Monte Christo“ verbietet, die dann doch heimlich gelesen werden. Eine Leidenschaft, die auch unter Polizisten wie Theo Haas zu finden ist. Wir dürfen den Konflikt zwischen Anna Strauss und Emilie Trampusch, jener Hutmacherin mit der Johann Strauss Vater nun zusammenlebt, verfolgen.

„Anna und Emilie. Sie sind sein Verderben, sein Untergang. Sie nehmen ihm die Luft zum Atmen und zermalmen ihn. Ich werde sie für ihn aus dem Weg räumen.“

Die Autorin lässt uns mit Fiaker Kaunitz im bekannten Griechenbeisl einkehren, das heute zu einer Touristenattraktion zählt, aber damals eine einfache Einkehrmöglichkeit für weniger betuchte Gäste war.

Geschickt werden hier Fakten und Fiktion zu einem historischen Krimi verquickt. So fahren wir mit Fiaker Kaunitz zwischen der Leopoldstadt, wo er und Schani wohnen, und dem mondänen Hietzing, wo sich alle jene prunkvolle Villen bauen lassen, die dem Kaiserhaus nahe stehen. Auch ein Sprung zum bekannten Dommayer, in dem wenig später beide Sträusse alternierend und bejubelt auftreten, ist dabei.

Gut gefällt mir, dass Katharina Eigner akribische Recherchen betrieben hat, sodass wir in Heinrich Kaunitz‘ Fiaker kreuz und quer durch Wien fahren können.

Ob es einen weiteren Fall geben wird? Potenzial hätten sowohl die Charaktere als auch die damalige Zeit.

Immerhin geraten die Brüder Johann und Josef Strauss 1848 in revolutionäre Kreise, was sie auf die Barrikaden und Johann kurz ins Gefängnis und länger in Ungnade beim Kaiserhaus bringt. Seine Kompositionen zur Revolution wie die „Freiheitslieder“ oder der „Revolutionsmarsch“ kosten ihn beinahe seine Karriere. Erst 1863 wird er zum k.k.-Hofballmusik-Direktor ernannt. Also, Stoff für eine Fortsetzung ist reichlich vorhanden.

Schmunzeln musste ich über die kurze Bemerkung von Theo Haas, dass auch Metternich, einige der von ihm verbotenen Bücher gelesen haben soll.

Fazit:

Mir hat er gefallen, dieser historische Krimi rund um Johann Strauss, Heinrich Kaunitz und Theo Haas, weshalb ich hier 5 Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 08.04.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Lautlose Feinde
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Leander Lost und Soraia haben endlich geheiratet. Doch aus der Hochzeitsreise wird wegen Schlechtwetters zunächst einmal nichts, weshalb sich Leander gemeinsam mit seine Kollegen Graciana Rosado und Carlos ...

Leander Lost und Soraia haben endlich geheiratet. Doch aus der Hochzeitsreise wird wegen Schlechtwetters zunächst einmal nichts, weshalb sich Leander gemeinsam mit seine Kollegen Graciana Rosado und Carlos Esteves dem Mord an André Bento und der Entführung dessen kleinen Enkelin Marie widmen kann.

Was zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiß, ist die Verwicklung des Mordopfers in einen veritablen Spionagefall, der weite Kreise ziehen und weitere Opfer fordern wird.

Meine Meinung:

Dieser 7. Fall ist durch seine internationale Dimension ein wenig anders als die bisherigen, die sich eher mit dem portugiesischen Verbrechen beschäftigt haben. Wenn sich russische und amerikanische Geheimdienstmitarbeiter in einem dritten Land treffen, ist naturgemäß etwas im Busch, das meist nicht ohne (fast) unschuldige Opfer abläuft. So auch hier. Wer in die sprichwörtliche Schusslinie gerät, überlebt häufig nicht.

Der Krimi spielt innerhalb von vier Tagen in mehreren Handlungssträngen, die jeweils unterschiedliche Perspektiven darstellen.

Eine nach wie vor undurchsichtige Rolle spielt Miguel Duarte, der sich Graciana überlegen fühlt und die Leitung der Polizeidienststelle in Fuseta für an sich reißen will. Dabei agiert er nicht immer mit fairen Mitteln. Wie dieser Konflikt ausgehen wird, wird man bestimmt in einem der nächsten Krimis lesen. Einmal war es ja schon beinahe soweit, dass Duarte keine Rolle mehr spielen hätte können ...

Leanders Umgebung hat sich mit dessen Asperger-Autismus arrangiert, helfen seine unorthodoxen Methoden und Meinungsäußerungen doch regelmäßig, Verbrecher dingfest zu machen. Diesmal kommen seine Fähigkeiten ein wenig zu kurz.

Fazit:

Ein etwas anderer Krimi rund um Leander Lost, dem ich aber trotzdem 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 07.04.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Ostseedämmerung
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In ihrem 20. Fall sollen Pia Korittki und ihr Team dem Verschwinden von Mia Schneider, einer Studentin der Archäologie, nachgehen, deren Akte den Vermissten zugerechnet wird. Nun aber haben zwei Kinder ...

In ihrem 20. Fall sollen Pia Korittki und ihr Team dem Verschwinden von Mia Schneider, einer Studentin der Archäologie, nachgehen, deren Akte den Vermissten zugerechnet wird. Nun aber haben zwei Kinder ein Artefakt aus Wikingerzeiten gefunden, das zuletzt in Mias Besitz war. Nach wie vor ist nicht klar, ob Mia sich abgesetzt hat oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Korittki und Broders befragen die Nachbarn in Hövelau, dem letzten Wohnsitz der Vermissten, und schon tauchen die ersten Ungereimtheiten auf. Wenig später wird es zur Gewissheit: Mia Schneider ist ermordet und in einem Waldstück vergraben worden.

Nur, wer ist der Täter? Der Ehemann, der darauf drängt, Mia für tot erklären zu lassen, um seine neue schwangere Freundin heiraten zu können? Oder der Grabungsleiter, der augenscheinlich etwas zu verbergen hat? Oder das Faktotum des herrschaftlichen Anwesens, in dessen Kate Mia zuletzt gewohnt hat?

Das Verschwinden von Mia ist nun ein Mord, den es aufzuklären gilt. Und die junge Frau wird nicht die einzige Tote bleiben ...

Meine Meinung:

Eva Amstädt ist für ihre komplexen Krimis rund um Pia Korittki bekannt. So müssen Korittki und ihr Team unterschiedlichen Hinweisen und Spuren, die häufig in einer Sackgasse münden, nachgehen. Die Story ist schlüssig erzählt. Die oft mühsame Polizeiarbeit und das Privatleben der Ermittler sind gut ausbalanciert.

Die Charaktere des Lübecker K1 haben sich über die Jahre sehr gut entwickelt. Teamwork wird groß geschrieben. Hin und wieder gibt es einen Alleingang der Ermittler, der nicht immer glimpflich abgeht. Diesmal trifft es Broders. Die unterschiedlichen Handlungsstränge werden letztlich sehr gut verknüpft. Interessant ist das Setting in dem kleinen Ort Hövelau, wo die Bewohner alles über ihre Nachbarn zu wissen glauben. Manchmal sieht man nur, was man schon kennt, oder zu kennen glaubt. Der Standesdünkel hat sofort einen Verdächtigen, während der wahre Täter lange unerkannt bleibt.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 04.04.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der irische Fremde
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Mary Shean, die als Maria Schubert in Deutschland aufgewachsen ist, begegnet am Flughafen von Oslo einem Mann, der ihr vage bekannt vorkommt und bei ihr eine Panikattacke hervorruft. Ist das der Mann, ...

Mary Shean, die als Maria Schubert in Deutschland aufgewachsen ist, begegnet am Flughafen von Oslo einem Mann, der ihr vage bekannt vorkommt und bei ihr eine Panikattacke hervorruft. Ist das der Mann, den sie vor 25 Jahren, als ihre Eltern beim Brand des eigenen Hotels in Irland ums Leben gekommen sind, gesehen haben will?

Irritiert kehrt sie an den Schauplatz des Dramas zurück, beauftragt eine Detektei um diesen geheimnisvollen Fremdem auszuforschen und gerät selbst, durch Erinnerungsfetzen in akute Lebensgefahr. Was ist damals wirklich passiert?

Meine Meinung:

Der Krimi beginnt langsam, doch als versierte Krimileserin und politisch Interessierte, klingelt es recht bald. Ein Unbekannter, ein augenscheinliches Unglück, ein Kind als Zeugin, das außer Landes gebracht worden ist sowie Menschen, die nicht immer alles oder die Wahrheit sagen, zusammen mit dem Wort „irisch“, haben mich schnell in eine bestimmte Richtung denken lassen. Und ja, diese Ahnung hat sich als richtig herausgestellt, wenn auch auch ein wenig anders, als erwartet.

Das Buch lässt sich leicht lesen. Durch zahlreiche unerwartete Wendungen erhöht sich die Spannung zusehends, um mit einer spannenden Lösung aufzuwarten.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Mary ist interessant dargestellt. Ihr Selbstbild weicht vom Fremdbild deutlich ab. Während sie sich selbst als zielstrebig sieht, urteilen die Außenstehenden ganz anders. Sie wirkt unstet, bisweilen bedrohlich und desorientiert, weshalb man sie in einer psychiatrische Behandlung unterziehen will. Ihr fragmentarischen Flashbacks an den Tod ihrer Eltern widersprechen den damaligen polizeilichen Ermittlungen.
Hat man ihre Erinnerungen manipuliert?

Fazit:

Diesem fesselnden Krimi, der uns nach Irland führt, gebe ich gerne 5 Sterne.