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Veröffentlicht am 08.04.2025

Expats

Das Ministerium der Zeit
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In einer nahen Zukunft wird unsere namenslose Protagonistin angeheuert, um im Ministerium der Zeit sozusagen Verbindungsoffizierin für einen Zeitreisenden - einen sogenannten Expat - zu werden. Dank einer ...

In einer nahen Zukunft wird unsere namenslose Protagonistin angeheuert, um im Ministerium der Zeit sozusagen Verbindungsoffizierin für einen Zeitreisenden - einen sogenannten Expat - zu werden. Dank einer hochmodernen Technik gelingt es, Personen aus ihren Zeiten zu entfernen, die ohnehin gestorben wären (um ein Zeitparadoxon zu verhindern) und in die heutige Zeit zu bringen. Es gibt viel Geheimhaltungsgemauschel, aber schließlich wird ihr der Offizier und Polarreisende Graham Gore aus dem Jahr 1847 zugewiesen, während andere Leute aus verschiedenen Jahrhunderten ebenfalls ankommen. Je mehr Zeit sie mit Graham verbringt, desto näher kommen sie sich. Doch das Ministerium hat diese Leute nicht aus Herzensgüte aus ihrer Zeit geholt und überhaupt sind Zeitreisen ein zweischneidiges Schwert, wie sie alle irgendwann erkennen müssen ...

Eine spannende Idee, das gebe ich zu. Und Commander Gore war mir mit einigen Abstrichen, die wohl seiner zeitlichen Herkunft zuzuordnen ist, hochsympathisch. Das traf nicht für seine Betreuerin zu. Um ehrlich zu sein, ging mir die Ich-Erzählerin nach einiger Zeit ordentlich auf den Keks. Wie sie eine psychologische Begutachtung für einen solchen Job hinter sich bringen konnte, wurde zwar spätestens am Schluss klar, aber okay war sie für mich nicht. Beinahe von Tag 1 an schmachtet sie ihren Schützling an, was einem Viktorianer ganz sicher ebenfalls ordentlich auf den Keks gegangen wäre. Sie schien manchmal die einfachsten Zusammenhänge nicht zu begreifen und war auch so in meinen Augen meistens inkompetent, was sich bis zum Schluss nicht besserte. Meistens gefiel mir der Schreibstil, auch wenn gelegentlich so seltsame oder unpassende Metaphern eingeflochten wurden, dass ich stoppen und den Satz noch mal lesen musste. Was ich auch schade fand, war, dass scheinbar keiner der Expats groß Probleme mit der Anpassung hatte.

Wenn ich sehe, dass die Lady aus dem 17. Jahrhundert von heute auf morgen zum Hippie mutiert oder Graham, der Viktorianer, mal so eben durch sämtliche technischen Details inklusive Pässe und ähnliches durchsteigt, betrachte ich das schon gelegentlich ein bisschen zweifelnd. Was die Vorgesetzte der Protagonistin betrifft, hatte ich schnell eine Ahnung und war fast enttäuscht, als sie zutraf. Insgesamt gesehen finde ich die Idee und das Konzept wirklich spannend, allerdings konnte die Umsetzung dabei nicht mithalten. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 29.01.2025

Schmetterlingstattoo

Red Umbrella Society – Der Kuss des Schmetterlings
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Skadi hat genügend Probleme, sich, ihren Bruder Remi und dessen Freund Mako über Wasser zu halten. Dafür müssen sie für einen Mafioso diverse Aufträge übernehmen. Als die drei in ein teures Apartment einbrechen, ...

Skadi hat genügend Probleme, sich, ihren Bruder Remi und dessen Freund Mako über Wasser zu halten. Dafür müssen sie für einen Mafioso diverse Aufträge übernehmen. Als die drei in ein teures Apartment einbrechen, finden sie dort nicht nur nicht das, was sie stehlen sollen - nämlich einen Koffer - sondern dafür eine Leiche. Und schon ist ihnen der megascharfe Detective David Bell auf den Fersen. Remi und Mako werden wegen Mordverdacht festgenommen, während Skadi von ihrem "Meister" geschützt wird: dem teuflischen Iskaris, der ihr durch eine Art dämonischen Pakt das Leben gerettet hat und dem sie jetzt verpflichtet ist. Doch Skadi möchte frei sein und dafür geht sie sogar einen Deal mit Bell ein, der ihr nicht glaubt und der nicht nur ihrem Herzen gefährlich werden kann.

Ich mag die Bücher der Autorin, so eigentlich. Hier bin ich nicht sicher. Für meine Begriffe wurde mir einiges hier viel zu schnell abgehandelt. Die Welt der Red Umbrella Society konnte ich nicht greifen, ich fühlte mich meistens, als hätte ich hier einen zweiten Band einer Reihe vorliegen, bei dem die Erklärungen im ersten abgehandelt wurden. Die Dialoge waren wie üblich spritzig und es lässt sich auch gut lesen, aber so richtig überzeugt bin ich vom Ganzen noch nicht. Außerdem konnte ich Bell von Anfang an nicht ausstehen und obwohl sich Skadi die Mühe gemacht hat, mir zu erklären, was sie an ihm anziehend findet - und das nicht nur einmal - so war es für mich trotzdem nicht nachvollziehbar, zumal sich die spicy Szenen wie hinterher eingeschoben anfühlten. (Stelle mir das Gespräch zwischen Autorin und Verlag vor: Hey, Caro, du weißt doch, dass jetzt in jedem Buch random mindestens zwei, drei Spice-Szenen vorkommen müssen, also hopp, füg die mal noch schnell ein!) So ist der Plot zwar originell, aber schwer greifbar und alles geschah ein wenig hektisch. Vielleicht bringt der zweite Teil eine etwas rundere Geschichte, aber von dieser Autorin erwarte ich einfach mehr. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 17.12.2024

Monstertage

Tage einer Hexe
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Zwölf Tage lang herrscht Auszeit in Chernograd, der grauen Stadt hinter der Mauer. In dieser Zeit regieren die Monster in den Straßen und man sollte das Hexenkompendium gelesen haben, um zu wissen, wie ...

Zwölf Tage lang herrscht Auszeit in Chernograd, der grauen Stadt hinter der Mauer. In dieser Zeit regieren die Monster in den Straßen und man sollte das Hexenkompendium gelesen haben, um zu wissen, wie man sich am besten schützt. Kosara lebt hier; als Hexe weiß sie, dass nur ihr Hexenschatten sie vor den Gefahren schützt, der sie jetzt ausgesetzt ist. Doch vor einem Monster kann sie auch ihr Schatten nicht schützen: dem Zmey, dem Fürsten der Monster und derjenige, der am menschlichsten aussieht. Dennoch lässt sie sich auf einen Handel mit einem Unbekannten ein und ... verliert ihren Schatten. Dafür landet sie in Belograd, der Stadt auf der anderen Seite der Mauer, dort, wo die Reichen und Schönen und Monsterlosen leben. Hier trifft sie auf Asen, den Polizeiinspektor, mit dem sie einen Handel abschließt, damit sie den Zwey loswird und er eine Mörderin findet ...

Es ist eine komplexe Geschichte und man wird am Anfang ein wenig im Regen stehengelassen. Immer wieder werden Ereignisse angesprochen, die passiert sind, aber nicht erklärt werden und ich habe mich mehrmals vergewissern müssen, dass ich hier nicht den zweiten Teil einer Reihe in der Hand halte, so verwirrend schien es manchmal. Irgendwann ergibt sich ein Bild, aber es ist ein teilweise steiniger Weg dorthin. Ein paar Sachen sind auch mal unlogisch, gerade am Schluss, und wurden irgendwie passend gehämmert, damit es eine Fortsetzung geben kann. Und warum es Tage einer Hexe heißt, erschließt sich auch nicht ganz, denn es sind zwar Tage, aber sicherlich hat Kosara schon bessere erlebt. Es sei denn, es sind wirklich ihre Tage gemeint - falls dem so ist, wurde das nicht erwähnt, obwohl es doch wenigstens die Wrukolakas, die Werwölfe, hätten riechen müssen. Schön fand ich jedoch, wie innerhalb einer Fantasygeschichte toxische Männlichkeit und Grooming verpackt wurde und dass das wirklich Slow Burn ein langsames war und Asen eben auch als eine green flag einen hervorragenden Kontrast zum Zmey bildete. Alles in allem ein holpriger Start mit guten Ideen, guten Monstern und noch Luft nach oben. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 19.10.2024

Ach, du!

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
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Robert, der eigentlich einen hochtrabenden Namen trägt, den er nie benutzt, ist ein Drachenbekämpfer. Wie Ungeziefer nisten kleinere Drachen in Häusern und Gebäuden und dann wird er gerufen, sie auszuräuchern. ...

Robert, der eigentlich einen hochtrabenden Namen trägt, den er nie benutzt, ist ein Drachenbekämpfer. Wie Ungeziefer nisten kleinere Drachen in Häusern und Gebäuden und dann wird er gerufen, sie auszuräuchern. So wird er eines Tages direkt vom König seines Landes aufgefordert, innerhalb kürzester Zeit das Schloss zu säubern, denn die Prinzessin Cerise möchte einen guten Eindruck auf den Kronprinz des Nachbarlandes, Reginald, machen. Robert hasst seinen Job und dennoch bleibt ihm plötzlich nichts anderes übrig, als auch noch mit Reginald auf Drachenjagd zu gehen. Reginald ist ungefähr genauso gern ein Held wie Robert ein Drachenbekämpfer und dass die Prinzessin dabei ist, macht die Suche und den Kampf nicht einfacher ...

Bei diesem Buch bin ich ein wenig zwiegespalten. Eigentlich hätte es eine amüsante Funtasy sein können und war sie auch zu großen Teilen. Doch dann wurde mir die Grausamkeit den kleinen Drachen gegenüber - die sich eigentlich eher wie Katzen benahmen - zu viel. Ausräuchern, vergiften, Haut abziehen und was so noch alles, wenn zum Glück auch nicht ausführlich, beschrieben wurde, ist der Tick Tierquälerei, den ich in keinem Buch lesen möchte, auch nicht als Andeutung. Im Gegensatz dazu stehen die sympathischen Charaktere, die der Autor zeichnet, und die dann dafür gesorgt haben, dass ich weitergelesen habe. Den bösen Zauberer fand ich anfangs auch sehr amüsant, allerdings wurde dann sein "Der Schurke erzählt endlos über all seine Schurkentaten"-Gehabe too much. Und um ehrlich zu sein, habe ich dieses Verschmelzen (oder auch nicht laut Robert) mit den Drachen nicht verstanden. Das klingt nach viel Kritik, wenn ich es hier so lese, aber tatsächlich war das Buch kurzweilig und gut zu lesen. Alles in allem hätte es für mich ohne die angesprochenen Grausamkeiten ganz großes Funtasy-Kino werden können, zumal sowohl die Prinzessin als auch die anderen Charaktere die meiste Zeit recht feministisch unterwegs waren. 3.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 03.09.2024

Yue und Wu

A Song to Drown Rivers
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In einem Land fern unserer Zeit - um 500 in China - wird ein Kind von makelloser Schönheit geboren: Xishi. Sie wächst im Krieg der Yue gegen die Wu heran und sie hasst die Wu, weil deren Soldaten ihre ...

In einem Land fern unserer Zeit - um 500 in China - wird ein Kind von makelloser Schönheit geboren: Xishi. Sie wächst im Krieg der Yue gegen die Wu heran und sie hasst die Wu, weil deren Soldaten ihre kleine Schwester getötet haben. Es braucht also keine große Überredungskunst von Fanli, dem Berater des Yue-Königs, um sie dazu zu bringen, sich von ihm zur Spionin ausbilden zu lassen. Die Wu verlangen Tribute in Form ihrer schönsten Mädchen und Xishi soll sich ins Herz des Wu-Königs einschleichen, ihn ausspionieren und dafür sorgen, dass er sein Augenmerk auf sie anstatt auf Krieg und Strategie richtet. Fanlis und Xishis Plan geht auf, doch sie haben nicht damit gerechnet, sich ineinander zu verlieben, dabei ist ihre Mission so gefährlich, dass jeder unbedachte Schritt ihr letzter sein könnte.

Ich bin ein bisschen unschlüssig, muss ich sagen. Nach den ersten Seiten wollte ich das Buch so sehr lieben. Es beginnt in einem beinahe märchenhaften, aber auf jeden Fall poetischen Stil und die Exotik des chinesischen, historischen Settings tut sein Übriges. Aber dann fiel mir immer mehr auf, dass ausgerechnet die Hauptpersonen dieser Geschichte, Xishi und Fanli, ziemlich blass daherkommen. Ja, mir ist schon klar, es ist Xishis übergroße Schönheit, die sie für Fanlis Strategiespielchen interessant machen und nicht etwa, weil sie die chinesische Marie Curie des ganz frühen Mittelalters ist. Aber muss sie so langweilig sein? Versteht mich nicht falsch, ihr Job ist alles andere als langweilig, aber dieses Mädchen war es einfach. Ähnlich erging es mir mit Fanli. Er ist jung, er hat Narben, er ist wunder-, wunder-, wunderschön. Xishi fällt quasi insta in love. Ich bin ganz ehrlich: Was das Personal betrifft, hat mich jede andere Person mehr überzeugt als diese beiden. Zum Beispiel Zhengdan, die ich viel lieber als Protagonistin gesehen hätte. Oder auch den Wächter Luyi. Was mir auch ein wenig Unbehagen bereitet hat, war das Ende. Es bricht irgendwie mit allen Regeln und bringt einen Hauch von dunkler Magie mit rein, den ich überhaupt nicht mochte und den das Buch meiner Meinung nach nicht brauchte. Jetzt klingt das nach wirklich viel Beschwerden, aber andererseits habe ich das Buch dank des Schreibstils und weil ich wissen wollte, wie es weiter-/ausgeht, auch gern gelesen. Es hatte nur Potenzial verschwendet, finde ich. Dafür hat es am Ende eine tragische Message, die man im Spiel von Herrschern nie vergessen darf und die ich jetzt auch nicht nenne, weil damit viel gespoilert würde. 3.5/5 Punkten.