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Veröffentlicht am 08.04.2025

Was hat Takis Würger mit Taylor Swift und Pizza zu tun?

Für Polina
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Unmittelbar vor Takis Würgers neuem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Fjodr Dostojewskij gelesen zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Denn im Grunde kann nach einem solchen Jahrhundertroman jedes andere ...


Unmittelbar vor Takis Würgers neuem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Fjodr Dostojewskij gelesen zu haben, ist Fluch und Segen zugleich. Denn im Grunde kann nach einem solchen Jahrhundertroman jedes andere Werk daneben nur verblassen. Dazu später mehr. Auf der anderen Seite ist es wohl Schicksal gewesen, dass bereits nach wenigen Seiten der Name dieses großen russischen Autors fiel - und zwar nicht nur einmal. Es stellt sich schnell heraus, dass Würger sein Buch nach einer Figur aus einem Roman Dostojewskijs („Der Spieler“) benannt hat…
Ich musste mich also darauf einlassen, diesem Buch seinen eigenen Raum zu geben. Und das war insofern reicht einfach möglich, als dass es Würger bereits nach wenigen Seiten gelingt, einige zauberhafte Figuren zu erschaffen. Er benötigt dafür weder ausufernde Psychoanalysen noch intensive Erzählstränge. Vielmehr ist er dazu in der Lage, in kurzen Beschreibungen eine intensive Wärme zu erzeugen, die mich als Leser sofort berührt hat. Ich habe mich zu Hannes und Polina unmittelbar hingezogen gefühlt. Aber das gilt ebenso für die Orte, an denen die Erzählung spielt, oder besondere Momente, welche der Autor erschafft. In mir hat das immer wieder eigene Bilder erzeugt, an schöne Erinnerungen, an tiefe Gefühle, an wichtige Personen…
Eine wichtige Bedeutung in dem Roman hat das Klavierspiel. Ich habe beim Lesen zum Teil die dort benannten Stücke im Hintergrund gehört, was eine ganz eigene und besondere Stimmung geschaffen hat. Zudem hatte ich das Glück, in den Tagen, in denen ich „Für Polina“ gelesen habe, ein Klavierkonzert live erleben zu dürfen. Das hat alles in einen fantastischen Zusammenhang gebracht.
Im letzten Drittel des Romans verfällt der Autor zunehmend in konstruierte Muster. Das ist insofern schade, als ich glaube, dass dadurch der Roman nicht so lange nachhallt, wie es möglich gewesen wäre.
Fazit: Ich will insbesondere die Sensibilität hervorheben, mit der Takis Würger seine Charaktere erschaffen hat. Hierin steckt so viel Wärme, dass man als Leser nicht unberührt bleiben kann. Das ging auch mir so. Ich möchte deshalb noch einmal den Dostojewski-„Vergleich“ vom Anfang aufmachen: Manche Musikliebhaber verehren Miles Davis, andere Taylor Swift. Auch wenn Taylor Swift nicht die Tiefe und Intensität eines Miles Davis erreicht, wird sie von Millionen von Menschen geliebt, weil sie Licht in ihren Alltag bringt. Oder wie verhält es sich bei Kaviar und Pizza? Kaviar ist exklusiv, teuer, aber nicht jedermanns Geschmack. Eine einfache Pizza Margherita lässt mehr Herzen höher schlagen, obwohl sie mit einfachsten Zutaten zubereitet ist. Und so ist auch Dostojewski sicher nicht jedermanns Sache. Vielmehr glaube ich, dass ein Roman, wie ihn Takis Würger geschrieben hat, trotz begrenzterer literarischer Mittel eher die Herzen der Leser erreicht. Und so werde auch ich wohl noch einige Zeit an Hannes und Polina zurückdenken

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Konstruierter Pageturner

Kala
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Der irisch-stämmige Colin Walsh hat mit „Kala“ sein Erstlingswerk vorgelegt. Der Roman entwickelt recht schnell ein hohes Tempo und wird mehr und mehr zum Pageturner, wobei es aber leider auch einige Mängel ...

Der irisch-stämmige Colin Walsh hat mit „Kala“ sein Erstlingswerk vorgelegt. Der Roman entwickelt recht schnell ein hohes Tempo und wird mehr und mehr zum Pageturner, wobei es aber leider auch einige Mängel gibt…
Die Handlung findet auf zwei zeitlichen Ebenen statt, die 15 Jahre auseinander liegen. Eine Gruppe Jugendlicher, die später junge Erwachsene sind, stehen im Mittelpunkt der Handlung. Drei von Ihnen erzählen in kurzen Kapiteln abwechselnd aus ihrer Sicht. Diese Konstellation ist nur am Anfang leicht gewöhnungsbedürftig. Recht schnell ergibt sich ein loses Puzzle, dessen Teile nach und nach gelegt werden, um ein schlüssiges Gesamtbild zu ergeben.
Man erfährt schon zu Beginn, dass Kala damals vor 15 Jahren umgekommen ist. Ihre Leiche wird erst jetzt gefunden, zu einem Zeitpunkt, wo sich die alte Gruppe gerade wieder in Kinlough, einem irischen Touristenort an der Westküste, trifft, in dem sie gemeinsam aufwuchsen. Das vieles zeitlich zusammenkommt, ist natürlich arg konstruiert, was mir nicht gefällt, insbesondere da es die Basis für alles Weitere darstellt. Die späteren Entwicklungen hingegen greifen gut ineinander; da funktioniert die Story.
Ein weiteres schwieriges Thema ist die Sprache: Die Kids sprechen auf ihre eigene Art, aber alle mit einem deutlichen Slang. Man bekommt zwar einen guten Zugang zu ihrer Gedankenwelt, aber der ganze Roman wird sprachlich auf dieses Niveau reduziert. Hinzu kommt, dass die Unterschiede in den Gedanken und dem Sprachgebrauch der verschiedenen Charaktere bemüht und damit konstruiert wirken. Man weiß, was der Autor beabsichtigt. Allerdings nimmt das der Geschichte ihre Leichtigkeit.
Was Walsh gut gelingt, ist durchgängig Spannung zu erzeugen. Man will wissen, was passiert ist. Es gibt zwischenzeitig neue Abzweigungen. Und es wird alles aufgelöst. Die verschiedenen Charaktere arbeitet er solide heraus, so dass die Story dadurch zusätzlich vorangetrieben werden kann. Aber trotzdem stößt er auch hier an Grenzen. Zum einen, weil gerade Kala, die im Zentrum der Geschehnisse steht, für mich kein gutes Gesamtbild ergibt. Mir gelang es einfach nicht, mich komplett mit ihr zu identifizieren. Und zum Anderen hat man irgendwann das Gefühl, dass alle in dem Ort Dreck am Stecken haben. Man wünscht sich zwischendurch etwas Normalität, damit alles etwas mehr ausbalanciert wäre. Allerdings vergeblich.
Letztlich bleibt ein äußerst spannender Thriller mit interessanten Charakteren zurück, der an der ein oder anderen Stelle allerdings mehr Feinschliff gebraucht hätte. Lesenswert ist er allemal. Ich habe allerdings Zweifel daran, dass er lange nachwirkt.

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