Listland – Der Ort am Ende der Welt
Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der SeeschwalbenAnna März, Journalistin und erfolgreiche Podcasterin, plant die Biografie der Kinderbuchautorin Fenja Lorenzen zu schreiben. Dazu fährt sie nach Listland im Norden von Sylt. Anna trifft ihre Interviewpartnerin ...
Anna März, Journalistin und erfolgreiche Podcasterin, plant die Biografie der Kinderbuchautorin Fenja Lorenzen zu schreiben. Dazu fährt sie nach Listland im Norden von Sylt. Anna trifft ihre Interviewpartnerin nicht an, sondern findet nur eine kurze Notiz von Fenja, die aus unbekannten Gründen dringend verreisen musste. Tatsächlich werden wir sie erst in der Mitte des Buches treffen. Inzwischen lernt Anna Fenjas Kinder Elisa und Eric kennen. Nach einem schweren Unwetter, das das alte Reetdach ihres Elternhauses demoliert hat, versuchen sie gemeinsam mit Anna den Bücherschatz ihrer Mutter zu retten. Dabei entdecken sie ein Geheimversteck, dessen Inhalt Fragen aufwirft. Anna verliebt sich in Eric Lorenzen. Ähnlich ergeht es Lene, Fenjas Mutter, die wir im zweiten Erzählstrang kennenlernen, der 1937 beginnt. Sie hat sich unsterblich in den Feriengast Marten verliebt. Doch diese Verbindung endet tragisch …
„Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben“ ist der Auftaktband der Listland-Dilogie von Gabriella Engelmann. Für mich war es das erste Buch der Autorin und ein Ausflug in ein neues Genre.
Gabriella Engelmann beschreibt liebevoll und akribisch die einzigartige Landschaft Listlands, sodass ich am liebsten gleich hingefahren wäre, obwohl Sylt nicht meine bevorzugte Insel ist. Sie fängt die friesische Lebensart und das Inselfeeling für den Leser perfekt ein. Die beiläufige Erwähnung zahlreicher Personen, die mit der Insel verbunden sind, wie Valeska Gert, Friedrich Hollaender, Thomas Mann und echter Sylter wie Dora Heldt, Jens Emil Mungard oder Franz Korwan belegen die gute Recherche der Autorin. Ebenso wie die im Gespräch genannten Gebäude, so die historische Lese-Strandhalle oder das legendäre Haus Kliffende. Die Detailfreude der Autorin sorgt für ein gemächliches Erzähltempo, auf das sich der Leser einlassen sollte.
Die Hauptcharaktere wirken authentisch, obwohl ihre Handlungsweise nicht immer nachvollziehbar erscheint. Manches erklärt sich im Rückblick. Anderes nicht. Sehr gefallen hat mir, wie liebevoll die Familie Iwersen miteinander umgeht. Warum aber erweisen sich Beeke und Konrad als so blauäugig bezüglich der Partner ihrer geliebten Tochter Lene? Weder ziehen sie Informationen über Marten ein, obwohl dessen Heimatort Friedrichstadt per Zug erreichbar ist, noch bringen sie in Erfahrung, dass Friso ein strammer Nazi und Antisemit ist. Im ersten Fall wäre Martens Verschwinden erklärbar geworden. Und Friso hätten sie Lene nach einer kleinen Recherche vermutlich nicht als Ehemann angedient.
Gewöhnen musste ich mich an die etwas abgehobene Sprache „Der Duft der Dünenrosen ist betörender als jedes edle Parfum aus Paris“ oder „der in diesem Moment ganze Felsbrocken vom Herzen polterten“.
Sehr gefallen hat mir, die Erwähnung zahlreicher guter Bücher. Das passt hervorragend zum Thema „Bücherfrauen“, die neben der Leidenschaft fürs Lesen im Roman auch der Hang zu unerfüllter Liebe verbindet. Dazu fällt mir natürlich sofort Eric ein. Die Denkweise, dass es für Kinder wichtig ist, dass die Eltern zusammenbleiben, auch wenn sie sich „entliebt“ haben, erschließt sich mir nicht. Vor allem, da Anna und Christian mit Kathrin das Gegenteil beweisen. Kritisch anmerken muss ich auch die Zufälle, die Annas Recherchearbeit begünstigen.
Zum Schluss will ich nicht die Figur vergessen, die mir besonders gut gefallen hat. Der geheimnisvolle Bo, mit dem Lene mehrere magische Begegnungen hat. Er bringt einen Hauch von Mystery in die Erzählung.
Trotz meiner Kritikpunkte hat mich der Roman gut unterhalten und ich habe es nicht bereut, mich auf das Genre „Wohlfühlroman“ eingelassen zu haben.
Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans dieses Genres.