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Veröffentlicht am 17.05.2025

leider über weite Strecken sehr platt und peinlich

Horror-Date
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Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal ...

Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal „The Walking Date“ können sich Singles kennenlernen, die nicht mehr lange zu leben haben. Die Paartherapeutin Nala (35), der wegen eines Glioblastoms nur noch wenige Monate bleiben, trifft hier auf den Anwalt Raphael (34), der mit Borreliose im Sterben liegt. Beide beginnen eine Brieffreundschaft, sind sofort auf einer Wellenlänge. Doch als es zu einem ersten realen Treffen kommen soll, verschlechtert sich Raphaels Zustand, und er bittet seinen besten Freund Julius, an seiner Stelle zu der Verabredung zu gehen, da er nicht absagen und Nala enttäuschen will. Pech nur, dass Julius keine Zeit zur Vorbereitung bleibt, und er ein ganz anderer Typ Mensch als Raphael ist. Und so tritt Julius von einem Fettnäpfchen ins nächste, und das Date entwickelt sich für ihn zu einem Horror-Trip…

Fitzek wagt sich hier an ein schwieriges Thema heran: Junge Menschen, die mit ihrem baldigen Tod konfrontiert sind und den einen Wunsch haben: Sich noch einmal verlieben. Das mit Humor und flotten Dialogen zu verknüpfen ist eine Gratwanderung, die Fitzek leider nur gelegentlich gelingt. Das Buch beginnt zunächst vielversprechend, die Szenen sind witzig geschrieben, man kann sich beim Lesen das erste Aufeinandertreffen von Julius und Nala lebhaft vorstellen. Leider driftet die Handlung dann immer mehr ins Absurde ab, ist über weite Strecken einfach nur peinlich und völlig überdreht, der Humor platt. Erst kurz vor Ende wechselt der Tonfall, die Geschichte bekommt noch etwas an Tiefgang und lässt erahnen, was möglich gewesen wäre, wenn die Figuren weniger eindimensional und der Humor subtiler ausgearbeitet gewesen wären. Insbesondere von Oma Henriette hätte ich gerne mehr gelesen, während die unsäglich peinliche Story um Dr. Vierlaken und seine wesentlich jüngere Gespielin Rosie viel zu viel Raum einnimmt und das Niveau des Buches arg runterzieht.

Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erwartet. Das Buch ist für mich leider Mittelmaß und wirkt routiniert heruntergeschrieben.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

sehr sprunghaft erzählter Briefroman

Auf Erden sind wir kurz grandios
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Da Ocean Vuongs Debütroman „Auf Erden sind wir kurz grandios“ von vielen Kritikern sehr gelobt wurde, war ich neugierig auf das Hörbuch.

„Little Dog“, der als kleines Kind mit Mutter und Großmutter von ...

Da Ocean Vuongs Debütroman „Auf Erden sind wir kurz grandios“ von vielen Kritikern sehr gelobt wurde, war ich neugierig auf das Hörbuch.

„Little Dog“, der als kleines Kind mit Mutter und Großmutter von Vietnam in die USA kam, schreibt diesen Roman als Brief an seine Mutter, die ihn nie lesen wird, da sie weder des Lesens noch Schreiben mächtig ist. Hierbei erzählt der Sohn nicht stringent, sondern mäandert ständig hin und her zwischen der Geschichte seiner Großmutter, die während des Vietnamkrieges ein Kind von einem amerikanischen Soldaten bekam, dem Leben seiner Mutter, die sich in einem Nagelstudio abarbeitet, die ihren Sohn liebt und dennoch immer wieder schlägt, und seinem eigenen Aufwachsen in Amerika.

Gewalt ist in diesem Roman immer wieder ein großes Thema, ebenso die ersten gleichgeschlechtlichen Erfahrungen, die der junge Mann mit Trevor macht. Vieles ist so explizit und direkt beschrieben, dass ich das nicht unbedingt hätte lesen müssen. Andere Szenen wiederum sind in wunderschöner, poetischer Sprache verfasst, und man spürt den Lyriker Vuong hinter diesem Roman. Manchmal allerdings wirkt der Sprachstil auf mich zu gekünstelt und verhindert zusammen mit der sprunghaften Erzählweise, dass ich mich richtig auf die Geschichte und die Charaktere einlassen kann und von ihnen berührt werde. So bleiben sie mir leider bis zum Schluss fremd.

Da der Roman keinem roten Handlungsfaden folgt, empfand ich es als sehr anstrengend, dem Hörbuch zu folgen, und ich glaube, dass es mir wesentlich leichter gefallen wäre, das Buch selbst zu lesen. Ich würde das Hörbuch daher vor allem denjenigen empfehlen, die mit Vuongs Schreibstil schon vertraut sind oder das Buch bereits kennen und es gerne noch einmal hören würden. Der Sprecher Julian Horeyseck macht seine Sache jedenfalls hervorragend, er trifft genau den richtigen Ton und liest mit angenehmer und dennoch eindringlicher Stimme.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Kommt leider nicht an die Trilogie heran

Tintenwelt 4. Die Farbe der Rache
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Ich habe die Tintenwelt-Trilogie zwar erst als Erwachsene entdeckt, aber sie hat mich richtig begeistert. Als ich erfuhr, dass diese um einen Band erweitert wird, der 5 Jahre nach dem Ende von Tintentod ...

Ich habe die Tintenwelt-Trilogie zwar erst als Erwachsene entdeckt, aber sie hat mich richtig begeistert. Als ich erfuhr, dass diese um einen Band erweitert wird, der 5 Jahre nach dem Ende von Tintentod spielt, war ich gleichermaßen erstaunt wie skeptisch. Wird es gelingen, die ursprüngliche Trilogie zu erweitern und dabei die Qualität zu halten? Nachdem ich den 4. Band gelesen habe, muss ich für mich leider sagen: Nein, es ist nicht gelungen.
Nicht nur der Titel, der merkwürdigerweise vom Schema der Trilogietitel abweicht, wirkte auf mich wie ein Fremdkörper, auch mit der Geschichte wurde ich nicht so warm wie erhofft. Ich hatte mich sehr auf ein ausführliches Wiedersehen mit Meggie, Mo und Co gefreut, doch diese spielen hier nur eine Nebenrolle. Die Hauptcharaktere sind Staubfinger, der Schwarze Prinz und weitere Nebenfiguren der Vorgängerbände. Leider blieben diese teilweise recht oberflächlich und erreichten nicht die Tiefe und Ambivalenz der Charaktere aus der Trilogie. Was Gewalt anbelangt, empfand ich Tintentod schon als recht heftig, und „Die Farbe der Rache“ setzt hier noch eins drauf. Das war mir stellenweise zu viel, gerade auch für ein Jugendbuch.
Während ich bei den ersten Bänden regelrecht durch die Seiten geflogen bin und die Bücher kaum aus der Hand legen konnte, weil die Geschichte so spannend war, fehlte mir diese Spannung hier und ich empfand das Buch über weite Strecken als langatmig. Stellenweise wirkte es, als hätte man die Geschichte krampfhaft in die Länge gezogen.
Insgesamt muss ich sagen, dass es besser gewesen wäre, die Tintenwelt als Trilogie zu belassen.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Leider schwächer als erwartet

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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Einmal in das eigene Lieblingsbuch zu reisen – diese Möglichkeit klingt sehr verlockend, und die Libronauten machen diesen Wunsch für zahlungskräftige Kundschaft wahr. Dabei wird der Reisende von Libronauten ...

Einmal in das eigene Lieblingsbuch zu reisen – diese Möglichkeit klingt sehr verlockend, und die Libronauten machen diesen Wunsch für zahlungskräftige Kundschaft wahr. Dabei wird der Reisende von Libronauten begleitet , die die Fähigkeit haben, allein durch ihre Stimme sich und den Gast in die Geschichte hineinzulesen. Einer von diesen ist der junge Adam. Als eines Abends eine gefährliche Reise in ein düsteres Werk ansteht, weicht der Kunde von den vereinbarten Regeln ab und entwischt Adam. Dieser macht sich auf die Suche und findet den Gast vor einer geheimnisvollen Tür, die mitten im Wald steht…

Die Geschichte beginnt spannend und das erste Drittel fliegt beim Lesen nur so dahin. Adam entwischen kurz hintereinander zwei seiner Kunden, und er entdeckt hierdurch in den Geschichten Ungereimtheiten, die dort ursprünglich nichts zu suchen haben. Bald kommt Adam weiteren mysteriösen Vorgängen auf die Spur, und er muss sich fragen, wem er noch vertrauen kann. Leider flachte für mich danach die Geschichte zunehmend ab, und mir fehlte ein durchgehender roter Faden. Immer wieder riskieren die Protagonisten viel, um etwa einen bestimmten Gegenstand in ihren Besitz zu bringen, fangen danach jedoch erstaunlich wenig damit an. Adam wurde mir immer unsympathischer, und die Motivation für sein Handeln war für mich nicht glaubhaft. Teilweise wirkte er auf mich ziemlich kindisch und wenig intelligent. Ich konnte zu keiner Person eine Bindung aufbauen und merkte, dass mich der Fortgang der Handlung immer weniger interessierte. Hier spielte sicher auch eine Rolle, dass ich die Bücher, in die gereist wurde, nicht besonders mochte, wie etwa Alice im Wunderland. Auch blieben mir bis zum Ende dieses ersten Teils der Dilogie zu viele Fragen offen. Dass sich die meisten Rätsel erst in einem zweiten Band lösen, ist ja meist so, bei den Buchreisenden habe ich am Ende des ersten Teils allerdings das Gefühl, überhaupt keine Antworten bekommen zu haben.

Insgesamt habe ich mir von „Die Buchreisenden“ mehr erwartet, und ich werde den zweiten Band wohl nicht mehr lesen.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Hatte deutlich mehr erwartet

Mama kommt gleich
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Toni Meier ist Sexualtherapeutin und gerade etwas in Stress, da sie sich auch noch um ihren demenzkranken Vater kümmern muss, der immer wieder ausbüxt und die Nachbarschaft mit unkonventionellen Aktionen ...

Toni Meier ist Sexualtherapeutin und gerade etwas in Stress, da sie sich auch noch um ihren demenzkranken Vater kümmern muss, der immer wieder ausbüxt und die Nachbarschaft mit unkonventionellen Aktionen verstört. Als sie wieder einmal kurzfristig zu ihrem Vater muss und die Praxistür versehentlich offen lässt, kommt ihr neuer Nachbar Josch Meier herein. Er möchte eigentlich nur ein Paket für Toni Meier abgeben, das aufgrund der Namensgleichheit bei ihm gelandet ist. Doch die kurz darauf eintreffende Klientin hält ihn für den Therapeuten, und so findet er sich unversehens in einer Therapiesitzung wieder. Zwei Klienten später gelingt es ihm, aus der Praxis zu entkommen. Zu Hause hat Josch, der allein erziehender Vater und Buchautor mit Schreibblockade ist, eine moralisch fragwürdige Idee, die seine kreative Durststrecke beenden könnte…

Aufgrund der Kurzbeschreibung hatte ich mir eine unterhaltsame Geschichte rund um die Praxis von Toni und die persönliche Beziehung zwischen den beiden erhofft, mit viel Situationskomik und humorvollen Wendungen. Leider haben sich meine Erwartungen nicht erfüllt. Die Figuren und ihre Handlungen wirkten auf mich wenig glaubwürdig, insbesondere Josch und sein Sohn Freddy. Ich nehme es Josch einfach nicht ab, dass er zB essentielle Entscheidungen bezüglich seiner Wohnsituation spontan trifft, und auch Freddys Reaktion passt für mich nicht zu einem Zehnjährigen. Ich kann hier leider nicht näher darauf eingehen, ohne zu spoilern. Die Handlung an sich wirkt auf mich auch etwas unausgegoren, weil nicht klar wird, warum Josch nach seiner Anfangsidee noch weiterhin ein doppeltes Spiel spielen und weitere Risiken eingehen muss. Er könnte ebenso gut die weitere Handlung seines Romans fiktionalisieren.
Der Schreibstil ist eher einfach gehalten, die Dialoge wirken einfallslos und sehr brav. Die Handlung ist von Anfang an in weiten Teilen vorhersehbar, und es kommt, wie es eben kommen muss. Mich konnte das Buch leider nicht überzeugen.

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