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Ellinor

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2025

Klare Leseempfehlung

Sing, wilder Vogel, sing
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Sing, wilder Vogel, sing, ist ein historischer Roman, der aus zwei Teilen besteht. Zunächst lernen wir Honora kennen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland in bitterer Armut aufwachst. Sie gilt durch ...

Sing, wilder Vogel, sing, ist ein historischer Roman, der aus zwei Teilen besteht. Zunächst lernen wir Honora kennen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Irland in bitterer Armut aufwachst. Sie gilt durch einen Fluch als Außenseiterin und verbringt ihre Zeit am liebsten im Freien. In Irland herrscht große Hungersnot. Gemeinsam mit ihrem Mann und dessen Familie muss sich Honora auf den Weg zum britischen Grundbesitzer machen, um Unterstützung zu erhalten. Für die völlig entkräfteten Menschen wird dieser Marsch zur Katastrophe und Honora verliert alles.
Mit einer neuen Identität macht sie sich anschließend auf den Weg nach Amerika, um dort ein neues Leben zu beginnen und endlich die lang ersehnte Freiheit zu gewinnen.

Das Buch war teilweise ganz anders, als erwartet. Ich war von vielen Entwicklungen wirklich positiv überrascht. Besonders der letzte Teil in der Prärie und der Vergleich des Schicksals der Iren und der Indigenen waren äußerst gelungen.
Ich habe jedoch einen Kritikpunkt. Die Autorin scheint Schwierigkeiten beim Erzählen auszuweichen: immer wenn es in der Geschichte eine Stelle gibt, an der es einer konkreten Lösung bedarf, wird sie einfach übersprungen. Als Honora das Schiff betritt, schafft sie das wunderbarerweise ohne Fahrschein. Als Mary und sie sich auf den Weg in den Westen machen, kommt einfach eine Kutsche. Diese und weitere Stellen haben mich beim Lesen gestört, da hätte ich mir mehr Einfallsreichtum gewünscht.

Trotzdem gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Ein starkes Debüt von Jacqueline O‘Mahony.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Großes Kino

Samson und Nadjeschda
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Von Andrej Kurkow habe ich vor kurzem Graue Bienen gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Nun ist ein neues Werk von ihm erschienen, Samson und Nadjeschda. Es spielt 1919, also ca hundert Jahre vor Graue ...

Von Andrej Kurkow habe ich vor kurzem Graue Bienen gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Nun ist ein neues Werk von ihm erschienen, Samson und Nadjeschda. Es spielt 1919, also ca hundert Jahre vor Graue Bienen.
In Kiew wütet die Russische Revolution. Samson wird während der Unruhen zum Vollwaisen und verliert ein Ohr. Er hat mit der neuen Situation zu kämpfen. Es mangelt nicht nur an Geld und Nahrung, in seiner Wohnung werden auch drei Rotarmisten einquartiert. Eher zufällig wird Samson schließlich Teil der Miliz und beginnt in einem merkwürdigen Fall zu ermitteln.
Das Settings dieses Buchs hat mir sehr gut gefallen. Ich mag gute historische Romane, insbesondere Krimis (von denen es leider viel zu wenige gibt). Auch Samson ist ein sehr sympathischer Charakter. Der Krimi an sich ist allerdings ausbaufähig. Etwa die Hälfte des Buches passiert in dieser Richtung fast nichts und dann ist die Lösung auch nicht allzu spannend.
Ich fand auch den Titel etwas irreführend. Er lässt eher an eine Liebesgeschichte denken und Nadjeschda spielt in der Geschichte auch nur eine Nebenrolle.
Ein Highlight war definitiv die Sache mit dem Ohr, das obwohl es abgetrennt ist, selbstständig hört. Das war großes Kino.

Veröffentlicht am 11.04.2025

Ungewöhnliche Geschichte

Pearly Everlasting
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Die Beschreibung von Pearly Everlasting sprach mich sofort an. Es geht um den Bären Bruno, der mit dem Mädchen Pearly zusammen wie ein Bruder aufwächst. Bruno kam als Welpe zur Familie und bleibt auch ...

Die Beschreibung von Pearly Everlasting sprach mich sofort an. Es geht um den Bären Bruno, der mit dem Mädchen Pearly zusammen wie ein Bruder aufwächst. Bruno kam als Welpe zur Familie und bleibt auch später Teil dieser. Die Geschichte spielt in den 1920er und 30er Jahren in einem Holzfällercamp irgendwo in den Wäldern von New Brunswick/Kanada. Die Sitten sind dort sehr rau und die Bedingungen werden noch schlechter, als ein neuer Vorarbeiter die Leitung übernimmt. Eines Tages wird dieser tot aufgefunden und der Verdacht fällt schnell auf Bruno. Er wird gefangen und weggebracht. Verzweifelt macht sich Pearly auf die Suche nach ihrem Bärenbruder.
Bei dem Setting und natürlich auch bei dem Bären musste ich sofort an John Irving denken, einen meiner Lieblingsautoren. Die Erwartungen waren also entsprechend hoch. Ich kam allerdings nur sehr schwer in die Geschichte hinein. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich durch sie hindurchfliege, wie das bei Diogenesbüchern bei mir in der Regel so ist. Die Elemente wären auch alle vorhanden gewesen. Es gab skurrile Personen und Situationen (z.B. ein Auto, bei dem nur der Rückwärtsgang funktioniert). Irgendwie funktionierte das aber alles nicht für mich. Ich vermute, dass dies am erzählerischen lag. Ich konnte keine wirkliche Bindung zu Pearly aufbauen. Auch ihre als so besonders bezeichnete Beziehung zu Bruno kam bei mir (abgesehen von den äußeren Umständen natürlich) nicht so rüber. Im Buch gibt es auch eine Stelle, bei der während eines extrem harten Winters Pearlys Mutter und Schwester sterben. Solche Szenen nehmen mich normalerweise sehr mit. Ich hätte die Stelle jedoch beinahe überlesen und fühlte rein gar nichts.