Profilbild von gagamaus

gagamaus

Lesejury Star
offline

gagamaus ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit gagamaus über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2025

erschütternd

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
0

Dieses Buch war genau wie erwartet. Erschütternd und aufwühlend aber vor allem mit einer großen Bewunderung für die Stärke der Frauen der Familie Pelicot.
In chronologischer Folge wird wie in einem Tagebuch ...

Dieses Buch war genau wie erwartet. Erschütternd und aufwühlend aber vor allem mit einer großen Bewunderung für die Stärke der Frauen der Familie Pelicot.
In chronologischer Folge wird wie in einem Tagebuch von den ersten unglaublichen Meldungen über die Verdachtsmomente gegen den Vater, dessen Verhaftung, bis hin zu den umfassenden Ermittlungen mit all dem Schrecklichen, was da zu Tage kam, beschrieben.
Klar wird schnell, welche Dimension auf die Familie zukommt. Unklar bleibt für alle, wie ein Vater und Ehemann dass seiner Ehefrau und seiner Familie antun kann. Und es bleibt die Ungewissheit der Tochter, in wie weit auch sie ein Opfer ihres Vaters wurde.

Es ist ein sehr persönliches Buch und Caroline kommt sehr ehrlich und authentisch rüber. Die seelischen Verwerfungen kann man erahnen aber sie wirkt nie wehleidig sondern am Ende abgeklärt und mit geradem Rücken. Die Vorstellung, dass auch in anderen Familien oder zwischenmenschlichen Beziehungen ähnliches passiert, aber auch das Wissen um diverse Ärzte, die wegen ähnlicher Verbrechen angeklagt wurden, die Berichte über Frauen, denen etwas in den Drink gemischt wurde, all dass hinterlässt ein mulmiges Gefühl und ganz viel Frust darauf, dass die Dunkelziffer und die Bedrohung bleiben.

Veröffentlicht am 13.04.2025

sehr lesenswert

Beeren pflücken
0

Ein Klappentext gibt im besten Sinne ein Gefühl dafür, wohin die Reise im jeweiligen Buch gehen wird. Und man entwickelt Hoffnungen und vergleicht ein wenig mit anderen Geschichten, die man schon kennt. ...

Ein Klappentext gibt im besten Sinne ein Gefühl dafür, wohin die Reise im jeweiligen Buch gehen wird. Und man entwickelt Hoffnungen und vergleicht ein wenig mit anderen Geschichten, die man schon kennt. Beeren plücken ist eine dramatische, traurige aber auch hoffnungsvolle Familiengeschichte und sie spielt sehr gekonnt die gesamte Klaviatur der menschlichen Emotionen aus. Das hat mich berührt und abgeholt gleichermaßen.

Kann eine Vierjährige sich an die ersten Jahre ihres Lebens erinnern? An die Menschen, die sie geliebt haben, die ihr nah waren, die ihre leibliche Familie waren? Was geschieht mit einem Kind, wenn es plötzlich in eine andere Familie katapultiert wird und in der trotz all der Liebe und Aufmerksamkeit der neuen Eltern immer das Gefühl hat, dass etwas fehlt, das etwas falsch ist an diesem Leben?

Und wie geht es Eltern und einem Bruder, deren Kind, deren kleine Schwester, entführt wird und über viele Jahrzehnte verschwunden bleibt? Wie gehen sie mit dem Verlust, dem Schmerz, der Sehnsucht um? Können Sie zu einem neuen Leben finden? Können Sie je die Suche und die Hoffnung aufgeben?

Anhand der Fragen ist klar, was geschehen ist und man ahnt, wie die Geschichte verlaufen wird. Die Intensität der Gefühle der Darsteller ist auf jeder Seite greifbar.

Ich bin begeistert und empfehle das Buch unbedingt zu lesen.

Veröffentlicht am 13.04.2025

ein kleines Dorf in Irland

Der Junge aus dem Meer
0

Titel und Cover haben mich sofort angesprochen, deshalb waren die Erwartungen in eine ganz bestimmt Richtung groß und ich freue mich, dass das Buch diese erfüllen konnte.

"Der Junge aus dem Meer", wird ...

Titel und Cover haben mich sofort angesprochen, deshalb waren die Erwartungen in eine ganz bestimmt Richtung groß und ich freue mich, dass das Buch diese erfüllen konnte.

"Der Junge aus dem Meer", wird als Findelkind angespült und einer der Fischer und dessen Frau adoptieren ihn schließlich und wollen ihm die Liebe geben, die sie auch dem eigenen Sohn angedeien lassen. Dass dieser sich schwer mit dem neuen Bruder tut, ist keine ungewöhnliche Situation und zeigt aber auch, dass die Geschichte von Anfang an sehr viele verschiedene Facetten hat. Die Nächstenliebe und Freundlichkeit der Adoptiveltern, die dörflichen Aufmerksamkeiten, die meist gut gemeint und oft fast zu zurückhaltend sind, die Rauheit der Natur, die von den Menschen als gottgegeben akzeptiert wird, das Auf- und Ab der Gezeiten, die das Dasein der Fischer hart aber auch sehr naturverbunden machen.

Ein ganz eigener Sound schwebt durch das Buch. Ein wenig melancholisch, ein wenig ernst, aber nicht düster sondern irgendwie trotzdem positiv und warm.
Eine wunderbare Lektüre.

Veröffentlicht am 06.04.2025

Leseempfehlung

Der Bright-Side-Running-Club
0

Das Buch hat mich aus verschiedenen Gründen gerade zu diesem Zeitpunkt sehr berührt. Ich war die letzten drei Monate in einer ambulanten Therapie und habe dort am eigenen Leib erfahren, dass eine Gemeinschaft ...

Das Buch hat mich aus verschiedenen Gründen gerade zu diesem Zeitpunkt sehr berührt. Ich war die letzten drei Monate in einer ambulanten Therapie und habe dort am eigenen Leib erfahren, dass eine Gemeinschaft von Betroffenen zum Heilungsprozess und zur Stärkung der eigenen Kräfte einglaublich viel beitragen kann. Darum geht es auch in diesem Buch, in dem Frauen, die an einer Krebsdiagonose leiden, sich zu einem Laufclub zusammenfinden.

Das Buch ist weder kitschig noch reißerisch und die Dramatik der Erkrankung wird weder verharmlost noch überzogen. Die Hauptdarstellerin ist mutig, bodenständig und ganz normal, wie du und ich. Ihre Erlebnisse, ihre Ängste und Sorgen aber auch ihr Kampf werden eindringlich aber mit auch mit einer zarten Leichtigkeit erzählt. Das hat mich von der ersten Seite an bewegt und begeistert. Ein tolles Buch. Man muss keine Angst vor dem schwierigen Thema haben. Ein wichtiges Buch. Ich kann es wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 06.04.2025

Lesehighlight

Wie Risse in der Erde
0

"Wie Risse in der Erde" von Claire Leslie Hall, hat alles was ein Jahreshighlight für mich braucht.
Das Cover ist wundervoll ruhig auf den ersten Blick und doch steckt in der jungen Frau, die durch das ...

"Wie Risse in der Erde" von Claire Leslie Hall, hat alles was ein Jahreshighlight für mich braucht.
Das Cover ist wundervoll ruhig auf den ersten Blick und doch steckt in der jungen Frau, die durch das Gras geht eine Dynamik, die man bei näherer Betrachtung ganz deutlich spüren kann. Der Titel klingt dramatisch und vielversprechend.

Die Hauptdarstellerin ist die erst siebzehnjährige Beth, die in den 1950 Jahren ländlich lebt und sich in Gabriel, der nicht zu ihrer Gesellschaftsschicht gehört und auch wenn sie einen glückilichen Sommen miteinander verbringen, so verlässt er Beth, um zu studieren und scheinbar blickt er auch nicht zurück.

13 Jahre später kommt er in den ORt zurück. Beth ist inzwischen glücklich verheiratet. Sie und ihr Mann haben einen großen Verlust erlitten und stehen dennoch zueinander. Alles könnte gut sein, aber da ist plötzlich Gabriel wieder und er hat seinen Sohn Leo dabei.

Ich will nicht zu viel verraten, denn das Buch hat mich auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt und die möchte ich keinem vorwegnehmen. Mich hat auch der Erzählstil fasziniert, der die Tragik und Dramtik und die Liebe gut widerspiegelt, ohne das es je seicht oder weichgespült geworden wäre. Eine tolle Neuentdeckung, diese Autorin. Lesehightlight.