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Veröffentlicht am 22.05.2025

Geschichte, Erzählstil, Spannung, da passt alles

Der dunkle Sommer
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Für Tilda ist ihr Leben in Deutschland nicht nur ein einziger Trümmerhaufen, sie fühlt sich auch daran schuldig. So ergreift sie die Chance in Botigalli, einem Geisterdorf in den Bergen Sardiniens ein ...

Für Tilda ist ihr Leben in Deutschland nicht nur ein einziger Trümmerhaufen, sie fühlt sich auch daran schuldig. So ergreift sie die Chance in Botigalli, einem Geisterdorf in den Bergen Sardiniens ein Haus für nur einen Euro zu kaufen. Das niemand außer ihr mehr in dem Bergdorf wohnt, stört sie nicht und als Architektin fühlt sie sich den nach dem jahrzehntelangem Leerstand anstehenden Reparaturen im Haus gewachsen. Sie lernt den Journalisten Enzo Piras kennen, der sich schon lange und verbissen mit der Geschichte dieses Dorfs auseinandergesetzt hat. Er ist es auch, der Tilda erzählt, was er bisher herausgefunden hat. Laut den Einheimischen liegt ein Fluch auf dem Haus und hier hätte das Blutbad vor 42 Jahren seinen Ursprung. Fast sämtliche Dorfbewohner fanden den Tod. Der einzige Zeitzeuge des Massakers von damals, Silvio DiNardo, schweigt gegenüber allen Fragen des Journalisten beharrlich.
Ich fand den Wechsel zwischen der Gegenwart und den Rückblenden in das Jahr 1982, dem Jahr, an dem fast alle Dorfbewohner den Tod während einer Hochzeitsfeier fanden, sehr gelungen. Gedanklich kam es bei diesem Zeitsprüngen zu keinen Brüchen, die Spannung wurde angeheizt. Natürlich noch getriggert durch die Beschreibungen der verlassenen Gegend und den seltsamen Beobachtungen von Tilda, wie auch den Geschichten der Einheimischen. Ich musste einfach immer weiterlesen und habe den Ausgang dieses Thrillers nicht im Entferntesten erahnt. Wie aus dem Nachwort der Autorin hervorgeht, sind die im Thriller geschilderten Vorgänge in ähnlicher Form tatsächlich passiert. Einfach unfassbar. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne und eine 100%ige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

voller Liebe und Hingabe für die Menschen und die Toskana

Zypressensommer
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Julia Matthiesen lebt in Hamburg. Ihr kleiner Schmuckladen, in dem sie selbst gefertigten Schmuck anbietet, läuft mehr schlecht als recht. Doch jetzt ist ihr heißgeliebter Opa Gianni Conti gestorben und ...

Julia Matthiesen lebt in Hamburg. Ihr kleiner Schmuckladen, in dem sie selbst gefertigten Schmuck anbietet, läuft mehr schlecht als recht. Doch jetzt ist ihr heißgeliebter Opa Gianni Conti gestorben und hat ihr einen Zettel mit Stichworten und Anweisungen hinterlassen, die für sie keinen rechten Sinn ergeben. Aber vielleicht bringt eine Reise zu den Wurzeln ihres Großvaters, eine Reise in die Toskana, mehr Licht in seine Vergangenheit, über die er nie geredet hat, und in diese Notizen auf dem Zettel. Auch wenn ihr nonno, so nennt sie ihn liebevoll, seit mehr als 50 Jahren fest in Hamburg verwurzelt ist, so ist er doch erst in den letzten Kriegsjahren hier angekommen und hat nie über sein früheres Leben in Italien berichtet.
Die Autorin erzählt hier sehr einfühlsam in zwei Zeitebenen die Geschichte von Gianni Conti. Da geht es um den damals jungen Gianni, der 1943 als Italien den Pakt mit Hitler aufkündigt und sich den Alliierten anschließt, von der Wehrmacht nach Deutschland verschleppt wird und dort als Zwangsarbeiter tätig sein muss. Ich hatte bisher nicht nie von solchen Schicksalen gelesen und ich finde die Autorin hat in diesem Buch diesen Hundertausenden Italienern, die damals ein ähnliches Schicksal erleiden mussten oder gar starben, ein würdiges Erinnern an deren Schicksal gegeben.
Gleichzeitig habe ich beim Lesen aber auch die Liebe der Autorin zur Toskana, zu den dort lebenden Menschen, deren Gastfreundschaft und deren schmackhafte Küche herausgelesen. Vielen Dank an der Stelle für die tollen Rezepte am Ende.
Was Julia schlussendlich über ihren Großvater herausfindet, als sie in dessen Heimatort Lucignano reist, ist sehr unterhaltsam. Von Liebe, Schmerz und Familiengeheimnisse ist alles mit dabei und nichts wirkt beim Lesen konstruiert, sondern fließt ineinander über. Es hat mich wunderbar kurzweilig unterhalten und 5 Lese-Sterne sind somit absolut verdient.

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Veröffentlicht am 06.05.2025

Der Druck auf die 3 Familien wächst – spannend, kurzweilig, empfehlenswert

Die Stunde des Widerstands
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Die Familien auf Gut Falkenbach kommen nicht zur Ruhe. Zwei ihrer Kinder, Gustav und Leopold, sind an der Front und haben lange nichts von sich hören lassen. Es ist mir unter die Haut gegangen, wie traumatisch ...

Die Familien auf Gut Falkenbach kommen nicht zur Ruhe. Zwei ihrer Kinder, Gustav und Leopold, sind an der Front und haben lange nichts von sich hören lassen. Es ist mir unter die Haut gegangen, wie traumatisch für Gustav der Einsatz an der Front ist. Er, der empathische Arzt, muss Soldaten mit wenig Überlebenschancen aussortieren und sie damit dem sicheren Tod ausliefern.
Und auf dem Gut selbst, erhärtet sich der Verdacht, dass sie bespitzelt werden. Also heißt es nicht nur vorsichtig mit seinen wahren Ansichten zu sein, dringend muss der Verräter auch entlarvt werden. Dazu schmieden Ferdinand und Johannes einen Plan um ihn zu enttarnen. Es bleibt also spannend auf dem Gut. Außerdem plant Paul-Friedrich noch immer die heimliche Ausreise aller Bewohner des Guts in ein Land in dem die Nazis keine Macht haben. Doch noch immer hat er nicht alle Schritte und Eventualitäten geplant und die Risiken bewertet. Wilhelmine gerät durch ihre Mitarbeit in der Widerstandsgruppe Weiße Rose in den Focus der Gestapo, was zusätzliche umgehende Maßnahmen erfordert.
Mein Argwohn gegenüber dem neuen Lagerleiter, Viktor Sander, hat sich noch immer nicht beruhigt. Auch wenn er Wilhelmine angeblich liebt und sie beide eine heimliche Beziehung haben, traue ich ihm nicht. Liebe schön und gut, aber schließlich ist er SS-Hauptsturmführer und das wird man ja auch nicht ohne weiteres.
Ich fand diese Fortsetzung jedenfalls wieder unheimlich aufregend und spannend. Auf der einen Seite sind mir die Bewohner von Gut Falkenbach, bis auf wenige Ausnahmen, ans Herz gewachsen, so dass ich mit ihnen bange. Auf der anderen Seite sind es aber gerade die, ich nenne sie mal die Zwielichtigen, die Intriganten, die ihre eigenen Ziele verfolgen, die Spannung in die Familiengeschichte bringen. Von mir gibt’s eine 100%ige Lese-Empfehlung und natürlich 5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

konnte das Buch nicht aus der Hand legen

Beeren pflücken
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Jedes Jahr kommen die Mi’kmags mit ihren 5 Kindern nach Maine, wo sie als Saisonarbeiter Blaubeeren pflücken. Ein harter Job, bei dem auch bereits die Kinder mithelfen müssen. Sie führen ein bescheidenes ...

Jedes Jahr kommen die Mi’kmags mit ihren 5 Kindern nach Maine, wo sie als Saisonarbeiter Blaubeeren pflücken. Ein harter Job, bei dem auch bereits die Kinder mithelfen müssen. Sie führen ein bescheidenes Leben, aber eines zeichnet sie aus: der Zusammenhalt der Familie und die Liebe zueinander.
Das vermittelt die Autorin ganz einzigartig. Mir hat es ganz wunderbar gefallen, wie hier im Buch ein fließender Wechsel zwischen der Gegenwart und dem Rückblick in die vergangenen 50 Jahre erfolgt. Im Jahr 1962 trifft die Familie nämlich ein sehr harter Schlag. Da verschwindet die jüngste Tochter, Ruthie, im Alter von vier Jahren. Joe, ihr größerer Bruder macht sich bis heute Vorwürfe nicht gut genug auf sie aufgepasst zu haben. Er war damals gerade sechs Jahre und war nur kurz am See und dann war Ruthie weg als er wiederkam. Nicht der einzige Verlust an dem er sich schuldig fühlt und der ihn ein Leben in Wut und Einsamkeit führt.
Dann gibt es noch Norma, die in Maine ein behütetes, besser gesagt ein überbehütetes, Leben lebt. Ihre Eltern lieben sie, keine Frage. Aber ihre Mutter erdrückt sie mit ihrer Liebe und ihren Ängsten. Das Elternhaus ist der einzige Ort an dem sie sich frei bewegen kann, wenn auch immer mit heruntergelassenen Jalousien. Freundinnen hat sie keine, dafür wird sie von ihrer Mutter zu sehr isoliert. Doch immer wieder hat Norma diese Träume. Sie träumt von Dingen, die sie nie zuvor gesehen hat. Oder doch?
Ich habe das Buch aufgeschlagen und bin einfach in diese traurige Geschichte eingetaucht. Sicher konnte man bereits recht früh erahnen, wie die Hauptfiguren zusammenhängen und doch war es für mich ein spannendes und sehr emotionales Lesevergnügen, das noch lange in mir nachklingen wird. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Die Suche nach den Wurzeln – bewegende Geschichte

Um jeden Preis
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Hauptfigur dieses Romans ist Lydia Groß, die als Jugendliche mit ihrer Familie nach der Vertreibung aus der Ukraine als Zwangsarbeiterin nach Sibirien verbannt wurde. Es war für mich erschütternd, was ...

Hauptfigur dieses Romans ist Lydia Groß, die als Jugendliche mit ihrer Familie nach der Vertreibung aus der Ukraine als Zwangsarbeiterin nach Sibirien verbannt wurde. Es war für mich erschütternd, was den Menschen dort angetan und zugemutet wurde. Nicht nur die harte Arbeit bei nur 300 Kcal und einem Arbeitstag von mindestens 12 Stunden am Tag, auch die unwirtlichen, beengten Unterkünfte, die eisigen Temperaturen, waren für mich kaum vorstellbar. Um so mehr habe ich Mutter Marianna dafür bewundert, wieviel Kraft sie aus ihrem Glauben gezogen hat, wieviel Liebe sie ihren Kindern entgegengebracht hat und trotz der so widrigen Umstände versucht hat ihnen ein Heim zu schaffen. Die Familie hatte ein Mantra: zusammenbleiben um jeden Preis! Dieses Mantra hat Lydia als Vater und Mutter nicht mehr dafür einstehen konnten, beharrlich fortgesetzt. Ich habe es als riesige Stärke dieser so mutigen, liebevollen und zupackenden Frau empfunden. Was die Familie Groß/Judt alles durchmachen musste, sollte jeder selbst nachlesen. Ich möchte hier nicht spoilern. Auf jeden Fall hat mich ihr (Leidens-) Weg oft sehr traurig gestimmt und auf der anderen Seite ihr ungebrochener Lebenswille beeindruckt.
Mir hat es gefallen, wie die Autorin gleich zum Anfang Lydia Judts Familie vorstellt. Lydia selbst ist bereits im Alter von 92 Jahren verstorben. Ziel des Treffens ist es, auf Grundlage der Tagebucheinträge von Lydia und den Erinnerungen ihrer Kinder und Enkel Lydias Leben in einem Buch festzuhalten. So sind es am Anfang dann auch die Tagebucheinträge der Mutter bzw. Oma, die in die Kapitel einfließen. Erst am Ende werden noch Empfindungen und Erlebnisse der jüngeren Generation vermittelt. Mir hat das stilistisch gut gefallen, wurde doch dadurch der Bogen zwischen gestern und heute erst vollständig. Von mir gibt’s 5 Lese-Sterne.

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