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Veröffentlicht am 13.04.2025

David gegen Goliath - Eine Geschichte über die Kraft der Natur

Die Frau und der Fjord
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Die Geologin Gro zieht sich nach dem überraschenden Tod Ihres Ehemanns in ein einsames Haus an einem Fjord in den norwegischen Lofoten zurück. Dort will sie in der Stille und Einsamkeit der unberührten ...

Die Geologin Gro zieht sich nach dem überraschenden Tod Ihres Ehemanns in ein einsames Haus an einem Fjord in den norwegischen Lofoten zurück. Dort will sie in der Stille und Einsamkeit der unberührten Natur ihre Trauer durchleben und wieder zu sich selbst finden. Als eines Abends während eines Sturms ein Notruf von einem havarierten Schiff eingeht, ist es schlagartig vorbei mit ihrer Einsamkeit.
Doch Gro kämpft nicht nur mit sich selbst und ihrer Trauer, sie kämpft auch für die Natur und die unberührte Landschaft in ihrem Fjord….

Dieses Buch hat mich sofort angesprochen, ich habe mich direkt auf den ersten Seiten eingefunden in die Story. Die Geschichte zieht einen sofort mit, man begleitet Gro in ihrem Boot zu ihrem einsamen Haus am Fjord, den man nur über Wasser erreichen kann.
Die Autorin beschreibt die Landschaft aber auch die Atmosphäre in allen Einzelheiten, so bildhaft und lebendig dass sich wunderbare Bilder vor dem inneren Auge entwickeln. Dabei wird es aber nicht kitschig oder schnulzig, denn man erfährt auch viel über die Unanehmlichkeiten, die dieses einsame Leben in der Wildnis mit sich bringt. Zum Beispiel über die eisige Kälte und ewige Dunkelheit im Winter, das Haushalten mit den Vorräten aber auch über Gros widersprüchliche Haltung zur Stille an diesem Ort, die sie bewusst gewählt hat, die aber doch auch eine Herausforderung für sie ist.

Man begleitet Gro über ein Jahr und etwas länger und erlebt, wie sie sich entwickelt, wie der Fjord zu ihrer Heimat wird und wie sie die Trauer um ihren Mann verarbeitet. Mit dem Notruf eines havarierten Schiffes vor ihrer Küste kehrt auch wieder für kurze Zeit Gesellschaft in ihr Haus, als sie sich um den verletzten Fischer kümmert. Und man erlebt, wie sie vorsichtig ihre Fühler wieder ausstreckt in ein neues Leben…

Das Buch ist eine tolle Geschichte über die Kraft, Macht und Schönheit der Natur aber auch über Trauer, Freundschaft und Liebe. Die Gestaltung des Covers passt unheimlich gut zur Geschichte…diese Farben hat man selten in seinem Bücherregal stehen.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Ein leiser Roman über Verlust, Zugehörigkeit und die Kraft des Meerey

Das Geschenk des Meeres
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Schon das stimmungsvolle Cover und der schön gestaltete Einband haben mich neugierig auf dieses Buch gemacht – und mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. „Das Geschenk des Meeres“ ist ein stiller, poetischer ...

Schon das stimmungsvolle Cover und der schön gestaltete Einband haben mich neugierig auf dieses Buch gemacht – und mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. „Das Geschenk des Meeres“ ist ein stiller, poetischer Roman, der durch seine Atmosphäre, seine Figuren und seine Sprache berührt.

Im Mittelpunkt steht Dorothy, eine junge Frau, die um 1900 ihre erste Stelle als Lehrerin im abgelegenen schottischen Küstenort Skerry antritt. Hier verbringt sie ihr weiteres Leben – sie heiratet, wird Mutter, wird von ihrem Mann verlassen und verliert auf tragische Weise ihren Sohn in einem nächtlichen Sturm ans Meer. Diese Verluste prägen nicht nur Dorothys Lebensweg, sondern auch ihr Verhältnis zur Dorfgemeinschaft, in der sie stets eine gewisse Außenseiterrolle einnimmt. Teils hat sie sich diese selbst auferlegt, teils wird sie ihr durch die starren sozialen Strukturen des Ortes zugewiesen.

Der Roman ist vielstimmig erzählt und wechselt zwischen unterschiedlichen Zeiten und Perspektiven, was anfangs etwas Orientierung verlangt. Doch es lohnt sich, dran zu bleiben: Nach und nach fügen sich die Erzählstränge ineinander und zeichnen ein dichtes Bild von Skerry und seinen Bewohnern. Besonders gelungen ist dabei die Darstellung des dörflichen Lebens um 1900 – mit all seinen Verpflichtungen, ungesagten Wahrheiten, dem Tratsch und den festgefahrenen Rollenbildern.

Dorothy ist eine vielschichtige Figur: verletzlich, stolz, geprägt von Scham, Missverständnissen und Selbstzweifeln. Man möchte sie manchmal wachrütteln, so sehr steckt sie in ihrer Rolle fest. Und doch wirkt sie gerade deshalb authentisch – ein Mensch mit Ecken und Kanten, der lange braucht, um seinen Weg zu finden.

Die Beziehung zwischen dem Fischer Joseph, der damals den Stiefel von Dorothys Sohn fand und der in der Gegenwart der Geschichte einen bewusstlosen Jungen am Strand findet, der offenbar angeschwemmt wurde, ist ein besonderes Element in diesem Buch und zieht sich durch die gesamte Geschichte. Auch er hat eine Art Außenseiterrolle in der Dorfgemeinschaft, aber auf andere Art und Weise und aus anderen Gründen.

Was dem Buch eine besondere Tiefe verleiht, ist das Spiel mit Mythen, Legenden und dem Übersinnlichen. Immer wieder schwingt etwas Magisches mit, besonders in der Beziehung zwischen Dorothy und dem Jungen, der eines Tages ans Meeresufer gespült wird. Diese mystischen Elemente fügen sich wunderbar in die Atmosphäre des Romans ein und machen die Geschichte auf eine stille Art märchenhaft.

Der Schreibstil ist ruhig, fast poetisch, und passt hervorragend zum Ton des Romans. Es geht nicht um große Dramen, sondern um die feinen, leisen Töne. Gerade gegen Ende entfaltet sich die Geschichte in einer berührenden Intensität – mit einem Schluss, der stimmig ist, aber dennoch nachhallt.

Fazit:
„Das Geschenk des Meeres“ ist ein feinfühliger Roman über Verlust, Zugehörigkeit und die Suche nach einem Platz im Leben. Wer ruhige, atmosphärische Geschichten mit viel Gefühl, Tiefe und einem Hauch von Magie liebt, wird hier ganz sicher fündig.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Zwischen Verschwinden und Erinnern: Eine stille, berührende Familiengeschichte

Perlen
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Schon beim ersten Blick fällt die schöne und sehr passende Gestaltung des Buches ins Auge. Das Cover ist schlicht, aber wirkungsvoll: Ein grüner Hintergrund zeigt mehrere kreisrunde Ausschnitte, ...

Schon beim ersten Blick fällt die schöne und sehr passende Gestaltung des Buches ins Auge. Das Cover ist schlicht, aber wirkungsvoll: Ein grüner Hintergrund zeigt mehrere kreisrunde Ausschnitte, die an Perlen erinnern und in denen alte Schwarzweiß-Fotografien durchscheinen. Dieses Motiv passt hervorragend zum Inhalt des Romans, in dem Erinnerungen, Familiengeschichte und Vergangenes eine zentrale Rolle spielen.

Sehr gut gefällt mir auch die hochwertige Ausstattung: Das Buch ist ein gestaltetes Hardcover ohne Schutzumschlag, was ich sehr schätze. Es liegt gut in der Hand, bietet eine tolle Haptik und wirkt gleichzeitig schlicht und edel. Besonders praktisch und schön finde ich auch das eingearbeitete Lesebändchen als Lesezeichen.

Die Geschichte selbst wird aus der Ich-Perspektive von Marianne erzählt und liest sich sehr flüssig. Als Kind musste Marianne erleben, dass ihre Mutter eines Tages das Haus verließ und spurlos verschwand. Was mit ihr geschah, bleibt ungeklärt und hinterlässt eine große Lücke in der Familie: beim Vater Edward und beim kleinen Bruder Joe, der damals noch ein Säugling war.

Der Roman erzählt vor allem davon, wie dieses Verschwinden Mariannes Leben geprägt hat – von ihrer Kindheit über die Jugend bis ins Erwachsenenalter, als sie selbst Mutter einer Tochter wird. Besonders gelungen finde ich, dass das Verschwinden der Mutter zwar während der gesamten Geschichte eine Rolle spielt, aber nicht als reiner Kriminalfall im Vordergrund steht. Stattdessen bildet es den Hintergrund für Mariannes Lebensgeschichte und ihre Entwicklung. Immer wieder wird das Thema aufgegriffen, es gibt Andeutungen über die möglichen Gründe, aber der Roman ist mehr als nur eine Spurensuche.

Diese Balance zwischen dem persönlichen Coming-of-Age-Element und dem tragischen Familiengeheimnis gefällt mir ausgesprochen gut. Jedes Kapitel wird zudem von einem kleinen Gedicht eingeleitet, was dem Buch eine besondere, poetische Note verleiht. Und im Verlauf der Geschichte wird auch klar, warum der Titel „Perlen“ gewählt wurde – das Motiv zieht sich durch die Handlung und ist sehr stimmig umgesetzt.

Insgesamt ist „Perlen“ ein sehr schöner Roman, der von gleich zwei tragischen Lebensgeschichten erzählt, dabei aber nie ins allzu Traurige oder Melodramatische abrutscht. Die Sprache ist angenehm und eingängig, und die Figuren wirken lebendig und glaubhaft. Mir hat das Buch sehr gut gefallen – sowohl inhaltlich als auch in der Gestaltung ist es wirklich empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Ein Roadtrip mit Bonnie & Bonnie

Killer Potential
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Das Cover des Buches sieht im ersten Augenblick nicht aus wie das eines typischen Thrillers, die ja sonst eher dunkel gehalten sind. Trotzdem hat es mich auf Anhieb angesprochen, wahrscheinlich ...

Das Cover des Buches sieht im ersten Augenblick nicht aus wie das eines typischen Thrillers, die ja sonst eher dunkel gehalten sind. Trotzdem hat es mich auf Anhieb angesprochen, wahrscheinlich eben weil es mal etwas anderes ist. Und es passt wirklich gut zur eigentlichen Story, die zu einem Großteil ein Roadtrip quer durch die Staaten ist.

Der Einstieg ins Buch gelingt einem schnell - die Ich-Erzählerin Evie startet sofort mit dem eigentlichen Ausgangspunkt der Geschichte: Wie sie die Eltern ihrer Nachhilfeschülerin tot in ihrem Haus findet, anschließend eine gefesselte Frau aus der Kammer unter der Treppe befreit und dann im Affekt ihre Nachhilfeschülerin erschlägt als diese unerwartet nach Hause kommt. Evie und die Frau aus der Kammer unter der Treppe fliehen aus dem Haus und begeben sich auf einen Roadtrip quer durch die USA. Doch die andere Frau spricht nicht und so erlebt der Leser die Geschichte aus Sicht der Ich-Erzählerin Evie.

Der Schreibstil in der Ich-Form ist interessant, leicht sarkastisch und selbstironisch - mal etwas anders zu lesen als das was man sonst so kennt. Allerdings empfand ich die Story am Anfang etwas langatmig, da man sehr viel aus Evies Gedankenwelt und ihrer Vergangenheit erfährt. Die beiden Frauen befinden sich in einem Auto auf der Flucht, eine von ihnen spricht nicht und so ist Evie quasi mit ihren Gedanken und Gefühlen Alleinunterhalterin für den Leser.

Anfangs habe ich mich gefragt, wo das nun hinführen soll. Zwei Frauen im Auto auf der Flucht - anfangs geht es hauptsächlich um Fragen und Themen wie „Wie kommt man an Essen und Geld“, „Wohin fährt man“, „Wo übernachtet man“, etc.

Aber im Verlauf der Story entwickelt sich auch zwischen den beiden Frauen eine Ebene der Kommunikation. Man möchte wissen was mit dieser unbekannten, schweigenden Frau passiert ist. Was ist ihre Geschichte, wer hat die Menschen in dem Haus umgebracht und vor allem wie entwickelt sich die Geschichte für Evie.

Ab der Mitte des Buches hat die Geschichte für mich mehr Fahrt aufgenommen. Es wurde spannender, es gab einige überraschende Twists und so ließ sich das Buch auch flüssiger lesen. Und gegen Ende im Dritten und letzten Teil ändert sich auch noch einmal etwas in der Story und auch im Schreibstil der Autorin.

Insgesamt ist Killer Potential eine gelungene Story, in sich schlüssig, mit vielen spannenden Wendungen und einem unvorhergesehenen Ausgang. Wenn man die ersten teilweise etwas langatmigen Seiten in Kauf nimmt hat man hier einen Thriller mit einer interessanten Geschichte, die mit wenigen Hauptpersonen auskommt und trotzdem nicht langweilig wird.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein Haus, zwei Herzen, viele Lücken - eine stille Geschichte mit ungenutztem Potential

Spät am Tag
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Das Cover dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Es ist sehr schön und stimmungsvoll gestaltet, sodass ich mit großen Erwartungen in die Lektüre gestartet bin. Daher hat es mich überrascht, dass ...

Das Cover dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Es ist sehr schön und stimmungsvoll gestaltet, sodass ich mit großen Erwartungen in die Lektüre gestartet bin. Daher hat es mich überrascht, dass „Spät am Tag“ mit seinen 143 Seiten eher schmal ausfällt – ich hatte mit deutlich mehr Inhalt gerechnet.

Im Zentrum der Geschichte stehen Johanne und Mikael. Nach einer gescheiterten Ehe zieht Johanne aus der Hauptstadt aufs Land zu Mikael, der in einer Anzeigr ein Zimmer in seinem abgelegenen Haus anbietet. Auch Mikael lebt nach der Trennung von seiner Frau Sofia allein, lediglich seine kleine Tochter verbringt gelegentlich Zeit bei ihm. Das weiße, einsam gelegene Haus zieht Johanne sofort in seinen Bann, und so beschließt sie, dort einzuziehen. Von nun an schreibt sie von diesem Ort aus ihre Artikel und arbeitet an einem Roman. Zwischen Johanne und Mikael entwickelt sich nach und nach eine zarte Liebesgeschichte.

Die Figuren sind grundsätzlich sympathisch angelegt. Besonders Johanne lernt man recht gut kennen, da sie in der Ich-Perspektive erzählt und man tief in ihre Gefühlswelt eintaucht. Mikael bleibt dagegen eher schemenhaft, man erfährt nur begrenzt etwas über seine Persönlichkeit. Auch Sofia, Mikaels Exfrau, wirkt in der Handlung nicht wirklich greifbar – vielmehr scheint sie hauptsächlich die Rolle eines Störfaktors in der Beziehung der beiden zu übernehmen.

Mit dem Schreibstil habe ich mich allerdings schwergetan. Kristin Vego wählt eine sehr eigene Form: kurze Abschnitte, die wie Tagebucheinträge wirken, aber nicht als solche gekennzeichnet sind. Ständig wechselt Johanne zwischen Gegenwart und Vergangenheit, wodurch man manchmal das Gefühl hat, die Orientierung in der Geschichte zu verlieren. Auch die Kapitelaufteilung („Erster Tag“, „Zweiter Tag“, …) und die Aufteilung in Teile hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Dazu kommt eine Sprache, die stellenweise altmodisch anmutet, fast wie aus einer anderen Zeit. Das macht das Lesen zwar atmosphärisch, aber nicht immer leicht zugänglich.

Insgesamt finde ich die Grundidee des Romans sehr schön. Die Geschichte um Neuanfang, Nähe und die leise entstehende Liebe zwischen zwei verletzten Menschen hätte viel Potenzial für Tiefe und Entwicklung geboten. Leider bleibt der Roman für mich hinter diesen Möglichkeiten zurück. Er hat mich nicht so berührt, wie ich es mir gewünscht hätte, und hinterlässt am Ende eher das Gefühl, dass hier noch viel mehr hätte erzählt werden können.

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