Schlafende Hunde
Verdeckte SpurenEx-Polizist Gerhard Beckmann hat noch immer mit dem Tod seiner Frau zu kämpfen und vergräbt sich in seiner zweiten Heimat Sardinien. Als ein Berliner Journalist sich bei ihm wegen eines Artikels zu seinem ...
Ex-Polizist Gerhard Beckmann hat noch immer mit dem Tod seiner Frau zu kämpfen und vergräbt sich in seiner zweiten Heimat Sardinien. Als ein Berliner Journalist sich bei ihm wegen eines Artikels zu seinem letzten Fall meldet wird Beckmann von den Erinnerungen überrollt, allerdings kommen plötzlich Verbindungen zu Tage, die den Tod seiner Frau in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen.
Nach "Die Chinesin" begleitet der Leser Beckmann hier durch sein zweites Abenteuer. Während es für die Geschichte nicht unbedingt notwendig ist das erste Buch zu kennen, ist es bezogen auf den Schreibstil des Autoren aber vielleicht ganz gut, weiß man so doch worauf man sich einlässt. Jochen Brunow schreibt sehr bildhaft und opulent, seine Kriminalstory ist eingebettet in absolut faszinierende Landschaftsbeschreibungen, die so detailreich sind, dass man fast meinen könnte man würde einen Reisebericht lesen und keinen Krimi. Natürlich nimmt das Tempo aus dem Geschehen, Spannung entwickelt sich eher moderat, mit einigen wohldosierten Knalleffekten, das muss man mögen. Neben den wunderschönen Landschaftsbeschreibungen nimmt auch Beckmanns Privatleben viel Raum in der Geschichte ein, besonders in diesem Fall wieder, geht es doch um seinen letzten Fall als Ermittler der Berliner Polizei und um den Selbstmord seiner Ehefrau, der ihn und die Beziehung zu seiner Tochter sehr belastet. Bedingt durch die Bezugnahme auf Beckmanns Vergangenheit spielt die Geschichte diesesmal auch nicht ausschließlich auf Sardinien, sondern Pendelt zwischen der Insel und Beckmanns früherem Wohnort Berlin.
Der Autor baut einen Kriminalfall rund um Korruption am Berliner Flughafen BER, und bringt das Geschehen so glaubhaft nah an die Realität. Bei anderen Aspekten geht diese Nähe aber für mich dann wieder etwas verloren, etwa bei der Wahl des Unbekannten, der Beckmann in seinem Haus überfällt, oder auch, wenn er Figuren Dinge tun lässt, die überhaupt nicht zu ihnen passen. Natürlich lese ich hier einen fiktiven Kriminalfall, Aufgabe des Autors ist es, mir das Geschehen glaubhaft zu verkaufen und das ist hier leider nicht immer gelungen. In einem amerikanischen Krimi würde ich solche Kritik wahrscheinlich eher nicht anbringen, einfach, weil man es hier gewöhnt ist, das alles nach dem Motto höher, schneller, weiter läuft und quasi an jeder Ecke eine Bombe explodiert und die Beteiligten ohne Kratzer aus der Rauchwolke hervortreten. Hier wird mir aber von Beginn an eher eine Story in Tatortmanier angekündigt und da gelten halt gewisse Regeln.
Da ich, wie schon erwähnt, bereits ein Buch des Autors gelesen hatte, konnte ich mich gut in die Geschichte einfinden. Es war spannend etwas mehr zu Beckmanns Hintergründen zu erfahren, der ja eher ein ruhiger, zurückhaltender Charakter ist. Der Kriminalfall an sich wurde gut und plausibel mit Beckmanns Figur in Verbindung gebracht, allerdings waren mir das Drumherum, die internen Hintergründe und Zusammenhänge dann manchmal etwas zu konstruiert. Es gab eine vielzahl von Figuren und Nebenschauplätzen, die zwar interessant waren, aber die Story leider oft ausbremsen, auch weil man immer rätselt, ob es was zu bedeuten hat. Der Autor erzählt all das wirklich gekonnt, für einen reinen Krimi aber eben einfach zu umfangreich.
Im Grunde folgt hier wieder die selbe Kritik wie auch schon beim ersten Buch, die Geschichte ist viel mehr ein schöner Roman mit Krimihandlung, als ein durchweg spannender Krimi. Wer diese Konstellation mag, dem werden die Bücher von Jochen Brunow sehr gut gefallen. Wer mehr Wert auf Spannung und Action legt, könnte eher enttäuscht sein. In der Gesamtheit habe ich das Buch wieder gern gelesen, ich finde es sogar noch etwas besser als seinen Vorgänger. Unterm Strich gibt es aber eben auch einige Punkte, mit denen ich hadere. Hier muss man sich als Leser wohl einfach selbst ein Bild machen.