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Veröffentlicht am 15.09.2016

"Ehrbare Männer sterben für meinen Geschmack viel zu schnell. Zweifellos gibt es deshalb so wenige."

Das Teufelsloch
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London, 1727: Tom Hawkins ist ein Gentleman und Lebemann, mit einem verhängnisvollen Hang zu Alkohol, Glücksspiel und leichten Mädchen. Den vorgezeichneten Weg der Familientradition - eine Laufbahn als ...

London, 1727: Tom Hawkins ist ein Gentleman und Lebemann, mit einem verhängnisvollen Hang zu Alkohol, Glücksspiel und leichten Mädchen. Den vorgezeichneten Weg der Familientradition - eine Laufbahn als Landpfarrer - hat er mit Freude ausgeschlagen, schien das Leben in London doch um so vieles verlockender. Doch nun sitzen ihm seine Gläubiger im Nacken und fordern ihr Geld. Sollte er nicht binnen eines Tages die Hälfte seiner Verbindlichkeiten begleichen können, werden die Büttel ihn ins Schuldgefängnis Marshalsea werfen.
Nach einer durchzechten Nacht mit noch mehr geliehenem Geld am Spieltisch ist es geschafft, und Tom hat die benötigte Summe eigentlich in seinem Beutel. Doch leider geht sein Plan dennoch nicht auf, und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Er landet im Schuldgefängnis und erbt die Pritsche eines Mannes, der sich angeblich das Leben genommen hat - allerdings glaubt kaum jemand an diese Theorie...


"Das Teufelsloch" ist ein historischer Thriller, der von der ersten Seite an Sogwirkung entfaltet. Sofort ist man mittendrin im London des frühen 18. Jahrhunderts - überfüllte Straßen, halbseidene Spelunken und mit Perücken ausgestatte "Gentlemen", die diese Bezeichnung sehr oft nicht verdienen. Und dann der krasse Gegensatz zu dieser Opulenz und Lebensfreude: das berüchtigte Schuldgefängnis Marshalsea, wo hauptsächlich Leute festgesetzt werden, die ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Die bedrückende Enge der hohen, düsteren Gefängnismauern wird beinahe greifbar.

Die Details des damaligen Strafvollzuges erscheinen heute geradezu absurd. Vor allem, dass selbst innerhalb eines Gefängnisses die englische Klassengesellschaft aufrecht erhalten wird. Für Reiche und Vermögende gibt es die kostspielige "Master Side", wo man sich alle nur denkbaren Annehmlichkeiten kaufen kann, falls man sie sich leisten kann. Allerdings muss man auch die "Dienstleistungen" des Marshalsea teuer bezahlen: Für die Zelle wird Miete fällig und für ihre Verpflegung haben die Häftlinge selbst aufzukommen.
Fehlen die Mittel für die bessere Unterbringung, folgt unweigerlich die Verlegung auf die "Common Side": Hinter einer weiteren hohen Mauer, auf der anderen Seite des Gefängnishofes, werden all diejenigen untergebracht, die wirklich nichts mehr in die Waagschale werfen können. Die Commons hungern, leben in grauenerregenden hygienischen Zuständen, werden unweigerlich krank und sterben. Verständlich, dass die privilegierten Insassen um jeden Preis verhindern wollen, dorthin verlegt zu werden. Sie sind daher gerne bereit, auch noch den letzten Penny für ihre Vergünstigungen auf der Master Side zu opfern - ein Schuldgefängnis war demnach ein äußerst profitables Wirtschaftsunternehmen.
In einem ausführlichen Vor- und Nachwort geht Antonia Hodgson auf die Quellen ihrer Recherche ein, wobei vor allem die Aufzeichnungen eines in Marshalsea Inhaftierten wertvolle Informationen über den Alltag, die Verwaltung und die Haftbedingungen dieses berüchtigten Gefängnisses geliefert haben. Die damaligen Gegebenheiten sind also sehr akkurat wiedergegeben, zusätzlich dazu findet man im Anhang auch noch eine Liste der historischen Figuren des Romans, sowie ein äußerst aufschlussreiches Glossar.

Auch die Thriller-Handlung ließ bei mir keine Wünsche offen - die Mordermittlungen, in die Tom wider Willen verstrickt wird, bieten dem Leser reichlich Nervenkitzel in rasantem Tempo, und außerdem die Gelegenheit, die vielen anderen Insassen (teils historisch, teils fiktiv) näher kennenzulernen. Mein persönlicher Hauptverdächtiger wechselte zwar regelmäßig von Kapitel zu Kapitel, aber dennoch haben mich die Auflösung und die Hintergründe am Ende völlig überrascht. Daher warte ich natürlich schon jetzt sehnsüchtig auf den nächsten Band "Der Galgenvogel" - leider muss ich mich noch bis zum 03. November 2016 gedulden, erst dann kann ich mich wieder mit Tom Hawkins ins Londoner Getümmel stürzen.

Wer wie ich ein Faible für historische Stoffe, und noch dazu eins für England im Allgemeinen und London im Speziellen hat, kann mit diesem Buch definitiv nichts falsch machen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

It's the eye of the tiger, it's the thrill of the fight.

Wir waren keine Helden
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Anfang der 80er, am Arsch der Welt: Die junge Candy, ein unsicheres Pubertier (diese Wortneuschöpfung direkt aus dem Buch musste ich einfach leihen), lebt in der süddeutschen Provinz. Als Zugezogene hat ...

Anfang der 80er, am Arsch der Welt: Die junge Candy, ein unsicheres Pubertier (diese Wortneuschöpfung direkt aus dem Buch musste ich einfach leihen), lebt in der süddeutschen Provinz. Als Zugezogene hat sie sich zwar in die Dorfjungend integriert, aber trotzdem ist das Dorfleben nur die Warteschleife. Warten auf etwas größeres. Die große, weite Welt vielleicht, alles ist möglich. Den ersten Vorgeschmack auf das Leben später bekommt sie, als ihr eines Tages an der Bushaltestelle Pete vor die Füße fällt. Älter, weiser, unendlich cool, ein Rebell. Er nennt sie Sugar, und es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bis in die Gegenwart bestehen soll.

Candy Bukowski hat ein großartiges Buch geschrieben. Über das Leben, das Lieben, das Festhalten, das Loslassen. Über das kleine Glück und die richtigen Kerle zur falschen Zeit. Oder die falschen Kerle, für die logischerweise auch immer die falsche Zeit ist, man merkt es nur einfach nicht gleich. Wortgewaltig, in Bilderstürmen, gerne auch poetisch, aber auf jeden Fall immer auf den Punkt, widmet sie sich den Themen des Lebens, die am Ende des Tages zählen: Freundschaften, Liebschaften, Jungsein, Erwachsenwerden, Verantwortung übernehmen und trotzdem Träume leben und sich dabei auch noch selbst treu bleiben. Nicht in der Tretmühle steckenbleiben und sich irgendwann fragen müssen, wo denn das ganze verdammte Leben geblieben ist.

Das Buch besteht aus vielen einzelnen Episoden in Sugars Leben, von 1982 bis 2015 darf der Leser Einblick nehmen in die wichtigen Schlüsselszenen, die sie wie Schlaglichter aufblitzen lässt. Jeder, der um die vierzig ist, wird sich wiedererkennen, und seine eigenen sepiafarbenen Erinnerungen mal wieder hervorkramen und liebevoll betrachten. Mir zumindest erging es so. Ich erinnerte mich daran, wie geil es ist, siebzehn zu sein: das ganze Leben liegt vor dir, und du kannst alles machen, alles schaffen. Noch nicht gleich, du hast ja noch alle Zeit der Welt, aber später dann auf jeden Fall. Und irgendwann der Tag, wo dir klar wird: Irgendwann in den letzten Jahren hast du den Punkt überschritten, von dem unendlichen Leben hast du schon ganz schön viel verbraucht, jetzt wird es eng. Noch nicht so eng, dass gar nichts mehr geht, aber der ein oder andere Zug hat den Bahnhof definitiv schon in Richtung "Auf Nimmerwiedersehen" verlassen.
Trotzdem glaube ich nicht, dass dieses Buch nur die mittelalten Knacker, in den 80ern gerne auch Grufties genannt, anspricht, denn manches im Leben ist einfach universell. Das haben schon unsere Urgroßeltern erlebt, und in 250 Jahren werden die Menschen immer noch ihre Jugend verschwenden, die falschen Menschen lieben oder die richtigen Menschen verlieren.

Ich hab es sehr genossen, nochmal zurückzureisen. Ich habe gelacht, geheult (ohne Witz!), mitgelitten und mitgelebt. Ich habe die höchste Hochachtung davor, wenn ein Autor den Mut aufbringt, so viel von sich selbst preiszugeben, dem Leser hoffnungsvoll hinzuwerfen in dem Wissen, dass man gewaltig auf die Schnauze bekommen kann. Man weiß beim Lesen aus irgendeinem Grund, dass Candy Bukowski die Karten auf den Tisch legt, nichts schönt oder besser darstellt - dass die Geschichte authentisch ist. Sonst würde sie nicht funktionieren.
Und ich muss zugeben, ich bin auch ein wenig neidisch. Wenn ein Autor so gut mit Worten umgehen kann, das Leben in wenigen Sätzen sezieren und wieder zusammensetzen kann, da muss man als Normalo einfach mal ein bisschen neidisch sein. Man könnte an dieser Stelle tonnenweise Stellen aus dem Buch finden und als kleinen Vorgeschmack zitieren, ich hab mich mal für diese Stelle entschieden:
"Das Leben lehrt Akzeptanz. Den wilden, den wahren, den bösen und den ganz banalen Dingen gegenüber. Dass du das Spiel nicht gewinnen, sondern nur einfach so lange wie möglich nach deinen eigenen Regeln beeinflussen kannst, diese Einsicht gehört witzigerweise zum Banalen. Und trifft dennoch wie ein Donnerschlag."

"Wir waren keine Helden" ist für mich wirklich ein Überraschungsvolltreffer auf meiner Leseliste gewesen, ein Buch, das man immer wieder lesen kann. Und noch dazu eines, das beim nächsten Mal wahrscheinlich sogar noch besser wird.
Ich hoffe wirklich sehr, dass ich von Candy Bukowski noch einigen Lesestoff in die Finger bekomme. Die Wartezeit bis dahin werde ich mal mit ihrem Blog (den mir die Internetrecherche freundlicherweise ausgespuckt hat) überbrücken: Der Name "Bitte ein Herrengedeck! oder: "Wie? Du bläst beim ersten Mal?"" hat mir schon das erste Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Zusammen mit zwei anderen Bloggerinnen schreibt sie auch dort sehr ansprechende Episoden, Anekdoten und treffsichere Situationsanalysen, die nicht nur ein netter Zeitvertreib sind, sondern durchaus tiefer gehen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Rahoteps zweiter Fall

Tutanchamun - Das Buch der Schatten
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Theben, im 10. Regierungsjahr von Tutanchamun: Seit Rahoteps Einsatz in Achet-Aton sind etwa 15 Jahre vergangen und die Zeiten haben sich wieder einmal extrem geändert. Nofretete und Echnaton sind tot, ...

Theben, im 10. Regierungsjahr von Tutanchamun: Seit Rahoteps Einsatz in Achet-Aton sind etwa 15 Jahre vergangen und die Zeiten haben sich wieder einmal extrem geändert. Nofretete und Echnaton sind tot, ihnen nachgefolgt auf den Thron sind Tutanchamun und Anchesenamun. Da Tutanchamun noch ein Kind war, als Echnaton gestorben ist, hat Eje die Aufgabe des Regenten übernommen, Haremhab den Oberbefehl über das ägyptische Heer. Obwohl Tutanchamun inzwischen zu einem jungen Mann herangewachsen und offiziell Ägyptens Pharao ist, ist es ihm bisher noch nicht gelungen auch die tatsächliche Herrschaft an sich zu bringen.
Rahotep wurde gerade zu einem besonders brutalen Tatort gerufen, wo ein junger, verkrüppelter Mann grausam verstümmelt und ermordet wurde, als ihn ein Bote aus dem Palast erreicht. Der Bote soll Rahotep zu einer wichtigen Persönlichkeit bringen, deren Namen er nicht nennen kann. Ein Angebot, das man kaum ablehnen kann, und kurze Zeit später steht Rahotep der jungen Königin gegenüber. Ihre Mutter Nofretete hatte ihr geraten, Rahotep zu rufen, sollte sie jemals Hilfe benötigen. Und im Palast gehen seltsame Dinge vor, beängstigende Dinge, die das Leben des jungen Herrscherpaars bedrohen. Wieder ist Rahotep sofort Feuer und Flamme für diesen Fall, und beginnt seine Ermittlungen auf gefährlichem Terrain...

Dieser historische Krimi, der zweite Einsatz für den Wahrheitssucher Rahotep, hat mich wieder von der ersten Seite an gefesselt. Alle Vorzüge des ersten Teils findet man auch hier wieder:
Nick Drake beschreibt das alte Ägypten sehr detailliert, sowohl seinen Hauptschauplatz Theben und Rahoteps recht einfachen, normalen Alltag, wie auch das prunkvolle Leben im königlichen Palast lässt er vor dem Auge des Lesers lebendig werden.
Man trifft "alte Bekannte" wieder, allen voran natürlich den Protagonisten Rahotep und seine Familie, seinen Kollegen Kheti, und natürlich Eje und Haremhab. Wie auch schon im ersten Band verhalten sich die Figuren glaubwürdig und Nick Drake entwirft ein Bild der damaligen Situation, bei dem man sich als Leser denkt: Ja, so könnte das tatsächlich gelaufen sein.
Die Handlungsdetails rund um den jungen Pharao Tutanchamun entsprechen tatsächlich den aktuellen Forschungsergebnissen, was mir sehr gut gefallen hat.
Der Autor geht auch den interessanten historischen Fragen auf den Grund, wie beispielsweise: Warum ist der Aton-Kult nach Echnatons Tod sofort verschwunden? Warum wurden wieder die alten Götter verehrt und die neue Religion verboten? Warum ging dieses kollektive Vergessen so weit, dass Tutanchamun und Anchesenamun sogar ihre Namen ändern mussten?
All das verpackt Nick Drake wieder in die frische, moderne Sprache, die den meisten Lesern schon im Vorgänger (mal positiv, mal negativ) aufgefallen ist.

Sehr schön fand ich, dass diesmal auch eine Karte mit den wichtigsten ägyptischen Städten und den umliegenden Ländern angefügt wurde. Das half enorm bei der Orientierung, da nicht die komplette Handlung in Theben spielt.
Ein ausführliches Nachwort des Autors, in dem er nochmal auf die nachgewiesenen geschichtlichen Fakten eingeht, rundete dieses Buch ab.

Im Großen und Ganzen hat mir dieser zweite Band der Trilogie einen kleinen Tick besser gefallen als der erste. Zum einen war der Kriminalfall sehr spannend und gut konstruiert, und zum anderen ist Tutanchamun einfach der Pharao, den die meisten ungelösten Rätsel umgeben. Und das, obwohl sein Grab unversehrt geblieben ist, und damit mehr Aufschluss über ihn und seine Epoche lieferte als alle anderen Grabstellen im Tal der Könige.

Ich denke, dass man Tutanchamun - Das Buch der Schatten gut auch einzeln lesen kann, die Ereignisse aus dem Vorgängerband werden nochmal angerissen, wenn es notwendig ist. Trotzdem würde ich den ersten Band auch allen Ägyptenfans ans Herz legen, einfach weil er ebenfalls sehr interessant ist, und man bei beiden Büchern merkt, wie genau Nick Drake sich mit der historischen Epoche und den Personen befasst hat.


Band 1: Nofretete - Das Buch der Toten
Band 3: Anchesenamun - Das Buch des Chaos (erscheint am 14.07.2016)

Veröffentlicht am 28.07.2017

Mysteriöse Morde in den goldenen Zwanzigern

The Diviners - Aller Anfang ist böse
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Die siebzehnjährige Evie hat in ihrer spießigen Heimatstadt in Ohio den Bogen endgültig überspannt. Nicht nur, dass sie zum Entsetzen ihrer prohibitionsbefürwortenden Mutter regelmäßig Alkohol konsumiert, ...

Die siebzehnjährige Evie hat in ihrer spießigen Heimatstadt in Ohio den Bogen endgültig überspannt. Nicht nur, dass sie zum Entsetzen ihrer prohibitionsbefürwortenden Mutter regelmäßig Alkohol konsumiert, nun hat sie auch noch den Sohn einer angesehenen Familie brüskiert, indem sie seine Affäre mit einem Dienstmädchen (die obendrein nicht folgenlos blieb) vor seiner Verlobten offengelegt hat. Was Evies Eltern nicht wissen: Evie hat eine einzigartige Gabe, sie kann die Gegenstände anderer Menschen "lesen", je wertvoller der Gegenstand dem Besitzer, umso intimer die Einblicke, was in diesem Fall dem begehrten Harold Brodie zum Verhängnis wurde.
Evie soll fürs erste die Stadt verlassen, bis ein wenig Gras über den Skandal gewachsen ist. Zu ihrem Entzücken wird sie zu ihrem Onkel Will geschickt - nach New York, in die Stadt, die niemals schläft. Noch ahnt Evie nicht, dass sie dort kaum Zeit für Einkaufsbummel und Flüsterkneipenbesuche finden wird, weil die ganze Stadt im Bann einer grausigen Mordserie steht...

Dieses Buch war ein unerwartetes Highlight in meinem Lesemonat, denn es ist ein gelungener Genre-Mix aus historischem Roman und Urban Fantasy, angesiedelt in einer der aufregendsten Epochen des 20. Jahrhunderts.

Was den historischen Teil angeht, hat Libba Bray ganze Arbeit geleistet, denn der Roman ist durchdrungen vom Zeitgeist der Roaring Twenties, und auch, was in punkto Mode, Styling, Musik oder Film der letzte Schrei war, wird immer mal wieder eingestreut. So ist Protagonistin Evie Rudolf Valentinos größter Fan, und wie es sich für ein echtes "Flapper"-Girl gehört, trägt sie einen Bob, Glockenhüte, pailettenbesetzte Kleider und gemusterte Strümpfe. Ihre erste neue Freundin in New York ist das Revuegirl Theta Knight, die sich einen Platz im Ensemble der "Ziegfeld Follies" ertanzt hat.

Auch der übernatürliche Part lässt keine Wünsche offen, der Bösewicht ist richtig gruslig, die Story dahinter in sich schlüssig und sehr spannend. Da es sich um ein Jugendbuch handelt, werden die grausigen Morde nicht detailbesessen geschildert, sondern es wird immer dann "ausgeblendet", wenn das Opfer endgültig in der Falle sitzt. Trotzdem hatte ich als erwachsene Leserin so einige Gänsehautmomente, beispielweise, wenn die Toten aufgefunden und ihre Verstümmelungen thematisiert werden. Wer gerne richtig ausführliche Gemetzel-Szenen liest, wird die Schilderungen hier wohl ein wenig lahm finden, wer es nicht ganz so blutig mag, ist dagegen bestens bedient.

Für mich in jedem Buch ein sehr wichtiger Punkt: Die Figuren. Ich mag es nicht, wenn Personen in einem Roman wie austauschbare Scherenschnitte wirken, die man kaum auseinanderhalten kann. Hier ist es zum Glück ganz anders, die Figuren sind sehr liebevoll entworfen, haben ihre Ecken und Kanten, und da die Perspektiven oft wechseln, lernt man einige von ihnen ganz gut kennen. Vor allem Evie und Theta haben mein Leserherz im Sturm erobert, aber es gibt auch noch einige andere, die man unbedingt begleiten sollte.

The Diviners - Aller Anfang ist böse hat mich vom ersten Satz an gefesselt und in eine meiner Lieblingsepochen entführt. Zum Glück muss ich mich auch noch nicht von Evie und den Goldenen Zwanzigern verabschieden, denn es gibt noch einen zweiten Teil mit dem Titel The Diviners - Die dunklen Schatten der Träume. Ein dritter Band (Before the Devil breaks you) wird Anfang Oktober in den USA erscheinen, und hoffentlich auch bald in deutscher Übersetzung verfügbar sein.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Die Vergangenheit kann man nicht zurücklassen

Die Schlingen der Schuld
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Daniel Clement war der Star der Mordkommission in Perth. Doch als seine Frau die Scheidung einreicht und mit der gemeinsamen Tochter Phoebe nach Broome zieht, hängt Clement seinen vielversprechenden Job ...

Daniel Clement war der Star der Mordkommission in Perth. Doch als seine Frau die Scheidung einreicht und mit der gemeinsamen Tochter Phoebe nach Broome zieht, hängt Clement seinen vielversprechenden Job an den Nagel und lässt sich ins australische Outback versetzen, um in Phoebes Nähe zu bleiben. Und ausgerechnet dort, mitten im Nirgendwo, muss er den schwierigsten Fall seiner bisherigen Laufbahn lösen: Dieter Schäfer, ein deutscher Aussteiger und selbst ehemaliger Polizeibeamter, wird brutal ermordet. Und er bleibt nicht das einzige Opfer.

Ich war sehr gespannt auf "Die Schlingen der Schuld", nachdem ich vor einiger Zeit die Bücher von Candice Fox entdeckt habe, reizte mich vor allem das Setting im australischen Outback. Es gelingt Dave Warner auch exzellent, davon einen Eindruck zu vermitteln, allem voran von den für einen Europäer schon allein schier unglaublichen Entfernungen und deren Einfluss auf die Polizeiarbeit.

Dan Clement sticht leider nicht so sehr aus der Masse der angeschlagenen Ermittler heraus, wie ich es mir gewünscht hätte. Er beschäftigt sich gedanklich häufig mit seiner gescheiterten Ehe, und den daraus resultierenden Auswirkungen auf das Verhältnis zu seiner Tochter. Auch seine betagten Eltern spielen eine recht große Rolle - insgesamt ging es mir etwas zu sehr um Clements Privatleben, das natürlich in der Regel keinen Bezug zu den Ermittlungen hatte.
Die teilweise sehr ausschweifenden Passagen sorgten dafür, dass die Spannung einige Male wieder deutlich abflachte, und nahmen meiner Meinung nach auch einfach zu viel Raum ein - hier hätte ein wenig Straffung der Handlung durchaus gut getan. Dieser Fokus auf Clements Privatleben sorgte auch dafür, dass seine Kollegen allesamt recht blass blieben - ich musste selbst gegen Ende immer noch überlegen, wer wer ist. Das fand ich schade, denn deren Background wäre für mich wesentlich interessanter gewesen als der der Ex-Frau oder der Eltern.

Da es sich hier um einen Reihenauftakt handelt, wollte der Autor wohl einfach das Hauptaugenmerk des Lesers auf die Hauptfigur lenken, und Dan Clements Charakter deutlicher zeichnen als nur auf der professionellen Ebene. Das ist auch geglückt, als Leser konnte man sich ein sehr detailreiches Bild machen, was für ein Mensch Clement ist, wie er tickt und was ihm wichtig ist. Dennoch würde ich mir für die Fortsetzungen wünschen, dass ich mir auch von den Nebenfiguren ein besseres Bild machen kann.

Der Fall selbst war sehr spannend, die Wurzeln reichten bis tief in Schäfers Vergangenheit und selbst nach drei Vierteln des Buches tappte ich noch weitgehend im Dunkeln, wie sich das ganze zum Ende hin aufdröseln wird. Mir hat gut gefallen, dass es durch Schäfers Herkunft sogar einen Bezug zu Deutschland gab - dadurch wurde das exotische Setting mit Bekanntem vermengt, was richtig gut gelungen ist.

Trotz kleiner Längen hat mir "Die Schlingen der Schuld" insgesamt so gut gefallen, dass ich mir auch Detective Clements nächsten Fall bestimmt nicht entgehen lassen werde.

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