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Veröffentlicht am 01.08.2024

Gefangen zwischen Pflichtgefühl und Sehnsüchten

Zeit der Schwestern
2

„Traubenfest“ ist der dritte und damit abschließende Teil der „Zeit der Schwestern“ Reihe von Tanja Huthmacher. In diesem Finale dreht sich alles um Veronika von Osten, die älteste der drei Schwestern. ...

„Traubenfest“ ist der dritte und damit abschließende Teil der „Zeit der Schwestern“ Reihe von Tanja Huthmacher. In diesem Finale dreht sich alles um Veronika von Osten, die älteste der drei Schwestern. Die beiden Vörgängerbände kannte ich zwar noch nicht, konnte aber trotzdem schnell in die Geschichte eintauchen und habe vergnügliche Lesestunden am Bodensee verbracht.

Es ist Hochsaison auf dem Weingut der Familie von Osten: Die Erntehelfer sind eingetroffen, die Lese hat begonnen und das abschließende Traubenfest will vorbereitet werden. Veri hat alle Hände voll zu tun und obwohl die Arbeit ihr Freude bereitet, ist ihre Stimmung gedrückt. Bei dem zunehmenden Liebesglück im familiären Umfeld kann sie mittlerweile nicht mehr leugnen, dass der Haussegen in ihrer Ehe mit Stefan mehr als nur ein wenig schief hängt. Eines ist klar: Es muss sich etwas ändern. Gut, dass Veri sich bei allem inneren Aufruhr zumindest auf ihre Schwestern stets verlassen kann.

Tanja Huthmacher beschreibt die Landschaft am Bodensee und die Atmosphäre auf dem Weingut so bildhaft, dass ich mich beim Lesen beinahe dorthin versetzt fühle. Überhaupt fliegen die Seiten dank des angenehm lockeren Schreibstils nur so dahin.
Auch die Personen in der Geschichte haben ausgeprägte Charakterzüge und durchlaufen in meinen Augen eine glaubwürdige Entwicklung. Ehemann Stefan weist sich schnell als echter Miesepeter aus. Er ist sehr mit sich selbst und dem Weingut beschäftigt und nimmt die Bedürfnisse seiner Familie dabei gar nicht wahr oder – schlimmer noch: spottet darüber. Es dauert lange bis er den Ernst der Situation begreift. Ich frage mich ein wenig, ob er früher wirklich mal sympathischer war. Veri hat ihn schließlich aus irgendwelchen Gründen geheiratet. Sie selbst steckt tief im Zwiespalt zwischen dem Verantwortungsgefühl ihrer Familie, insbesondere ihrer Tochter Rosalie und dem Weingut gegenüber einerseits und ihrem Bestreben ihre eigenen Wünschen noch nicht gänzlich abzuschreiben andererseits. Außerdem schleicht sich zu allem Überfluss auch noch der charmante und offene Bio-Weinbauer Felix in ihre Träume und stellt einen auffälligen Kontrast zu Stefan dar. Es ist toll, dass Veri sich in jeder Lage der Unterstützung ihrer Schwestern absolut sicher sein kann. Trotzdem: Die Entscheidung über ihr weiteres Leben kann nur sie allein treffen. Auch sonst ist in der Familie Hohenhausen so einiges los, sodass es sicher lohnt die Trilogie in chronologischer Reihenfolge anzugehen um die Spannung der ersten beiden Bände zu erhalten.
Mit Veris innerem Konflikt und einigen überraschenden Wendungen sorgt Tanja Huthmacher kontinuierlich für Spannungsmomente. Zwar sacht aber durchaus tiefgründig. In meinen Augen genau das richtige Maß für einen anregend unterhaltsamen Lesespaß.

„Traubenfest“ ist der gelungene Abschluss der Trilogie „Zeit der Schwestern“ rund um die lebensfrohe Familie Hohenhausen. Mit dem angenehmen Schreibstil, interessanten Charakteren und der idyllischen Bodenseeatmosphäre ist der Roman nicht nur für Weinliebhaber eine Empfehlung wert.

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  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 03.06.2024

Privates Ermittlerduo trifft bei Spurensuche auf wortkarge nordfriesische Dorfgemeinschaft

Akte Nordsee - Das schweigende Dorf
4

Eva Almstädts Kriminalroman „Das schweigende Dorf“ ist der dritte Teil ihrer „Akte Nordsee“-Reihe rund um die Hobbyermittler Fentje Jacobsen und Niklas John. Wer bereits die ersten beiden Bände gelesen ...

Eva Almstädts Kriminalroman „Das schweigende Dorf“ ist der dritte Teil ihrer „Akte Nordsee“-Reihe rund um die Hobbyermittler Fentje Jacobsen und Niklas John. Wer bereits die ersten beiden Bände gelesen hat, darf sich auf ein Wiedersehen mit einigen Charakteren freuen. Wer mit dem dritten Band, so wie ich, neu in die Reihe einsteigt, kann aber ebenso problemlos folgen und sich vielleicht sogar noch ein bisschen mehr an Fentjes uriger Großmutter und Nicks divenhafter Katze erfreuen.

Ein verzweifelter nächtlicher Anruf und ein zwei Tote im Nachbardorf – unter ihnen der Anrufer – veranlassen die Anwältin Fentje auf eigene Faust zu ermitteln. Gemeinsam mit dem Journalisten Niklas, der ebenfalls Nachforschungen anstellt, beißen sie in der eingeschworenen Dorfgemeinschaft zunächst auf Granit. Doch nach und nach setzen sich die winzigen Puzzleteilchen zusammen und weitere Verbrechen kommen ans Tageslicht. Und auch privat hält das Leben nicht nur für Fentje und Niklas einige Turbulenzen bereit.

Eva Almstädts Schreibstil lässt sich wie gewohnt flüssig lesen und macht es schwer, das Buch beiseitezulegen. Ihre Schilderungen wirken ausgesprochen authentisch und gut recherchiert: die eingeschworene Dorfgemeinschaft, in die ein Außenstehender nicht eindringen kann, die typische Eiderstädter Tracht und der beleidigte Stubentiger sind nur einige Beispiele. Letzterer konnte mir oftmals ein Lächeln ins Gesicht zaubern und gehört zweifelsfrei zu meinen Lieblingscharakteren. Genau so sind unsere verwöhnten Samtpfoten eben einfach. Der friesische Dialekt, der von Oma Gretje hin und wieder eingestreut wird, unterstreicht noch einmal den Lokalkolorit des Krimis.
Sehr interessant sind die beiden Hauptfiguren. Statt gewöhnlicher Polizisten bemühen sich in der „Akte Nordsee-Reihe“ mit Fentje Jacobsen und Niklas John eine Anwältin und ein Journalist darum, Kriminalfälle aufzuklären. Natürlich schmälert diese Tatsache ihre ermittlungstechnischen Möglichkeiten. Durch ihre enorme Abenteuerlust, die manchmal die Grenze der Legalität überschreitet und die meist effiziente Zusammenarbeit gleichen die beiden diese Einschränkungen jedoch um ein Vielfaches wieder aus. Auch privat knistert es zwischen Fentje und Niklas heftig. Eine Tatsache, die beide allerdings weder sich selbst und erst recht nicht einander eingestehen. Kein Wunder also, dass es zu Missverständnissen kommt und Fentje den Hoffnungen ihre Großmutter auf eine Heirat mit dem gutherzigen neuen Tierarzt Onno weiteren Nährboden liefert. Überhaupt ist Großmutter Gretje ein echtes Original und schießt mit ihren schlitzohrigen Verkupplungsversuchen so manches Mal deutlich übers Ziel hinaus. Klar ist jedoch auch, dass sie ihrer Familie nur das Beste wünscht, weshalb man ihr nicht so recht böse sein kann. Zusätzlich leidet auch noch Fentjes Nichte Sofia in ihrer Schule unter dem Mobbing ehemaliger Freundinnen. Fentje ist somit familiär ebenso eingespannt, wie bei ihren eigenmächtigen Ermittlungen. Im Gegensatz dazu, spielt in Niklas Leben hauptsächlich die divenhafte Rassekatze Blofeld eine entscheidende Rolle. Je mehr hingegen im Laufe der Ermittlungen über die beiden Toten bekannt wird, desto abstoßender wirken sie. Kein großer Verlust also.
Da Fentjes und Niklas Nachforschungen eine ganze Weile in einer Sackgasse stecken – der Name „Das schweigende Dorf“ ist Programm - und die neuen Erkenntnisse sich in Grenzen halten, kommt die wirkliche Spannung erst im letzten Drittel des Buches. Hier geht es dann aber wirklich ordentlich zur Sache. Vorher stehen die Todesfälle nicht unbedingt allgegenwärtig im Zentrum des Buches. Mir persönlich sagt das ausgeglichene Verhältnis zwischen familiärem Alltag auf dem Schafshof, romantischen Verbindungen und Mordermittlungen absolut zu. Für Leser, die von Anfang bis Ende in Atem gehalten werden wollen sicher nicht die erste Wahl. Meine klare Leseempfehlung aber für jeden der sich über gut recherchierte Hintergrundinformationen, interessante Charaktere und eine gelungene Handlung mit einem ordentlichen Krimianteil freut.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 14.04.2025

Spannende Cold Case Ermittlungen im Umfeld von Wikingerausgrabungen

Ostseedämmerung
1

Die Mordermittlung in dem Krimi „Ostseedämmerung“ von Eva Almstädt ist bereits der 20. Fall für Kommissarin Pia Korittki. In den aktuellen Fall lässt sich sehr schnell eintauchen - egal, ob man alle Vorgängerbände, ...

Die Mordermittlung in dem Krimi „Ostseedämmerung“ von Eva Almstädt ist bereits der 20. Fall für Kommissarin Pia Korittki. In den aktuellen Fall lässt sich sehr schnell eintauchen - egal, ob man alle Vorgängerbände, nur einige oder auch noch gar keinen gelesen hat. Mir selbst sind die meisten, aber nicht alle Fälle der Lübecker Polizistin bekannt, sodass ich mich in diesem jüngsten Buch auch auf das Wiedersehen mit einigen „alten Bekannten“ freuen durfte.
Aufgrund neuer Hinweise und einer veränderten Indizienlage rollt Pia gemeinsam mit ihrem Team den alten Fall um eine vermisste Archäologiestudentin Mira wieder auf. Kurz darauf wird ihre Leiche in der Nähe des Dorfes Hövelau gefunden, wo die Vermisste zuletzt wohnte. Die eingeschworene Dorfgemeinschaft zeigt der Polizei gegenüber jedoch wenig mitteilsam und auch auf der Ausgrabungsstätte aus der Wikingerzeit unter Leitung von Miras ehemaligen Dozenten scheinen einige etwas verbergen zu wollen. Doch als Pias Kollege Broders spurlos verschwindet, verlagert sich plötzlich der Fokus der Ermittlungen. Aber nicht nur beruflich steht Pia vor erheblichen Herausforderungen.
Das Cover versetzt den Leser unmittelbar nach Ostholstein, wo der Krimi größtenteils spielt. Die düstere Farbgestaltung mit den schweren schwarzen Wolken und dem einzelnen Sonnenstrahl hinter den Häusern wirkt auf mich ebenso bedrohlich wie schicksalhaft.
Eva Almstädt bleibt auch in diesem Krimi ihrem flüssig zu lesenden, teils wunderbar bildhaften Schreibstil treu, den ich von ihr bereits kenne und schätze. Besonders freue ich mich darüber, dass Eva Almstädt ihren Krimis immer eine Menge Lokalkolorit verleiht. Lediglich zwei Wendungen im Handlungsverlauf sind mir beim Lesen etwas abrupt erschienen. Sehr authentisch gelungen finde ich die Mischung aus Pias beruflichem und privaten Leben, obwohl meine Neugier über einige private Herausforderungen leider wohl erst im folgenden 21. Fall befriedigt wird. Spannend sind die Ermittlungen in diesem Krimi auf alle Fälle und auch der Spannungsverlauf ist sehr stimmig gestaltet und mit einigen deutlichen Höhepunkten versehen.
Authentisch und sehr differenziert sind auch die Charaktere dargestellt. Allen voran natürlich die Hauptfigur: Kommissarin Pia Korittki versteht ihren Job. Aber auch sie ist nicht immer und ausnahmslos souverän – weder beruflich noch privat. Für Beruf, Kollegen und Familie gibt aber stets ihr Bestes. Ihr Freund und Vater ihres Sohnes Marten Unruh wirkt mit seiner recht ausgeglichenen Art wie Pias Ruhepol. Viele der Dorfbewohner von Hövelau wirken sehr traditionell und wenig aufgeschlossen. Was nicht in die Weltanschauung passt, wird kurzerhand verschwiegen. Meine zweite große Sympathieträgerin neben Pia ist in diesem Roman die junge Trine. Einsam und ziemlich vernachlässigt, aber auch abenteuerlustig liefert sie bei den Ermittlungen wichtige Hinweise. Aus sehr unterschiedlichen Perspektiven wurde hingegen die Tote dargestellt. Hier kann man als Leser selbst ein Stück weit entscheiden.
Wieder einmal ein spannender und sehr lesenswerter Krimi, der sich nahtlos in die erfolgreiche Pia Korittki-Reihe einfügt. Es war mir ein ausgesprochenes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Das Koblenzer Katzenkommissariat ermittelt

Frühstück mit Elvis
0

„Frühstück mit Elvis“ ist ein Cosy-Katzenkrimi von S. Sagenroth der in Koblenz spielt und einiges an Lokalkolorit zu bieten hat. Das Hörbuch wird von Torsten Buhck gelesen.
Das ansprechende Cover zeigt ...

„Frühstück mit Elvis“ ist ein Cosy-Katzenkrimi von S. Sagenroth der in Koblenz spielt und einiges an Lokalkolorit zu bieten hat. Das Hörbuch wird von Torsten Buhck gelesen.
Das ansprechende Cover zeigt Kater Elvis der zu nächtlicher Stunde auf das vor ihm zwischen Rhein und Mosel liegende Deutsche Eck blickt – sehr passend zum Inhalt des Buches.
Für Elvis bricht eine Welt zusammen: Sein Frauchen Klärchen ist spurlos verschwunden und ihre Kinder räumen zuerst die Wohnung leer und verfrachten ihn anschließend ins Tierheim. Keine Frage, hier will Elvis auf keinen Fall bleiben und so befreit er sich mit einem wagemutigen Trick aus dem Tierheim und macht sich in Koblenz auf die Suche nach seinem Klärchen. Unterwegs lernt er nicht nur einige menschliche und kätzische Bewohner der Stadt kennen, er stolpert auch gleich noch über einen dubiosen Todesfall aus der Vergangenheit und eine brandaktuelle Vermisstensache. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin, der unerschrockenen Samtpfote Cloe stürzt Elvis sich in die Ermittlungen – unterstützt von der Koblenzer Katzencommunity.
Eines ist zweifelsfrei klar, die Autorin ist ganz sicher Katzenliebhaberin und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Protagonist Elvis charakterlich besonders differenziert dargestellt wird. Seine Entwicklung vom verwöhnten Stubentiger zum abenteuerlustigen Helden vollzieht sich an Chloes Seite schrittweise und glaubwürdig. Nicht ganz so authentisch erscheint mir die Veränderung der menschlichen Figuren. Wohl auch, weil sie zwar fast alle ausgesprochen sympathisch erscheinen, ihnen meiner Meinung nach aber charakterlich ein wenig Tiefe fehlt. Manche Figuren wirken in ihrer überaus moralischen Haltung, wie z. B. der alte Joseph beinahe schon zu perfekt um einen realen Eindruck zu erwecken. Natürlich sind die im Roman eingebrachten Moralvorstellungen wichtig, insbesondere in der heutigen Zeit. Ein paar Ecken und Kanten hätten einigen Charakteren aber meiner Meinung nach auch gut getan. Die Handlung ist sehr gefällig und trotz des überschaubaren Spannungsniveaus nicht zu seicht. Es werden zahlreiche Themen angerissen, wie z. B. Leben in einem fremden Land, Einsamkeit (im Alter), Resozialisierung und Rehabilitierung und Neubeginne. Hier halten sich die breite Masse der Themen und die Intensität in der Schilderung so gerade noch die Waage. Auf sehr harmonische Art lässt die Autorin auch einigen Lokalkolorit einfließen, während sie Elvis und Co auf Spurensuche schickt.
Ein wenig zwiegespalten bin ich hinsichtlich der Stimme von Torsten Buhck. An einigen Passagen, vor allem bei den älteren Menschen und Katzen passt er wirklich perfekt zum gelesenen Text. Bei den spannenden Textstellen hätte ich mir allerdings ein wenig mehr Schwung gewünscht. Hier erscheint mir seine Stimme etwas zu unaufgeregt. Vielleicht bietet es sich an die Lesegeschwindigkeit ein wenig zu erhöhen.
Insgesamt ist „Frühstück für Elvis“ ein wirklich angenehmer und lesens- bzw. hörenswerter Katzenkrimi, nicht ausschließlich für Katzenfans. Neben einer schönen Atmosphäre und einer interessanten Handlung werden hier auch moralische Werte hochgehalten.

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Veröffentlicht am 06.05.2025

Der Ton macht die Musik …

Mordseemusik
2

„Mordseemusik“ ist bereits der 6. Band in Emmi Johannsens (Christine Drews) launiger Borkum-Krimireihe um die beiden Hobby-Ermittler Caro Falk und Jan Akkermann. Das Cover liefert eine gelungene und humorvolle ...

„Mordseemusik“ ist bereits der 6. Band in Emmi Johannsens (Christine Drews) launiger Borkum-Krimireihe um die beiden Hobby-Ermittler Caro Falk und Jan Akkermann. Das Cover liefert eine gelungene und humorvolle Mischung aus Inselflair und inhaltlichen Anhaltspunkten wie der Gitarre und dem Borkumer Musikpavillon. Auch wer, wie ich, erst mit diesem Band in die Reihe einsteigt findet schnell in die Handlung und erhält nach wenigen Kapiteln die wichtigsten Informationen über die reihentypischen Charaktere.
Mit ihrem Chor soll Caro den Schlagerstar der Urlaubsinseln Pablo Lavega bei seinem Konzert im Borkumer Musikpavillon begleiten. Vor allem bei der Damenwelt scheint Pablo auf große Resonanz zu stoßen. Doch ganz unvermittelt bricht der Sänger nach Luft ringend zusammen und stirbt während seines Konzertes. Dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, liegt für Caro und Jan auf der Hand. Bei ihren Ermittlungen entdecken sie, dass der beliebte Sänger sich gegenüber manch einem Mitmenschen ziemlich im Ton vergriffen hat und abseits der Bühne auch ganz andere, weit weniger charmante Saiten aufziehen konnte. Doch wer hat Pablo ins Jenseits befördert?
Der gradlinige Schreibstil von Emmi Johannsen zieht sich durch den kompletten Krimi, lässt sich sehr flüssig lesen und hat mir an vielen Stellen viel Spaß bereitet. Ganz nebenbei lernt man als Leser auch die Insel Borkum ein gutes Stück weit kennen, denn das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz – ein bisschen Urlaub für zuhause ist also durchaus drin. Einige Textpassagen erscheinen mir ein wenig zu weit hergeholt, um realistisch zu wirken. Beispielsweise erhält Caro viele Informationen überraschend leicht, Pablos Mutter selbst bindet ihr Details über Leben und Charakter ihrer Söhne schon beinahe auf die Nase. Dies tut der Lesefreude aber keinen Abbruch, denn ein humorvoller cozy Krimi muss in meinen Augen nicht unbedingt völlig authentisch sein. Die Handlung bietet zwar, abgesehen von dem Höhepunkt kurz vor Schluss, keine großen Spannungsspitzen, lässt die Leser durch die Vielzahl potenziell Verdächtiger aber durchweg miträtseln – und führt sie mitunter ganz schön in die Sackgasse. Einzig das Motiv für den geplanten Mord erscheint mir ein wenig dünn, sodass mich die Rohheit mit welcher der Mord geplant und umgesetzt wurde wirklich überrascht.
Als Nebenfiguren verbreiten vor allem Caros Ex-Schwiegervater Hinnerk und ihr Sohn Justus mit ihrer direkten und unverblümten Art Heiterkeit. Besonders der Teenager wirkt – vollkommen altersuntypisch – überaus sympathisch und reibt seiner Mutter immer mal wieder ihre schlauen Erwachsenensprüche unter die Nase. Wirklich herrlich. Bei Pablos Bandkollegen herrschen dagegen die Misstöne vor. Sie scheinen alle eher von der egozentrischen Art zu sein. Statt dem toten Kollegen ein Mindestmaß an Respekt zu zollen, ist jeder nur damit beschäftigt die eigene Karriere nun so schnell wie möglich anzukurbeln. Protagonistin Caro scheint nicht gerade zurückhaltend zu sein, kann ihre Mitmenschen aber ausgesprochen gut einschätzen und weiß, wann es besser ist den Mund zu halten um ihr Gegenüber zum Reden zu animieren. Nur über ihre eigenen Gefühle wird sie sich einfach nicht klar. Ist Jan für sie wirklich „nur“ der beste Freund oder kribbelt es womöglich doch noch ein wenig mehr? In ihrer Unsicherheit verhält sie sich Jan gegenüber mitunter wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen. Jan ist bei den Ermittlungen als echtes Nordlicht eher ein wenig wortkarg, aber stets geradeheraus. Dabei wirkt er überaus sympathisch und hilfsbereit. Während Caro sich noch unschlüssig zu sein scheint, ob sie ihrer Beziehung zu Jan eine neue Richtung geben möchte, ergreift er die Initiative – oder versucht es zumindest. Bewundernswert, wie die beiden es trotz dieser Ablenkung schaffen einen Mord aufzuklären und nicht zuletzt einen zweiten zu verhindern. Als wahre Heldin muss hier natürlich auch Caros Hündin Aila erwähnt werden.
Insgesamt vereint „Mordseemusik“ eine gelungene Mischung aus kurzweiliger und äußerst unterhaltsamer Krimiunterhaltung, der Anbahnung einer möglichen Friends-to-Lovers Story und ganz viel Inselatmosphäre. Perfekt als leichte Lektüre für zwischendurch.

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