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Veröffentlicht am 27.12.2017

Große Ereignisse in einem kleinen Dorf

Ein irischer Dorfpolizist
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In Duneen ist nichts los. Eigentlich. Zumindest scheint es so. Doch als bei Bauarbeiten menschliche Knochen gefunden werden, kommen Ereignisse hoch, die die Dorfruhe bis in die Grundfesten erschüttern. ...

In Duneen ist nichts los. Eigentlich. Zumindest scheint es so. Doch als bei Bauarbeiten menschliche Knochen gefunden werden, kommen Ereignisse hoch, die die Dorfruhe bis in die Grundfesten erschüttern. Mittendrin ein gemütlicher Dorfpolizist, der plötzlich aus seiner Gemütsruhe herausgerissen und mitten in ein ihm völlig fremdes Leben geworfen wird …

Dieser Krimi brilliert weniger mit Spannung, als mit einem famosen Bild von trügerischer Idylle eines kleinen Dörfchens, in dem man weder Dramen noch große Ereignisse zu finden glaubt. Doch unser tapferer Dorfpolizist PJ Collins, der sich selbst für dümmer hielt, als er in Wirklichkeit ist, deckt mit seinem großen Herzen einen uralten Fall auf – und stellt damit die großen Ermittler ganz leise und sanft in den Schatten. Nach und nach entwickelt sich aus einer scheinbar harmlosen Sache ein wahres Drama, fallen Masken und wenden sich Schicksale. So einigen Bewohnern Duneens wird klar, dass sie große Teile ihres Schicksals selbst bestimmen und auch noch jetzt ändern können, wenn sie denn wollen. Es ist, als wache Duneen aus einer Art Dornröschenschlaf auf – aber nicht aufgrund eines Kusses, sondern aufgrund eines lange zurückliegenden Mordes.

Dies ergibt dann eine Geschichte, die in sich sehr stimmig und super interessant ist, aber die gewohnte Krimispannung missen lässt. Das meine ich gar nicht negativ – es hat sehr viel Spaß gemacht, dem sympathischen PJ, der liebenswerten Brid, den etwas schrägen Ross-Schwestern, der überfürsorglichen Haushälterin Mrs. Meany und all den anderen Figuren dieses Buches zu folgen.

Man entwickelt rasch Sympathien für alle Dorfbewohner. Sogar für diejenigen, die nicht wirklich liebenswürdig sind auf den ersten Blick. Auch Fehler machen einen Menschen aus und Norton schafft es, die Menschlichkeit der Fehler herauszustellen. Dadurch ist das Tempo zwar nicht gerade rasant, aber dennoch ist das gesamte Buch ohne Längen. Ton und Vokabular des Buches sind sanft und bezaubernd, lassen den Leser auch am Ende mit einer gewissen Melancholie im Herzen zurück.

Der Protagonist der Geschichte, Sergeant PJ Collins, ist der einzige, der nicht Zeit seines Lebens in Duneen lebte. Somit scheint er auch der einzige zu sein, der die Zusammenhänge nicht schon kennt und erst herausfinden muss. Und obwohl das ganze Dorf bescheid zu wissen scheint, müssen auch den Bewohnern so mache Augen geöffnet werden. PJ ist für Duneen und seine Bewohner/innen wichtiger, als er selbst je angenommen hätte.

Dass der Autor Großbritanniens bekanntester Talkmaster ist und mit „Ein irischer Dorfpolizist“ sein Debüt vorlegt, ist kaum zu glauben! Dieser Krimi ist so völlig anders. Gerade deshalb hat er mich begeistert und bewegt. Norton legt den Finger in die Wunde, zeigt auf, dass das Äußere nicht mit dem Inneren übereinstimmen muss und hält dem Leser die gängigsten Vorurteile unter die Nase. Sehr gelungen, sehr humorvoll, sehr britisch und absolut lesens- bzw. hörenswert. Fünf Sterne!

Veröffentlicht am 27.12.2017

Erste Schritte zur Pilzbestimmung

Das große kleine Buch: Schwammerlzeit!
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Bevor die besten Speisepilze genau beschrieben werden, gibt es erst mal super Info rund um Pilze allgemein, über Pilze im Wald, in der Küche, über ihre Biologie, Gesetze, die Ausrüstung von Pilzsammlern, ...

Bevor die besten Speisepilze genau beschrieben werden, gibt es erst mal super Info rund um Pilze allgemein, über Pilze im Wald, in der Küche, über ihre Biologie, Gesetze, die Ausrüstung von Pilzsammlern, das Haltbarmachen, Pilze in der Ernährung und allgemein Merkmale von Pilzen. Das finde ich sehr informativ und wichtig.

Zwar möchte ich dennoch nicht allein im Wald Pilze suchen, aber mit diesem Büchlein fühlt man sich dann doch ein wenig sicherer und unterstützt. Die Erklärungen zu den einzelnen Sorten und mit welchen giftigen Pilzen sie verwechselt werden können, sind kurz und knapp, aber das Wichtigste ist gesagt. Super! Ich mag im Wald ja nicht bei jedem einzelnen Pilz stundenlang erst mal lesen!

Zu jedem aufgeführten Pilz gibt es dann Infos rund um Merkmale, Fundorte, Namenskunde, Doppelgänger und die Verwendung in der Küche. Am Ende finden sich noch drei Rezepte und Tipps mit weiterführender Literatur. Zudem ist auf der letzten Seite Platz für Einträge (Pilzart, Fundort, Datum). Rundum also ein tolles, handliches Minibuch für unterwegs!

Diese Serie der „Kleinen großen Bücher“ begeistert mich total. Eine tolle Idee, um sich selbst und anderen immer mal wieder eine kleine Freude zu machen!

Veröffentlicht am 23.12.2017

Tipps, Tricks und Rezepte

Das große kleine Buch: Einfach gut einkochen
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In diesem kleinen Büchlein finden sich auf nur 70 Seiten eine ganze Menge Informationen rund ums Einkochen. Vom Zucker über die Gläser bis zu den fünf goldenen Einkochregeln ist alles Wichtige zu lesen, ...

In diesem kleinen Büchlein finden sich auf nur 70 Seiten eine ganze Menge Informationen rund ums Einkochen. Vom Zucker über die Gläser bis zu den fünf goldenen Einkochregeln ist alles Wichtige zu lesen, bevor es mit wunderbaren und ausgefallenen Rezepten losgeht.

Für viele Nicht-Österreicher gibt es ein paar fremde Ausdrücke, aber gerade die machen für mich so viel vom Charme dieses Büchleins aus. Es bereichert meine Kochbuchsammlung mit typisch österreichischen Rezepten und meine Vorratskammer mit unbeschreiblich leckeren selbstgemachten „Konserven“. Auch Likörchen finden sich in der Rezeptsammlung und der Kirschlikör ist besonders lecker bzw. trifft meinen Geschmack einfach perfekt. Den Lavendelblütenzucker werde ich im Sommer auch ausprobieren und ich bin schon jetzt sehr gespannt!

Die Rezepte sind übersichtlich gegliedert und so beschrieben, dass man sie sofort nacharbeiten kann. Die Kriecherl hab ich hierzulande leider noch nicht finden können, aber das Rezept klingt mehr als verlockend. Der Veilchensirup muss in meiner Küche auch unbedingt hergestellt werden – wenn ich es im Frühling schaffe, 300 Gramm Veilchenblätter zu sammeln!

Die Vielfalt der Rezepte ist enorm, keins ist langweilig, alle sprechen mich an. So klein das Büchlein ist, so großartig ist es! Es macht Spaß, darin zu blättern und zu lesen und man möchte am liebsten alles sofort nacharbeiten! Das Büchlein ist für einen selbst, aber auch als Mitbringsel für Einkochfans bestens geeignet. In seiner Geschenkbuch-Größe ist es besonders praktisch und passt bestens ins Küchenregal.

Für so viel Freude am Buch muss ich die vollen fünf Sterne vergeben!

Veröffentlicht am 22.12.2017

Kleine große Dinge

Kleine große Schritte
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Ruth Jefferson ist mit Leib und Seele Säuglingsschwester. Die alleinerziehende Mutter eines Teenagers steht deshalb vor einem großen Problem, als Tuck Bauer ihr verbieten lässt, sich um seinen Sohn zu ...

Ruth Jefferson ist mit Leib und Seele Säuglingsschwester. Die alleinerziehende Mutter eines Teenagers steht deshalb vor einem großen Problem, als Tuck Bauer ihr verbieten lässt, sich um seinen Sohn zu kümmern. Der Grund ist eindeutig und schrecklich: Ruth ist eine Farbige. Die Folgen sind noch schrecklicher: Bauers Sohn stirbt nach einem Routineeingriff und Bauer macht Ruth dafür verantwortlich. Ruth wird suspendiert und kämpft sich in einem Job bei McDonalds durch, bis sie aus heiterem Himmel als Mörderin verhaftet wird. Die Anwältin Kennedy McQuarrie übernimmt Ruths Verteidigung. Ein Kampf gegen Rassismus und Vorurteile beginnt …

Der Originaltitel „Small Great Things“ passt meiner Meinung nach sehr viel besser, auch wenn nur ein Wort anders ist. Dennoch geht es hier nicht wirklich um Schritte in meinen Augen. So oder so, das (Hör-)Buch hat mich sehr bewegt und auch mitgenommen. Zwischendurch vergaß ich immer wieder, dass die Geschehnisse in der Gegenwart angesiedelt sind. Mein Herz und Hirn wollten einfach nicht wahrhaben, dass noch immer diese Barrieren in den Köpfen und Herzen existieren und schob die Story immer wieder ungefragt in die 50er/60er Jahre. Der Plot selbst ist packend und geht unter die Haut. Durch den Stil von Jodie Picoult wird dieser Effekt noch verstärkt. Sie schafft es meisterlich, die Protagonisten geradezu lebendig werden zu lassen und die drei Sprecher (Beate Rysopp, Svenja Pages, Frank Stieren) machen einen großartigen Job. Man hört heraus, dass sie alle nicht einfach nur lesen, sondern ebenso in der Story gefangen sind, wie ich beim Hören.

Dennoch habe ich immer wieder größere Pausen einlegen müssen. Mich hat die Story unbeschreiblich bewegt und berührt, betroffen gemacht und aufgewühlt. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, aber gleichzeitig war vieles einfach zu heftig für mich. Auch das ist neu für mich: dieser Widerspruch, dass ich mehr erfahren möchte, mich aber auch alles zu sehr mitnimmt. Aber am Ende bleibt zu sagen, dass ich sehr beeindruckt bin und dieses (Hör-)Buch jedem ans Herz legen möchte.

Das Thema Rassismus ist aktuell wie eh und je und sollte es gar nicht sein müssen. Es ist so unfassbar traurig, dass die Hautfarbe in der heutigen Zeit noch ein Gewicht hat. Wie die Autorin das Thema anpackt und verarbeitet, ist großartig. Sie lässt die drei Hauptfiguren jeweils ihre Sicht der Dinge erzählen. So hat der Leser die Chance, aus diesen drei Strängen seine eigene Wahrheit und Erkenntnis zu ziehen. Die Diversität dieser drei Darstellungen ist erstaunlich und der Wandel, der nach und nach einsetzt, nicht herbeigezwungen, sondern eine logische Entwicklung. Auch wenn das Ende vielleicht sehr Hollywood ist, ist es doch passend. Ebenso die klischeehaften Stellen. Sie sind vorhanden, aber sie überwiegen nicht – und sie machen das Ganze noch realistischer.

Das Hörbuch ist eine gekürzte Lesung, doch hatte ich an keiner Stelle das Gefühl, etwas verpasst zu haben oder dass etwas fehlt. Insofern ist die Kürzung hier eindeutig gelungen. Obwohl ich vor dieser Rezension die Geschichte erst mal habe eine Woche sacken lassen müssen, bin ich noch immer tief bewegt. Sie hallt eindeutig sehr lange sehr intensiv nach. Deshalb gebe ich sehr gern die vollen fünf Sterne. Ich wünsche mir, dass dieses Buch es schafft, die Menschen toleranter werden zu lassen.

Veröffentlicht am 19.12.2017

Bilder im Kopf

Langenscheidt Grammatik Englisch Bild für Bild - Die visuelle Grammatik für den leichten Einstieg
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Sprachen sind nicht immer leicht zu lernen. Vor allem die Grammatik ist immer ein echtes Problem. Leider ist sie auch staubtrocken! Vor sehr vielen Jahren hatte ich eine ganz besondere Englisch-Lehrerin, ...

Sprachen sind nicht immer leicht zu lernen. Vor allem die Grammatik ist immer ein echtes Problem. Leider ist sie auch staubtrocken! Vor sehr vielen Jahren hatte ich eine ganz besondere Englisch-Lehrerin, die wohl allen ihren Schülern im Gedächtnis bleiben wird. Sie hat auf ihre Art dafür gesorgt, dass wir Schüler „Bilder im Kopf“ hatten und unbemerkt hat uns diese Frau damit die Grammatik so intensiv gelehrt, dass sie regelrecht in Fleisch und Blut überging. Ganz ähnlich ist dieses Buch. Es ist nicht so laut und auffällig, wie meine damalige Lehrerin, aber es arbeitet ebenfalls mit Bildern. Alle Texte sind so kurz und knapp, wie nur möglich. Dazu gibt es dann erklärende Grafiken, Fotos und Skizzen. Je häufiger man mit dem Buch arbeitet, desto intuitiver geht man damit um und desto intensiver setzen sich die Bilder fest. Bei „Abruf“ der Grammatikregeln tauchen dann die Bilder im Kopf auf und die entsprechenden Regeln sind kinderleicht da. Das macht Spaß, denn Erfolg ist immer toll.

Mir gefällt die Idee und mir gefällt das Buch. Und mir gefällt der Gedanke, dass sich meine damalige Englischlehrerin ganz sicher ein Loch in den Bauch freuen würde, dass endlich jemand ihre Idee so gut umgesetzt hat. Deshalb gibt es von mir auch die vollen fünf Sterne.