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Veröffentlicht am 07.05.2025

Weltliteratur vor Ort

Schauplätze der Weltliteratur
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Orte und Landschaften, die uns in der Literatur begegnen, sind häufig mehr als bloßer Hintergrund für die Handlung. Mit solchen literarischen Landschaften und Schauplätzen, die sich auf reale Orte beziehen, ...

Orte und Landschaften, die uns in der Literatur begegnen, sind häufig mehr als bloßer Hintergrund für die Handlung. Mit solchen literarischen Landschaften und Schauplätzen, die sich auf reale Orte beziehen, beschäftigt sich dieses Buch. Eingeteilt in vier Abschnitte, reisen wir in 73 Romanen rund um die Welt. Einige Orte werden wir mehrfach besuchen und begeben uns so auch auf Zeitreisen zu "unterschiedlichen Visionen derselben Stadt" (S. 13). Mit Jane Austens "Anne Elliot (1817) starten wir im englischen Bath, bis wir nach 241 Seiten mit Irene Solàs "Singe ich, tanzen die Berge" (2019) in den katalanischen Pyrenäen landen. Nach einem informativen Vorwort werden in kleinen Essays die Besonderheiten der Landschaft oder des Ortes im jeweiligen Roman vorgestellt. Abbildungen einer Buchausgabe, der Autorin oder des Autors, Karten, Fotos und zeitgenössische Gemälde bereichern die Beiträge. Diese sind jeweils von einer Expertin oder einem Experten verfasst, wie uns das Autor*innenverzeichnis verrät.

Die meisten Essays haben mir sehr gut gefallen und machen absolut Lust, sich näher mit den Werken zu beschäftigen, die ich noch nicht kenne. Auf Bücher, die ich schon gelesen habe, haben die Artikel teilweise ein neues Licht geworfen, einen neuen Aspekt betont. Am spannendsten sind natürlich die Essays, die sich auf ein Buch beziehen, das ich gelesen habe und dessen Handlungsort ich auch schon besucht habe, z.B. Bath, Yorkshire Moors, London, die schottischen Highland, New York, Fowey u.a. Viele Post-Its markieren, was ich irgendwann nochmal lesen möchte, z.B. "Arturo Insel" von Elsa Morante (1957) oder "Das Haus an der Cloudstreet" von Tim Winton (1991). Einige wenige der vorgestellten Bücher wurden noch nicht ins Deutsche übersetzt, es gibt aber immer mindestens eine englische Übersetzung.

Insgesamt ist das Buch ein kleiner Leckerbissen für Literaturfans. Neben den informativen Essays leistet auch die Bebilderung einen wichtigen Beitrag, um das Herausragende von Landschaft oder Ort zu betonen. Übrigens ist das Buch eine wunderschöne Ergänzung zu "Wonderlands" von 2020, in welchem auf die gleiche Art und Weise fiktive Ort aus dem Genre der fantastischen Literatur vorgestellt werden.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Ein Buch ohne Abgründe

Beinahe Alaska
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Wer Abgründe sucht, wird sie an der Oberfläche kaum finden. "Die Abgründe bleiben in den Menschen. Man wird sie bloß spüren." (S. 9). Die Eindrücke und Gedanken einer Expeditionskreuzfahrtteilnehmerin, ...

Wer Abgründe sucht, wird sie an der Oberfläche kaum finden. "Die Abgründe bleiben in den Menschen. Man wird sie bloß spüren." (S. 9). Die Eindrücke und Gedanken einer Expeditionskreuzfahrtteilnehmerin, die mit inneren Dämonen zu kämpfen hat, kommt ohne Katastrophen aus. So heißt es im Prolog. Und tatsächlich schippern wir gemeinsam und gemächlich mit der namenlosen Mittvierzigerin aus Berlin Richtung Alaska und es passiert weder eine Eisbergkollision noch ein Orka-Angriff. Da ist das Ausgebuhtwerden, weil man die Abfahrtzeit der Gruppe falsch im Kopf hatte, bereits eines der größeren Desaster. Der Auftrag, eine Fotostrecke über die Reise von Grönland nach Alaska anzufertigen, wird zu einer Reise über die Kameralinse hinaus.

Mit scharfem Blick beschreibt die Ich-Erzählerin Mitreisende aller Couleur und spart nicht mit Sarkasmus, wenn es um die wetterfesten Freizeit-Polarforscher geht. Die Berlinerin kommt aber auch mit ganz reizendenden Menschen in Kontakt, so dem älteren Herrn Mücke.

Es gibt viel kluge Sätze, die einen nachdenklich machen. Erwähnungen von Begebenheiten, die man gleich googeln muss und viele Anspielungen auf Filme, Bücher etc. Auch die Beschreibung der Landschaft gefällt mir, obwohl alles in einem recht knappen Stil gehalten ist.

Ungefähr nach der Hälfte es Buches tritt ein, was der Titel schon vorwegnimmt, dass es eben nicht nach Alaska geht. Die Natur hat ihren eigenen Willen. Und so werden Dörfer der First Peoples und der Nachfahren von Siedlern aus Norwegen Richtung Süden angesteuert und das ist teilweise kein schöner Anblick. Verdeutlicht wird, was wir der Natur, den Lebewesen und Bewohnern dieser Regionen angetan haben und immer noch antun. Insgesamt wird klar, dort haben wir nichts suchen. Wir müssen nicht überall hin, überall gewesen sein, nur weil es möglich ist.

Trotz dieser kritischen Punkte hat das Buch für mich auch einen nicht unerheblichen Unterhaltswert und hält den grellen Funktionsjackenträger*innen humorvoll den Spiegel vor. Eine klare Leseempfehlung für die 186 Seiten ohne Katastrophen.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Affären und Geschichten

Das Haus der Türen
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"Fakten und Fiktion sind in meinem Werk so eng miteinander verwoben, dass ich heute im Rückblick, das eine kaum vom anderen zu unterscheiden vermag", heißt es im Epigraph, zitiert aus Somerset Maughams ...

"Fakten und Fiktion sind in meinem Werk so eng miteinander verwoben, dass ich heute im Rückblick, das eine kaum vom anderen zu unterscheiden vermag", heißt es im Epigraph, zitiert aus Somerset Maughams "Die halbe Wahrheit".
Nichts könnte besser passen für diesen Roman, in dem eben dieser Autor selbst als Figur auftritt und wir Zeugen werden, wie er an Material für seine Geschichten kommt.
Auf drei Zeitebenen erstreckt sich die Geschichte um Lesley Hamlyn, die uns aus ihrer Gegenwart (1947 in Südafrika) in Prolog und Epilog entgegentritt und die als Rahmen für die Binnengeschichte dient. Diese spielt lediglich innerhalb von zwei Wochen in Penang (Malaysia), damals - wir schreiben das Jahr 1921 - britische Kronkolonie. Es ist die Zeit, in welcher der Autor Maugham seinen alter Freund, den Rechtsanwalts Robert Hamlyn und dessen Frau Lesley besucht. Innerhalb dieser kurzen Zeitspanne springen wir immer wieder in das Jahr 1910 zurück. Diese Ereignisse werden ausschließlich von Lesley für Maugham erzählt, während die Begebenheiten der zwei Wochen in 1921 abwechseln vom berühmten Autor und Lesley geschildert werden. Nur Lesleys Kapitel sind aus der Ich-Perspektive erzählt, sie ist die Hauptperson des Romans.
Das klingt zunächst recht unübersichtlich, hat aber einen klaren und auch kunstvollen Aufbau.
Tan Twan Eng entführt uns in das privilegierte Leben einer britischen Kolonie, in der gute Beziehungen und ein guter Ruf für die Weißen alles sind. Die Xinhai-Revolution, die in China die Mandschu-Dynastie beendete und 1912 zur Gründung der ersten chinesischen Republik führte, ist ein größerer thematischer Komplex. Dennoch würde ich den Roman eher als eine Liebesgeschichte und ein Gesellschaftsporträt bezeichnen.

Der Einstieg ist mir schwer gefallen. Das Buch hat erst ab ca. der Hälfte wirklich mein Interesse geweckt und Fahrt aufgenommen. Die Figuren habe ich bis zum Ende nur mit einer gewissen Distanz betrachten können, trotz Lesley als Ich-Erzählerin. Auch hat mich die zentrale Liebesgeschichte nicht wirklich gepackt, vielmehr fand ich den Roman als Ganzes letztlich interessant. Die Kombination aus Fiktion und Fakten, die historischen und gesellschaftspolitischen Elemente und die Schilderung von Land und Leuten.
Die Auflösung des ungewöhnlichen Buchtitels ist ebenfalls unerwartet und überraschend.
Ein Buch, der leisen Töne, das sicherlich für alle Fans von Maugham ein Muss ist. In jedem Fall werde ich einige seiner Erzählungen lesen, auf die ich nach dieser Lektüre ganz gespannt bin.

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Veröffentlicht am 17.04.2025

Moloch Berlin

Goldstein
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Der dritte Krimi um Kommissar Gereon Rath spielt 1931. Kutscher bleibt dabei, dass sich die Romane jeweils ein Jahr in der erzählten Zeit weiterbewegen. In Berlin sind die Nationalsozialisten nicht mehr ...

Der dritte Krimi um Kommissar Gereon Rath spielt 1931. Kutscher bleibt dabei, dass sich die Romane jeweils ein Jahr in der erzählten Zeit weiterbewegen. In Berlin sind die Nationalsozialisten nicht mehr zu übersehen und es wird nun deutlich, dass sie oft ohne Gegenwehr Terror verbreiten können. Die Straßen sind zudem voll von armen Menschen und zwischen ihnen treiben sich Kinderbanden herum. Als beim Einbruch in das schillernde KaDeWe ein Junge ums Leben kommt, scheint es zunächst nur um einen Unglücksfall zu gehen, bald kommen aber Zweifel auf. Es gibt eine Zeugin, die eine wichtige Beobachtung gemacht hat, jedoch selbst von der Polizei gesucht wird. Gleichzeitig soll Rath den amerikanischen Gangster Goldstein beobachten, der aus unbekannten Gründen nach Berlin reist. Dazu tobt ein Kampf zwischen den Ringvereinen Berolina und Nordpiraten, in die auch Marlow involviert ist. Charly Ritter, Raths Freundin, arbeitet am Gericht und hat ohnehin als Frau einen schweren Stand, da unterläuft ihr ein folgenschwerer Fehler.

Ziemlich viel los in diesem Roman. Gekonnt verknüpft der Autor wieder seine fiktiven und historischen Figuren. Kriminalrat Gennat, mit seinem Plüschbüro und der Vorliebe für Kaffeekränzchen mit Torte, ist ein so ungewöhnlicher Charakter, dass ich erstaunt war, dass es ihn wirklich gegeben hat und zwar genauso, wie Kutscher ihn darstellt, inklusive Sekretärin Trudchen Steiner. (Es lohn sich sehr, diesen Mann zu googeln.) Die Story um den titelgebenden Abe Goldstein hat mich jetzt nicht so umgerissen und auch die anderen Handlungsstränge waren zwar interessant aber wenig spannungsgeladen. Was die Romane ausmacht ist für mich immer noch die Darstellung Berlins in der Weimarer Republik. Das gelingt wieder sehr gut und hat einen hohen Unterhaltungs- und auch Informationswert. Es gab ein paar Längen und obwohl der Roman schon 574 Seiten hat, waren die Seiten ziemlich eng bedruckt.

Wer in diese Epoche abtauchen möchte, kann mit der Gereon Rath-Reihe nichts falsch machen.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Krieg im Schatten der Berge

Unter der Drachenwand
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1944 sind viele vom Krieg desillusioniert, so auch Veit Kolbe, der nach einer Verletzung auf Genesungsurlaub nach Mondsee kommt. Hier trifft er auf ein Dorf und seine Bewohner*innen, die Lehrerin Margarete ...

1944 sind viele vom Krieg desillusioniert, so auch Veit Kolbe, der nach einer Verletzung auf Genesungsurlaub nach Mondsee kommt. Hier trifft er auf ein Dorf und seine Bewohner*innen, die Lehrerin Margarete und die aus Darmstadt stammende Margot. Urige Menschen bevölkern das Dorf und bald ist Kolbe mitten unter ihnen, schließt vorsichtig Freundschaft mit dem "Brasilianer", dem Bruder seiner ruppigen Zimmerwirtin. Der Krieg rückt jedoch immer näher und Kolbe will auf keinen Fall zurück an die Front, zumal er sich verliebt hat.

Der Roman wird in der Ich-Form erzählt, jedoch gibt es verschiedene Erzähler, die abwechselnd zu Wort kommen und deren Geschichten sich jeweils ergänzen. Den größten Raum erhält Veit Kolbe, der in sein Tagebuch schreibt. Durch Briefe von Margots Mutter aus Darmstadt, des jungen Kurt Ritler an seine Freundin im Verschickungslager in Mondsee und des Juden Oskar Meyer an seine Cousine, wird die Geschichte und die Zeit aus weiteren Perspektiven beleuchtet: Aus der Sicht einer bombardierten Städterin, eines verliebten Schülers, der noch vor dem Abitur eingezogen wird, und der eines verfolgten und fliehenden Juden. Alle schriftlichen Zeugnisse zusammen ergeben ein Bild der damaligen Zeit. Manche Menschen überraschen, andere erfüllen ihre Klischees. Der Autor zeichnet ein Gesamtbild der letzten Kriegsmonate, die bestimmt sind durch Fliegeralarm, Bombardements, Volkssturmbildung, Durchhalteparolen, Hunger und Angst. Ein stellenweise erschütternder Roman über die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges, aber auch durchsetzt von menschlichem Verhalten und der Hoffnung auf Frieden, Glück und Liebe.

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