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Veröffentlicht am 16.04.2025

Die letzte Seite bringt die Lösung.

Was ich von ihr weiß
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Mimo und Viola sind zwei ungewöhnliche, unkonventionelle Figuren, die sich in Andreas Roman „Was ich von ihr weiß“ schicksalhaft begegnen. Mimo ist kleinwüchsig und wird nach dem Tod seines Vaters, eines ...

Mimo und Viola sind zwei ungewöhnliche, unkonventionelle Figuren, die sich in Andreas Roman „Was ich von ihr weiß“ schicksalhaft begegnen. Mimo ist kleinwüchsig und wird nach dem Tod seines Vaters, eines Bildhauers, von der Mutter zurück nach Italien zu einem Onkel geschickt, der ihn als Gehilfen in seiner Bildhauerwerkstatt ausbeutet. Nicht nur gegen seine Körpergröße auch gegen die Missachtung seines Onkels und die Widrigkeiten des Schicksals muss Mimo sein Bildhauertalent behaupten. Dabei unterstützt ihn Viola, Tochter aus guten Hause, aber eben ein junges Mädchen mit zu viel Verstand, das zu viele Bücher liest und auch noch versteht. So hat sie bald den Traum vom Fliegen, soll aber doch einfach nur im Interesse ihrer Familie an eine vielversprechende Partie verheiratet werden. Beide müssen gegen die Konventionen und die Vorurteile ankämpfen. Dabei geben sie sich gegenseitig Stärke, verraten sich aber auch. Ihre Wege trennen und begegnen sich immer wieder vor der schicksalhaften Kulisse eines Italiens während zweier Weltkriege und dem dazwischen liegenden Aufstieg des Faschismus.
Ich fand das Buch unheimlich mühsam zu lesen. Verschiedenste, zum Teil skurrile Episoden reihten sich aneinander, ohne das ich lange wusste, wohin das Ganze führen sollte. Spannungsaufbauendes Element waren lediglich die immer wieder eingestreuten Kurzkapitel aus einer Erzählgegenwart, in der der Protagonist Mimo in einer Zelle eines Kloster am Ende seines Lebens auf den Tod wartet, in eben dem Kloster, in dem eine seiner Schöpfungen, eine Piéta, aufgrund ihrer unerklärlichen Wirkung als gefährlich eingestuft, verborgen gehalten wird.
Auch zu den Figuren habe ich keinen Zugang gefunden. Entweder waren sie sehr typenhaft, wie der einfach strukturierte ältere Bruder von Viola, der opportunistisch auf den Aufstieg der Faschisten setzt, oder der Dorfirre Emmanuele, der in seiner Art sehr liebenswürdig wirkt, oder der unempathisch und unsympatische Ehemann von Viola. Oder die Figuren sind so merkwürdig wie die Gestalten eines Gruselkabinetts, der unheimliche Zirkusdirektor, der Mimo gleich zu Anfang übers Ohr haut, oder Mimo selber, der die Hälfte des Buches in einem Alkoholrausch zubringt, indem er Vergessen oder Selbstbestrafung zu suchen scheint. Auch Viola, hier muss man leider den Eindruck ihres Mannes teilen, wirkt nicht gerade zurechnungsfähig in ihrem Kontakt mit einer ausgewachsenen Bärin, ihrer Flugversuch oder der Mordattacke auf ihren Mann. Es gibt ja durchaus Frauen in ihrer Zeit, die sich von ihrer Familie zu emanzipieren wussten. Bei Viola hat man immer den Eindruck, sie warte auf einen Mann, der sie aus den Fesseln der Konventionen befreit. Dabei schenkt sie ihnen zu leicht ihren Glauben und muss sich dann verraten fühlen, wenn ihre Ausflüge in die große Freiheit schon am nächsten Bahnhof wieder enden. Die für mich interessanteste Figur ist noch die des jüngsten Bruders von Viola, hinter dessen stiller Freundlichkeit sich viel verbirgt, was sich im Laufe des Romans entfalten kann.
So musste ich mich recht durch den Roman mühen, auch wenn ich die Passagen über die Entwicklung des Faschismus in Italien durchaus interessant fand. Da kann auch die verblüffende Auflösung am Ende, die sinnstiftend auf die ganze Romanhandlung wirkt, nicht so ganz entschädigen. Eventuell liegt auch hier die Erklärung für den Romantitel. Doch eigentlich weiß man von ihr, wenn hier mit Viola gemeint sein soll, recht wenig, weil sie, abgesehen vom Anfang, eigentlich eher einen Nebenfigurencharakter hat, auch wenn sie das Denken und Trachten des Protagonisten nachhaltig bestimmt, aber sehr häufig eben auch nur in jenem vorkommt.
Meinem Geschmack entspricht das Buch also nicht so ganz.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Vom Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen

Knäckebrothelden
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Samys Großvater ist gestorben. Seitdem ist seine Oma still und leise, seine Mama muss ganz plötzlich immer mal kurz nach nebenan und sein Vater ist besonders lustig. Ohne Opa, den Helden der Familie, ist ...

Samys Großvater ist gestorben. Seitdem ist seine Oma still und leise, seine Mama muss ganz plötzlich immer mal kurz nach nebenan und sein Vater ist besonders lustig. Ohne Opa, den Helden der Familie, ist der Umgang miteinander schwer. Da taucht ein Zettel auf mit Opas letztem Willen: noch einmal ans Meer. Flugs wird seine Urne vor der Beerdigung geklaut, ein klappriger Familienbus gechartert und los geht`s auf eine abenteuerliche Reise Richtung Meer mit erfreulichen, beängstigenden und kriminellen Begegnungen, mit Pannen, ohne Handynetz und Routenplaner, mit Polizeieinsatz und ohne Plan. Wird die Familie mit Opas sterblichen Überresten, was auch immer das ist, ans Meer gelangen? Und werden sie als Familie wieder einen unbeschwerteren Umgang miteinander finden?
Das Buch verbindet tief traurige Erfahrungen mit witzigen Erlebnissen und spannenden Abenteuern. Wir begegnen einer Menge warmherziger, offener Menschen, aber auch solchen, die das ausnutzen. Alle tragen ein wenig dazu bei, die Erinnerungen an den verstorbenen Opa weniger schmerzlich zu machen. Das ist auf jeden Fall ein schöner, neuer Ansatz, sich dem Thema zu nähern, wie man mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen kann und wie neben der schmerzlichen Vermissen die schönen Erinnerungen ein Trost sein können. Allerdings finde ich den Schreibstil, auch wenn er die Sicht des Enkels Samy einnehmen soll und für junge Leser geschrieben ist, zum Teil unangenehm oder unpassend aufgedreht und ein wenig überzogen albern. Das stört mich im Hinblick auf das ernste Thema dann doch stellenweise empfindlich, auch dann, wenn die Ereignisse selbst ein wenig zu abenteuerlich werden, denn die „Krümel“ von Opa in der Knäckebrotdose auf der Rückbank ist schon so ein eher gewöhnungsbedürftiger Gedanke, der schon mal die Frage nach der Pietät aufwirft.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Seicht

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Eigentlich ein interessanter Plot: Eine Bücherfrau auf Sylt soll nach erfolgreichem Podcast-Porträt Gegenstand einer Biografie der Journalisten und Autorin Anna werden. Doch bei der Recherche stößt diese ...

Eigentlich ein interessanter Plot: Eine Bücherfrau auf Sylt soll nach erfolgreichem Podcast-Porträt Gegenstand einer Biografie der Journalisten und Autorin Anna werden. Doch bei der Recherche stößt diese auf Schwierigkeiten, Geheimnisse und Geheimverstecke, die in die dunkle Zeit des Nationalsozialismus zurückreichen, die auch die Insel Sylt nicht verschont.
Die Umsetzung hat mich allerdings wenig überzeugt. Die Atmosphäre der Insel Sylt und auch der norddeutschen Lebensart ist durchaus ansprechend. Aber die Story beinhaltet für mich einige Ungereimtheit und erscheint mir unausgewogen darin, worauf das Augenmerk der Handlung liegt. So lesen wir seitenlang über Lenes großer Liebe und Sehnsucht zu dem Buchhändler Marten, der im Gästezimmer ihrer Eltern auf schriftstellerische Inspiration hofft, dann aber plötzlich aus (noch) nicht bekannten Gründen überstürzt abreisen muss. Wir schreiben das Jahr 1937 und können erahnen, was ihn zur Flucht veranlasst. Genauso ergeht sich Anna auf Ebene der Gegenwart immer wieder in ihren sehnsüchtigen Gedanken an den Sohn der Bücherfrau Fenja, die sie zu Recherchezwecken aufsucht. Nur ist der leider schon anderweitig vergeben.
An anderer Stelle aber fehlen Entwicklungen, Handlungsmotive und emotionale oder rationale Hintergründe für das Handeln der Figuren: Warum verschwindet Fenja, bevor Anna überhaupt ankommen kann und obwohl sie zu einem Arbeitstreffen verabredet sind. Sie kann einen kryptischen Zettel schreiben, aber keinen nachvollziehbaren Grund, den es gibt und den man auch, ohne zu viel Persönliches preiszugeben, nennen könnte. Oder Lenes Mann, den sie heiratet, als sie erfährt, dass sie von Marten unehelich schwanger ist. Eingeführt wird die Figur so, als ob sie nichts dagegen hätte, das Kind eines anderen großzuziehen. Aber gleich vom ersten Moment an präsentiert sie sich unsympathisch und unterschwellig bedrohlich. Dann verschwindet sie fast in der Versenkung, nur um plötzlich aufzutauchen und unerwartet anzukündigen, dass er mit der gemeinsamen Tochter, die sie neben Lenes erstem Mädchen haben, die Insel verlassen und zu seiner Familie ziehen werde. Dann ist die Figur wieder absent. Eine Gefühlsregung Lenes darauf wird kaum genannt. Sie akzeptiert schnell, macht keinerlei Versuche, Kontakt zu der Tochter aufzunehmen, auch nicht, als der Krieg vorbei und die Gefahr gebannt ist, dass die halbjüdische Identität der älteren Tochter zur Gefahr für die Familie würde. Zwar wird traumatisches Schweigen als ein Grundproblem in der Familie von Lene und Fenja benannt, das sich auch noch auf Fenjas Kinder ausdehnt und wohl der Grund für ihr zuerst unerklärtes Abtauchen sein soll. Auch Fenjas ältere Tochter verschwindet einfach, man weiß nur, dass sie in die große Welt hinaus möchte. So ist dann der Boden für den zweiten Band gelegt. Ein neues Geheimnis, das es zu entschlüsseln gilt. Und wahrscheinlich auch eine zweite Chance für Anne und ihre Liebe zu Fenjas Sohn.
Insgesamt finde ich die Story zu dünn, es gibt zu wenig Entwicklung, von Charakteren mag ich nicht wirklich sprechen. Und auch die schlimme Zeit des Nationalsozialismus ist nur ein flüchtiger Schatten. Er liefert Gründe für vieles, aber eben nicht tiefgreifend, sondern phrasenhaft die allgemeinen Plots um diese Zeit aufnehmend: Die zwei jüdischen Buchhändler auf List sind auf einmal weg. Lenes Mann ist strammer Nazi und duldet kein nicht rein arisches Kind. Er nutzt es als Druckmittel, sich und die Tochter freizupressen. Lene träumt stattdessen von literarischen Salons in der Nachkriegszeit, von ihrem geliebten Marten, von dem sie eigentlich gar nichts weiß, auch nicht, dass er Jude ist. Aber sie agiert auch hier nicht und stellt Nachforschungen an.
Eingeschoben werden ebenso phrasenhaft Sentenzen über den Wert der Bücher und des Lesens, über den Wert der Familie und die Notwendigkeit, offen zu kommunizieren und das traumatisierte Schweigen zu überwinden, um die Bürde endlich loszuwerden, und nicht weiter auf die kommenden Generationen zu übertragen.
Es gibt so viele Bücher zu diesen Themen, und auch viele bessere.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Zäh

Internationale Zone
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Wien, internationale Zone, in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Sammelpunkt für Besatzer, Besetzte, Flüchtlinge, Schmuggler, Geschäftsleute, Klein- und Großkriminelle. Jeder sucht, sein Leben zu meistern, ...

Wien, internationale Zone, in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Sammelpunkt für Besatzer, Besetzte, Flüchtlinge, Schmuggler, Geschäftsleute, Klein- und Großkriminelle. Jeder sucht, sein Leben zu meistern, der Vergangenheit zu entkommen, Geschäfte zu machen mit dem Wiederbeginn eines neuen Lebens nach Jahren des Krieges, der Not, des Hungers, des Mangels. So auch Georges Maines, der mit dem Zigarettenschmuggel sein Geld verdient. Aber ein illegales Geschäft zieht das andere nach sich. Und man weiß nie, wer Freund und Feind ist, weil jeder bereit ist, für den eignen Vorteil den anderen zu verraten. Und neben dem Geldgeschäft spielt auch das politische eine Rolle. Aber auch bei den vermeintlichen Siegern wird schnell zum Verlierer, wer nicht mehr passt oder stört. Es sind noch immer unsichere Zeiten, in der ein kleiner Fehler oder ein blöder Zufall das eigene Leben schnell in Gefahr bringen kann. Und wer könnte da noch helfen, muss sich auch Georges Maines fragen.
Ich bin nicht warm geworden mit der Lektüre. Zu verwickelt und kompliziert am Anfang, zu viele Figuren und Nebenfiguren. Noch in der zweiten Hälfte werden neue Figuren eingeführt und verschwinden genauso schnell, wie sie aufgetaucht sind. Die Figuren, aber auch das Wien der Nachkriegszeit bleiben farb- und gesichtslos. Der Schreibstil ist spröde. Mir fehlt etwas, das mich mit in die Geschichte nimmt. Erst im letzten Drittel fügt sich so etwas wie ein roter Faden zusammen, mit dem es sich etwas flüssiger lesen lässt. Ich hatte aufgrund von Cover, Titel und angekündigter Story mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

"Was befähigt einen Autor, über die Liebe zu schreiben?"

In einem Zug
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Treffen sich zwei im Zug. Der eine ist Autor für Liebesromane und langjährig verheiratet. Doch im Moment will ihm zu Liebesromanen nichts einfallen. Und zu seiner eigenen Liebe? Darüber möchte er nicht ...

Treffen sich zwei im Zug. Der eine ist Autor für Liebesromane und langjährig verheiratet. Doch im Moment will ihm zu Liebesromanen nichts einfallen. Und zu seiner eigenen Liebe? Darüber möchte er nicht reden. Mit einer Therapeutin, deren Beruf und mittlerweile auch Hobby es ist, Menschen und Beziehungen zu analysieren. Sie glaubt nicht an lange Beziehungen. Und an die Liebe? Der Autor, der so lange so viel und so beruflich erfolgreich über die Liebe geschrieben hat, sträubt sich sehr gegen das ihm aufgezwungene Gespräch mit einer zufälligen Abteilbekanntschaft. Aber die Therapeutin, die ja eigentlich nicht an die Liebe glaubt, erhofft sich wohl, da sie nun einmal einen Experten in puncto theoretischer und praktischer Liebesbeziehungen gefunden zu haben glaubt, neue Antworten oder Perspektiven. Oder vielleicht auch nur ein Scheinwortgefecht, um ihre Meinung bestätigt zu sehen? Und so lässt sie nicht locker, dem Autoren Antworten aus der Nase zu ziehen während der Zugfahrt von Salzburg und München.
Ein Gespräch mit einem Autor für Liebesromane wird nicht automatisch zu einem Liebesroman. Es bleibt ein Roman über die Liebe. Das strukturelle Anlage ist bewährt: Nur schreiben sich diesmal nicht zwei Liebende in witzig spritzigen Dialogen emails, sondern sitzen vis à vis. Es geht auch nicht um ihre Beziehungen zueinander, sondern über Beziehungen allgemein und dabei auch um die Beziehung des Autors zu seiner Frau, die er bei dem Gespräch für sich nicht ausblenden kann, auch wenn er sich nicht zum Gegenstand machen will. Das Witzig-Spritzige aus dem Erstlingserfolg von Glattauer wirkt hier allerdings bisweilen ein wenig bemüht. Und auch die „Tiefen der Liebe, die hier ausgelotet werden sollen“, erweisen sich dann doch nicht immer als so tief, sondern ein wenig konstruiert.
Für Glattauer-Fans sicherlich eine vergnügliche Fortsetzung einer langbewährten Beziehung, für die Skeptiker langer Beziehungen stellt sich die Frage nach etwas Neuem, Überraschendem, das Schwung in eine Beziehung bringt.

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