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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2025

Raffinierte Psychospiele

Blaues Wunder
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Der Chef der Privatbank Bronstein & Söhne lädt zwei seiner besten Mitarbeiter Kilian und Ferdinand samt Ehefrauen auf eine mehrtägige Schiffsreise auf seiner Privatyacht ein. Auch Walters erwachsener Sohn ...

Der Chef der Privatbank Bronstein & Söhne lädt zwei seiner besten Mitarbeiter Kilian und Ferdinand samt Ehefrauen auf eine mehrtägige Schiffsreise auf seiner Privatyacht ein. Auch Walters erwachsener Sohn David ist mit dabei.

Es sollen, so wird gemunkelt, die Weichen für die Zukunft der Bank gestellt werden. Das hat zur Folge, dass seitens der beiden möglichen Nachfolger, Kilian und Ferdinand geschleimt wird, was das Zeug hält. Auch die Ehefrauen sind angehalten, sich dem Chef gegenüber von ihrer besten Seite zu zeigen, und die Spielchen, die Walter mit allen treibt, hinzunehmen.

Der Trip auf der Yacht wird vor allem für die Ehefrauen zu einem Erlebnis der besonderen Art, da sich auf dem Mikrokosmos Schiff nicht alles verbergen lässt. Am Ende der Reise ist nichts mehr so wie es vorher war. So mancher hat sein oder ihr blaues Wunder erlebt.

Meine Meinung:

Anne Freytag wählt für ihre Erzählperspektive einen interessanten Kunstkniff: Obwohl die Frauen auf dieser Reise nur als Anhängsel ihrer Männer gedacht sind, wird die Geschichte ausschließlich aus deren Sicht erzählt. Die Perspektive der Männer wird kaum berücksichtigt, obwohl es scheinbar um deren Position in der Bank gehen soll. Walter, der Initiator der Reise und Chef der Privatbank, schwebt wie ein dunkler Schatten über allem und tritt als Potentat auf. Er provoziert und kaum jemand lehnt sich gegen seine Unverschämtheiten auf. Als es dann doch eine der Ehefrau wagt, einen spielerisch vorgetragenen, aber demütigenden Befehl nachzukommen, halten die anderen entsetzt die Luft an.

Fazit:

Die Geschichte, die ausschließlich auf der Yacht spielt, ist von psychologischer Raffinesse. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.04.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der Bulle in der Hafencity
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Dieser Hamburg-Krimi ist der dritte aus der Reihe rund um den pensionierten Rauschgiftfahnder Gerd Sehling und mein erster von Autor Ben Westphal.

Gerd hilft, wie seine Frau Dörte, im Café-Restaurant ...

Dieser Hamburg-Krimi ist der dritte aus der Reihe rund um den pensionierten Rauschgiftfahnder Gerd Sehling und mein erster von Autor Ben Westphal.

Gerd hilft, wie seine Frau Dörte, im Café-Restaurant „Hang Loose“ seiner Nichte mit. Das Kellnern macht ihm Spaß und noch mehr Freude bereitet es ihm, die Gäste zu beobachten. Immer wieder deckt er dabei kriminelle Machenschaften auf. Diesmal weckt eine Gruppe Südamerikaner seinen Argwohn und als er einen alten Bekannten aus der Drogenszene entdeckt, ist es mit dem Servieren von Alsterwasser kurz einmal vorbei.

Gemeinsam mit seinem ehemaligen Kollegen Tim Dombrowski, der nun der Mordkommission zugeteilt ist, beginnt er, zum Leidwesen seiner Frau Dörte, heimlich zu ermitteln. Wenig später steckt er in einem brutalen Kampf zwischen mehreren rivalisierenden Bande um das einträgliche Geschäft mit Drogen in der Hansestadt.

Meine Meinung:

Hamburg ist ja meine Lieblingsstadt in Deutschland, weshalb ich gerne dort Urlaub mache bzw. Bücher lese, die in Hamburg spielen oder von der Geschichte der Stadt erzählen.

Dieser Krimi hat das besondere Etwas, denn er berichtet authentisch über den Alltag der Drogenfahnder und die Mordkommission. Das ist, wenn man weiß, dass der Autor selbst als Rauschgiftfahnder arbeitet, wenig verwunderlich.

Gut gefällt mir, dass das sonst übliche Kompetenzgerangel zwischen den Abteilungen ausgespart bleibt.

Ich werde jedenfalls die beiden Vorgänger lesen, denn sowohl die Figur des Gerd Sehling als auch jene von Tim Dombrowski sind vielschichtig angelegt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der mich wieder nach Hamburg entführt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein gelungener hist. Roman

Tage aus Glas
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Dorothee Krings entführt uns nach Gerresheim, einem kleinen Ort nahe Düsseldorf, das Anfang des 20. Jahrhunderts Zentrum der Glasflaschenproduktion war. Anhand der Geschichte zweier Frauen, Bille, Tochter ...

Dorothee Krings entführt uns nach Gerresheim, einem kleinen Ort nahe Düsseldorf, das Anfang des 20. Jahrhunderts Zentrum der Glasflaschenproduktion war. Anhand der Geschichte zweier Frauen, Bille, Tochter eines Glasmachers, und Leonie, die Tochter des Fabrikanten, erleben wir ihre Träume von einem besseren Leben, die sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen versuchen.

Die Männer schuften in den Glashütten und werden ob der Arbeitsbedingungen nicht sehr alt. Der karge Lohn für Schwerstarbeit reicht kaum zum Leben, weshalb ihre Töchter und Frauen in der Weberei arbeiten müssen. Dort sind sie sexuellen Übergriffen und Willkür der Fabriksbesitzer ausgesetzt. Wenn die Glasbläser oder Püster, wie man sie auch nennt, ihre Arbeit, aus welchen Gründen auch immer verlieren, verlieren sie auch ihre Unterkunft, die ihnen von den Arbeitgebern zur Verfügung gestellt werden. Mit dieser Drohung, die immer wieder wahr gemacht wird, werden die Arbeiter klein und stumm gehalten bis sich die Wut auf die Fabrikanten in einem Deutschland weiten Generalstreik entlädt. Als die Streikkasse leer ist, müssen die Arbeiter kleinlaut um Wiedereinstellung bitten, was nicht immer gelingt, weil inzwischen Glasbläser aus anderen Teilen Europas angeworben worden sind.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass so mancher an Auswanderung nach Amerika denkt, ohne zu ahnen, dass auch in den USA die Wirklichkeit eine andere ist, als kolportiert wird.

Meine Meinung:

Gerresheim ist heute ein Stadtteil von Düsseldorf und die damalige Glasfabrik ist heute eine weltweit agierende Aktiengesellschaft im Medizinproduktebereich. Deshalb ist dieser historische Roman ein Stück Heimatgeschichte, die wahrscheinlich nur jene kennen (und interessiert), die in unmittelbare Nähe leben.

Mit hat dieser historische Roman sehr gut gefallen, schildert er doch ziemlich schnörkellos und ohne großen Pathos die Lebensbedingungen der Arbeiter und ihrer Familien dieser Zeit.

Obwohl es der Fabrikantentochter an materiellen Gütern nicht mangelt, sie stets ein gepflegtes Dach über den Kopf hat und sich nicht darüber den Kopf zerbrechen muss, woher sie die nächste Mahlzeit nehmen soll, ist auch ihr Leben in einem gesellschaftlichen Korsett gefangen. Statt malen zu können, wird sie an einen Mann verheiratet (um nicht zu sagen verschachert), der in den Augen des Vaters, den größten Nutzen für die Fabrik bringt.

Interessant ist, dass das Ende offen bleibt. Alles deutet auf eine Fortsetzung hin, die mir persönlich willkommen ist.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.04.2025

Frauen können Revolution!

Frauen und Revolution
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Der Anteil, den couragierte Frauen an Revolutionen hatten und haben, wird nach wie vor gering geschätzt. Sei es jener, der Frauen wie Olympe de Gouges, die 1793 unter der Guillotine starb, oder jener von ...

Der Anteil, den couragierte Frauen an Revolutionen hatten und haben, wird nach wie vor gering geschätzt. Sei es jener, der Frauen wie Olympe de Gouges, die 1793 unter der Guillotine starb, oder jener von Karoline von Perin, der man wegen ihrer Teilnahme an der Revolution 1848 in Wien, die Kinder wegnahm.

In diesem Buch beleuchtet die vielfach ausgezeichnete Journalistin Shila Behjat die Besonderheiten weiblichen Protests. Obwohl zahlreiche größere und kleinere Revolutionen, deren Gesichter weiblich sind, stattfinden, richtet die Autorin ihren Fokus auf vier Länder, in denen sich Frauen aus höchst unterschiedlichen Gründen gegen ihre Regierungen auflehnen:

Iran
Belarus
Polen
Sudan

Einigen sind die Berichte aus dem Iran, Belarus oder dem Sudan geläufig, da dort das Leben der Frauen massiv eingeschränkt ist. Doch Polen? Polen ist doch eine Demokratie, oder? Was bringt hier die Frauen auf die Straße? Die Gründe sind in diesem Buch nachzulesen.

Shila Behjat hat zahlreiche Anführerinnen der Bewegungen interviewt und daraus ein engagiertes Plädoyer für ein neues Frauenbild und weibliche Solidarität gezeichnet. Vielerorts wird den Frauen nach wie vor mangelnde Solidarität angekreidet. Ich glaube, dass Frauen eher ganzheitlich denken und die Folgen ihres Tuns auf andere, wie zum Beispiel auf ihre eigenen Kinder, im Auge behalten.

Sehr gut ist herausgearbeitet, dass sich immer mehr Frauen nicht mehr als (passive) Opfer sehen, sondern aktiv für ein neues Frauenbild eintreten. An manchen Stellen, wenn von Folterungen in iranischen Gefängnissen die Rede ist, ist das Buch nicht leicht zu lesen.

Fazit:

Gerne gebe diesem Plädoyer, das den Anteil der Frauen an Revolutionen aufzeigt. 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.04.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Merano criminale
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Während Ispettore Emmengger und seine Kollegin und Lebenspartnerin Eva Marthaler über den Ankauf von Möbelstücken diskutieren, findet eine Joggerin die Leiche einer Frau, die nicht die einzige Tote bleiben ...

Während Ispettore Emmengger und seine Kollegin und Lebenspartnerin Eva Marthaler über den Ankauf von Möbelstücken diskutieren, findet eine Joggerin die Leiche einer Frau, die nicht die einzige Tote bleiben wird. Eine zunächst vage Verbindung deutet auf ein Feinschmeckerlokal in Meran. Also nimmt Paul Tschugg, der begnadete Schauspieler, dort die Rolle eines Soßenkochs an. Blöd ist nur, dass er zwar das Handwerk des Schauspieler beherrscht, aber leider nicht kochen kann. Da hilft auch der Nachhilfeunterricht bei Evas Mutter nichts ....

Gleichzeitig reißen die Carabinieri die Ermittlungen an sich und booten Emmengger und Marthaler aus. Doch die beiden recherchieren heimlich weiter und entdecken zwei, zwanzig Jahre zurück liegende Ereignisse: Den bislang nicht aufgeklärten Überfall auf einen Geldtransport und das mysteriöse Verschwinden von Rainer Sandvoss.

Wie das alles zusammenhängt, müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Elisabeth Florin hat uns wieder einen komplexen Krimi rund um die wunderschöne Bergwelt von Meran beschert, in der auch die Kulinarik nicht zu kurz kommt.

Der Krimi lässt uns in die Vergangenheit eintauchen, sodass wir Leser immer ein wenig mehr wissen als Eva und Emmi. Trotzdem gelingt es Elisabeth Florin erstens die Spannung stetig zu steigern, bis sie sich in einem gefährlichen Showdown entlädt und zweitens, führt sie uns Leser immer wieder auf falsche Fährten. So geraten nicht nur die Flying Taifls sondern auch der unbeliebte Lokalreporter Magnus Braunhofer in den Fokus der Ermittlungen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Südtirol-Krimi wieder 5 Sterne.