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Arambol

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2025

Glaubhaftes Szenario

Reset
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"Wie gewaltig eine Katastrophe auch enden mag, ihr Ursprung scheint immer klein und unbedeutend."

Im Jahr 2024 wird die Welt von einer Welle absolut perfekt inszenierter Falschinformationen überrollt: ...


"Wie gewaltig eine Katastrophe auch enden mag, ihr Ursprung scheint immer klein und unbedeutend."

Im Jahr 2024 wird die Welt von einer Welle absolut perfekt inszenierter Falschinformationen überrollt: Deepfake-Videos und gefälschte Nachrichten stürzen ganze Staaten ins Chaos. Keine Datenquelle ist mehr sicher, kein Kommunikationsmittel verlässlich. Der ehemalige US-Ermittler Valentine O’Brien wird nach Deutschland geschickt, um die Ursache dieser globalen Katastrophe zu finden. Gleichzeitig sucht er auch nach seiner verschwundenen Schwester und stößt auf eine Verschwörung, die weit über politische Manipulation hinausgeht.
Was ist Wahrheit, Realität, und was nur Illusion? Jeder Anruf, jede Nachricht, jede Information könnte manipuliert sein.

Die in Peter Grandls Thriller „Reset“ erzählte Geschichte bewegt sich auf mehreren Ebenen – sowohl geografisch als auch zeitlich. Der Wechsel zwischen zahlreichen Schauplätzen und einer Vielzahl an Figuren verlangt anfangs viel Konzentration. Die Orientierung fällt dabei schwer, da auch die einzelnen Protagonisten eher kühl und funktional charakterisiert sind. Eine emotionale Bindung entstand so für mich nicht; viele Figuren blieben distanziert, fast schematisch, und ich hatte Mühe, mich wirklich in jemanden hineinzuversetzen.

Mit zunehmender Seitenzahl entwickelt der Roman dann doch eine einzigartige Sogwirkung. Grandl versteht es, die Bedrohung durch arglistig manipulierte Wirklichkeiten glaubwürdig und erschreckend realistisch zu schildern. Die vielen Erzählstränge fügen sich allmählich zu einem Gesamtbild, das ebenso beklemmend wie spannend ist. Besonders stark ist die zweite Hälfte, in der sich die Handlung verdichtet und der Plot klarer, zielgerichteter und fesselnder wird.

Das Finale ist lesenswert konstruiert, dramatisch glaubwürdig und bringt den bis dahin recht komplexen Aufbau zu einem schlüssigen Ende.

Unterm Strich ist „Reset“ ein durchaus spannender und gut durchdachter Thriller, der seine Stärken allerdings erst nach und nach entfaltet. Wer bereit ist, sich auf die anfängliche Verwirrung einzulassen, wird mit einem intensiven Leseerlebnis belohnt.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Das Schicksal ist ein Betrüger

Beeren pflücken
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"Uns verband die gemeinsame Liebe zu
Stille und Einsamkeit. Wir waren still, ohne allein zu sein."

Im Sommer 1962 verschwindet die vierjährige Ruthie spurlos, während ihre Familie als Erntehelfer Blaubeeren ...


"Uns verband die gemeinsame Liebe zu
Stille und Einsamkeit. Wir waren still, ohne allein zu sein."

Im Sommer 1962 verschwindet die vierjährige Ruthie spurlos, während ihre Familie als Erntehelfer Blaubeeren pflückt. Ihr Bruder Joe, der sie als Letzter gesehen hat, leidet ein Leben lang unter Schuldgefühlen und dem schmerzhaften Verlust.

Zur gleichen Zeit wächst das Mädchen Norma in einer scheinbar intakten Familie auf. Doch je älter sie wird, desto stärker fühlt sie, dass etwas in ihrer Herkunft nicht stimmt. Wiederkehrende Träume, eine überfürsorgliche Mutter und ein emotional abwesender Vater nähren in ihr den Verdacht, dass sie nicht das ist, was man ihr glauben macht.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Joe und Norma erzählt. Nach und nach nähern sich die beiden Lebensgeschichten und Erzählstränge einander an – bis die Wahrheit dann schließlich nicht länger verborgen bleiben kann.

Amanda Peters gelingt mit „Beeren pflücken“ ein durchaus eindrucksvolles Debüt, das sich durch seine ruhige Erzählweise und melancholische Tiefe auszeichnet. Die Geschichte selbst entfaltet sich nur recht langsam, aber dafür stetig. Der Einstieg ist dabei leider zugegeben langatmig, doch die Geduld wird schließlich mit einer sowohl sehr emotionalen als auch gut konstruierten Handlung belohnt. Die Charaktere sind vielschichtig und entwickeln sich im Verlauf der Geschichte deutlich weiter.

Insgesamt ist „Beeren pflücken“ kein einfaches, aber gerade deshalb auch lesenswertes Buch, das durch seine außergewöhnliche Thematik und eine feinfühlige Erzählweise überzeugt.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Schonungslos und ehrlich

Achtzehnter Stock
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"...man muss das Schicksal nur lange genug nerven, irgendwann gibt es nach und schmeißt einem das Glück vor die Füße, damit man endlich Ruhe gibt."

Der Roman „Achtzehnter Stock“ von Sara Gmuer erzählt ...


"...man muss das Schicksal nur lange genug nerven, irgendwann gibt es nach und schmeißt einem das Glück vor die Füße, damit man endlich Ruhe gibt."

Der Roman „Achtzehnter Stock“ von Sara Gmuer erzählt eindringlich vom Alltag einer alleinerziehenden Mutter in einem Berliner Plattenbau. Wanda lebt mit ihrer Tochter Karlie im 18. Stock – ohne Aufzug und leider auch ohne Perspektive. Dennoch gibt sie ihren Traum nicht auf: sie will unbedingt Schauspielerin werden.

Zwischen Castings, Kinderbetreuung und Selbstzweifeln zeigt sich, wie hoch der Preis für Veränderung sein kann – und wie viel Kraft es braucht, sich selbst und seinen Träumen treu zu bleiben.

Ein moderner, temporeicher Roman über tiefe soziale Ungleichheit und die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Schonungslos, aber voller Empathie.

Sara Gmuers Schreibstil ist präzise, klar, und gerade deshalb gleichzeitig äußerst eindrücklich. Die Geschichte fokussiert sich auf ihre Hauptfigur Wanda, dabei bleibt der Roman leise, erst gegen Ende zieht das Tempo spürbar an.
Eindrucksvoll zeigt Gmuer, dass ein Karrieresprung nicht zwangsläufig eine Wendung zum Besseren bedeutet, sondern neue Widersprüche aufwerfen kann. Was bedeutet Erfolg, wenn man ihn kaum leben kann? Wie viel darf man selbst überhaupt wollen?

Ein starkes Buch, das starke Fragen stellt, ohne den Anspruch zu haben, diese dann selbst beantworten zu wollen. Ein moderner Roman über tiefe soziale Ungleichheit und die Sehnsucht nach einem anderen Leben.
Ein unaufgeregter Blick auf Realität und Sehnsucht. Schonungslos, aber auch voller Empathie.

"Manchmal muss man seine Träume ändern, um glücklich zu werden."

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Veröffentlicht am 25.03.2025

zwischen Nostalgie und Chaos

Klapper
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"Es war chaotisch, laut, es tat in den Ohren weh, aber das war alles genau richtig."

Der Roman spielt im Sommer 2011 und erzählt die Geschichte des 16-jährigen Thomas, genannt Klapper, der seine Zeit ...


"Es war chaotisch, laut, es tat in den Ohren weh, aber das war alles genau richtig."

Der Roman spielt im Sommer 2011 und erzählt die Geschichte des 16-jährigen Thomas, genannt Klapper, der seine Zeit am liebsten allein vor dem Computer mit Counter strike verbringt. Doch als zu Beginn des neuen Schuljahrs die neue Mitschülerin "Bär" in seine Klasse kommt, verändert sich so einiges. Die beiden teilen eine gemeinsame Begeisterung für Videospiele und freunden sich an. Während ihre Beziehung sich langsam entwickelt, steuern sie gleichzeitig unweigerlich auf ein dramatisches Ereignis zu.

Jahre später holen Klapper die Erinnerungen an diesen Sommer wieder ein...

Mit "Klapper" legt Kurt Prödel einen bemerkenswerten Debütroman vor, der glaubwürdig die Stimmung der frühen 2010er-Jahre einfängt.

Der Schreibstil ist lebendig und wirkt authentisch. Gleichzeitig durchzieht das Buch aber auch eine irgendwie äußerst trübsinnige, fast depressiv wirkende Grundstimmung. Einsamkeit, ständige Unsicherheit und das ungute Gefühl, nicht dazuzugehören, sind sehr zentrale Themen der Erzählung.
Diese bedrückend dunkle Atmosphäre verleiht der Geschichte dann auch eine gewisse Schwere und Melancholie.

Ein Schwachpunkt des Romans sind meiner Meinung nach jedoch vor allem die Charaktere selbst, die nicht immer glaubwürdig wirken. Während Klapper als Protagonist noch recht glaubhaft erscheint, bleibt Vivi (alias Bär) in ihrer Entwicklung sehr blass und ist in ihren Handlungen wenig nachvollziehbar.

Insgesamt ist "Klapper" ein durchaus bemerkenswert interessanter und gelungener Debütroman, der mit seiner Mischung aus Nostalgie, inklusive des unvergesslichen Geschmacks von Zitronenkrümeleistee, und jugendlicher Melancholie überzeugt.

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Veröffentlicht am 13.03.2025

geplatzte Träume

Hier draußen
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"Dass hier nicht alles perfekt, idyllisch und konfliktfrei ablaufen würde, war ihm immer klar gewesen."

Das aus Hamburg stammende Ehepaar Ingo und Lara zieht mit ihren Kindern in das fiktive, etwa zweihundert ...


"Dass hier nicht alles perfekt, idyllisch und konfliktfrei ablaufen würde, war ihm immer klar gewesen."

Das aus Hamburg stammende Ehepaar Ingo und Lara zieht mit ihren Kindern in das fiktive, etwa zweihundert Einwohner zählende holsteinische Dorf Fehrdorf, um dem hektischen Großstadttreiben zu entkommen. Doch das Leben auf dem Land bringt direkt einige unerwartete Herausforderungen mit sich, besonders für Ingo, der täglich zur Arbeit nach Hamburg pendeln muss. Eines Abends überfährt er auf dem Heimweg eine weiße Hirschkuh. Ein Aberglaube im Dorf will wissen, dass derjenige, der eine solche Hirschkuh tötet, nur noch ein Jahr zu leben hat.

Land. Weite. Ruhe. So stellen sich viele das Landleben vor. Aber stimmt das?
Natur, frische Luft, Platz für die Kinder. Traumhaft? Nicht ganz. Fehrdorf, ein Dorf wie viele andere auch: Jeder kennt jeden. Man hilft sich, man beobachtet sich und man redet mit- aber auch vor allem übereinander.

Martina Behm trifft stets den richtigen Ton, ist dabei immer sehr direkt und authentisch. Sie zeigt deutlich auf, dass das Dorfleben nicht nur Idylle sondern echtes Leben ist, mit allem Alltäglichen, was eben dazugehört. Sie entwirft ein emphatisches und auch warmherziges Porträt des Landlebens und seiner Menschen, die alle auf ihre Art und Weise auch "nur" nach einem kleinen Stück persönlichen Glücks suchen und streben.

Die Mischung aus ultrakurzen Sätzen, die teilweise nur aus einem oder zwei Worten bestehen, und dann auch wieder sehr intensiv geführten Dialogen lässt den Roman immer lebendig erscheinen.

Das Ende der Erzählung ist sehr offen und unspektakulär gehalten, nicht alle Konflikte werden aufgelöst und leider bleiben viele Fragen unbeantwortet.
Das Leben auf dem Land geht weiter.

Leseempfehlung für alle, die sich für das wahre Leben im Dorf interessieren.

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