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Veröffentlicht am 22.04.2025

Der Zauber handgeschriebener Briefe und des Lebens

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Im Mittelpunkt des Romans steht die fünfundzwanzigjährige Hatoko, die in Kamakura einen Schreibwarenladen führt und als öffentliche Schreiberin arbeitet.
Hatoko verfasst Briefe verschiedenster Art für ...

Im Mittelpunkt des Romans steht die fünfundzwanzigjährige Hatoko, die in Kamakura einen Schreibwarenladen führt und als öffentliche Schreiberin arbeitet.
Hatoko verfasst Briefe verschiedenster Art für andere Menschen.
Wir erleben Hatokos Arbeit und Leben im Wandel der Jahreszeiten. Ito Ogawa beleuchtet Vergangenheit und Gegenwart.
In schöner Sprache, oft schon fast poetisch, erzählt sie Hatokos Geschichte.
Es ist ein Roman, der wunderschön und traurig zugleich ist, der schon durch seine wundervolle Atmosphäre und Grundstimmung und durch seine Figuren besticht.
Nachdenkliche, leise sowie lebendige, fröhliche Momente und Passagen wechseln einander ab.
Ito Ogawa gibt dem Leser auch zahlreiche Einblicke in die japanische Kultur.
Es ist für mich eine willkommene Abwechslung, ein erfrischend anderer japanischer Roman, da hier nicht wie sonst überall Katzen im Mittelpunkt stehen, sondern es hier um diesen Schreibwarenladen, das Amt der öffentlichen Schreiberin, die Magie und den Zauber handgeschriebener Briefe geht. Das habe ich so in noch keinem anderen japanischen Roman gelesen.
Es ist zudem ein Roman, der voller schöner Zitate und kleiner und großer Weisheiten steckt. Auch das habe ich an diesem Buch so geliebt.
Einzig die letzten Seiten dieser Geschichte haben mich etwas enttäuscht, da hier ein paar Dinge zu schnell abgehandelt wurden und daher etwas unglaubwürdig wirkten und/oder einfach etwas too much waren und/oder nicht zum ganzen Rest passten und daher seltsam und wie Fremdkörper wirkten.
Auch blieben Dinge offen - was aber andererseits Stoff für Fortsetzung(en) bietet.
Insgesamt habe ich "Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen" sehr gerne gelesen und freue mich sehr auf die Fortsetzung(en).
Es ist der richtige Roman für alle, die japanische Literatur mögen; die vielleicht einen etwas anderen Roman suchen, bei dem mal keine Katzen im Mittelpunkt stehen; die Lust auf einen poetischen, leisen Roman mit schönen Botschaften haben, in dem es um japanische Kultur, Briefe, Trauer und Glück, Freundschaft und Liebe, Familie, Gemeinschaft, Vergangenheit und Gegenwart, Vergebung und Versöhnung ... das Leben geht.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Mein Leben war ein ruhiger, stiller Fluss ...

Verheiratete Frauen
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Drei Frauen in ihren Vierzigern in Barcelona: Gabriela, Silvia und Cósima sind gute Freundinnen. Jede von ihnen ist verheiratet - und keine von ihnen ist wirklich glücklich:
Gabriela ist schon lange verheiratet, ...

Drei Frauen in ihren Vierzigern in Barcelona: Gabriela, Silvia und Cósima sind gute Freundinnen. Jede von ihnen ist verheiratet - und keine von ihnen ist wirklich glücklich:
Gabriela ist schon lange verheiratet, hat eine leidenschaftliche Affäre mit einem anderen Mann. Silvia hat zwei kleine Kinder, liebt und begehrt aber nicht ihren Mann, sondern Frauen. Cósima ist frisch verheiratet - und schon begehrt ihr Mann sie nicht mehr ...
Von diesen drei Frauen erzählt Cristina Campos in ihrem Roman "Verheiratete Frauen". Im Mittelpunkt steht Gabriela, doch wir bekommen auch tiefe Einblicke in das Leben ihrer Freundinnen.
In Rückblenden erfahren wir, wie ihr Leben früher aussah und sich entwickelte, wie sie zu den Frauen wurden, die sie heute sind.
Gerade bezüglich Gabriela sind Licht und Schatten, ihre innere Zerrissenheit, der Reiz und Genuss der Verbotenen, dieser Affäre, des Begehrtwerdens, der Verliebtheit einerseits sowie das Problem, zwischen zwei Männern zu stehen, ein Doppelleben zu führen, das Problem, Sex und Liebe zu trennen, der Wunsch danach, die einzige Frau zu sein, hervorragend herausgearbeitet.
Cristina Campos schafft gerade bezüglich Gabriela den Spagat zwischen Atmosphäre, Leichtigkeit und Tiefe, dem Moment und der langfristigen Perspektive.
Gabriela war dann auch die Figur, die mich als Leserin am meisten gefesselt hat, die für die größte Sogwirkung und Spannung gesorgt hat; ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie das alles für sie und ihren Mann bzw. ihre Männer weitergeht und endet.
Es ist ein gut geschriebener, stets sehr angenehm zu lesender Roman über Frauen in ihren Vierzigern, Freundschaft, Ehe, Liebe, Lust und Leidenschaft, Affären, Frauen und Männer ... das Ganze vor der Kulisse Barcelonas.
Liebe in all ihren Facetten nimmt einen ebenso großen Raum ein wie die Freundschaft dieser Frauen. Sie stehen einander bei, sind immer füreinander da, begleiten einander durch die Höhen und Tiefen des Lebens - auch in Sachen Liebe. Auch in Zeiten des Wachstums und der Veränderung.
Es sind drei gewöhnliche Frauen, und ich glaube, dass jede Leserin sich zumindest mit einer dieser drei Frauen, mit ihren Situationen, Gedanken, Sorgen und Nöten, Wünschen und Träumen sehr gut identifizieren können wird.
Sie sind sehr nahbar. Cristina Campos hat es geschafft, dass man zu jeder dieser Frauen eine Verbindung aufbauen kann, gerade dann, wenn man im selben Alter ist. Keine von ihnen bleibt distanziert, ganz im Gegenteil.
Diese drei Frauen sind nicht nur Freundinnen füreinander, sondern sie werden auch schnell zu Freundinnen für die Leserin. Schnell hat man das Gefühl, über Freundinnen zu lesen, lebt und fühlt mit ihnen.
Fazit: Ein intensiver, offener, ehrlicher, ebenso leichter wie tiefgründiger Roman über Frauen in der Mitte ihres Lebens mit all ihren Gedanken, Gefühlen, Ängsten, Wünschen und Träumen, auch über ihre Männer, auch über ihre Kinder, der in Barcelona spielt.
Für mich ist es in erster Linie ein Roman für Frauen.
Ich bin noch unschlüssig, ob es ein absolutes Jahreshighlight sein könnte ... doch selbst wenn nicht - es ist ein unglaublich wichtiger und fesselnder Roman, und ich habe "Verheiratete Frauen" sehr gerne gelesen.
Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Nichts ist so wie es scheint

Wo wir uns treffen
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Philip Brooke ist tot. Die Familie kommt auf ihrem Anwesen in Sussex zusammen, um ihn zu beerdigen.
Jedes seiner Kinder hat ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was mit dem Erbe geschehen, wie alles ...

Philip Brooke ist tot. Die Familie kommt auf ihrem Anwesen in Sussex zusammen, um ihn zu beerdigen.
Jedes seiner Kinder hat ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was mit dem Erbe geschehen, wie alles weitergeführt werden soll. Die Stimmung ist angespannt - und sie wird noch angespannter, als Clara, die Tochter von Philips ehemaliger Geliebter, erscheint. Clara weiß, wie die Familie wirklich zu ihrem Geld und ihrem Anwesen kam - und kann und will nicht länger schweigen.
Man versucht, die Fassade zu wahren, Dinge zu unterdrücken; doch die Wahrheit gelangt ans Licht ...
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Es ist ein Roman, der überaus gut, interessant und vor allem auch spannend klang.
Anna Hopes Schreibstil gefiel mir sehr.
Doch was die Spannung betrifft, auch und vor allem auch dadurch, dass die Tochter der ehemaligen Geliebten und somit eine (vermeintliche) uneheliche Tochter erwartet wird, bleibt "Wo wir uns treffen" hinter den Erwartungen zurück.
Clara kommt erst auf S. 187 auf dem Anwesen an. Zwar plätschert der Roman bis dahin glücklicherweise nicht vor sich hin, man lernt das Anwesen und die Familie genaustens kennen, es wird mehr als deutlich, dass hier nichts so war, wie es schien, es wird Atmosphäre aufgebaut ... und doch geschieht dies leider etwas zu Lasten der Spannung und der Sogwirkung der Geschichte.
Im weiteren Verlauf lernt man die Mitglieder der Familie noch näher kennen, wird in Pläne für das Anwesen eingeweiht ... und doch passiert nach wie vor wenig.
Erst auf S. 318 beginnt Clara zu reden, erst ab S. 318 spricht Clara endlich die Wahrheit aus und sorgt so für mehr Spannung, Tempo, Sogwirkung.
Die Geschichte des Ahnen Oliver Brooke, die Quelle des Reichtums der Familie, die Wahrheit ... reicht zurück bis ins British Empire.
Und: Anna Hope schafft es zwar, einigen Figuren viel Leben einzuhauchen; doch andere bleiben für den Leser leider allzu blass und diszanziert.
Fazit: Ein sehr gut geschriebener, durchaus auch aktueller Roman über Familie, Geheimnisse, Leben und Tod, Vergangenheit und Geschichte, Erbe und Verantwortung, Schuld, Reue und Wiedergutmachung, Vergebung und Versöhnung ... dem es leider etwas an Spannung fehlt.
Vermutlich ist es für mich leider auch kein Roman, der lange nachklingen wird. Hier hatte ich nach dem Klappentext noch mehr erwartet.
Für Leser, die wie ich Familienromane, Geheimnisse und den Schauplatz England mögen, ist "Wo wir uns treffen" aber dennoch durchaus empfehlens- und lesenswert.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Keine leichte Kost ...

Coast Road
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Es mag heute unfassbar erscheinen, dass eine Scheidung in Irland erst seit knapp 30 Jahren möglich ist. In Deutschland war das immerhin schon ab dem Jahre 1977 möglich. Doch auch in Deutschland gibt es ...

Es mag heute unfassbar erscheinen, dass eine Scheidung in Irland erst seit knapp 30 Jahren möglich ist. In Deutschland war das immerhin schon ab dem Jahre 1977 möglich. Doch auch in Deutschland gibt es Dinge, die unfassbar scheinen, etwa die Tatsache, dass es bis zum Jahre 1992 keine Vergewaltigung in der Ehe gab, es dann bis zum Jahre 2004 lediglich ein Antragsdelikt war und es sich erst seit dem Jahre 2004 um ein Offizialdelikt handelt ...
Überhaupt ist dieser Roman hochaktuell, wenn man bedenkt, dass Frauen und Männer auch heute noch nicht wirklich gleichberechtigt sind ...

Ich liebe irische Literatur und war daher sehr gespannt auf dieses Debüt.
Alan Murrin schreibt hervorragend, fesselnd und spannend. Es sind vor allem die weiblichen Figuren, die hier überzeugen.
Es ist ein Roman über Frauen und Männer, Familie, Liebe und Freundschaft, über die damalige Gesellschaft, über Politik ... ein Roman, der tief berührt, der schockiert und fassungslos macht. Die Schicksale in diesem Buch gehen definitiv nahe.
Es ist einer dieser Romane, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Parallelen zu unserer Zeit lassen sich stets ziehen, denn auch heute fragen wir uns noch, was Frauen davon abhält, sich von ihren Männern zu trennen ...
"Coast Road" ist keine leichte Kost; dennoch oder gerade deswegen habe ich diesen Roman sehr gerne gelesen.
Ab und an gab es eine kleine Länge, konnte mich die Geschichte nicht vollends fesseln und begeistern - dennoch ist "Coast Road" ein bemerkenswertes und absolut lesenswertes Debüt und sei allen Liebhabern zeitgenössischer und irischer Literatur empfohlen!

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Nicht der stärkste Band dieser Reihe

Der Krimidinnermord
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Im Herrenhaus der neuen Nachbarn, der Familie Wokesley, findet ein Krimidinner statt; es wird ein Mord angekündigt. Agatha Christie und ihr Mann sind verhindert, und so schickt Agatha mal wieder ihre von ...

Im Herrenhaus der neuen Nachbarn, der Familie Wokesley, findet ein Krimidinner statt; es wird ein Mord angekündigt. Agatha Christie und ihr Mann sind verhindert, und so schickt Agatha mal wieder ihre von ihr sehr geschätzte Hausdame, Phyllida Bright.
Als sich dann aber tatsächlich ein Mord ereignet und der Hausherr tot aufgefunden wird, ist Phyllida sofort wieder ganz in ihrem Element und beginnt zu ermitteln ...
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Ich bin seit dem ersten Band ein großer Fan von Colleen Cambridge, Phyllida Bright und dieser Reihe.
Tatsächlich bleibt der erste Band für mich bislang aber auch der stärkste Band; dieser konnte mich vollends überzeugen.
Beim zweiten Band gefiel mir die Kulisse nicht ganz so gut. Beim vorliegenden dritten Band gefällt mir die Kulisse zwar wieder besser, doch leider gibt es auch hier etwas Anlass zur Kritik: während die Reihe sonst auch durch die genial aufgebauten Fälle, bei denen man, was Täter, Motiv usw betrifft, ewig im Dunkeln tappt, unerwartete Wendungen und eine ebenso verblüffende wie schlüssige Auflösung überzeugt, wurde die Lösung hier viel zu schnell und viel zu offensichtlich präsentiert. Person des Täters und Motiv lagen viel zu schnell auf der Hand, der Leser wurde quasi darauf gestoßen. Das nahm viel Spannung und Möglichkeit zum und Freude am Mitermitteln und der Auflösung. Ungewohnt für die Autorin und ihre Reihe - und nicht schön.
Zudem gab es am Ende Szenen, die mir persönlich einfach viel zu konstruiert und unglaubwürdig erschienen.
Allerdings kann auch dieser dritte Band wie gewohnt durch den Stil der Autorin, die Atmosphäre, die Dialoge und überhaupt durch Phyllida Bright überzeugen.
Es wurde ein klein wenig mehr Licht in ihre Vergangenheit gebracht - doch es bleibt weiterhin spannend.
Trotz der Kritikpunkte habe ich auch diesen dritten Band gerne gelesen und freue mich schon auf den vierten Band.
Insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die klassische britische Krimis mögen.

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