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Veröffentlicht am 23.04.2025

Wundermittel Liebe

Wut und Liebe
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Noah, ein junger bildender Künstler Anfang dreißig, geht den mühsamen, steinigen Weg, sich zu finden in seiner Kreativität, begibt sich auf unausgetretene Pfade und hofft damit sein Publikum, vor allem ...

Noah, ein junger bildender Künstler Anfang dreißig, geht den mühsamen, steinigen Weg, sich zu finden in seiner Kreativität, begibt sich auf unausgetretene Pfade und hofft damit sein Publikum, vor allem jedoch finanzkräftige Käufer für seine Bilder zu finden, um sich und seiner Lebensgefährtin Camilla einen gewissen Standard bieten zu können. Denn Camilla ist es leid, die Versorgerin in der Gemeinschaft zu spielen mit dem mageren Gehalt eines ungeliebten Jobs. Sie erhofft sich mehr von ihren Leben, ist allerdings so realistisch, dass sie erkennt, ihre große Liebe aufs Spiel zu setzen für einen Traum, der ihr finanziellen Wohlstand bietet. Doch ist der Preis, den sie bereit ist zu zahlen es wert das kostbare Gut – die Liebe – wegzuwerfen? Noah ist verzweifelt und kämpft um sein Glück, trifft in den Tagen des Schmerzes auf eine ältere Dame, die ihm ein äußerst unmoralisches Angebot unterbreitet, welches seine finanziellen Sorgen mit einem Schlag beenden könnte.
Martin Suter ist ein Meister seines Fachs und überrascht einmal mehr in ‘Wut und Liebe‘ mit einer großartig erzählten Geschichte, die durch lebensnahe Charaktere und einem überraschend intelligenten Schlussakkord überzeugt. Die Liebe ist eine unschätzbar wertvolle Kostbarkeit, ein Geschenk, welches die Gefühle in Wallung bringen kann, insbesondere dann, wenn sie ausgenutzt oder gar unerwidert bleibt. Tollwütige Rachegedanken versuchen diese Verletztheit zu kompensieren – doch zu welchem Preis und mit welchem Ergebnis? Letztendlich ist nichts wie es auf dem ersten Blick scheint. Geschickt baut der Autor immer wieder unverhofft Wendungen beim Erzählen ein und lässt den Leser das Geschehen aus einem stets anderen Blickwinkel betrachten.
Mir hat der Roman gefallen. Ich konnte tief eintauchen in die Gedankenwelt der Protagonisten, ihre Gefühle nachvollziehen, mit ihnen leiden, hoffen und genießen. Es gibt eine ganz klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Prägende Momente im Leben

Das ist Glück
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Niall Williams lässt seinen Protagonisten Noe in ‘Das ist Glück‘ eine Geschichte erzählen, an die er sich in bereits fortgeschrittenem Alter erinnert, eine Geschichte, die er als junger Mann Ende der sechziger ...

Niall Williams lässt seinen Protagonisten Noe in ‘Das ist Glück‘ eine Geschichte erzählen, an die er sich in bereits fortgeschrittenem Alter erinnert, eine Geschichte, die er als junger Mann Ende der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in dem kleinen irischen Dorf Faha erlebte. In seiner Zerrissenheit welchen Stellenwert der christliche Glauben in seinem Leben einnehmen soll, gönnte Noe sich eine Pause und verbrachte Zeit bei seinen Großeltern in ländlicher Abgeschiedenheit. Hier lernte er den um ein halbes Jahrhundert älteren, weitgereisten Christy kennen und schätzen, verbrachte Zeit mit ihm, lernte Sicht- und Handlungsweisen kennen, die ein neues Lebensgefühl in ihm weckten. Christy sollte den Fortschritt, die Elektrifizierung, in die entlegene Ortschaft des Landes bringen, stieß dabei jedoch auch auf Widerstände in der Dorfgemeinschaft, die sich eingerichtet hatte und ohne den modernen Kram sehr gut zurechtkam, sich wohlfühlte im täglichen bescheidenen Einerlei und auf ihren wahren Schatz die Kunst des Geschichtenerzählens, die ihren Alltag prägten, stolz ist. Aber Christy verfolgte noch ein anderes Ziel, um seinen Seelenfrieden zu finden. Dabei spielen verpasste Chancen, Enttäuschungen und der Wunsch nach Vergebung eine große Rolle.
Mit viel Herzblut und der Gabe wortgewandt lebensnahe Charaktere in Szene zu setzen, schafft der Autor einen atmosphärischen Raum tiefgreifender Gedanken zur Begrenztheit allen Seins, zeigt, dass selbst in der Absurdität eine Lebensweisheit zu erkennen ist. Das Glück sich in seinem Leben gefunden zu haben oder noch zu finden, davon erzählt dieser warmherzige Roman, der wunderbar von Tanja Handels ins Deutsche übersetzt wurde.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Bewahrung eines traditionellen Handwerks

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Ito Ogawa lässt uns in ihrem Roman 'Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen' eintauchen in den Alltag einer uralten Kultur, die im modernen Japan weiterhin ihre Anwendung findet. Es ist die Kunst des Schreibens ...

Ito Ogawa lässt uns in ihrem Roman 'Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen' eintauchen in den Alltag einer uralten Kultur, die im modernen Japan weiterhin ihre Anwendung findet. Es ist die Kunst des Schreibens von Briefen und Karten, die zu besonderen Anlässen versendet werden und speziellen Ritualen folgend traditionell verfasst werden. Dabei spielen nicht nur die inhaltliche Gestaltung entsprechend einem Regelwerk eine große Rolle, sondern auch die Farbe der Tinte und die Auswahl des Papiers als auch des Schreibgerätes folgen strengen Grundsätzen. Um der Höflichkeit unbedingt Folge zu leisten, dürfen spezielle Worte zu bestimmten Anlässen auf keinen Fall gewählt werden. Im Buch sind diese verfassten Schriftstücke bespielgebend abgebildet.
In eher leisen Tönen beschreibt die Protagonistin Hatoko ihren Alltag, als sie nach dem Tod ihrer Großmutter, die sie nur Vorgängerin nennt, das traditionell geführte Schreibwarengeschäft weiterführt. Ein Jahr lang begleiten wir die junge Frau, die uns zwischen Althergebrachtem und der Moderne die japanische Kultur, das Leben, die Gedanken und Gefühle näherbringt.
Die Autorin vermag es, Stimmungen authentisch einzufangen und pittoreske Bilder der Landschaften gekonnt in Worte zu gleiten. Es ist ein wahrer Lesegenuss, ihrem entschleunigenden Schreibstil zu folgen.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Unendliche Liebe

Wie Risse in der Erde
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Beth wächst in Hemston, gelegen in der Grafschaft Dorset im Südwesten von England, auf. Durch ihre witzige fast freche Art macht sie im Teenageralter die Bekanntschaft mit Gabriel, dem Sohn aus gutem ...

Beth wächst in Hemston, gelegen in der Grafschaft Dorset im Südwesten von England, auf. Durch ihre witzige fast freche Art macht sie im Teenageralter die Bekanntschaft mit Gabriel, dem Sohn aus gutem Hause. Beide verlieben sich unsterblich ineinander, verbringen einen traumhaften Sommer miteinander und versprechen sich eine gemeinsame Zukunft. Doch das Leben und vor allem die gesellschaftlichen Verhältnisse, eine Stimme aus Gabriels Familie, setzen alles daran, diese Verbindung zu entzweien. Es kommt zum Bruch. Doch die tiefsitzenden Gefühle füreinander lassen für beide nach Jahren der Trennung die Vergangenheit wieder aufleben. Das daraus entstehende Konfliktpotenzial in Beths Familie und in der Dorfgemeinschaft sorgen für jede Menge Aufregung und schließlich resultiert daraus eine Katastrophe mit unglaublichen Folgen.
'Wie Risse in der Erde' von Clare Leslie Hall ist ein spannungsgeladener, unterhaltender Roman, den ich nicht aus den Händen legen konnte bis ich die ganze Geschichte erfahren hatte. Die Autorin vermag es, den Charakteren mit viel Feingefühl Leben einzuhauchen, Begebenheiten in Szene zu setzen, als wäre man selbst hautnah dabei im Geschehen. Sie schafft eine authentische Atmosphäre, die nur so sprüht von einer munteren Energie, getragen von echten Gefühlen, denen Beth als Erzählerin ihren Ausdruck verleiht.
Ich empfehle liebend gern diesen bezaubernden Roman, der schneller ausgelesen ist, als man es wahrhaben möchte.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Leben in einer Scheinwelt

Geht so
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In ihrem Roman 'Geht so' schildert Beatrize Serrano den Lebenswandel einer jungen Frau, die mit sich und ihrem Leben äußerst unzufrieden ist. Sie arbeitet in einer Promotion-Agentur in Madrid, leitet erfolgreich ...

In ihrem Roman 'Geht so' schildert Beatrize Serrano den Lebenswandel einer jungen Frau, die mit sich und ihrem Leben äußerst unzufrieden ist. Sie arbeitet in einer Promotion-Agentur in Madrid, leitet erfolgreich ein Team von Mitarbeitern. Obwohl ihr die Arbeit scheinbar leicht von der Hand geht, versucht sie sich tagtäglich, dem für sie toxischen Zwang der Erledigung ihrer Aufgaben zu entziehen. Das Privatleben bietet ihr auch keine Erfüllung. So flüchtet sie sich in Drogen und Alkohol. Kann das auf Dauer gut gehen, vor allem wenn ein gemeinsames Wochenende mit den Kollegen zu Teambildungsmaßnahme ansteht?
Sehr emotional und ergreifend lässt die Autorin Marisa, die Protagonistin des Romans, aus ihrem Leben berichten. Wir werden Zeuge einer permanenten Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben an sich, welches sich in ein Verkriechen in die Scheinwelt des anonymen Internets äußert. Die Gedanken und Gefühle sind einzig darauf ausgerichtet den Körper, vor allem den Kopf zu betäuben. Als schließlich die Protagonistin in eine große Katastrophe gerät, werden ungeahnte Emotionen, für mich völlig unverständliche, freigesetzt.
Der Roman spiegelt das Bild einer Gruppe Hilfesuchender wider, die ihren Platz in unserer Gesellschaft nicht finden können, sich aufgegeben haben und in der Lage sind, ihr wahres Inneres im Alltag erfolgreich zu verbergen. Sie bauen um sich herum eine künstliche Welt auf, die sich fernab jeglicher Realität bewegt. Dieser Hilfeschrei fordert Beachtung sucht nach der rettenden Hand.

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