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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2025

Eine Geschichte, die Mut macht

Alice und das Blau des Wassers
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Ausgerechnet an ihrem neunundvierzigsten Geburtstag, der auch gleichzeitig ihr Hochzeitstag ist, muss Alice eine schreckliche Wahrheit schmerzlich erfahren. Ihr Mann Michael hat ein Verhältnis mit ihrer ...

Ausgerechnet an ihrem neunundvierzigsten Geburtstag, der auch gleichzeitig ihr Hochzeitstag ist, muss Alice eine schreckliche Wahrheit schmerzlich erfahren. Ihr Mann Michael hat ein Verhältnis mit ihrer Kollegin und die erwartet ein Kind von ihm. Völlig geschockt von dieser Tatsache, die sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft, zieht sie sich in sich zurück und lässt das Leben ungelebt an sich vorbeiziehen. Einsam verbringt sie ihre Tage im Schockzustand in ihrem Einfamilienhaus in Hamburg, aus dem Michael noch am gleichen Tag ausgezogen ist, bis ihre Tochter sie auf die Idee bringt durch einen Haustausch und dem damit verbundenen Luftwechsel, neue Kraft zu schöpfen. Und so verbringt Alice ein halbes Jahr auf einer Kanalinsel, lernt Menschen kennen, die ihr eine andere Sicht auf das Leben vermitteln und bekommt neuen Lebensmut und Abstand zu den frustrierenden Geschehnissen, macht sich Gedanken über sich und ihr vergangenes Leben, übernimmt Verantwortung.
‘Alice und das Blau des Wassers‘ von Katja Keweritsch ist ein Roman, der lebensnah mit authentischen Charakteren eine Geschichte erzählt, wie sie des Öfteren in unserer Gesellschaft passiert. Sie setzt sich auseinander mit verantwortlichem Handeln in einer Ehe, mit dem Abhängigkeitsverhältnis in einer Partnerschaft und dem Neuanfang nach dem Scheitern. Das sind schwere Themen, die die Autorin in eine lesenswerte, berührende Geschichte gepackt hat und Mut macht, hoffnungsvoll in eine erfüllte Zukunft zu blicken.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Vererbtes Trauma

Die Frauen hinter der Tür
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In ‘Die Frauen hinter der Tür‘ von Roddy Doyle, dem irischen Schriftsteller und Drehbuchautor – ausgezeichnet mit dem Booker Prize -, erzählt der Autor die Geschichte von Paula Spencer, einer Frau, deren ...

In ‘Die Frauen hinter der Tür‘ von Roddy Doyle, dem irischen Schriftsteller und Drehbuchautor – ausgezeichnet mit dem Booker Prize -, erzählt der Autor die Geschichte von Paula Spencer, einer Frau, deren Leben von häuslicher Gewalt und schwerem Alkoholismus geprägt war. Nun in den Anfangsjahren der Pandemie fühlt sie sich frei und unabhängig. Sie lebt allein, trifft ab und zu einen Mann, der sie versteht, mit dem sie sich unterhalten kann. Ihre vier Kinder sind erwachsen, führen ihren eigenen Haushalt. Sie hat einen Job, der ihr Spaß macht und sie ernährt. Eines Tages steht ihre älteste Tochter Nicola vor ihrer Tür, das Kind, welches stets Stärke und Selbstbewusstsein verkörperte, die die Hürden des Alltags scheinbar spielend meistert. Sie will ihre Familie verlassen, die perfekte Vorzeigefamilie. Das ist die Ausgangssituation, in welcher sich ein schmerzhaftes, ehrliches Mutter Tochter Gespräch entwickelt, das einen Konflikt, der bereits über Generationen existiert, in den Mittelpunkt stellt. Dabei verschieben sich stets die Grenzen zwischen den beiden Frauen, zwischen Mutter sein und hilfesuchender Tochter.
Roddy Doyle zeichnet ein schonungslos ehrliches Bild einer Frau, die in ihrem Leben das Schuldbekenntnis allein für sich in Anspruch nimmt, die ihre Unsicherheit immer wieder zur Schau stellt, in dem Gespräch allerdings eine Chance sieht, ihre Mutterrolle gegenüber der starken, selbstsicher auftretenden Tochter anzunehmen und zu vertreten. Schlagfertige Wortwechsel geben der Geschichte eine gewisse Würze, verleihen diesen doch recht schweren Themen eine kaum zu glaubende Einfachheit. Paulas Gedanken widerspiegeln ein Bild der Gegensätze, in dem sie ihre fürsorgliche, liebende Seite sehr schnell in die Opferrolle verwandelt.
Ein lesenswerter Roman, der unter die Haut geht!

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Denkanstöße für mehr Vitalität

Radikal besser.
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Frederik G Pferdt, erster Innovativchef bei Google, reist den Leser mit seinem Sachbuch ‘Radikal besser‘ raus aus der müden Komfortzone, gibt Denkanstöße für mehr Vitalität und bereitet damit einen Weg ...

Frederik G Pferdt, erster Innovativchef bei Google, reist den Leser mit seinem Sachbuch ‘Radikal besser‘ raus aus der müden Komfortzone, gibt Denkanstöße für mehr Vitalität und bereitet damit einen Weg für mannigfaltigere Lebensfreude mit einem optimistischeren Ausblick in die Zukunft. Die Aufforderung neugierig zu bleiben, ist ein wichtiger Schritt in die Kreativität, den Alltag bunt und intelligent zu gestalten, ihn anzunehmen und nach den eigenen Bedürfnissen auszubauen, Neues auszuprobieren, ohne Scheu vor dem Versagen. Der Entdeckergeist steckt in jedem von uns. Er will gebraucht werden, um positive Emotionen zu wecken, dem Lebensgefühl eine Chance zu geben, den eigenen Platz im Leben innovativ zu nutzen, zu strukturieren, ihn aufzubauen.
Ein wirklich lesenswertes Buch, das den Entdeckergeist in uns weckt.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Familienbande

Wo wir uns treffen
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Das Familienoberhaupt, ein egozentrischer Mensch namens Philip Brooke, hinterlässt als er stirbt ein großes Vermögen, gelegen in der Grafschaft Sussex, welches er seiner ältesten Tochter Franny testamentarisch ...

Das Familienoberhaupt, ein egozentrischer Mensch namens Philip Brooke, hinterlässt als er stirbt ein großes Vermögen, gelegen in der Grafschaft Sussex, welches er seiner ältesten Tochter Franny testamentarisch vermacht, der er in seinen letzten Jahren am nächsten stand. Sein Sohn Milo und seine jüngste Tochter Isa gehen leer aus ebenso wie seine Ehefrau. Während Isa damit keine Probleme hat, versucht Milo seiner älteren Schwester ein Stück des Erbes abzuschwatzen, um es für seine Zwecke zu nutzen. Doch sein Wunsch stößt auf taube Ohren. Philip hat zu Lebzeiten seine Familie vernachlässigt, ist ausschließlich seinen Interessen gefolgt und lässt einen sehr großen Scherbenhaufen psychischen Leids zurück. So verbrachte er viele Jahre mit einer Geliebten in den USA, einfach so ohne ein Wort der Erklärung. Die Tochter, die auch in diesem Haushalt lebte, wird zu den fünf Tage andauernden Trauer-Feierlichkeiten von Isa eingeladen und bringt durch ihre offenen Worte so manchen Plan völlig durcheinander und vermeintliche Sicherheiten ins Wanken.
Anna Hope schenkt uns mit ihrem Roman ‘Wo wir uns treffen‘ eine Geschichte, die vielschichtig und lebensnah geschrieben ist, die einen scharfen Blick auf die Bande einer Familie wirft, deren Mitglieder jeder auf seine Weise schwer am eigenen Schicksal zu tragen hat und die nicht in der Lage ist, ihr Leid gemeinsam zu tragen, um es dadurch erträglicher zu gestalten. Die Stimmung ist zum Teil sehr bedrückend, widerspiegelt damit deutlich die Auswirkungen charakterlicher Schwächen.
Ich empfehle diesen Roman sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Wundermittel Liebe

Wut und Liebe
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Noah, ein junger bildender Künstler Anfang dreißig, geht den mühsamen, steinigen Weg, sich zu finden in seiner Kreativität, begibt sich auf unausgetretene Pfade und hofft damit sein Publikum, vor allem ...

Noah, ein junger bildender Künstler Anfang dreißig, geht den mühsamen, steinigen Weg, sich zu finden in seiner Kreativität, begibt sich auf unausgetretene Pfade und hofft damit sein Publikum, vor allem jedoch finanzkräftige Käufer für seine Bilder zu finden, um sich und seiner Lebensgefährtin Camilla einen gewissen Standard bieten zu können. Denn Camilla ist es leid, die Versorgerin in der Gemeinschaft zu spielen mit dem mageren Gehalt eines ungeliebten Jobs. Sie erhofft sich mehr von ihren Leben, ist allerdings so realistisch, dass sie erkennt, ihre große Liebe aufs Spiel zu setzen für einen Traum, der ihr finanziellen Wohlstand bietet. Doch ist der Preis, den sie bereit ist zu zahlen es wert das kostbare Gut – die Liebe – wegzuwerfen? Noah ist verzweifelt und kämpft um sein Glück, trifft in den Tagen des Schmerzes auf eine ältere Dame, die ihm ein äußerst unmoralisches Angebot unterbreitet, welches seine finanziellen Sorgen mit einem Schlag beenden könnte.
Martin Suter ist ein Meister seines Fachs und überrascht einmal mehr in ‘Wut und Liebe‘ mit einer großartig erzählten Geschichte, die durch lebensnahe Charaktere und einem überraschend intelligenten Schlussakkord überzeugt. Die Liebe ist eine unschätzbar wertvolle Kostbarkeit, ein Geschenk, welches die Gefühle in Wallung bringen kann, insbesondere dann, wenn sie ausgenutzt oder gar unerwidert bleibt. Tollwütige Rachegedanken versuchen diese Verletztheit zu kompensieren – doch zu welchem Preis und mit welchem Ergebnis? Letztendlich ist nichts wie es auf dem ersten Blick scheint. Geschickt baut der Autor immer wieder unverhofft Wendungen beim Erzählen ein und lässt den Leser das Geschehen aus einem stets anderen Blickwinkel betrachten.
Mir hat der Roman gefallen. Ich konnte tief eintauchen in die Gedankenwelt der Protagonisten, ihre Gefühle nachvollziehen, mit ihnen leiden, hoffen und genießen. Es gibt eine ganz klare Leseempfehlung von mir.

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