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Maimouna19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2025

ziemlich seichte Lektüre

Und die Welt war jung
0

Es sind die fünfziger Jahre in Deutschland. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Bevölkerung kämpft mit den Nachwirkungen, man versucht, sich ein neues Leben aufzubauen.
Durch dieses Jahrzehnt (1950 – ...

Es sind die fünfziger Jahre in Deutschland. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Bevölkerung kämpft mit den Nachwirkungen, man versucht, sich ein neues Leben aufzubauen.
Durch dieses Jahrzehnt (1950 – 1959) begleitet der Leser drei Familien: die Aldenkovens, Heinrich und seine Frau Gerda, ihre erwachsenen Kinder Ursula und Ulrich, sowie Heinrichs ausgebombte Kusinen Billa und Lucy. Sie alle wohnen zusammen im Haus der Aldekovens in Köln. Sie haben vor allem finanzielle Nöte, da die Einkünfte aus Heinrichs Kunstgalerie kaum reichen, den Lebensunterhalt zu bestreiten. In Hamburg leben die Borgfeldts, Kurt, seine Frau Elisabeth, ihre Tochter Nina mit Enkelsohn Jan. Elisabeth ist seit Kindheitstagen mit Gerda Aldekoven befreundet. Joachim, Ehemann von Nina, gilt seit 1945 als in Russland verschollen. Sie wohnen ebenfalls recht beengt, da eine schlesische Familie bei ihnen einquartiert wurde. Immerhin kommen sie finanziell gut über die Runden, da Kurt eine sichere Stelle bei der Sparkasse hat.
Die dritte Familie sind die Cannas in Italien. Margarethe, Heinrichs Schwester, lebt mit ihrem Mann Bruno Canna und Sohn Gianni in San Remo. Auch wenn es für Bruno als Kurator schwer ist, Arbeit zu finden, fehlt es ihnen an nichts. Das Familienvermögen und der Blumenhandel der Cannas ermöglichen ein sorgenfreies Leben. Nur das despotische Wesen von Brunos Mutter sowie die Eskapaden seines Bruders Blixio machen ihnen das Leben schwer.
Carmen Korn ist eine echte Viel-Schreiberin, schreibt Romane, Krimis , Kurzgeschichten sowie auch Kinder- und Jugendromane. Bekannt ist sie vor allem durch ihre „Jahrhunderttrilogie“. Für mich ist „Und die Welt war jung“ allerdings das erste Buch dieser Autorin. Und leider hat es mich überhaupt nicht überzeugt. In kurzen, flüssig lesbaren Kapiteln erfährt man abwechselnd, was in Köln, Hamburg und San Remo passiert. Die Charaktere sind ziemlich einfach dargestellt, der Fortgang der Geschichte ist von Anfang an klar, es fehlte jegliche Spannung. Auch von der Aufbruchstimmung der 50er Jahre, der Atmosphäre dieser Zeit, der gesellschaftlichen und politischen Lage war kaum etwas zu spüren.
Für mich war diese Lektüre eindeutig zu seicht und oberflächlich, ich habe mich anstrengen müssen, es zu Ende zu lesen und nicht entnervt nach 200 Seiten aufzugeben.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Überraschend unoriginell und langweilig

HEN NA IE - Das seltsame Haus
6

In Uketsus „Das seltsame Haus“ wird der auf Okkultismus spezialisierte, freiberufliche Autor (und Ich-Erzähler der Geschichte) von einem Bekannten gebeten, sich den Grundriss eines Hauses anzusehen, das ...

In Uketsus „Das seltsame Haus“ wird der auf Okkultismus spezialisierte, freiberufliche Autor (und Ich-Erzähler der Geschichte) von einem Bekannten gebeten, sich den Grundriss eines Hauses anzusehen, das dieser zu kaufen beabsichtigt, dessen Grundriss aber einige Merkwürdigkeiten aufweist. Mit Hilfe eines befreundeten Architekten nimmt er sich dieser Aufgabe an.
Allein durch die Betrachtung der seltsamen Pläne dieses Hauses (später kommen weitere Häuser mit ähnlichen Merkmalen dazu) zieht der Architekt dann derart abstruse Schlussfolgerungen, dass sich einem die Haare sträuben.
Im weiteren Verlauf der Geschichte kommen noch Familiengeheimnisse, Folklore und rituelle Morde dazu, sehr verwirrend und ebenso wenig plausibel wie die Theorien zu den Grundrissen der Häuser.
Die Geschichte wird in Dialogform erzählt, angereichert durch (zu) viele Skizzen. Es bleibt kaum Raum zum Miträtseln oder Spekulieren, Erklärungen werden direkt mitgeliefert und die Dialoge beschreiben oft, was man ohnehin aus den Skizzen ersehen kann. Die Sprache ist insgesamt sehr schlicht, auch die Charaktere bleiben recht farblos. Das Buch hat mich an keiner Stelle gepackt oder gefesselt, von Spannung oder Tiefgang keine Spur.
„Das seltsame Haus“ ist der Debütroman von Uketsu, dem geheimnisvollen japanischen (Internet) Autor und maskentragendem YouTuber. In Deutschland kennt man ihn vor allem durch seinen zweiten Roman „Seltsame Bilder“, mit dem er die „Sketch Mystery“ hier bekannt gemacht hat.
Meine Erwartungen an „Das seltsame Haus“ waren recht hoch, da ich „Seltsame Bilder“ gelesen hatte und begeistert war von diesem erfrischend neuen und unkonventionellen Genre des „Sketch Mystery“. „Das seltsame Haus“ blieb leider weit hinter meinen Erwartungen zurück, war überraschend unoriginell und langweilig. Für mich war es eines der schlechtesten Bücher, das ich seit langem gelesen habe, eine unausgegorene, hanebüchene Geschichte, True Crime-, Horror- und Mystery-Elemente wild zusammengewürfelt. Uketsu-Fans werden es mögen, für mich war es nichts.
Wer sich mit dem Genre „Mystery Crime“ beschäftigen möchte und das Buch noch nicht kennt, dem empfehle ich „Seltsame Bilder“.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Ein Hamburger und ein Wiener in Mombasa

Heinz Strunk in Afrika
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In „In Afrika“ erzählt Heinz Strunk, der Autor von einem Urlaub in Kenia mit seinem Freund C. (hierbei soll es sich wohl um Christoph Grissemann, einen österreichischen Kabarettist und Moderator handeln).

Seit ...

In „In Afrika“ erzählt Heinz Strunk, der Autor von einem Urlaub in Kenia mit seinem Freund C. (hierbei soll es sich wohl um Christoph Grissemann, einen österreichischen Kabarettist und Moderator handeln).

Seit Jahren verbringen die beiden zur Weihnachtszeit einen gemeinsamen Urlaub. Urlaubsziel ist egal, Hauptsache es gibt Meer, Sonne, eine gepflegte Hotelanlage und ein Casino in der Nähe. Die beiden sind weder an tollen Erlebnissen, Sehenswürdigkeiten oder Urlaubsbekanntschaften interessiert, wichtig ist vor allem, nicht krank zu werden, nicht zuzunehmen und viel Ruhe.

Also geht es dieses Mal, im Dezember 2007, nach Mombasa.

Über Kenia selbst erfährt man wenig – und bei dem Wenigen handelt es sich um allgemeine Plattitüden und Klischees.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil spielt sich in der Hotelanlage ab mit der immer gleichen täglichen Routine: man trifft sich um Punkt 9 Uhr zum Frühstück, dann geht es an den Pool zum Lesen oder Schlafen, Mittagessen, wieder Pool, Abendessen, Unterhaltungsprogramm in der Anlage.

Im zweiten Teil geht es dann tatsächlich auch mal in die Stadt nach Mombasa, um ins Casino zu gehen und Frauen zu treffen, mit denen sie Zeit in Bars und Discos verbringen. Die Damen werden natürlich dafür bezahlt.

Heinz Strunk kann natürlich mit Sprache umgehen, aber mit seinem Humor kann ich leider überhaupt nichts anfangen. Für mich waren die 268 Seiten dieses Werkes nichts als eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen, Plattheiten und Klischees. Da werden die anderen Gäste des Hotels durch den Kakao gezogen, Kenia und die Kenianer kommen auch nicht besser weg - nichts als Klischees und Vorurteile.

Dem Buch kann man höchstens etwas abgewinnen, wenn man es als Persiflage des deutschen „Normalo“ - Pauschalurlaubers sieht: irgendwo hinreisen ohne die geringste Ahnung bzw. das geringste Interesse an Land und Leuten, Hauptsache schönes Wetter, Schnitzel und Bier. Aber muss man darüber tatsächlich ein Buch schreiben?

Wie gesagt, ich konnte mit dem Buch überhaupt nichts anfangen, der Humor ist nicht meiner, ich konnte nicht mal schmunzeln, es hat mich nur genervt. Und wenn es nicht so schnell zu lesen gewesen wäre, hätte ich es sicher abgebrochen.

Gekauft hätte ich mir das Buch ohnehin nicht, habe es in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden. Und nun überlege ich ernsthaft, ob es wieder dorthin zurückwandert oder ob ich es nicht doch lieber gleich in die Papiertonne entsorge. Naja, Strunk-Fans wird es wohl gefallen, also doch Bücherschrank, Hauptsache ich habe es nicht im Haus!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Pure Langeweile

Die Pfeiler des Glaubens
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Schauplatz von Ildefonso Falcones „Die Pfeiler des Glaubens“ ist das Andalusien des 16. Jahrhunderts. Es ist die dunkle Zeit des Konfliktes zwischen Islam und Christentum und umfasst die Zeit vom Aufstand ...

Schauplatz von Ildefonso Falcones „Die Pfeiler des Glaubens“ ist das Andalusien des 16. Jahrhunderts. Es ist die dunkle Zeit des Konfliktes zwischen Islam und Christentum und umfasst die Zeit vom Aufstand der spanischen Mauren in 1568 bis zur ihrer endgültigen Vertreibung aus Spanien. In dieser Zeit lebt der junge Maure Hernando Ruiz, dessen Geburt die Folge einer Vergewaltigung seiner muslimischen Mutter durch einen katholischen Priester ist. Sein Stiefvater, ein muslimischer Maultiertreiber, sieht in ihm nur den verhassten Christenbastard. Hernando wird von allen maurischen Bewohnern des Dorfes der „Nazarener“ genannt, da er in christlicher Religion unterrichtet wird. Doch in seinem Innersten ist und bleibt er Moslem, wird auch im Koran unterrichtet und kann Arabisch schreiben.
Auf über 900 Seiten wird nun die Geschichte von Hernando erzählt, der sein Leben dem Kampf um das Überleben seines Volkes und seiner Kultur sowie der Aussöhnung der beiden Religionen widmet.
Falcones „Kathedrale des Meeres“ habe ich mit Begeisterung gelesen, das Buch hat mich bis zur letzten Zeile gefesselt. Bei „Die Pfeiler des Glaubens“ war leider das Gegenteil der Fall, ich war mehrmals versucht, es einfach abzubrechen.
Das Buch ist nach dem typischen Schema eines historischen Romans gestrickt: Kämpfe, Intrigen, Vertreibungen, gleich mehrere Liebesgeschichten. Der Erzählstil ist allerdings recht schlicht, die Figuren bleiben blass und die Überfrachtung der Geschichte mit Details erzeugt keinerlei Spannung, sondern Langeweile pur.
Der Funke ist bei mir nicht übergesprungen, das Buch hatte echte Längen und es mangelte an Tiefe. Eigentlich schade, denn das Thema – Konflikte zwischen Christentum und Islam – ist nach wie vor aktuell und auch historisch wurde sehr sorgfältig recherchiert.
Mein Bedarf ist nach dieser Lektüre erstmal für lange Zeit gedeckt, so schnell kommt mir kein historischer Roman mehr auf den Lesestapel!

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Veröffentlicht am 04.10.2024

Einfach nur zäh

Identitti
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Saraswati, renommierte Professorin für Post Colonial Studies an der Düsseldorfer Universität, anerkannte Expertin auf ihrem Gebiet und gern gesehener Gast in Talk Shows und Debatten, die sich als Person ...

Saraswati, renommierte Professorin für Post Colonial Studies an der Düsseldorfer Universität, anerkannte Expertin auf ihrem Gebiet und gern gesehener Gast in Talk Shows und Debatten, die sich als Person of Colour ausgibt, wird als weiße Deutsche enttarnt. Das löst natürlich einen Shitstorm erster Güte aus.
Auch Nivedita, Tochter einer deutsch-polnischen Mutter und eines bengalischen Vaters und Studentin für Post Colonial Studies fühlt sich zutiefst enttäuscht und verraten. Sie steckt seit ihrer Kindheit in einer Identitätskrise, fühlt sich nicht wirklich als weiße Deutsche, aber auch nicht als Inderin. Selbst von ihrer indischen Verwandtschaft wird sie als „Coconut“ (außen braun, innen weiß) verspottet. Die von ihr bewunderte Saraswati ist ihr großes Vorbild und ihre Mentorin, Nivedita will Antworten und holt sich diese direkt bei ihrer ehemaligen Professorin.
„Identitti“ wurde extrem gehypt und hochgelobt, was für mich im Allgemeinen kein Grund ist, ein Buch zu lesen. Hier waren es mehr die Themen (Rassismus, Identität, Zugehörigkeit, Kultur, Gender, Race, etc.), die mich angesprochen haben. Um es kurz zu machen, mich hat das Buch nicht begeistert, ich war sogar versucht, es abzubrechen und habe nur mit großer Mühe bis zum Schluss durchgehalten.
Normalerweise unterstützt der Wechsel von verschiedenen Stilen (Erzählung, Dialog, Chats) den Spannungsbogen und schafft eine gewisse Lebendigkeit. Hier war das leider überhaupt nicht der Fall. Ich war genervt von Blogs, Tweeds, Selbstgesprächen zwischen Nivedita und der fiktiven Göttin Kali, zu vielen Hashtags, Abkürzungen, Hin- und Hergespringe zwischen Deutsch und Englisch, etc. (Learn English before you read this book!) und empfand die Lektüre als überaus zäh und mühselig. Den allseits hochgelobten Humor und Witz konnte ich leider auch nirgends entdecken (ist vielleicht eine Generationenfrage?).
Auch die Protagonisten bleiben ziemlich blass und konturlos, wirken, wenn überhaupt, unsympathisch. Saraswati ist einfach nur selbstherrlich und arrogant, der weinerlichen Nabelschau Niveditas konnte ich auch nichts abgewinnen. Auch die Nebenfiguren, Niveditas Cousine, ihr Freund, ihre WG-Mitbewohnerinnen, etc. haben keinen positiven Eindruck hinterlassen, alle nur nervig.
Das Buch ist mit Sicherheit kein unverzichtbarer Beitrag zur Debatte über Rassismus, Identität, Gender, etc., aber regt immerhin zum Nachdenken, auch über die eigene Position, an. Somit hat es sich dann doch irgendwie gelohnt, „Identitti“ zu lesen. Sehr eingeschränkte Leseempfehlung.

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