Ein beeindruckendes Buch
Die Verlorenen: Eine Suche nach sechs von sechs Millionen
Es gibt viele Arten, die eigenen Verwandten zu verlieren, dachte ich; Krieg ist nur eine." S.439
"Jeder Bolechower, mit dem wir bis zu jenem Abend gesprochen hatten,hatte überlebt, indem er reglos geblieben ...
Es gibt viele Arten, die eigenen Verwandten zu verlieren, dachte ich; Krieg ist nur eine." S.439
"Jeder Bolechower, mit dem wir bis zu jenem Abend gesprochen hatten,hatte überlebt, indem er reglos geblieben war: indem er sich tage-, wochen,- monatelang in Mansarden, auf Heuböden, in Kellern, in geheimen Räumen, in Löchern, die in den Waldboden gegraben worden waren, und in dem eigenartigen, beengensten Gefängnis von allen, dem fragilen einer falschen Identität, vollkommen still verhalten hatte. Die letzte Überlebensgeschichte, die wir hören sollten, war wie eine Erzählung aus einem Epos, einem griechischen Mythos, eine Geschichte der ständigen Bewegung, der unaufhörlichen Wanderschaft." S. 505f
Daniel Mendelsohn erzählt hier die Geschichte einer Spurensuche, einer Art Reise in die Vergangehnheit. Immer wieder wird ihm schon als Kind gesagt wie ähnlich er seinem großobkel Shmiel sähe den er nie kennengelernt hat. Wie so viele andere auch fiel er der Shoah zum Opfer. Doch was geschah mit dem Rest seiner Familie?
Das versucht Daniel Mendelsohn herauszufinden. Von dieser Reise in seiner Vergangenheit erzählt er in diesem authentischen, berührenden und beeindruckenden Buch.
Er erzählt die Geschichte seiner Familie und gleichzeitig die Geschichte der Shoah, da es ebenso wie in seiner Familie wohl in fast jeder jüdischen Familie Shoah Opfer gibt, und solche die Überlebt haben, solche die sich verstecken konnten, die sich dem Widerstand anschlossen, erwischt wurden oder aber nicht. Immer wieder erkennt man hier den Versuch das unbegreifliche zu verstehen, die vielen widerstreitenden Emotionen des Autors und den Wunsch nach Klarheit und Wissen darüber was mit seiner Familie wirklich passierte. Was Mythos und was Wahrheit ist und was Mythos sein und bleiben darf.
Ein wirklich sehr berührendes Buch das einen so schnell nicht mehr loslassen wird und ein wichtiges sowie aufwühlendes Zeitzeugnis.