"Wenn Licht auf Schatten trifft …"
Das Mädchen aus der Schwebenden Welt (Floating World-Dilogie, Band 1)„In mir ist eine Dunkelheit. Manchmal spüre ich sie, wenn ich in Gefahr gerate oder wenn Gefühle mich überwältigen. Seit ich die Unterwelt verlassen habe, steigt die Dunkelheit in mir öfter auf als sonst, ...
„In mir ist eine Dunkelheit. Manchmal spüre ich sie, wenn ich in Gefahr gerate oder wenn Gefühle mich überwältigen. Seit ich die Unterwelt verlassen habe, steigt die Dunkelheit in mir öfter auf als sonst, ist schwer zu unterdrücken. Und ich fürchte, je mehr ich die Kontrolle über sie verliere, desto mehr verliere ich mich selbst.“ (Seite 213)
Schon der Auftakt zeigt diese Geschichte spielt mit Kontrasten: Hell und Dunkel, Himmel und Unterwelt, Nähe und Distanz. Axie Oh nimmt uns mit in eine Welt, die auf einer koreanischen Sage basiert und märchenhaft leuchtet, aber zugleich voller Gefahren, Dämonen und Geheimnisse ist.
Ren ist eine Artistin mit der verbotenen Gabe. Von klein auf lernte sie, ihr Licht zu verbergen, bis ein Angriff alles verändert. Plötzlich ist sie nicht nur Suchende nach einem Heilmittel, sondern auch Getriebene ihrer eigenen Kräfte. Sie ist jung, willensstark und strahlend optimistisch und dabei sehr naiv. Für mich wirkte sie streckenweise zu linear und ein wenig zu glatt, doch ihre Entwicklung und ihre Treue zu ihren Werten haben mich berührt.
Sunho dagegen ist von Anfang an eher still und auf diese leise Weise präsent. Ein Söldner aus der Unterwelt, zerrissen zwischen Erinnerungsverlust, Gerechtigkeitssinn und dem Dunkel, das in ihm schlummert. Während Ren mir manchmal zu jugendlich blieb, war er für mich der Ankerpunkt des Romans. Er wirkt erwachsener, komplexer und seine Kapitel haben mich mitgezogen, selbst wenn die Handlung an Tempo verlor.
Jaeil, der morraley grey Charakter, hat mich fasziniert, er bleibt undurchschaubar, schillernd, voller Geheimnisse. Von Tag und Yurhee hätte ich so gern mehr gelesen, sie haben die Geschichte insgesamt ein wenig belebt. Doch leider bleiben die meisten Nebencharaktere blass, und so wirkt die Welt enger, als sie hätte sein müssen.
Die schwebende Welt bleibt eine originelle Idee sie ist mystisch angehaucht, schimmernd, irgendwo zwischen Märchen und Legende. Und doch ist sie nicht greifbar. Es fehlte mir an Tiefe, an politischen Verflechtungen, an Details, die diese Welt hätten zum Atmen bringen können. Vieles bleibt angerissen, manches wirkt gehetzt, besonders Szenen, die eigentlich Gewicht tragen sollten, wie das Lichterfest oder die Kämpfe gegen die Dämonen. Die Actionszenen flogen vorbei und wirkten auf mich zu gestelzt, nicht gut erzählt.
Die Romantik in diesem Buch war angenehm zurückhaltend. Zwischen Ren und Sunho entsteht Chemie, süß und langsam. Kein erdrückendes Drama, keine übermäßige Dominanz. Es bleibt eine zarte Linie im Hintergrund, während die Handlung im Vordergrund steht. Nur hätte ich mir manchmal gewünscht, dass die Beziehung weniger gradlinig verläuft, mehr Brüche, mehr Unebenheiten, die diese realistischer gemacht hätten.
Das „Mädchen aus der Schwebenden Welt“ ist leicht, schimmernd, mit schönen Motiven, aber auch mit Lücken und oft viel zu glatt. Es bleibt dennoch eine originelle Idee mit liebenswerten Charakteren und ein Hauch koreanischer Mythologie mit leichtem Ghibli Feeling (vermag dieses aber nicht gekonnt einzufangen), dennoch das trägt die Geschichte. Worldbuilding, Tiefe und Tempo bleiben hinter dem zurück, was möglich gewesen wäre. Mich konnte die Geschichte nicht wirklich abholen, ich hatte mir irgendwie mehr erhofft.
3,5⭐️