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Veröffentlicht am 03.06.2025

Mord oder Suizid?

Die Toten auf Föhr
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Carolin Schneider und ihre beiden Kinder werden tot in der Familienvilla auf Föhr gefunden. „Erweiterter Suizid“ lautet das abschließende Urteil der Flensburger Kriminalpolizei. Doch damit will sich der ...

Carolin Schneider und ihre beiden Kinder werden tot in der Familienvilla auf Föhr gefunden. „Erweiterter Suizid“ lautet das abschließende Urteil der Flensburger Kriminalpolizei. Doch damit will sich der Vater der Toten, Roland Mattes, nicht abfinden. Der Staatssekretär besteht auf einer Obduktion der Leiche seiner Tochter. Da der Rechtsmediziner tatsächlich Hinweise auf Fremdverschulden findet, schickt Kriminalrätin Nielsen das Team von Lena Lorenzen auf die Insel Föhr, um den brisanten Fall neu aufzurollen.

Erneut lässt Autorin Anna Johannsen ihre erfahrene Inselkommissarin Lena Lorenzen ermitteln. In ihrem zwölften Fall stößt die erfahrene Polizistin auf noch mehr Widerstände als gewöhnlich. Sowohl der Witwer als auch die zuerst ermittelnden Kollegen begegnen Lena und ihrem Team mit Ablehnung, die sich beim Flensburger Kommissar Enno Moormann bis hin zu Feindseligkeit und unkollegialem Verhalten steigern. Ein Telefonat mit dem zuständigen Kriminaltechniker Jens Thamen gibt erste Hinweise auf grobe Ermittlungsfehler. Ein zögerlicher, stets an seine Karriere denkender Staatsanwalt Cornelsen, private Probleme innerhalb des Teams und Streit mit ihrem Mann Erck erschweren Lenas Arbeit zusätzlich. Nur ihre Chefin, die loyale Kriminalrätin Nielsen und ihr Freund, der frühere Kommissar Ole unterstützen sie neben ihren Teamkollegen Naja und Johann.

Die Autorin schreibt gewohnt flüssig und sorgt für Spannung, die sich kontinuierlich steigert. Ihre Charaktere überzeugen erneut, wobei Naja und Johann dieses Mal eine ungewohnte Seite zeigen. Lange Zeit bleibt ein mögliches Tatmotiv eher vage und die eklatanten Fehler der zunächst ermittelnden Flensburger Kripo sind nicht nachvollziehbar. Doch nach einem weiteren Mordopfer und zahlreichen Verwicklungen wird der Fall logisch aufgeklärt und es gibt Antworten auf alle offenen Fragen.

Es hat Spaß gemacht, auf Föhr zu ermitteln. Der Fall war spannend und die Charaktere authentisch. Für meinen Geschmack hätten die privaten Befindlichkeiten der Kommissarin und ihres Teams gern eine etwas kleinere Rolle spielen können. Immerhin findet Lena eine Lösung für Ercks und ihre Probleme, Beruf und Familie angemessen gerecht zu werden.


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Veröffentlicht am 15.05.2025

Ein neuer Fall für Gruppe 4

Aschesommer
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Mit der Aufklärung der „Krähenmorde“ ist der neuen Gruppe 4, einer Sondereinheit, die für die Aufklärung von Serienstraftaten zuständig ist, ein erster spektakulärer Erfolg gelungen. Bald sehen sich Mila, ...

Mit der Aufklärung der „Krähenmorde“ ist der neuen Gruppe 4, einer Sondereinheit, die für die Aufklärung von Serienstraftaten zuständig ist, ein erster spektakulärer Erfolg gelungen. Bald sehen sich Mila, Jakob und ihr Team mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Professor Daniel Wissmer und eine seiner Studentinnen wurden auf grausame Weise ermordet. „Das Sterben hat begonnen“ diese für die Ermittler am Tatort hinterlassene Botschaft lässt alle Alarmglocken läuten. Tatsächlich werden bald die nächsten Opfer des sogenannten „Aschemörders“ gefunden. Die Gruppe 4 befindet sich in einer ungewohnten Situation. Es scheint offensichtlich zu sein, wer hinter den Morden steckt: Der manipulative, hochintelligente Psychopath Jan-Christian Bode, der mit Wissmer und dem nächsten Opfer, Richterin Elisabeth Wagner, noch eine Rechnung offen hatte. Doch der narzisstische Mörder ist seit acht Jahren in Weilersgrund, einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt eingesperrt. Wer mordet für Bode? Wie konnte er einen Vollstrecker rekrutieren? Und wie kommuniziert er mit dem „Werkzeug“ seiner Rache?

„Aschesommer“ ist nach „Krähentage“ der zweite Thriller aus Benjamin Cors Reihe „Gruppe 4 ermittelt“ mit den Ermittlern Mila Weiss und Jakob Krogh. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden.

Der Plot von Benjamin Cors neuem Thriller ist hochgradig spannend. Es scheint klar, wer hinter der aktuellen Mordserie steckt, doch dieses Wissen nützt den Ermittlern zunächst wenig. Der verdächtigte Psychopath befindet sich seit Jahren in einer geschlossenen Einrichtung, sicher verwahrt, ohne Besucher und von seinen Mitinsassen gemieden. Bode muss einen Helfer haben. Doch wer kann das sein? Er hat weder Familie noch Freunde und sicher keinen Freigang.

Die Gruppe 4 steht erneut unter Druck. Es sind allerlei Gerüchte im Umlauf, die den Fortbestand des Teams bezweifeln. Außerdem versucht Staatsanwalt Sattmann, die bisherige Doppelspitze auszuhebeln und Jakob Krogh allein zu befördern – gegen dessen Willen. Gerade jetzt sieht sich das Team mit einer Mordserie konfrontiert, die wenig Ermittlungsansätze bietet und gleichzeitig die Medien befeuert. Hinzu kommt, dass Staatsanwalt Sattmann ganz oben auf Bodes Abschussliste stehen dürfte.

Benjamin Cors schreibt gewohnt flüssig und bildhaft. Er versteht es glänzend, das Kopfkino des Lesers zu aktivieren, was nicht immer schöne Bilder hervorbringt. Seine Haupt- und Nebencharaktere überzeugen. Im Mittelpunkt stehen die Kommissare Jakob Krogh und Mila Weiss, Während er der geborene Teamplayer ist, neigt sie zu Alleingängen. Beide verbindet, dass sie Traumatisches erlebt haben.
Der akribische Ludger, die quirlige Lucy, der toughe Tuure und die liebenswürdige Frauke, vervollständigen die Gruppe 4, die mir inzwischen ans Herz gewachsen ist. Es wäre schön, mehr über den Hintergrund der Teammitglieder zu erfahren.
Im Zentrum des Falls, wie die Spinne im Netz, agiert der ehemalige Paläontologieprofessor und Mehrfachmörder Bode. Der charismatische Psychopath, der aus Langeweile seine Mitinsassen in den Selbstmord treibt, erweist sich als hochintelligenter Planer und Manipulator. Seine Hybris zeigt sich u.a. darin, dass er seine Morde nach dem Vorbild der fünf großen Sterben der Erde, also durch Eis, Luft, Feuer, Wasser und Asche begehen lässt.

Mein Fazit
Obwohl der Urheber der Mordserie von Beginn an feststeht, liefert uns dieser Thriller spannende Action, die dank einiger cleverer Schachzüge bis zum Schluss anhält. Dann wird der Fall logisch aufgeklärt und lässt keine Fragen offen. Der Plot hält, was er verspricht und bietet kurzweilige Unterhaltung.

Mir hat gut gefallen, dass die Probleme von Krogh und Weiss nicht mehr so im Mittelpunkt stehen wie noch in „Krähentage“. Dass ein psychopathischer Mörder die beiden als seine Gegenspieler auserkoren hat, verlangt ihnen das Äußerste ab, doch gemeinsam mit ihrem Team können sie Bodes Triumph verhindern. Gleichzeitig zwingt dieser Fall Mila und Jakob dazu, ihre Geheimnisse offenzulegen und sich so allmählich den Dämonen zu stellen.
„Aschesommer“ endet mit einer kleinen Überraschung. Ich hoffe, da ist das letzte Wort noch nicht geschrieben und freue mich schon auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Trauma - Ist mein Vater ein Mörder?

Die unsichtbare Hand
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Olivia Dumont verdient ihren Lebensunterhalt als Ghostwriter. Nach einigen erfolgreichen Jahren hat sie eine Verleumdungsklage in gravierende finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Da kommt der Auftrag, ...

Olivia Dumont verdient ihren Lebensunterhalt als Ghostwriter. Nach einigen erfolgreichen Jahren hat sie eine Verleumdungsklage in gravierende finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Da kommt der Auftrag, für den Bestsellerautor Vincent Taylor ein Buch zu schreiben, gerade rechtzeitig. Nur die Tatsache, dass der Schriftsteller Olivias ungeliebter Vater ist, den sie seit vielen Jahren meidet, lässt sie zögern. Als sie erfährt, dass Vincent das seit fünfzig Jahren bestehende Geheimnis über den Mord an seinen Geschwistern Poppy und Danny lüften will, nimmt sie den Auftrag an. Sie ahnt nicht, worauf sie sich einlässt.

Mit „Die unsichtbare Hand“ ist Julie Clark eine spannende Mischung aus Familiendrama und Krimi gelungen. Die in den Jahren 1975 und 2024 spielende Erzählung hat mich rasch in ihren Bann gezogen. Clark erzählt in zunächst ruhigen Bildern, wie ein Trauma eine ganze Familie prägen, ja zerstören kann. Schon als Zehnjährige wird Olivia von ihren Mitschülern mit der Aussage konfrontiert, dass ihr Daddy seine Geschwister ermordet habe. Ein konventionelles Familienleben ist unter diesen Umständen nicht möglich. Die Ehe der Eltern zerbricht früh, Olivia landet schlussendlich im Internat. Die entstandenen Risse in der Vater-Tochter-Beziehung lassen sich nicht mehr kitten. Angetrieben von der Tatsache, dass dies die letzte Gelegenheit sein wird, die Wahrheit zu erfahren, Vincent ist an Lewy-Körperchen-Demenz erkrankt, stellt sich Olivia einer Situation, die sie über 20 Jahre lang vermieden hat.

Julie Clark schreibt präzise und bildhaft. Anrührend fand ich die Szene, in der Vincent Olivia, eine Schachtel voller Erinnerungsstücke an sie übergibt, die er gehütet hat. Dabei glaubte sie, dass er sie nicht vermisst hat.

Das langsame Erzähltempo, vor allem im Mittelteil, gibt dem Leser Zeit und Gelegenheit, die Protagonisten und die damaligen Umstände kennenzulernen. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Atmosphäre einer Kleinstadt in den 1970er Jahren einzufangen. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven (Olivia, Vincent, Poppy) erzählt, was den Protagonisten Tiefe verleiht.

Clarks Charaktere haben mich überzeugt. Sie wirken lebendig und authentisch. Vincent, der auf beiden Zeitleisten eine wichtige Rolle spielt, ist schwierig, schnell wütend, unsicher. Nach dem Tag X hält er das Leben bald nur noch mit Alkohol und Drogen aus. Tochter Olivia fordert die Wahrheit ein, muss aber erkennen, dass sie dieselbe Geheimnistuerei pflegt wie Vincent. Mein Liebling ist die kluge Poppy, die nicht versteht, warum Jungs nichts über Hauswirtschaft zu wissen brauchen und Schulleiter meist männlich sind. Eine Dreizehnjährige, deren Posterhelden, Frauenaktivistinnen, wie Steinem und Friedan sind, die in den 1970er Jahren Furore machten.

Der Kriminalfall beschwört einige beklemmende Szenen, bis letztendlich nach einigen Wendungen ganz unspektakulär die Auflösung erfolgt.

Fasziniert hat mich an der Erzählung ihre Vielschichtigkeit. Wie entsteht ein Familientrauma und was bewirkt es? Wirkt es bis in die nachfolgenden Generationen? Wie zuverlässig ist unser Gedächtnis? Sind unsere Erinnerungen immer wahr oder möglicherweise durch Voreingenommenheit beeinflusst? Vincent hat damit naturgemäß Schwierigkeiten, da er an Demenz erkrankt ist. Aber auch Olivia muss erkennen, dass sie manches vergessen hat, sich an anderes falsch oder verzerrt erinnert. Dazu kommen das ungeklärte True Crime Thema und die spannende Vater-Tochterdynamik. Erwachsene spielen in diesem Buch, zumindest im Zeitstrang von 1975, eine Nebenrolle. Die Bühne gehört den Heranwachsenden.

Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und ich empfehle es allen Fans von Familiendramen.

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Veröffentlicht am 09.05.2025

Mann & Müllers zweiter Streich

Unheimliche Gesellschaft
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1933. Nach monatelanger Funkstille erhält der litauische Übersetzer Žydrūnas Miuleris, den der Dichter Thomas Mann beharrlich „Müller“ nennt, einen Hilferuf aus der Schweiz. Der Nobelpreisträger fühlt ...

1933. Nach monatelanger Funkstille erhält der litauische Übersetzer Žydrūnas Miuleris, den der Dichter Thomas Mann beharrlich „Müller“ nennt, einen Hilferuf aus der Schweiz. Der Nobelpreisträger fühlt sich in seinem Exil bedroht und bittet seinen „Watson“ vergangener Tage um Unterstützung. Trotz sehr begrenzter Mittel eilt Žydrūnas mit seinem Hund Ludwik nach Zürich. Dort angekommen, erzürnt ihn der banale Grund für Manns Sorgen: Die Folgen der rücksichtslosen Fahrweise seiner Frau Katia. Doch kaum beginnt Müller nach Frau Manns vermeintlichem Unfallopfer zu suchen, überstürzen sich die Ereignisse. Mit zwei Mordanschlägen auf seinen Hund Ludwik beginnt eine Serie bedrohlicher Ereignisse. Der Dichter und Hundefreund prophezeit: „Wer bereit ist, Hunde zu töten, würde wohl auch vor Menschen nicht haltmachen.“

„Unheimliche Gesellschaft“ ist nach „Gefährliche Betrachtungen“ der zweite Fall des Emittlerduos Žydrūnas Miuleris und Thomas Mann vom Deutsch-Schweizer Autor Tilo Eckardt. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden. Das Einhalten der Reihenfolge erhöht aber den Lesegenuss.

Drei Jahre nach den verhängnisvollen Geschehnissen an der Kurischen Nehrung und ein Jahr nachdem Frau Bryls Villa Bernstein abgebrannt ist, befindet sich Thomas Mann, in dem von ihm prophezeiten und gefürchteten Exil. Die Gerüchte, dass die Gestapo Regimekritiker aus dem neutralen Ausland heim ins Reich entführen lässt, beunruhigen ihn sehr. Seine Frau sorgt sich um ihre Kinder, die ein geeignetes Druckmittel abgeben würden.

Thomas Manns Furcht vor Entführung ins Deutsche Reich war nicht unbegründet. Nur zwei Jahre später, am Abend des 9. März 1935, wird, mit Berthold Jacob einer der bekanntesten deutschen Journalisten und Pazifisten der Weimarer Republik, in Basel betäubt und über die Deutsch-Schweizer Grenze nach Berlin entführt.

Tilo Eckardt schreibt lebendig und bildhaft. Er passt seine Sprache dem Stil der 1930er Jahren an, was gut funktioniert. Auch das gemächliche Erzähltempo wirkt stimmig, könnte gelegentlich aber etwas flotter sein. Mühelos gelingt es dem Autor, die angespannte Atmosphäre im Mitteleuropa jener Zeit heraufzubeschwören. Wie im ersten Fall stehen der Dichter und sein litauischer Übersetzer im Mittelpunkt der Geschichte. Žydrūnas wirkt reifer, er agiert nicht mehr so unbesonnen wie vor drei Jahren. Inzwischen ist er mit Dalia verlobt und scheint seinen Platz im Leben gefunden zu haben. Thomas Mann wirkt angeschlagen, weil er seine geliebte Heimat zurücklassen musste, als die Demokratie dort endete. Es fällt ihm schwer, sich im Exil zurechtzufinden. Eine Schlüsselrolle kommt in diesem Fall Müllers Hund Ludwik, dem riesigen kaukasischen Owtscharka zu. In den Nebenrollen überzeugen vor allem die Eidgenossen. Meine Favoriten sind Grittli, Dorli und Trudi sowie der aufrechte Lokomotivführer.

Die Ereignisse aus der Rückschau des 101-jährigen Miuleris erzählen zu lassen, erweist sich erneut als kluger Schachzug. Längst ist Müllers fast kritiklose Verehrung Thomas Manns einer realistischeren, oft augenzwinkernden Sympathie gewichen. Mit Humor berichtet er für seinen Urenkel vom damaligen Geschehen, ohne den düsteren Hintergrund zu verschweigen. Der aufkommende Nationalsozialismus und seine weitreichenden Folgen schaffen eine angespannte Atmosphäre und erzielen auch in der Schweiz Wirkung.

Erneut vermischt Tilo Eckardt gekonnt Fakten und Fiktion Wir treffen Zeitgenossen des Dichters wie den Journalisten Konrad Heiden oder das Verlegerpaar Emmie und Emil Oprecht, das seinen Europa-Verlag gründete, um Exilautoren, eine Plattform zu bieten. Wir begleiten Mann & Müller in die „Pfeffermühle“ um ein Kabarettprogramm von Erika Mann mit Therese Giehse zu genießen. Gerade vor dieser Szene erleben wir mit, wie auch in der Schweiz ein selbst ernannter Gauführer versucht, die politischen Verhältnisse zugunsten von Sympathisanten des NS-Regimes zu beeinflussen
.
Am Ende des Buches klärt Tilo Eckardt, was bei diesem historischen Kriminalfall auf Fakten beruht und was Fiktion ist.

Auch Manns & Müllers zweiter Fall hat mich gut unterhalten. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung an Fans von historischen Kriminalromanen und/oder Thomas Mann.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Mörderische Trauer

Lenas Freundin
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Der Unfalltod ihrer kleinen Tochter Maria lässt die Eltern Lena und Robert schier verzweifeln. Während sich der Vater in seiner Arbeit vergräbt, kapselt sich die Mutter daheim ab und findet nur Trost in ...

Der Unfalltod ihrer kleinen Tochter Maria lässt die Eltern Lena und Robert schier verzweifeln. Während sich der Vater in seiner Arbeit vergräbt, kapselt sich die Mutter daheim ab und findet nur Trost in wüsten Rachefantasien gegenüber dem flüchtigen Autofahrer. Niemand kann sie aus ihrer selbst gewählten Isolation herausholen. Robert hofft auf die Hilfe von Lenas bester Freundin Theresa und schlägt seiner Frau vor, diese zu besuchen. Nach ihrer Rückkehr scheint es Lena etwas besser zu gehen. Robert ist erleichtert als er hört, dass Theresa bald zu Besuch kommen wird, um ihrer schwangeren Freundin weiter beizustehen. Doch deren Ankunft zieht Folgen nach sich, die Roberts schlimmste Befürchtungen übertreffen.

Nach „Das Echo der Zukunft“ und „Seelentausch“ ist „Lenas Freundin“ bereits mein drittes Buch von Martin S. Burkhardt.

Schon das düstere Cover lässt mich eine gruselige Geschichte erahnen, was auch mit meinen gemischten Gefühlen bezüglich Puppen zu tun hat.

Martin S. Burkhardt schreibt gewohnt gut und bildhaft. Es gelingt ihm ausgezeichnet, die Trauer und den Kummer der Eltern nachvollziehbar zu beschreiben. Fast ohnmächtig vor Schmerz ziehen sich die Eheleute, jeweils in sich selbst zurück und das Gespräch zwischen beiden verstummt nahezu. Spannung baut sich schnell auf und die Atmosphäre verdunkelt sich zusehends. Bald wird klar, dass hier jemand seine ganz eigene perfide Agenda verfolgt. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Martin S. Burkhardts Charakterzeichnung ist gut gelungen. Die trauernden Eltern, der treue Freund, die rasende Furie, der einfühlsame Arzt, der fordernde Chef. Sie alle überzeugen.

Psychothriller lese ich nur sporadisch, doch „Lenas Freundin“ hat mich gut unterhalten. Den Plot fand ich spannend und wurde nicht enttäuscht. Seelische Abgründe tun sich auf. Manche Szenen riefen Gänsehaut bei mir hervor. Allmählich bekam ich eine Idee, was hinter den Geschehnissen steckt, dadurch wurde mein Lesevergnügen aber nur wenig getrübt. Letztlich wird die Geschichte nach einem rasanten Showdown zufriedenstellend aufgelöst. Mit einem Schluss, der Raum für Gedankenspiele lässt.

Das Wiedertreffen mit dem „Running Gag“ hat mir Spaß gemacht. Ich weiß allerdings nicht, wie viele Bücher es noch brauchen wird, bis ich das System, nach dem die Ketchup- bzw. Mayo-Zuteilung erfolgt, durchschauen werde.

Mir hat das Buch gut gefallen und ich wurde bestens unterhalten. „Lenas Freundin“ kann ich allen Fans von Psychothrillern empfehlen.

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