Strickwohlfühlroman mit Tiefgang
Die Liebe wartet im WattSusanne Oswalds Strickromane sind bekannt für ein cozy Setting, in das man am liebsten selbst hineinschlüpfen würde, sympathische Figuren und natürlich a bisserl was fürs (Strick-)Herz - entspannte Lesestunden ...
Susanne Oswalds Strickromane sind bekannt für ein cozy Setting, in das man am liebsten selbst hineinschlüpfen würde, sympathische Figuren und natürlich a bisserl was fürs (Strick-)Herz - entspannte Lesestunden garantiert. Ihr aktuelles Werk, der Folgeroman von "Die Liebe wartet im Watt" (der durchaus als Standalone gelesen werden kann), bildet da keine Ausnahme. Bereits die Widmung stimmte mich froh und signalisierte mir, dass ich mich auf eine wie immer angenehm erzählte Feel-Good-Story freuen durfte:
"Für dich! Möge die Geschichte dich wie ein lockerleicht gestricktes Tuch umhüllen und der Wind der Nordsee die Sorgen von deiner Seele pusten."
Ganz soooo lockerleicht verlief die Lektüre allerdings nicht, im Sinne von: Es wurde tiefgründiger als erwartet. Da ich ein Faible für historische Romane habe (- speziell jene mit Handlungszeitraum/Thematik Zweiter Weltkrieg interessieren mich sehr -), rannte die Autorin mit diesem unerwarteten Story-Element offene Türen bei mir ein. Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr mich diese Passagen berührt haben. So viel Feingefühl, solch rohe Emotionen. Ob Annelieses Abschied von ihrer Mutter (im Prolog) oder Bentjes Gedanken, als sie über einen bedeutungsschweren Brief aus dem Jahr 1939 stolpert, der direkt mit Annelieses Schicksal verknüpft ist.
"Sie hatte von den Kindertransporten gelesen, und schon damals hatte ihr die Vorstellung des Leides die Luft abgeschnürt. [...] Sie wusste nur, dass die Angst größer gewesen sein musste, als sie ermessen konnte. Es musste die Eltern innerlich zerrissen haben, sich zu diesem Schritt zu entscheiden. [...] Was für einen Mut es gebraucht haben musste, das eigene Kind in die Fremde zu schicken, um dessen Leben zu retten, überforderte ihre Vorstellungskraft. Gleichzeitig [...] war sie dankbar, dass offensichtlich ausgerechnet Lüttje Glück eine Anlaufstelle für Verfolgte gewesen war."
Welche Geschichte hinter dem alten Schriftstück steckt, müsst ihr selbst herausfinden!
Allgemein kann man Bentje um ihren Alltag schon beneiden - diese Frau hat vielleicht Dusel! ... nicht nur mit Jasper (toller Typ!), sondern auch mit der Tatsache, dass ihre beste Freundin Imke ihr mal eben spontan nach Kiekersum gefolgt ist, "in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihren Job und die Wohnung gekündigt" hat. Wow. Wie realistisch diese Aktion ist, lasse ich dahingestellt - wenigstens in Romanen darf man schließlich von solchen Ereignissen träumen. (Was würde ich drum geben, wenn ein kompletter Ortswechsel auch für meine beste Freundin so einfach möglich wäre, schnüff. Ich gönne es Bentje und Imke jedenfalls von Herzen.)
Im Anhang dürft ihr euch nicht nur über die mittlerweile beinahe schon obligatorischen Strickanleitungen freuen (- mein Favorit: die "Pummelchen-Socken" -), sondern auch über ein Rezept für Friesischen Apfelkuchen. Wie viel Detailliebe in jedem Oswald'schen Roman steckt, lässt das umfassenden Personenregister erahnen (inklusive tierischer Bewohner) - auch die eigene Strickleidenschaft der Autorin ist überdeutlich spürbar. Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass sie reale Personen in die fiktive Handlung eingebunden hat - die (tierfreundlichen) Ferienwohnungen "Haus am Meer" sowie das mega idyllische Gourmet Café "Engelmühle" habe ich direkt gegoogelt.
Fazit: Ein rundum gemütliches Leseerlebnis, das mir insbesondere aufgrund der historischen Elemente prima gefallen hat.