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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2025

Psychogramm im Schwarzwald

Schattengrünes Tal
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"Warum machst du das?" flüsterte er in ihren Rücken.
"Was?"
"Wenn etwas schön ist, warum machst du es kaputt?"
(Seite 262)

Wenn ihr in einer Leseflaute steckt, dann lest dieses Buch. Für mich war es eine ...

"Warum machst du das?" flüsterte er in ihren Rücken.
"Was?"
"Wenn etwas schön ist, warum machst du es kaputt?"
(Seite 262)

Wenn ihr in einer Leseflaute steckt, dann lest dieses Buch. Für mich war es eine Mischung aus Kammerspiel und Psychogramm. Die Geschichte hält viele Spannungsmomente bereit, aber ohne dass man kurzfristige Ängste entwickelt und sich nach dem Lesen nicht mehr aus dem Haus traut.

Kristina Hauff schafft mit einem imaginären Dorf im Schwarzwald das perfekte Setting. Manchmal musste ich ein wenig an 'Das finstere Tal' denken. Einerseits ist da dieses beschauliche, aber auch altbackene Flair, auf der anderen Seite zieht mich die ursprüngliche, teilweise auch düstere Umgebung magisch an und ich möchte direkt einen Urlaub dort buchen, um mich auf die Fährte des Schakals zu machen. Ja, tatsächlich spielt ein Schakal hier eine interessante Rolle. Auch das fasziniert mich an Kristina Hauffs Schreibstil. Die Bilder, die sie beschreibt und die sich in meinen Kopf manifestieren. Die Doppeldeutigkeit mancher Worte - wenn zum Beispiel die Kälte der Nacht nicht nur die Außentemperatur meint.

Eine handvoll Charaktere lernen wir intensiv kennen und jeder einzelne wurde gut herausgearbeitet. Die Sympathien wechselten sich im Laufe des Lesens an. Fand ich jemanden am Anfang interessant, wurde daraus später Abneigung. Gab es Personen, die ich zunächst unmöglich fand, wandelte es sich zu Mitleid. Den Lesenden wird eine Vielfalt geboten, die einiges abverlangt und größtmöglich unterhält.

Ab einem gewissen Zeitpunkt, wurde es etwas vorhersehbar, aber das Lesevergnügen blieb dennoch. Eine Geschichte zwischen Traditionen und Werten auf der einen Seite und Geheimnissen sowie Aus- und Aufbrüchen auf der anderen.

Ich habe "Schattengrünes Tal* gern gelesen und durfte Kristina Hauff bei einer Lesung live erleben. Vielen Dank für diesen unterhaltsamen, empathischen Abend

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Als Panem Fan Pflicht

Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an
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Es war ganz klar, dass ich ein weiteres Buch aus der Panem Reihe lesen werde. Und natürlich war bereits kurz nach der Ankündigung im letzten Jahr klar, dass es Haymitchs Spiele sind, die hier zum Thema ...

Es war ganz klar, dass ich ein weiteres Buch aus der Panem Reihe lesen werde. Und natürlich war bereits kurz nach der Ankündigung im letzten Jahr klar, dass es Haymitchs Spiele sind, die hier zum Thema gemacht werden. Als Leserin, die die Panem-Reihe gelesen hat, war mir daher bewusst, wie die Spiele ausgehen. Und dennoch schafft es Suzanne Collins wieder eine Spannung zu erzeugen, die fast bis zum Schluss anhält.

Wieder gibt es sehr emotionale Momente, die mich persönlich aber nicht so sehr berührt haben, wie es zum Beispiel Rue und Finnicks Tode in Hunger Games 1 und 3 taten. Es blieb eine gewissen Distanz. So ging es mir auch mit dem gesamten Buch. Teilweise zogen sich einige Passagen für mich sehr und dann konnte ich es wieder kaum aus der Hand legen. Dennoch ist es wie schon mit dem Vorgänger ' Das Lied von Vogel und Schlange'. Es hat mir Freude bereitet, vor allem weil ich hier viele bekannte Charaktere wieder getroffen habe, aber es hat einen anderen Stellenwert, als die ersten drei Bücher, die ich immer wieder lesen kann und werde.

In einigen Social Reads wurde diskutiert, welcher Charakter seine nächste eigene Geschichte bekommt. Ich bin da für mich ziemlich klar. Es ist genug. Weitere Bände können für mich nicht besser werden. Manchmal ist eine Reihe auch einfach auserzählt.

Dennoch eine Empfehlung, nicht nur für Fans der Reihe und ja, ich fiebere der Verfilmung entgegen.

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Veröffentlicht am 06.05.2025

Geschichte eines Verschwindens aus zwei Perspektiven erzählt

Beeren pflücken
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Ein Kind verschwindet und außer der eigenen Familie scheint es niemanden zu kümmern. Tiefer kann Rassendiskriminierung kaum greifen. Denn so geschieht es als die kleine Ruth verschwindet. Ihre Familie ...

Ein Kind verschwindet und außer der eigenen Familie scheint es niemanden zu kümmern. Tiefer kann Rassendiskriminierung kaum greifen. Denn so geschieht es als die kleine Ruth verschwindet. Ihre Familie gehört zu den Mi'kmaqs, die in Novia Scotia (Kanada) beheimatet sind und zum Arbeiten nach Maine (USA) kommen. Sie werden geduldet, weil die Arbeitskraft benötigt wird, aber ein Interesse an Integration gibt es nicht.
Die Geschichte beginnt in den 60er Jahren, aber auch die kommenden Jahrzehnte bringe keine wirkliche Verbesserung.

Die Spannung des Buches besteht nicht darin, was mit Ruth passiert ist, denn das wird schon sehr schnell klar, sondern, wie die Leben zweier Menschen verlaufen und der Hoffnung, ob sie sich wiedersehen.

Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von Joe, dem jüngsten Sohn der Familie und älteren Bruder von Ruthie und aus Sicht von Norma und - Achtung Spoiler - die eigentlich Ruthie ist.

Obwohl es teilweise schwer auszuhalten war, könnte ich nicht aufhören zu lesen. Ich habe mit Joe mitgelitten. Er war selbst noch ein Kind, als seine Schwester, ohne Spuren zu hinterlassen, von einem Moment auf den nächsten verschwand. Aber diese Tatsache und die (unnötige) Schuld, die er sich selbst aufgeladen hat, beeinflussen sein halbes Leben. Weitere Schicksalsschläge und Verzweiflungstaten lassen ihn ausbrechen und alles hinter sich zu lassen, was ihm lieb ist. Während wir ihn auf seinem Roadtrip begleiten, lernen wir Norma kennen, die oft so nah an der eigenen Wahrheit ist und dann doch daran vorbei schlittert. Ein Leben voller Entbehrungen, von denen sie vielleicht etwas ahnt, das aber lange, lange Zeit unentdeckt bleibt.

Amanda Peters schafft es mich immer wieder verzweifeln zu lassen, aber dennoch die Hoffnung zu schüren, dass eines Tages alles gut wird. Der Roman hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte und das ist eines dieser Bücher, dass das Fernweh entfacht. Ich habe wieder große Lust auf Kanada. Ich möchte nach Nova Scotia, möchte die Badlands und Grassland sehen und vielleicht in Maine Beeren pflücken.

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Mein erster Suter und gleich ein Knüller

Melody
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Ganz kurz zum Inhalt: Der betagte Dr. Stotz beauftragt den Anwalt Tom Elmer, seinen Nachlass zu ordnen. Schnell ist klar, dass es sich nicht nur um den Nachlass dreht, sondern auch um die große, geheimnisvolle ...

Ganz kurz zum Inhalt: Der betagte Dr. Stotz beauftragt den Anwalt Tom Elmer, seinen Nachlass zu ordnen. Schnell ist klar, dass es sich nicht nur um den Nachlass dreht, sondern auch um die große, geheimnisvolle Liebe des Dr. Stotz. Mithilfe der Großnichte Laura will Tom die Wahrheit um Melody herausfinden.

Suter schafft es, mich als Leserin zu verwirren. Wann erzählt Stotz die Wahrheit, wann spinnt er seinen Hörer*innen etwas vor?
Melody ist Liebesgeschichte, Krimi und zeitgenössische Literatur in einem. Ganz ruhig und sanft werden die Geschehnisse nach und nach aufgedeckt bis sie sich wie in einem Sturm enthüllen. Tröpfelt die Geschichte am Anfang noch langsam vor sich hin, bricht sie am Ende über einen zusammen.

Die Charaktere sind authentisch gezeichnet, aber es fällt nicht leicht, einen Mann wie Stotz zu mögen, wenn man das ganze Buch gelesen hat. Ich habe geschwankt zwischen Missbilligung, Mitleid und Neugier. Ein Mann der sein Leben lang sehnt, liebt, trauert. War dieser Lebensweg verdient, vorherbestimmt oder eine Strafe? Ein Leben ohne Entbehrungen, von der einen Liebe abgesehen.

Über Melody grübele ich immer noch. Da ich nicht spoilern möchte, für die , die das Buch noch nicht gelesen haben, halte ich mich mit meinen Gedanken zurück. Schreibt mir aber gern Eure Meinung, falls ihr es doch schon gelesen habt.

Ein interessantes Gedankenspiel und Gesellschaftsportrait und tatsächlich mein erstes Buch von Martin Suter.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Feministisches Coming-of-age

Wenn wir lächeln
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'Wenn wir lächeln' ist ein Buch, dass sich nicht einfach nebenher lesen lässt. Im Alltagstrubel mit Kindern, um mich herum, die stændig Fragen stellen oder in der Bahn, in der Menschen lautstark ihre Krankenakte ...

'Wenn wir lächeln' ist ein Buch, dass sich nicht einfach nebenher lesen lässt. Im Alltagstrubel mit Kindern, um mich herum, die stændig Fragen stellen oder in der Bahn, in der Menschen lautstark ihre Krankenakte diskutieren, fiel es mir schwer mich darauf einzulassen. Dabei hat es dieses Buch verdient sich voll und ganz einzulassen.

Mit Jara und Anto lernen wir zwei komplexe und vielschichtige Charaktere kennen. Beide sind in dieser oft schwierigen Schwebephase zwischen Jugendbund Erwachsenwerden. Aus Jaras Perspektive lesen wir von dem finden ihrer Freundschaft aber auch dem verlieren. Mascha Unterlehberg beschreibt dabei so gekonnt diesen Wunsch nach exklusiver Zugehörigkeit auf der einen Seite, aber auch dem orientieren außerhalb einer engen Bubble andererseits.

Was als Freundschafts- und Coming-of-age Roman beginnt, wird im Laufe der Geschichte immer mehr zu einer feministischen Auseinandersetzung mit dem Patriarchat. Anfangs wird vieles einfach hingenommen, eben weil es sich seit Jahrzehnten, Jahrhunderten in uns Frauen so eingefressen hat. Doch die Wut dringt nach und nach an die Oberfläche. Dabei sind die Konsequenzen viel subtiler und leiser als zum Beispiel in Mareike Fallwickls Romanen, aber nicht weniger gut. Ich fühlte mich an manchen Stellen zurück versetzt in meine eigene Jugend und die damit verbundene Unsicherheit. Wie oft habe ich auch nachts auf dem Heimweg meine Schlüssel zwischen die einzelnen Finger gesteckt, als mögliche Waffe, die glücklicherweise nie zum Einsatz kam. Und auch jetzt male ich mir manchmal wie Jara furchtbare Dinge aus, wenn meine große Tochter nicht wie verabredet zu Hause oder nicht erreichbar ist.

Mascha Unterlehberg hat hier einen beeindruckenden Debütroman vorgelegt, dem ich nicht die genügende Aufmerksamkeit schenken konnte. Ein ReRead ist daher unerlässlich.

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