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Veröffentlicht am 07.05.2025

Vedi Napoli e poi muori

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Urlaubskrimi, der Dritte. Nach Portugal und Südfrankreich geht es diesmal mit „Commissario Gaetano und der lügende Fisch“ (Auftaktband einer neuen Krimireihe) nach Neapel im Süden Italiens.

Fabio Nola ...

Urlaubskrimi, der Dritte. Nach Portugal und Südfrankreich geht es diesmal mit „Commissario Gaetano und der lügende Fisch“ (Auftaktband einer neuen Krimireihe) nach Neapel im Süden Italiens.

Fabio Nola (Pseudonym) ist ein deutscher Historiker, der einen Teil seiner Studienzeit dort verbrachte, die Stadt und Mentalität ihrer Bewohner also kennt. Gute Voraussetzung, da ich seit Jahrzehnten Donna Leons Brunetti in Venedig und Andrea Camilleris Commissario Montalbano auf Sizilien begleite und diese Innenansichten der Autorin und des Autors sehr schätze. Ähnliches hatte ich mir auch von dieser Lektüre erwartet, denn was weiß ich schon von Neapel? Zum einen, dass dort angeblich die Pizza erfunden wurde, und zum anderen, dass die Camorra in und um Neapel immens großen Einfluss auf sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens, Wirtschaft und Politik nimmt. Eigentlich ein gutes Setting für einen spannenden Kriminalroman.

Neapel feiert seinen Stadtheiligen San Gennaro. Ganz Neapel? Nein, denn Gaetano, Commissario der hiesigen Polizei, wird zu einem Tatort im historischen Zentrum gerufen. Dort erwartet ihn der kopflose Turiner, der am Tag zuvor noch quicklebendig bei ihm in der Questura war und um Hilfe bat. Er fühle sich bedroht, berichtete von Einbrüchen in das Appartement während seiner Abwesenheit. Gaetano blieb, typisch Süditaliener, skeptisch, ging davon aus, dass der Norditaliener viel Wind um nichts machte. Aber jetzt ist er tot, und bei seiner Leiche liegt ein Fischkadaver mit brisantem Inhalt. Kein Grund weiter den Skeptiker zu geben, sondern Ärmel hochkrempeln und den Fall lösen.

Commissario Gaetano ist niemand, mit dem ich befreundet sein möchte, gerade weil mir seine sexistischen Kommentare zunehmend auf den Zeiger gegangen sind. Unsympathisch und respektlos, insbesondere gegenüber Frauen in seinem Umfeld. Und fachlich scheint er auch nicht der große Überflieger zu sein. Er ist ein uninteressanter Charakter, und das ist für eine titelgebende Hauptfigur tödlich. Sein Privatleben scheint offenbar nur aus familiären Problemen zu bestehen, die viel zu viel Raum einnehmen, aber komplett irrelevant für den Fall sind. Und leider strapaziert das nicht nur die Geduld der Leser, sondern killt zusätzlich auch noch die Spannung und das Interesse an der Auflösung.

Neapel als Hintergrund für einen Krimi ist passend, aber was ist das Besondere, was sind die Alleinstellungsmerkmale dieser Metropole? Laut und schmuddelig sind viele italienische Städte, aber leider ist es dem Autor, trotz oder wegen des Adjektiv-Gewitters, das ab der ersten Seite auf uns niederprasselt, nicht gelungen, das, was Neapel letztendlich ausmacht, zu transportieren.

Ein Reihenauftakt, bei dem noch deutlich Luft nach oben ist.

Zur Info: „Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl“ (Band 2 der Reihe) erscheint im März 2026.

Veröffentlicht am 28.04.2025

Nichts Neues unter der Sonne des Languedoc

Tödliches Carcassonne
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Wie man bereits dem Titel entnehmen kann, geht es diesmal ins Languedoc nach Carcassonne, frankophilen Leserinnen und Lesern durch das bestens erhaltene Wahrzeichen der Stadt, die historische Festungsanlage ...

Wie man bereits dem Titel entnehmen kann, geht es diesmal ins Languedoc nach Carcassonne, frankophilen Leserinnen und Lesern durch das bestens erhaltene Wahrzeichen der Stadt, die historische Festungsanlage Cité de Carcassonne, ein Begriff.

Eine männliche Leiche hat sich in einer der zahlreichen Schleusenanlagen des Canal du Midi verfangen. Es ist kein Geheimnis, dass es Boote auf dem Canal gibt, die seit geraumer Zeit als Zwischenlager und Drogenverstecke dienen, was Benoit Tessier und Julie Saidi, die beiden für die Aufklärung des Todesfalls verantwortlichen Ermittler der Police nationale in Toulouse, auf den Plan ruft. Julie ist der Liebe wegen von Paris nach Toulouse gewechselt, fühlt sich aber noch immer nicht wirklich im Süden angekommen, was auch ihrem Kollegen Benoit geschuldet ist, der sich keine Mühe gibt, ihr den Neuanfang zu erleichtern, da er vorrangig mit privaten Problemen beschäftigt ist, die sein Engagement bei der Arbeit spürbar bremsen. Aber ganz so simpel wie eingangs vermutet, gestalten sich die Recherchen im Umfeld des Toten nicht. Erst als Julie die Mutter des Toten befragt, gibt ihr diese eine Hinweis, die die Ermittlungen dann auch voranbringen.

Kurz darauf wird die Leiche der jungen Chloé Voltaire am Fuß einer Burgruine gefunden. Die offiziellen Stellen vermuten einen tragischen Unglücksfall, aber der Vater Chloés, Stammgast im Restaurants „Chez Isabelle“ bezweifelt das und bittet Alain Olivier, Inhaber des Restaurants und ehemaliger BKA-Beamter um Hilfe, die ihm dieser auch zusichert. Recht schnell stellt Alain fest, dass die beiden Todesfälle Gemeinsamkeiten aufweisen und nur dann zu knacken sind, wenn Julie und er ihre Erkenntnisse teilen, Wissen und Erfahrung bündeln und so den Schuldigen auf die Spur kommen.

Warum es jetzt unbedingt Carcassonne sein muss, hat sich mir leider nicht erschlossen, denn weder hat die höchst interessante Historie der Stadt noch die Katharer-Vergangenheit der Region für die beiden Mordfälle eine Rolle gespielt. Also könnte dieser Kriminalroman überall dort verortet sein, wo eine alte Burgruine in der Landschaft steht, denn dem unter Pseudonym schreibenden Autor Pascal Larroc ist es leider nur in Ansätzen gelungen, die Atmosphäre der im Titel so prominent platzierten Stadt im Languedoc zu transportieren. Das wird jede/r bestätigen können, der/die in Carcassonne oder dem Languedoc schon einmal Urlaub gemacht hat.

Was ich leider auch vermisst habe, war die im Klappentext erwähnte französische Küche, mit der Alain angeblich seine Gäste verwöhnt. Das Nennen von zwei, drei Gerichten und einer Flasche Wein deckt dies meiner Meinung nach nicht ab d.h. diesen Hinweis könnte und sollte man sich sparen, um keine falschen Erwartungen zu wecken.

Ein routiniert geschriebener, leidlich spannender und schnell gelesener Kriminalroman, dem es aber leider an einem Alleinstellungsmerkmal mangelt, das ihn aus der Masse der Frankreich-Krimis hervorheben könnte.

Veröffentlicht am 23.04.2025

Dunkle Wolken über Fuseta

Lautlose Feinde
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Wenn der Frühling erwacht, wecken die ersten Sonnenstrahlen die Lust nach einem Ortswechsel. Ziel ist vorzugsweise der europäische Süden. Das haben auch die Verlage erkannt, und so verwundert es nicht, ...

Wenn der Frühling erwacht, wecken die ersten Sonnenstrahlen die Lust nach einem Ortswechsel. Ziel ist vorzugsweise der europäische Süden. Das haben auch die Verlage erkannt, und so verwundert es nicht, dass jetzt wie an der Schnur die neuen Urlaubskrimis erscheinen. Eröffnet wird dieser Reigen für mich mit „Lautlose Feinde“, dem an der östlichen Algarve verorteten Band 7 der Lost in Fuseta-Krimis von Gil Ribeiro / Holger Karsten Schmidt. Eine gelungene Reihe, auf deren Fortsetzung ich mich immer wieder freue.

Ein Tag vor Leanders und Soraias Hochzeit wird das Team der Policia Judiciária zu einem Tatort gerufen. Ein Zollbeamter wurde ermordet aufgefunden, getötet, als er die Entführung seiner Enkelin verhindern wollte. Kurz darauf wird ein absurd hohes Lösegeld für deren Freilassung gefordert. Ein Betrag, den die Familie nie und nimmer aufbringen kann.

Glück im Unglück, denn vor Ort ist eine hochrangige Verwaltungsvertreterin, die in internen Angelegenheiten gegen Graciana ermittelt und diese deshalb temporär von ihrer Stelle als Teamleiterin freisetzt und dem wie immer unkollegialen Duarte kommissarisch die Leitung überträgt. Was Graciana aber nicht daran hindert, alles was nötig ist zu tun, um das kleine Mädchen wohlbehalten zu ihrer Familie zurück zu bringen und dafür zu sorgen, dass die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Ermittlungen fördern nach und nach Erstaunliches zutage, denn offenbar sind an der idyllischen Algarve skrupellose internationale Agenten mit ihren Helfershelfern zu Gange, die für ihre Missionen über Leichen gehen. Menschenleben zählen für sie nichts, es sei denn, es handelt sich um das eigene Fleisch und Blut. Unbeteiligte Opfer werden als Kollateralschaden abgehakt, was Leander schmerzvoll erfahren muss.

Natürlich bleibt bei einer Reihe, die mich seit Band 1 begleitet, der Vergleich mit den Vorgängern nicht aus. Und diesmal ist der Funke leider nicht übergesprungen. Ich habe den gewohnten Charme vermisst, obwohl alle bekannten „Zutaten“ vorhanden waren: Die atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen inklusive das Azul des Himmels, das gemütliche Beisammensein bei den Rosados, Graciana und Carlos (das nächste Traumpaar?), Leander Lost mit seinen liebenswerten Marotten und dem glasklaren Verstand und natürlich Duarte, hinterhältig wie eh und je.

Die Story war zwar komplex, mir aber viel zu „glatt“ und leider nur mit wenigen Höhepunkten, durch das vorangestellte Personenverzeichnis leider auch zu durchschaubar. Die Frage muss gestattet sein: Warum wird ein Agententhriller unbedingt in Fuseta verortet (ja, ich weiß, die Erklärung wurde im Text gegeben, hat sich für mich aber nicht stimmig angefühlt)? Wenn es schon politisch werden muss, warum dann nicht mit einen Fall, der wie in Bd. 2 die koloniale Vergangenheit thematisiert oder in Zusammenhang mit der Nelkenrevolution steht? Oder...oder...oder…

Veröffentlicht am 02.04.2025

Viel zu viel Drama

Wie Risse in der Erde
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Hemston, Nord-Dorset, Mitte der fünfziger Jahre. Beth und Gabriel, eine Teenager-Liebe und ein verheißungsvoller Sommer. Wäre da nicht Gabriels Mutter, der diese Verbindung ein Dorn im Auge ist, und die ...

Hemston, Nord-Dorset, Mitte der fünfziger Jahre. Beth und Gabriel, eine Teenager-Liebe und ein verheißungsvoller Sommer. Wäre da nicht Gabriels Mutter, der diese Verbindung ein Dorn im Auge ist, und die alles daran setzt, diese erste Liebe zu zerstören. Es gelingt ihr, zumal Gabriel Hemston Richtung Oxford verlässt, um dort ein Studium zu beginnen. Beth bleibt desillusioniert zurück.

Die Lücke, die Gabriel hinterlässt, füllt Frank, ein Bauer, aus. Beth und Frank verlieben sich ineinander, heiraten, bekommen einen Sohn. Alles scheint perfekt, bis zu dem Tag Mitte der sechziger Jahre, an dem ein schreckliches Unglück über die kleine Familie hereinbricht und ihr Sohn bei Baumfällarbeiten ums Leben kommt. Eine Tragödie. Für beide. Was macht der Verlust eines Kindes mit Eltern? Wohin sollen sie mit der Liebe zu ihrem Kind, das plötzlich nicht mehr da ist?

Zwei Jahre sind vergangen. Gabriel, mittlerweile Schriftsteller und Vater eines Sohnes, wurde von seiner Frau verlassen und kehrt mit diesem nach Hemston zurück. Natürlich läuft sich das ehemalige Liebespaar in dem kleinen Ort über den Weg und Gabriel zögert nicht, Beth um Hilfe bei der Betreuung seines Sohnes zu bitten. Es kommt wie es kommen muss. Die alten Gefühle flammen wieder auf, und es entwickelt sich die klassische Dreiecksgeschichte, in deren Mittelpunkt Beth steht. Aber dann geschieht das Unerwartete. Ein Toter, ein Prozess, ein Urteil. Und wieder ist nichts mehr so, wie es einmal war.

„Wie Risse in der Erde“ ist eine Mischung aus Liebesgeschichte und Kriminalroman, die alle Register zieht und die Leser lange im Unklaren darüber lassen möchte, wer hier Täter und wer Opfer ist. Das gelingt der Autorin aber leider nur in Ansätzen, denn die Entwicklungen hin zum Höhepunkt sind leider ziemlich vorhersehbar. Das Gefühlschaos der Protagonisten kam zwar interessant daher, war mir allerdings unterm Strich dann doch viel zu viel Drama, komplett überzeichnet, deshalb unglaubwürdig und nicht wirklich überzeugend. Hier wäre weniger mehr gewesen. Schade. Kann man lesen, muss man aber nicht.

Veröffentlicht am 20.03.2025

Fade Berliner Nächte

Skin City
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Skin City ist der neue und damit vierte Berlin-Roman von Johannes Groschupf. Die drei Vorgänger habe ich mit Begeisterung gelesen, bei diesem hier wollte sich dieses Gefühl nicht einstellen. Warum? Weil ...

Skin City ist der neue und damit vierte Berlin-Roman von Johannes Groschupf. Die drei Vorgänger habe ich mit Begeisterung gelesen, bei diesem hier wollte sich dieses Gefühl nicht einstellen. Warum? Weil er als Thriller und Berlin Noir vermarktet wird, diese Versprechen aber leider nur in Ansätzen einhalten kann.

Die Handlung ist schnell erzählt. Drei Personen im Fokus, die sich durch die Randbezirke der Metropole bewegen und deren Bahnen sich am Ende kreuzen.

Zentrale Figur ist die Polizistin Romina, kennen wir bereits aus „Die Stunde der Hyänen; versetzt in ruhige Lichterfelde, anfangs mit ihrem Kollegen auf der Spur einer Einbrecherbande aus Georgien, dann auf der Suche nach einem Schläger, der ihre jüngere Schwester heftig verprügelt hat, zu guter Letzt auf Rache aus für den Tod ihres Vaters.

Auf ihren ruhelosen Streifzügen trifft sie auf Koba, den jungen Einbrecher aus Georgien. Mit zwei Kumpanen steigt er auf Geheiß seiner Bosse in ausgekundschaftete Vorstadtvillen ein, die reiche Beute versprechen. Manchmal bekommt er einen Anteil, manchmal wird er windelweich geschlagen. Er will weg, auf und davon nach Kanada, in das Land seiner Sehnsucht.

Und dann ist da noch Lippold, ein White Collar Krimineller, gerade frisch aus dem Knast entlassen, aber schon wieder auf der Suche nach der Gelegenheit, die das große Geld verspricht. Aber zuerst gilt es noch, eine alte Rechnung zu begleichen.

Groschupf bleibt diesmal sehr an der Oberfläche, reißt vieles nur an, aber unter die Haut geht da leider nix. Die harte, kalte, stakkatoartige Sprache, für die ich ihn üblicherweise schätze, und die diesmal nur zu Beginn zu finden ist, bleibt hierbei leider völlig auf der Strecke. Schade.