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Veröffentlicht am 20.06.2025

✎ Fatma Aydemir - Dschinns

Dschinns
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Wer bei „Dschinns“ eine klassische Gegenwartserzählung erwartet, wird überrascht: Die Handlung spielt Mitte der 1990er Jahre - ein Setting, das mir persönlich nah ging, da ich diese Zeit selbst bewusst ...

Wer bei „Dschinns“ eine klassische Gegenwartserzählung erwartet, wird überrascht: Die Handlung spielt Mitte der 1990er Jahre - ein Setting, das mir persönlich nah ging, da ich diese Zeit selbst bewusst miterlebt habe. Der Roman wirkt dadurch beinahe vertraut, wie ein Echo aus der eigenen Vergangenheit.

Fatma Aydemir gelingt es, Figuren zu entwerfen, deren Lebensrealitäten vielen aus migrantisch geprägten Umfeldern vertraut vorkommen dürften. Ich konnte mich in einige Situationen direkt hineinfühlen, da sie Erinnerungen an Gespräche und Menschen meiner Jugend weckten. Die Charaktere wirkten auf mich glaubwürdig - nicht konstruiert, sondern menschlich, widersprüchlich, verletzlich, echt.

Was mich zunächst forderte, war die Dichte an gesellschaftlichen Konflikten. Rassismus, Religion, sexuelle Identität, psychische Gesundheit, familiäre Gewalt - jede Figur trägt eine individuelle Last. Das wirkte zu Beginn fast klischeehaft.

Doch je weiter ich las, desto klarer wurde: Diese Überzeichnung ist bewusst gesetzt. Aydemir nutzt die Überlagerung von Konflikten, um zu verdeutlichen, wie komplex das Leben zwischen Kulturen und Generationen wirklich ist. Sie hält der Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor. Sie verweigert einfache Erklärungen, stellt unbequeme Fragen - und trifft oft schmerzhaft genau ins Zentrum gesellschaftlicher Widersprüche.

Zwischen Identitätssuche, familiären Bruchlinien und der Wucht unausgesprochener Wahrheiten erzählt „Dschinns“ die Geschichte von sechs Menschen, die irgendwie eine Familie bilden - und doch einander oft fremd sind. Es ist ein Familienroman ohne Harmonie - geprägt von Schweigen, Schuld und Sehnsucht.
Trotz dieser erzählerischen Kraft blieb bei mir ein gewisses Gefühl der Unvollständigkeit zurück. Viele Erzählfäden verlaufen scheinbar ins Leere, Perspektivwechsel erfolgen abrupt. Gerade wenn ich mich auf eine Figur eingelassen hatte, wurde die Stimme gewechselt - was die emotionale Tiefe stellenweise verwässerte.

Die Autorin vertraut stark darauf, dass man zwischen den Zeilen liest - und tatsächlich liegt vieles im Subtext. Dennoch hätte ich mir an manchen Stellen mehr Raum für einzelne Themen gewünscht. Weniger Figuren, mehr Tiefe - das wäre für mich stimmiger gewesen.

Am Schluss hätte ich mir ein kurzes Glossar oder einen sprachlichen Anhang gewünscht, in dem zumindest die Aussprache der türkischen Begriffe erklärt wird. Für Lesende ohne Sprachkenntnisse wäre das sicher hilfreich - und ein schöner Brückenschlag zur sprachlichen Tiefe des Romans.

Fatma Aydemirs „Dschinns“ ist kein Buch, das sich leicht konsumieren lässt. Es fordert Konzentration, Mitdenken und emotionale Offenheit. Und obwohl es für mich erzählerisch nicht ganz rund wirkte, bleibt es ein bedeutender, vielschichtiger Gesellschaftsroman über Zugehörigkeit, Schweigen und das, was zwischen den Generationen oft unausgesprochen bleibt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 22.05.2025

✎ John Green - Eine wie Alaska

Eine wie Alaska
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Bevor ich gemeinsam mit @linhelest für unser Leseprojekt „2 Leseblicke“ in „Eine wie Alaska“ eingetaucht bin, habe ich ein paar Rezensionen überflogen - von überschwänglichem Lob bis hin zu harscher Kritik ...

Bevor ich gemeinsam mit @linhelest für unser Leseprojekt „2 Leseblicke“ in „Eine wie Alaska“ eingetaucht bin, habe ich ein paar Rezensionen überflogen - von überschwänglichem Lob bis hin zu harscher Kritik war alles dabei. Umso neugieriger war ich, wie wir zwei dieses viel diskutierte Jugenddrama einordnen würden. Jetzt, nach dem Lesen, bin ich mir noch immer nicht sicher …

Schon die ersten Seiten fühlten sich an wie der Beginn eines klassischen Entwicklungsroman - ein Coming-of-Age wie man heute so schön sagt. Jugendliche, die sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden, sich ausprobieren, Grenzen austesten - das kennt man. Themen wie Rauchen, Sex und das bewusste Überschreiten von Regeln ziehen sich wie ein roter Faden durch den Anfang der Geschichte. Nichts, was mich zunächst besonders gefesselt hätte. Ich konnte den Hype nicht wirklich nachvollziehen.

Und dennoch: Ich wollte herausfinden, warum dieses Buch an unserer Schule - entweder im Deutsch- oder im Englischunterricht - manche Jahre zur Pflichtlektüre gehört. Also blieb ich dran.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die Struktur des Romans - eingeteilt in ein „Davor“ und ein „Danach“ - ist mehr als nur eine stilistische Entscheidung. Aus dem Klappentext auf meinem Exemplar geht mit keiner Silbe hervor, was passieren wird. Ich hatte mich, wie viele andere Lesende vermutlich auch, völlig unbedarft in die Geschichte gestürzt - und wurde ab „Danach“ emotional komplett überrollt.

War das Lesen bis dahin eher unbeschwert möglich, änderte sich mein Empfinden schlagartig. Mein Herz schlug bei jedem neuen Kapitel im Galopp. Als würde ich selbst Teil der Geschichte sein. Besonders der zweite Part des Romans hat mich tief getroffen. Das lag nicht nur an Greens intensiver Sprache oder seiner authentischen Darstellung von Trauer und Schuld, sondern auch an persönlichen Umständen: Diese Woche jährt sich der Tod meiner Oma zum ersten Mal - und ihr plötzlicher Verlust hallt in mir bis heute nach. Die Szene mit Alaskas Mutter war für mich daher kaum zu ertragen.

John Greens Stärke ist die Fähigkeit, die komplexe Gefühlswelt von Jugendlichen greifbar zu machen. Erwachsene wirken in ihrer Funktion oft hilflos oder abwesend, während die Jugendlichen zwischen Rebellion, Selbstfindung und echter Verzweiflung schwanken. Diese Dynamik bringt Green mit bemerkenswerter Feinfühligkeit auf den Punkt.

Das offene Ende des Werkes lädt zum Nachdenken und Diskutieren ein - ein Aspekt, der besonders im schulischen Kontext wertvoll ist. Es gibt keine einfache Antwort, keine klaren Linien, aber viele Impulse, die einen auch nach dem Zuklappen des Buches noch beschäftigen.

„Eine wie Alaska“ hat mich unerwartet tief bewegt. Es ist keine Lektüre, die man einfach durchliest und weglegt. Sie fordert - emotional und gedanklich.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.05.2025

✎ Susanne Weber - Die kleine Eule 4 Die kleine Eule badet

Die kleine Eule badet
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Baden kann für viele Kinder eine echte Herausforderung sein - unser eigenes Kind war da keine Ausnahme. Auch heute, mit sieben Jahren, genießt sie das warme Wasser am liebsten in Gesellschaft. Alleine ...

Baden kann für viele Kinder eine echte Herausforderung sein - unser eigenes Kind war da keine Ausnahme. Auch heute, mit sieben Jahren, genießt sie das warme Wasser am liebsten in Gesellschaft. Alleine in die Wanne zu steigen, sorgt oft für lange Gesichter - ein Gefühl, das viele Eltern gut kennen dürften.

Im Bilderbuch „Die kleine Eule badet“ von Susanne Weber wird genau dieses Thema mit viel Charme aufgegriffen. Die kleine Eule möchte nämlich partout nicht ins Wasser. „Mir ist das Wasser viel zu nass!“, ruft sie - und weder Badeschaum noch Badeente können sie locken. Eine Situation, die wohl in so manchem Familienalltag sehr vertraut klingt.

Was uns besonders gefallen hat: Die Geschichte greift den kindlichen Widerstand auf liebevolle Weise auf und sorgt dabei gleichzeitig für Unterhaltung. Während das wilde Herumplanschen bei uns eher in den Garten verlegt wurde, bietet das Buch einen gelungenen Anlass, über das Baden zu sprechen - ohne erhobenen Zeigefinger.

Als Mama hat mich vor allem die Nähe zum Alltag begeistert. Die kurze Geschichte eignet sich perfekt für zwischendurch und wurde bei uns oft nachgespielt - mit Kuscheltier im Schlepptau und ganz viel Fantasie.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.05.2025

✎ Susanne Weber - Die kleine Eule 1 Die Eule mit der Beule

Die Eule mit der Beule
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„Die Eule mit der Beule“ gehörte zu den ersten Bilderbüchern, die mein Kind begeistert hat. Kaum war es im Regal verstaut, wurde es schon wieder hervorgeholt - zum gemeinsamen Kuscheln und Vorlesen. Besonders ...

„Die Eule mit der Beule“ gehörte zu den ersten Bilderbüchern, die mein Kind begeistert hat. Kaum war es im Regal verstaut, wurde es schon wieder hervorgeholt - zum gemeinsamen Kuscheln und Vorlesen. Besonders eindrücklich war der Moment, als mein Kind begann, selbst mitzufühlen: Mit einem traurigen „Ooohhh“ und betroffenen Blick reagierte sie auf die kleine Eule, die sich wehgetan hatte.

Das Reimbuch vermittelt auf spielerische Weise wichtige soziale Kompetenzen. Es zeigt, wie Freunde und Familie gemeinsam Lösungen finden und trösten können. Durch die einprägsamen Verse lernen schon die Kleinsten Mitgefühl und verschiedene Möglichkeiten kennen, mit Kummer umzugehen.

Bei kleineren Unfällen im Alltag wurde das Buch sogar zum festen Bestandteil unseres „Heilrituals“: Meine Tochter holte es zusammen mit ihrer Doktorinnentasche hervor und spielte die Geschichte nach. Die Stelle mit dem Honig wurde bei uns kreativ mit Wundcreme ersetzt - begleitet von einer kindgerechten Erklärung.

Die Illustrationen sind liebevoll gestaltet: große, klare Bilder, die sich auf das Wesentliche konzentrieren und den Inhalt der Reime meistens visuell unterstreichen. Ideal für ganz junge Zuhörende, die noch leicht von überladenen Seiten überfordert werden.

Dieses Buch war für uns ein perfekter Einstieg ins interaktive Vorlesen - bereits mit unter einem Jahr.
Es lädt zum Mitmachen, Mitfühlen und ersten Rollenspielen ein und schafft gleichzeitig wertvolle Vorlesemomente voller Nähe.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.05.2025

✎ Vanessa Walder - Das geheime Leben der Tiere: Wald 1 Die weiße Wölfin

Das geheime Leben der Tiere (Wald) - Die weiße Wölfin
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Auf „Das geheime Leben der Tiere: Wald 1 Die weiße Wölfin“ von Vanessa Walder wurde ich aufmerksam, als die Buchreihe in unsere Schulbibliothek einzog. Schon der Titel, das atmosphärische Cover und der ...

Auf „Das geheime Leben der Tiere: Wald 1 Die weiße Wölfin“ von Vanessa Walder wurde ich aufmerksam, als die Buchreihe in unsere Schulbibliothek einzog. Schon der Titel, das atmosphärische Cover und der spannend formulierte Klappentext weckten meine Neugier. Ich erwartete ein realistisches Kinderbuch über das Leben einer Wölfin in freier Wildbahn - und genau das bekam ich, zumindest größtenteils.

Vanessa Walder verbindet in dieser auf wahren Begebenheiten basierenden Geschichte packende Erzählkunst mit fundiertem Fachwissen. Die Verhaltensweisen der Wölfe sind äußerst natürlich beschrieben, wodurch die Geschichte eine starke Authentizität erhält.

Die weiße Wölfin namens Fünf ist dabei mehr als nur eine Hauptfigur - sie steht stellvertretend für das soziale Gefüge innerhalb eines Wolfsrudels. Die Dynamik in der Gruppe, die Rolle weiblicher Anführerinnen und die Bedeutung jedes einzelnen Rudelmitglieds - vom Leitwolf bis zum scheinbar unbedeutenden Nachzügler - werden nachvollziehbar und eindrucksvoll dargestellt. Besonders wertvoll ist die Botschaft, dass nicht nur der Erste zählt, sondern auch der Letzte eine wichtige Rolle in der Gemeinschaft spielt.

Die Erzählung zeichnet ein schonungsloses Bild vom Überlebenskampf in der Natur. Gewalt, Gefahr und Verlust werden offen thematisiert, was das Buch von vielen anderen Tiergeschichten für Kinder deutlich abhebt. Für empfindsame Kinder ist dieser erste Band der Reihe definitiv eine Herausforderung - aber genau diese realistische Darstellung macht auch die Stärke des Buches aus.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Vanessa Walder Themen wie Mut, Ausdauer und Zusammenhalt aufgreift. Trotz aller Härte schenkt das Buch Lesenden Momente der Hoffnung - zumindest bis zum Ende.

Denn das Ende hat mich als erwachsene Leserin regelrecht erschüttert. Es ist drastisch, brutal und könnte für Zartbesaitete sehr verstörend wirken. Die emotionale Fallhöhe, die sich über das ganze Buch aufbaut, wird mit einem einzigen Satz zerstört. In meinen Augen ist das Finale unnötig traumatisierend.

Daher halte ich die Altersempfehlung des Verlages ab 8 Jahren für zu niedrig. Kinder, die dieses Buch lesen, sollten über eine gewisse emotionale Reife verfügen und mit der Realität des Tierlebens in der Natur umgehen können.

Schade ist, dass bislang nur wenige Titel der Reihe als Hörbuch erschienen sind. Für viele Familien – wie auch für uns - wären Hörbücher eine ideale Ergänzung. Ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr Bände vertont werden.

Trotz meiner Kritik am Ende des ersten Bandes hat mich die Reihe neugierig gemacht. Ich plane, auch die weiteren Bücher über Tiere in der Arktis, Savanne oder im Ozean zu lesen – mit der Hoffnung auf ebenso starke, aber vielleicht etwas kindgerechter erzählte Geschichten.

©2025 Mademoiselle Cake