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Veröffentlicht am 19.06.2025

Starke Protagonisten

Ihr werdet sie nicht finden
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Winkelmann hat bei mir gerade einen Lauf. Im vergangenen Jahr konnte er mich sogar doppelt begeistern. Sowohl sein letzter Thriller (HAST DU ZEIT) als auch sein Cosy Crime-Debüt (MORD IM HIMMELREICH) fand ...

Winkelmann hat bei mir gerade einen Lauf. Im vergangenen Jahr konnte er mich sogar doppelt begeistern. Sowohl sein letzter Thriller (HAST DU ZEIT) als auch sein Cosy Crime-Debüt (MORD IM HIMMELREICH) fand ich richtig stark. Deshalb stand auch Winkelmanns neuer Thriller IHR WERDET SIE NICHT FINDEN auf meiner Sofort-zu-Lesen-Liste.
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Darum geht’s: Jonas war Polizist, bevor das Verschwinden seiner Tochter vor sieben Jahren sein ganzes Leben verändert hat. Als Privatdetektivin Franca den Auftrag erhält, eine Vermisste zu suchen, stößt sie auf Verbindungen zu dem alten Fall, in dem sich plötzlich auch neue Ansatzpunkte ergeben…
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Winkelmann präsentiert sich hier wieder in bester Schreiblaune. Die Story ist interessant - wenn auch nicht überraschend neu – und konnte mich schnell fesseln. Die Handlung entfaltet sich im Wechsel auf zwei Zeitebenen und kommt in kurzen Abschnitten zügig voran. Winkelmann schreibt leichtgängig und mitreißend. Teilweise sehr dialog-lastige Passagen treiben einen richtiggehend durch die Seiten. Der Thriller lebt neben dem vorgelegten Tempo aber vor allem von seinen Protagonisten. Während die Geschichte mich beim Lesen sofort gepackt hat, musste ich Jonas und Franca zunächst erst mal ein bisschen kennenlernen. Erst jeden für sich. Als sie dann aber Aufeinandertreffen entfaltet sich die volle Wirkung. Winkelmann hat diese beiden Charaktere richtig stark aufgebaut – obwohl mir einige Versatzstücke doch schon verdächtig bekannt vorkommen. Wir haben mit Jonas zum einen den gebrochenen Charakter. Die Ereignisse der vergangenen Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Franca, die in einem Wohnmobil lebt und Motorrad fährt, ist der Gegenpol dazu. Diese Personen fügen sich mit ihren Ecken und Kanten und Eigenheiten ganz wunderbar zusammen. Dadurch entwickelt sich eine besondere Dynamik, die ich sehr mag. Da ist etwas, das eigentlich viel zu schade für einen einmaligen Auftritt der beiden ist. Sie haben zwischenmenschlich einfach großes Potenzial für eine noch viel individuellere Ausgestaltung und wären damit gut als Hauptfiguren einer Reihe geeignet. Nur mal so…
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IHR WERDET SIE NICHT FINDEN ist ein guter Winkelmann. Der Thriller ist unterhaltsam und kurzweilig. Es geht spannend in die Vollen und ich empfehle, die unter 400 Seiten möglichst in einem Rutsch zu lesen, um das Gefühl zu halten. Bei mir ist das anfangs hohe Spannungslevel durch Lesepausen dann doch etwas abgeflaut. In den Handlungsverlauf haben sich gefühlt doch noch ein paar Längen eingeschlichen und die Story wird letztendlich auch ohne allzu überraschenden Knalleffekt abgeschlossen. Das Ende punktet mehr auf emotionaler Ebene. Und auch an dieser Stelle sei nochmal gesagt, dass es eindeutig die Charaktere sind, die die Handlung ausmachen und tragen und den Thriller insgesamt zu einer Leseempfehlung machen.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Thriller voller Überraschungen

Locked in
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Du bist gefangen. Dein Entführer liegt im Koma. Deine Zeit läuft ab.
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Leute, schärft euren Verstand. Bei LOCKED IN braucht ihr jede Gehirnwindung. Das gilt bei den Thrillern von Henri Faber generell. ...

Du bist gefangen. Dein Entführer liegt im Koma. Deine Zeit läuft ab.
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Leute, schärft euren Verstand. Bei LOCKED IN braucht ihr jede Gehirnwindung. Das gilt bei den Thrillern von Henri Faber generell. Bei diesem aber ganz besonders. Henri Fabers Thriller sind anders und heben sich vom stromlinienförmigen Allerlei auf dem Buchmarkt ab. Auch sein vierter – und laut Ankündigung leider letzter Stand Alone – ist wieder gleichermaßen packend wie verwirrend. Ich musste hier echt aufpassen, dass ich nicht den Faden verliere. Deshalb empfehle ich, LOCKED IN mit möglichst wenig Pausen zu lesen, um bestmöglich am Ball zu bleiben.
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Zunächst mal zum Schreibstil. Der ist absolut mitreißend. Verschiedene Perspektiven. Teilweise ultra-schnelle Szenenwechsel. Damit legt der Thriller ein rasantes Tempo vor, bei dem man als Leser*in erstmal Schritt halten muss. Atemlos bin ich durch die Seiten getrieben worden. Insofern ist das Buch ein echter Pageturner.
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Dann die Charaktere. Die sind absolut faszinierend gezeichnet und alles andere als durchschnittlich. Faber setzt auf besondere Typen. Undurchschaubar und unberechenbar. Der Heidelberger Kommissar Paul Maertens ist ne unverwechselbare Type. Von seiner Kollegin Stefanie hätte ich durchgehend gerne mehr gelesen. Mein persönlicher Highlight-Charakter ist in LOCKED IN der Neurowissenschaftler Theo Linde. Die um ihn eingestreute Lovestory hat mich zunächst überrascht und dann sehr berührt. Ohne mehr zu verraten, sage ich nur, dass ich auf sowas eben gerade total anspringe.
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Ansonsten kann ich zur Handlung nur sagen, dass hier nichts ist, wie es scheint. Die ganzen Wendungen und Entwicklungen haben meinen Kopf schwirren lassen. Ja, zuweilen haben sie mich etwas überfordert. Immer wenn ich dachte zu wissen, was hier abgeht, ging es wieder in eine ganz andere Richtung. In Sachen Miträtseln war ich deshalb tatsächlich irgendwann raus. Macht aber nichts. Ich habe den weiteren Handlungsverlauf einfach mit Staunen verfolgt. Auf all das muss man erst mal kommen. Und es dann noch stimmig zusammenzuführen und aufzulösen, das ist einfach großes Kino.
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Der letzte Faber??? Bitte nicht! Sollte es doch so sein, wird er mir sehr fehlen. Henri Faber hat mich mit jedem Buch aufs Neue überrascht. Absolut unberechenbar und eben dadurch in keine Schublade zu stecken. Genau sowas braucht der Buchmarkt meiner Meinung nach. Einheitsbrei gibt es genug. Deshalb mein Appell an den Verlag: Überdenkt eure Entscheidung nochmal!!!

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Süß & hot

Honeymoon alone
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„Honeymoon alone – Als Single in die Flitterwochen“ von Olivia Hayle … Allein der Titel und das niedlich gezeichnete Cover lassen kein literarisches Highlight erwarten. Der Klappentext hat mich aber irgendwie ...

„Honeymoon alone – Als Single in die Flitterwochen“ von Olivia Hayle … Allein der Titel und das niedlich gezeichnete Cover lassen kein literarisches Highlight erwarten. Der Klappentext hat mich aber irgendwie angesprochen und auf eine schlicht und ergreifend nette RomCom hoffen lassen. Die habe ich auch bekommen. Und sie hat mich sogar mehr gecatcht, als ich gedacht hätte.
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Darum geht’s: Edens Beziehung geht kurz vor der Hochzeit in die Brüche. Allein tritt sie die Flitterwochen auf Barbados an. Am ersten Abend setzt sich der mürrischen Workaholic Phillip Meyer an ihren Tisch. Die zwei Wochen Urlaub entwickeln sich dann vollkommen anders als erwartet…
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Oh mein Gott! Was ist das für eine süße Story. Das Setting ist traumhaft. Und die beiden Protagonisten einfach nur Zucker. HONEYMOON ALONE hat mir tatsächlich rundum gut gefallen. Es war sozusagen Liebe aufs erste Wort und die erste Szene. Die Ausgangssituation hat mir unglaublich gut gefallen. Der Funke zwischen mir und den Hauptfiguren ist sofort übergesprungen. Ich habe direkt diesen ganz gewissen Vibe zwischen Eden & Phillip gespürt und wollte einfach nur noch weiterlesen. Seite um Seite um Seite hat dieses Pärchen mich mehr begeistert und nicht mehr losgelassen. Es geht eben nichts über die richtige Chemie. Und die ist hier vorhanden. Eden & Phillip haben mein Herz erobert. Da brauchte ich keine tiefschürfende und großartig neue Geschichte. Da reicht ein gutes Standard-Rezept, um vollkommen meinen Geschmack zu treffen.
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Ich lieb’s!!! HONEYMOON ALONE ist eine spritzige, humorvolle, kurzweilige und einfach schöne RomCom. Kein literarisches Highlight. Noch nicht mal etwas Besonderes. Und doch habe ich das Buch von der ersten bis zur letzten Seite sooo unendlich gerne gelesen. Selbst die spicy Szenen gehen hier für mich in Ordnung – auch wenn ich sie, wie immer, nicht gebraucht hätte.  Zur Autorin steht noch im Buch, dass Olivia Hayle eine hoffnungslose Romantikerin ist, die Milliardärshelden liebt. Milliardär hin oder her, ich persönlich mag einfach Typen mit einer gewissen Ausstrahlung. Und da hat die Autorin genau meinen Geschmack getroffen.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Encore uns fois

Merci Agneta
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„Bonjour Agneta“ von Emma Hamberg war für mich im vergangenen Jahr ein echtes Überraschungs-Highlight. Entsprechend heiß ersehnt wurde von mir „Merci Agneta“, die Fortsetzung der Geschichte um die Schwedin ...

„Bonjour Agneta“ von Emma Hamberg war für mich im vergangenen Jahr ein echtes Überraschungs-Highlight. Entsprechend heiß ersehnt wurde von mir „Merci Agneta“, die Fortsetzung der Geschichte um die Schwedin Agneta, die in Frankreich einen Neuanfang wagt. Ich habe zwar erst mal ein paar Seiten gebraucht, um mich wieder in der Geschichte, dem Setting und zwischen den Personen einzufinden - dann war ich aber wieder mittendrin. Der Roman hat total zu meiner aktuellen Frankreich-Stimmung gepasst und ich habe den „Sommer auf Französich“ sehr genossen.
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Gemeinsam mit Agneta habe ich die Einkäufe auf dem Markt von Saint Carelle erledigt, habe hier und da einen kleinen Plausch gehalten, Käse & Wein probiert, bin in Fabiens Bar eingekehrt und habe abends im Kloster Seidenunterwäsche per Hand gewaschen. Es hat nach Lavendel geduftet. Nach Leichtigkeit und Freiheit. Savoir vivre. Glücksgefühl. Aber dann kommt es, wie es kommen muss und die Realität ist in mein kleines Leseparadies eingebrochen. Agneta wäre aber nicht Agneta, wenn sie Problemen nicht mit Optimismus und Einfallsreichtum begegnen würde. Trotzdem sieht sie sich gezwungen, nach Schweden zurückzukehren. Frankreich und die Zeit des Auf- und Ausbruchs haben Agneta allerdings verändert...
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Auch dem 2. Agneta-Band gehört mein Herz. Auch, wenn ich mich diesmal nicht ganz so sehr in der Geschichte verloren habe. Das ist bei Fortsetzungen ja oft der Fall. Der Zauber war nicht mehr ganz so stark. Aber er war in leicht abgeschwächter Form immer noch vorhanden. Mit Agneta für das Leben und die Liebe zu kämpfen hat wieder großen Spaß gemacht. Die Geschichte steckt wieder voller Charme und Herzenswärme. Sie vermittelt Lebensfreude und spendet positive Energie. Agneta ist einmal mehr eine wahnsinnig tolle, liebenswerte und authentische Protagonistin. Ihre Emotionen konnte ich in allen Lebenslagen so gut nachvollziehen. Es war einfach wieder herrlich, sie ein Stück des Weges zu begleiten und ihre Entwicklung zu verfolgen.
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Chère Emma Hamberg: Un grand merci pour cette histoire.

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Veröffentlicht am 10.05.2025

Green Flag-Alarm!

Passion Project
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PASSION PROJECT ist einerseits eine typische Romance, andererseits aber auch wieder nicht. Die Autorin London Sperry geht in ihrer berührenden Geschichte doch ein paar Dinge ein bisschen anders an.
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Darum ...

PASSION PROJECT ist einerseits eine typische Romance, andererseits aber auch wieder nicht. Die Autorin London Sperry geht in ihrer berührenden Geschichte doch ein paar Dinge ein bisschen anders an.
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Darum geht’s: Bennet ist nach New York gezogen, um über den Verlust ihrer ersten Liebe hinwegzukommen. Sie lässt sich auf ein Date ein, dass aber gnadenlos schiefgeht. Henry lässt aber nicht locker. Auf freundschaftlicher Basis startet er das Passion Project und lässt sich allerhand einfallen, damit Bennet eine neue Leidenschaft findet…
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Ich liebe ja den Grumpy-meets-Sunshine-Trope. Mürrischer Typ trifft gutgelauntes Mädel. London Sperry ändert dieses Motiv in PASSION PROJECT ab. Hier haben wir mit Henry einen umwerfend optimistischen männlichen Protagonisten, der auf Sad Girl Emilia trifft. Und ganz schnell folgt die Erkenntnis: Jeder braucht einen Henry in seinem Leben! Henry ist der Inbegriff des einfühlsamen und verständnisvollen besten Freundes, der immer für einen da ist. Er ist die grünste Green Flag, die man sich vorstellen kann. Ein Typ zum Pferdestehlen, Knuddeln und Ausheulen. Aber auch zum lieben? Fast erscheint er ein bisschen zu buddymäßig perfekt, um als Love Interest in Frage zu kommen. Er ist ein absolut süßer und verlässlicher Character, hätte für meinen Geschmack aber auch gerne ein paar mehr Ecken und Kanten haben und auch mal den Bad Boy geben dürfen. Er hätte Bennet vielleicht öfter mal die Meinung geigen sollen. Aber er ist immer lieb und verständnisvoll und lässt sich nahezu alles gefallen. Das ist niedlich und irgendwie ein Traum und ich mochte Henry auch wirklich total gerne. Trotzdem wird so ein Rundum-Good Guy nie einer meiner Lieblingscharaktere werden. Aber die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt eben. Henry und Emilia ergänzen sich auf wundervolle Art und Weise und London Sperry hat es geschafft mir die emotionalen Vibes zwischen den beiden gut zu vermitteln – auch wenn für mich bis zum Schluss ein freundschaftlicher Überhang vorhanden war.
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Wie das Passion Project endet, wird keinen wundern, muss also hier auch gar nicht weiter thematisiert werden. Der Roman ist zuckersüß und hält eine gute Balance zwischen Heiterkeit und Tiefgründigkeit. Die Geschichte ist alltäglich und authentisch. Und das ist mal eine angenehme Abwechslung zu anderen Romance-Storys, die ja doch oft etwas überdramatisch daherkommen. PASSION PROJECT setzt dagegen auf freundschaftliche Slow Burn-Vibes, über die sich eine umarmende Wärme ausbreitet. Für das Wohlgefühl bräuchte es die Lovestory fast gar nicht. Aber dann wäre es ja keine Romance. Ich mochte diese etwas andere Art der Geschichte jedenfalls und würde mich freuen, mehr von London Sperry zu lesen.

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