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Veröffentlicht am 14.05.2025

Diplomatengattin auf Irrwegen

Teddy
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"Teddy" von Emily Dunlay ist eine Zeitreise in die Gesellschaft der frühen 60-er Jahre, als die Lebenswirklichkeit von Frauen noch eine ganz andere war. Teddy, 34 Jahre alt und Tochter einer reichen texanischen ...

"Teddy" von Emily Dunlay ist eine Zeitreise in die Gesellschaft der frühen 60-er Jahre, als die Lebenswirklichkeit von Frauen noch eine ganz andere war. Teddy, 34 Jahre alt und Tochter einer reichen texanischen Familie mit Verbindungen in die Politik, kommt als frischgebackene Diplomatengattin nach Rom, in der Hoffnung auf Glamour und reiches gesellschaftliches Leben, gleichzeitig aber auch voller Ängste und Unsicherheiten.

Der Verlag verspricht im Klappentext eine "unvergessliche Heldin mit hohem Identifikationspotential" - da muss ich passen. Zwar kann ich durchaus ein gewisses Mitleid mit dem "poor rich girl" empfinden, das mit Mitte 30 noch immer keine Rolle für sich gefunden hat und ziemlich orientierungslos durchs Leben taumelt.

Andererseits: mit so viel Privileg geboren und aufgewachsen und nichts daraus gemacht? Identifikationspotential sehe ich hier überhaupt nicht, im Gegenteil: Teddy ist eine Frau voller Oberflächlichkeiten und Konsumzwänge, gibt das Geld mit vollen Händen aus, ohne jemals eine Ahnung bekommen zu haben, wie schwer es zu verdienen ist und wirft Psychopillen ein wie eine Weltmeisterin. Nein, mit Teddy kann ich einfach nicht warm werden.

Das ändert aber nichts daran, dass Dunlay die römische Diplomatengesellschaft mit leichter Hand und gut lesbarem Stil skizziert, während sie gleichzeitig einen Spannungsbogen aufrechterhält. Schon früh lässt sich ahnen: Teddy hat sich in Schwierigkeiten gebracht, mal wieder. Falsche Freunde, falsches Verhalten ohne großes Nachdenken. Sie weiß sich einfach nicht zu helfen.

Gegen Ende des Buches sorgt Dunlay allerdings für einen Aha- und Überraschungseffekt, der noch einmal für einen ganz neuen Dreh sorgt. Hier gewinnt der Roman, der vorher an Teddys Seite häufig zu seicht vor sich hinplätscherte. Als Gesellschaftsroman einer Zeit, in der Frauen vor allem schöne Dekoration zu sein hatten, lässt sich "Teddy" jedenfalls als Urlaubslektüre empfehlen.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Lügen, Leichen und Paranoia im Tauchparadies

Das Paradies - Hier kannst du glücklich werden. Oder sterben …
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Thriller an exotischen Destinationen scheinen zur Zeit en vogue zu sein. Ein Beispiel dafür ist "Das Paradies" von Sara Ochs. Aus wechselnden Erzählperspektiven erzählt sie, wie das vermeintliche Aussteigeridyll ...

Thriller an exotischen Destinationen scheinen zur Zeit en vogue zu sein. Ein Beispiel dafür ist "Das Paradies" von Sara Ochs. Aus wechselnden Erzählperspektiven erzählt sie, wie das vermeintliche Aussteigeridyll auf einer thailändischen Taucherinsel nach und nach zum Ort des Schreckens, von Geheimnissen und wechselseitigen Verdächtigungen wird. Die scheinbare Lässigkeit einer Aussteigerclique weicht da bald allgemeiner Paranoia.

Eine der Protagonistinnen ist Tauchlehrerin Cass. Sie hat sich in Thailand gewissermaßen neu erfunden, nach einer traumatischen Erlebnis. Ihre Vergangenheit glaubt sie hinter sich gelassen zu haben, ihren alten Namen ebenfalls. Sie ist verlobt und glücklich. Doch dann stirbt einer ihrer Schüler bei einem Tauchgang - und Cass ahnt, dass es kein Unfall war. Als sie anonyme Botschaften erhält, fürchtet sie nicht nur, dass die Vergangenheit sie einholt, sondern dass sie in Gefahr ist.

Die andere Protagonistin in Brooke, eine Influencerin, die sich bisher erfolglos als Journalistin versucht - nun ja, dass bloggen und Journalismus in den meisten Fällen nicht identisch sind, machen sich viele nicht klar. Brooke, das deutet die Autorin früh an, hat aber auch eine eigene Agenda. und als es einen Toten gibt, hofft sie auf einen Scoop. Zudem gab es vor ihrer Ankunft einen Insel einen tödlichen Unfall einer Touristin, der nun im Rückblick Fragen aufwirft.

Leichen im tropischen Paradies, dramatische Wendungen, ein Sturm - Ochs lässt es in ihrem Urlaubsthriller ordentlich krachen. Ihre Protagonistinnen reagieren mitunter hysterisch und irrational, als Sympathieträgerinnen konnte ich sie immer weniger empfinden, je weiter ich mit dem Buch vorankam. An Verdächtigen herrscht jedenfalls kein Mangel, an Dramatik ebenso wenig. Für mich ein wenig over the top, so gerne ich Spannung an exotischen Orten mag.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Geheimnisse um einen Ex-Präsidenten

Von Schafen und Wölfen
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Ein polarisierender Ex-Präsident mit einem Geheimnis, das unbedingt gewahrt werden muss, ein Plot, der zurück zum Sturm auf das Kapitol zurückreicht, eine Medienfusion, die eine Qualitätszeitung womöglich ...

Ein polarisierender Ex-Präsident mit einem Geheimnis, das unbedingt gewahrt werden muss, ein Plot, der zurück zum Sturm auf das Kapitol zurückreicht, eine Medienfusion, die eine Qualitätszeitung womöglich inhaltlich unter den Einfluss eines globalen Medienkonzerns bringt: "Von Schafen und Wölfen" von Achim Zons klang nach einem Polit- und Medienthriller mit aktuellen Bezügen, auf den ich gleich nach der Lektüre des Klappentextes sehr gespannt war.

Der "Deutschen Allgemeinen Zeitung", die irgendwie an die Süddeutsche erinnert, wird kurz vor der Fusion mit einem amerikanischen Medienkonzern eine brisante Information zugespielt: Der ehemalige US-Präsident soll an einem seltenen Gendefekt leiden, den er an mindestens zwei Nachkommen weitergegeben haben soll. Die entsprechende Akte ist seit dem Sturm auf das Kapitol verschwunden. Chefreporter David stößt im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod einer alten Freundin auf Ungereimtheiten und ein neues Rätsel: Wer hat die Leiche ihres tödlich verunglückten Sohnes gestohlen?

Seine Tochter Emma wiederum, die es offenbar gleich nach dem Abi und ohne Volontariat ins Investigativteam der Zeitung geschafft hat, nun aber endlich mal wieder eine große Geschichte liefern muss, hofft mit Hilfe eines Nerds finsteren Machenschaften auf die Spur zu kommen, verheddert sich aber zugleich in ihrem Gefühlsleben. Der gewaltsame Tod eines US-Korrespondenten lässt ahnen, dass es tatsächlich Geheimnisse gibt, die von einigen Menschen um jeden Preis geschützt werden müssen.

Macht und Medien - das ist eigentlich immer eine spannende Kombination. Hinzu kommt die Verbindung von Fiktion mit aktuellen Bezügen. Eigentlich ein Mix, der genau der richtige Lesestoff für mich wäre. Aber einerseits sind dann einige Entwicklungen doch recht unglaubwürdig, andererseits scheint der Autor ein wenig zu selbstverliebt in seinen Protagonisten zu sein, so ein Supertyp, auf den alle Frauen fliegen, auch wenn sie das eigentlich gar nicht wollen. Und überhaupt, die Frauenfiguren - die konnten nun gar nicht überzeugen. Da schien irgendwie das Wunschdenken dahinter zu stecken, dass auch Powerfrauen eigentlich nur den richtigen Kerl brauchen, und schon wird das Denken weitgehend ausgeschaltet. Insofern leider mehr Melodram als Politthriller, trotz eines vielversprechenden Ansatzes.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Ein Toter zuviel

Kohle, Stahl und Mord: Das 13. Opfer
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Seit mehr als sechs Jahren ist der Steinkohlebergbau in Deutschland Geschichte. Doch die Tradition der Bergleute, ihr Zusammenhalt und die raue aber herzliche Mentalität der Ruhrpott-Bewohner lebt einmal ...

Seit mehr als sechs Jahren ist der Steinkohlebergbau in Deutschland Geschichte. Doch die Tradition der Bergleute, ihr Zusammenhalt und die raue aber herzliche Mentalität der Ruhrpott-Bewohner lebt einmal mehr auf in dem Regionalkrimi "Kohle, Stahl und Mord" von Martin Conrath. Wobei es irgendwie passt in die neue Welt des Potts nach dem Strukturwandel, dass bei den Arbeiten für ein Besucherbergwerk auf der fiktiven Essener Zeche Ludwig nach einem Zwischenfall unter Tage Knochen gefunden werden.

Eigentlich sollte die Sache klar sein - endlich ist das "wandernde Dutzend" aufgetaucht, die zwölf Bergleute, die nach einer Explosion nie gefunden wurden. Andere Kumpel, die damals verschüttet wurden und geborgen wurden, tragen seit Jahrzehnten das Trauma mit sich herum. Also endlich Schlussstrich unter ein Unglück, das die Region erschütterte? Keinesfalls, denn es werden die Überreste einer 13. Person gefunden - mit einer Kugel im Schädel.

Hauptkommissarin Elin Akay findet sich in einem Routinefall plötzlich als Chefin einer SoKo wieder. Mit dabei: Ihre beste Freundin Jana Fäller, forensische Psychiaterin und selbst Tochter eines Bergmanns, der damals bei dem Unglück überlebte. Der Cold Case - wenn man denn bei der Hitze unter Tage überhaupt davon sprechen kann - erhält zusätzliche Brisanz dadurch, dass einer der damaligen Bergleute mittlerweile Oberbürgermeister ist.

Als sich herausstellt, dass das Mordopfer ein windiger Geschäftsmann war, der zahlreiche Bergleute mit unseriösen Anlagemodellen das Ersparte abgenommen hatte, steigt die Zahl der Menschen mit Tatmotiv rapide. Verflechtungen, die Jahrzehnte zurückreichen, müssen aufgedröselt werden. Und Konflikte innerhalb des Soko-Tea,s machen die Arbeit an dem Fall nicht leichter.

"Kohle Stahl und Mord" ist solide Regionalkrimi-Kost, die aber mancherlei Klischee nicht vermeiden kann. Der Zickenkrieg in der SoKo und das amateurhafte private Ermitteln Janas sind nicht besonders glaubwürdig. So viel Naivität, wie die Protagonistinnen mitunter an den Tag legen, ist mit Erfahrung und Expertentum einfach nicht vereinbar.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Mittsommersturm

Still ist die Nacht (Ein Fall für Maya Topelius 2)
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Der Titel "Still ist die Nacht" von Sandra Aslund mag - gerade zu dieser Jahreszeit - eher weihnachtlich klingen, doch weit gefehlt: In ihrem zweiten Fall ermittelt die Stockholmer Kriminalbeamtin Maya ...

Der Titel "Still ist die Nacht" von Sandra Aslund mag - gerade zu dieser Jahreszeit - eher weihnachtlich klingen, doch weit gefehlt: In ihrem zweiten Fall ermittelt die Stockholmer Kriminalbeamtin Maya zur Mittsommerzeit auf einer kleinen Schäreninsel. Dabei war alles ganz anders geplant: Maya wollte an einem Yoga-Retreat ihrer Freundin Emely teilnehmen, um nach einer Woche tiefenentspannt zur Arneot zurückzukehren.

Doch weit gefehlt: Nach einer lebhaften Mittsommernacht wird der Vermieter des Veranstaltungsortes ermordet aufgefunden. Es bleibt nicht die einzige Leiche. Maya überredet ihren Kollegen Per, dass sie gewissermaßen undercover ermittelt. Dann zieht ein Sturm auf - und Insulaner wie Yogis sind von der Außenwelt abgeschnitten. Mit der Gewissheit: Auch der Mörder oder die Mörderin ist unter ihnen. Misstrauen, Paranoia und heftige Gefühlsausbrüche scheinen da unvermeidlich.

Eine hübsche kleine Schäreninsel gewissermaßen als locked room mystery, die Animositäten zwischen Einheimischen und Yogaleuten, die gewissermaßen als Vorhut unerwünschter Gentrifizierung gesehen werden - das hat mich an diesem Schwedenkrimi einer deutschen Autorin gereizt. Gut gefallen hat mir die Schilderung der Insel und ihrer Bewohner.

Schwerer habe ich mir mit der Protagonistin getan, die als Polizistin in ihrem Vorgehen und ihrer Art für mich einfach nicht glaubwürdig ist, recht naiv reagiert und obendrein die lebenslange Freundschaft mit Emely in Frage stellt, als die erwähnt, dass sie vor 20 Jahren Mayas Mutter knutschend mit dem Nachbarn gesehen hat und sich fragte, ob die beiden ein Verhältnis hatten. Dass Maya hier den absoluten Vertrauensbruch Emelys sieht, über den sie nicht hinwegkommt - das scheint mir eine völlig überzogene, pubertäre und unreife Situation. Mit dieser Ermittlerin bin ich einfach nicht warm geworden.

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