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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2025

Der Weg zu einem achtsamen Herzen

Kokoro
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Beth Kempton berichtet in ihrem Buch ‘Kokoro – Japanische Weisheiten für ein gelungenes Leben‘ von einer ungewöhnlichen Reise, um ihre Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ihre liebgewonnenen Werte ...

Beth Kempton berichtet in ihrem Buch ‘Kokoro – Japanische Weisheiten für ein gelungenes Leben‘ von einer ungewöhnlichen Reise, um ihre Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ihre liebgewonnenen Werte zu aktivieren. Die studierte Japanologin, Unternehmerin mit einer Familie gerät nach persönlichen Schicksalsschlägen in eine Identitätskrise, die sie selbst als Midlifecrisis bezeichnet, in dem sie ihr bisheriges Leben betrachtet und über eine statistische Lebenserwartung Möglichkeiten der Gestaltung ihrer Zukunft auslotet. Dafür begibt sie sich auf eine sicherlich für den europäischen Kulturkreis eher ungewöhnliche, langwährende Pilgerreise ins Land der aufgehenden Sonne. Als ausgewiesene Japankennerin macht sie sich auf den Weg, um ihren inneren Frieden durch Entschleunigung und eine ihr vertraute Spiritualität zu finden. Sie macht den Leser bekannt mit fernöstlichen Weisheiten, mit Land und Menschen, mit ihren Denkweisen.
Den Weg zu einem achtsamen Herzen zu suchen und zu finden, ist mit viel innerer Überzeugungsarbeit verbunden, die sicherlich auch schmerzliche Wahrheiten über das eigene Ich offenlegt. Wer sich für fernöstliche Spiritualität interessiert, wird dieses Buch als wertvollen Begleiter lieben.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Ein Stück japanische Lebenskultur

Das kleine Antiquariat von Tante Sango-san
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Hika Harada bringt uns mit ihrem Roman ‘Das kleine Antiquariat von Tante Sango-san‘ ein Stück japanische Lebenskultur näher. Wir tauchen eine in eine Welt, die von Harmonie und lebendigen gegenseitigem ...

Hika Harada bringt uns mit ihrem Roman ‘Das kleine Antiquariat von Tante Sango-san‘ ein Stück japanische Lebenskultur näher. Wir tauchen eine in eine Welt, die von Harmonie und lebendigen gegenseitigem Interesse bestimmt ist.
Als die siebzigjährige Sango-san von ihrem verstorbenen Bruder Jiro ein Geschäft mit antiquarischer Literatur im berühmten Bücherviertel Tokios Jimbocho erbt, lässt sie dieses mit viel Herzblut und Tatkraft wieder zu neuem Leben erwecken, obwohl sie sich bisher nie mit dieser Materie beschäftigt hat und sich somit überhaupt nicht auskennt in diesem Gewerbe. Sie bekommt jedoch fleißige und fachkundige Unterstützung von ihrer Nichte Mikki, die ihr im Studium erworbenes Wissen hier vorteilhaft anwenden kann. Aber auch die nachbarschaftliche Gemeinde leisten immer wieder wertvolle Unterstützung. Sango-san verwöhnt ihre Kunden neben Tee auch mit so manch kulinarischer Köstlichkeit. Man kommt sich näher und tauscht immer wieder interessante Informationen über den früheren Ladenbesitzer aus, bekommt damit wertvolle Einblicke in das Leben des Verstorbenen.
Die Autorin erzählt eine unaufgeregte Geschichte mit authentischen, liebenswerten Charakteren, deren Sicht auf das Geschehen wechselseitig dargestellt wird. Sie vermittelt ganz nebenbei interessantes Wissen über die japanische Kultur, die sich grundlegend von der westeuropäischen unterscheidet. Man lebt miteinander und versucht dieses Miteinander in den Mittelpunkt des Alltags zu stellen.
Ein lesenswerter Roman für entspannte, glückliche Lesemomente.

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Veröffentlicht am 15.05.2025

Agnetas Kampf um ein selbstbestimmtes Leben

Merci Agneta
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Agneta hat ihren Hauptwohnsitz von Schweden in die Provence verlegt. Gemeinsam mit Einar lebt sie in einem ehemaligen Kloster, einem riesigen Anwesen mit dazugehörigem Gartengrundstück. Einar hat seine ...

Agneta hat ihren Hauptwohnsitz von Schweden in die Provence verlegt. Gemeinsam mit Einar lebt sie in einem ehemaligen Kloster, einem riesigen Anwesen mit dazugehörigem Gartengrundstück. Einar hat seine große Liebe Armand verloren und droht selbst durch fortschreitende Demenz in ein graues Nichts abzudriften. Beide verband die Liebe zur Kunst und das Kloster gestalteten sie zu ihrer einzigartigen Bühne. Als Agneta sich in einer prekären Notlage befand, bot Einar, der schwedisch spricht, ihr großzügig freie Kost und Logis an, was sie dankend annahm. Seitdem lebt dieses ungleiche Paar gemeinsam, man kümmert sich umeinander so gut man es eben vermag in dieser außergewöhnlichen Gemeinschaft. Doch nun droht ungeahnte finanzielle Gefahr, die das neue Leben der Agneta und natürlich auch das von Einar zum Einsturz bringen kann. Auch eine noch frische Liebe spielt beim großen Kampf zur Sicherung der Lebensumstände eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
Emma Hamberg vermag es in ihrem Roman ‘Merci Agneta‘, der Fortsetzung von ‘Bonjour Agneta‘, eine liebevolle, heitere Geschichte um zwei eigenwillige Charaktere zu weben, die sich eingerichtet haben in einer zum Teil sehr skurrilen Welt mit täglich neuen Herausforderungen, die den Alltag immer von seiner schönen und angenehmen Seite zu nehmen wissen. Bei allem Humor setzt sich die Autorin mit ernsthaften Themen unserer Zeit, wie Pflege und Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen oder dem Ausbruch einer Frau aus dem typischen Rollenverhalten im Ehealltag mit stetig fordernden Kindern aber auch mit Dankbarkeit gegenüber einer Menschengruppe, die sich verantwortlich füreinander fühlen, auseinander.

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Zwei ungleiche Schwestern

Die Inselschwimmerin
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Evie ist die jüngere Schwester von Liv. Die Mädchen sind langersehnte Wunschkinder des Ehepaars Muir. Doch Liv zeigt von Beginn ihres Lebens an sehr eigenwillige, distanzierende Verhaltensweisen, die sich ...

Evie ist die jüngere Schwester von Liv. Die Mädchen sind langersehnte Wunschkinder des Ehepaars Muir. Doch Liv zeigt von Beginn ihres Lebens an sehr eigenwillige, distanzierende Verhaltensweisen, die sich im Laufe der Zeit immer stärker ausprägen. Sie ist eifersüchtig auf Evie, weil sie sich von den Eltern zu wenig beachtet fühlt. Leider vermögen es sowohl die Mutter als auch der Vater nicht, in diese charakterlichen Entwicklungen ihrer ältesten Tochter regulierend einzugreifen, um frühzeitig Dissonanzen auszuschalten und ein gesundes geschwisterliches Verhältnis aufzubauen. Schließlich kommt es zu einer riesigen Katastrophe mit verheerenden Folgen, die das Zusammenleben entscheidend verändern. Evie entflieht mit gerade einmal achtzehn Jahren diesen für sie untragbaren Verhältnissen und kehrt erst nach zwei Jahrzehnten als der Vater im Sterben lag zurück in ihre Heimat, zurück auf die Orkneyinseln, wo jede Menge Klärungsbedarf aufkommt.
Lorraine Kelly vermag es in ‘Die Inselschwimmerin‘ eine Familientragödie spannend und unterhaltsam zugleich in Szene zu setzen, die mich sehr fasziniert hat. Neben den wunderschönen bildhaften Landschaftsbeschreibungen gibt sie ihren Charakteren eine große Intensität und Ausdrucksstarke. Freundschaftlicher Zusammenhalt verweist auf eine liebenswerte Wesensart der einheimischen Bevölkerung. Die Autorin reißt wichtige Themen an, wie Neid, Hass, Verlogenheit aber auch Homosexualität, Alkoholismus und Drogensucht die einen gewaltigen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen im alltäglichen Leben haben können.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Schuldgefühle

Perlen
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Marianne, eine tragische Figur, in Sian Hughes Roman ‘Perlen‘ leidet seit frühester Kindheit, genauer gesagt seit ihrem achten Lebensjahr, unter dem plötzlichen Verschwinden der Mutter, die aus der Tür ...

Marianne, eine tragische Figur, in Sian Hughes Roman ‘Perlen‘ leidet seit frühester Kindheit, genauer gesagt seit ihrem achten Lebensjahr, unter dem plötzlichen Verschwinden der Mutter, die aus der Tür ging und nicht wiederkam. Das Kind weist sich die Schuld dafür zu und lässt immer wieder Szenen aus ihrer Vergangenheit in ihrer Fantasie aufleben, bei denen sie sich unsicher ist, ob sie Einbildung sind oder tatsächlich geschehen waren. Allein gelassen vom Vater in ihrer Trauer in einer bedrückenden Einsamkeit, ausgeschlossen als Außenseiterin in der Schulzeit, setzt sie sich über Jahre als Jugendliche und schließlich Erwachsene mit dem schmerzlichen Verlust ihrer Bezugsperson immer wieder auf eine zermürbende Art auseinander. Das Leben in der Zeit, als die Mutter noch Teil der Familie war, gestaltete sich sehr als isoliert von der Außenwelt, was auf eine gewisse psychische Störung im Sozialverhalten deutet. Als erwachsene Frau und selbst Mutter versucht Marianne Antworten auf ihr problematisches Schicksal zu finden, ohne anzuklagen, nur um zu verstehen.
In der Geschichte spielt ein aus dem vierzehnten Jahrhundert stammendes Gedicht ‘Perlen‘ eine wesentliche Rolle. Es symbolisiert weiße Perlen als Menschen und deren Verlust wird gleichgesetzt mit dem Überqueren eines Flusses, um das Paradies zu erreichen.
Der Roman stand auf der Longlist des Booker Price 2023, besticht durch seine poetische Sprache und bildhaft lebendigen Darstellungen.


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