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Veröffentlicht am 21.06.2025

Erdrückende Beweise

Die feindliche Zeugin
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Die junge Anwältin Rosa bekommt ihren ersten großen Fall übertragen. Sie soll den 17-jährigen Emmett verteidigen, der einen Weißen erstochen haben soll. Die Beweise gegen ihn sind erdrückend. Mehrere Zeugen ...

Die junge Anwältin Rosa bekommt ihren ersten großen Fall übertragen. Sie soll den 17-jährigen Emmett verteidigen, der einen Weißen erstochen haben soll. Die Beweise gegen ihn sind erdrückend. Mehrere Zeugen haben ihn dabei beobachtet, wie er blutüberströmt neben dem am Boden liegenden Opfer stand, das Messer noch in der Hand.
Als Leser weiß man, dass er nicht der Täter ist, doch Rosas Aufgabe ist nicht leicht. Niemand meldet sich als Entlastungszeuge und Emmett selbst will keine Aussage machen, wer die anderen Schwarzen Jugendlichen waren, die bei der Auseinandersetzung dabei waren, und dies, obwohl ihm bewusst ist, dass ihn im Falle einer Verurteilung womöglich eine lebenslange Freiheitsstrafe erwartet.
Die Autorin dieses Romans ist selbst Barrister und kennt das britische Rechtssystem genau. Sie schildert daher minutiös die Abläufe dieses Strafprozesses, was zwar interessant, aber auch manchmal ziemlich ausufernd ist. Als Justizthriller kann man „Die feindliche Zeugin“ auch wahrhaftig nicht bezeichnen, denn über viele Seiten hinweg fehlt es an Spannung. Trotzdem habe ich diesen Roman gern gelesen. Ich denke, dass die Autorin viel ihrer eigenen Erfahrung in die Geschichte hat einfließen lassen, denn sie liest sich sehr authentisch.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Zwölf Tage im Sommer

Flusslinien
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Die Hauptperson in diesem Generationenroman ist die über hundertjährige Margrit Raven, die in einer Seniorenresidenz an der Elbe lebt und sich gedanklich auf ihren bevorstehenden Tod vorbereitet, indem ...

Die Hauptperson in diesem Generationenroman ist die über hundertjährige Margrit Raven, die in einer Seniorenresidenz an der Elbe lebt und sich gedanklich auf ihren bevorstehenden Tod vorbereitet, indem sie Erinnerungen verarbeitet und sich mit dem Leben ihrer Mutter auseinandersetzt, die im Krieg ums Leben kam. Ihre Mutter wurde früh Witwe und erlebte ihre wohl glücklichste Zeit an der Seite der Landschaftsarchitektin Else, die den wunderbaren Römischen Garten am Ufer der Elbe anlegte. Dorthin lässt sich Margrit täglich von ihrem jungen Fahrer Arthur fahren. Arthur ist Student, Taucher und Erfinder von Sprachen. So macht er sich unter anderem Gedanken über die verschiedenen Arten von Stille und erfindet beispielsweise unterschiedliche Wörter zu Stille, wenn Besuch wieder gegangen ist oder Stille, wenn Freunde gemeinsam schweigen. Diesen Gedanken fand ich faszinierend und sehr originell.
Die dritte Protagonistin ist Margrits 18jährige Enkelin Luzie, die nach einem traumatischen Erlebnis während eines Auslandsaufenthalts die Schule kurz vor dem Abi schmeißt und sich als Tätowiererin selbstständig machen will. Margrit bietet sich als Übungsobjekt an, woraufhin ihr Luzie ein Ganzkörpertattoo des Römischen Gartens sticht. Das wiederum fand ich ziemlich abwegig, zumal die Prozedur zum Teil sehr schmerzhaft ist. Margrits Hintergedanke ist, dass Luzie sich ihr gegenüber während der Stunden des Tätowierens öffnet und ihr erzählt, was in Australien passiert ist. Dass sich andere Bewohner der Seniorenresidenz ihrem Beispiel anschließen und ebenfalls in hohem Alter plötzlich den Wunsch nach Tattoos verspüren, erscheint mir allerdings wenig glaubhaft.
„Flusslinien“ ist ein schwer zu beschreibender Roman, der das Leben der Protagonisten an zwölf aufeinanderfolgenden Tagen erzählt. Er ist poetisch und originell, aber teilweise auch etwas ausufernd. Im Großen und Ganzen habe ich ihn allerdings gerne gelesen, vor allem, als mehr und mehr über die Personen und ihre Beweggründe bekannt wird. Ein wenig seltsam finde ich, dass eine Hundertdreijährige eine 18jährige Enkelin haben soll, noch dazu aus der ersten Ehe ihres Sohnes, dessen jüngsten Kinder aus zweiter Ehe noch ganz klein sind. Aber alles in allem würde ich den Roman durchaus empfehlen, er lebt von den vielen einzelnen Geschichten, die sich wie ein Mosaik zusammenfügen, und hat mich auf emotionaler Ebene sehr berührt.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Von Oldsum nach Long Island

Das Licht in den Wellen
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Die junge Inge verlässt mit Anfang 20 von heute auf morgen ihre Heimatinsel Föhr mit dem Ziel New York. Da es in New York eine große Auswanderergemeinde aus Föhr gibt, findet sie sofort Anstellung in einem ...

Die junge Inge verlässt mit Anfang 20 von heute auf morgen ihre Heimatinsel Föhr mit dem Ziel New York. Da es in New York eine große Auswanderergemeinde aus Föhr gibt, findet sie sofort Anstellung in einem typischen New Yorker Deli. Der Grund für Inges überstürzte Ausreise wird lange Zeit nur angedeutet, erst gegen Schluss erfahren wir den Grund.
Inge scheint ein wahrer Tausendsassa zu sein, bald ist ihr „magic potato salad“ das Aushängeschild des Ladens und sie erhält das Angebot, ihr eigenes Restaurant zu führen. Obwohl sie anfangs von Heimweh geplagt wird und immer wieder eine Rückkehr nach Föhr in Erwägung zieht, schlägt sie Wurzeln in Long Island, zumal sie in der Zwischenzeit ihre große Liebe kennengelernt hat. Ihr neues Restaurant ist ein Riesenerfolg, sogar JFK und andere Berühmtheiten sind Gäste bei „Tante Inge“, wie sie von ihren Gästen genannt wird.
Für mich war dies der erste Roman von Janne Mommsen. Die Leseprobe versprach einen interessanten Roman über die Geschichte deutscher Auswanderer, ich war daher erstaunt, dass es sich mehr um einen Wohlfühl- und Frauenroman handelt. Über lange Zeit wird ausführlich geschildert, wie unglaublich tüchtig Inge ist und alles, was sie in die Hand nimmt, gelingt. Dabei erledigt sie einfach alles selbst: Restaurant renovieren, Lebensmittel einkaufen, kochen, Gäste bedienen, zwischendurch bleibt sogar noch Zeit für Ausflüge mit ihrem Hauke. Eigentlich müssten ihre Tage 48 Stunden haben.
Nach der Hälfte des Buchs habe ich mich ein wenig gelangweilt. Amüsiert hat mich, dass Inge ihrem Bruder einen amerikanischen Toaster als Hochzeitsgeschenk nach Föhr schickt. Ich hoffe, sie hat auch einen Transformator mitgeschickt, sonst hatte der Bruder wenig Freude an dem Geschenk. Dass sich Inges bisheriger Gönner plötzlich von ihr abwendet, das soll wohl Dramatik in die Geschichte bringen, die Erklärung für sein Handeln erscheint mir wenig glaubhaft.
Die Geschichte wechselt immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit. Inge ist mittlerweile 100 Jahre alt, lebt auf Föhr und will ihre Wahlheimat New York noch einmal sehen. Mit ihrer 20-jährigenUrenkelin Swantje besteigt sie ein Schiff in Richtung USA. Das Buch endet damit, dass die beiden in New York ankommen. Eine Fortsetzung ist wohl bereits in Arbeit, ich bin mir sicher, dass Swantje auch im Jahr 2022 alle Türen in New York offenstehen werden und sie einen kometenhaften Erfolg als Modedesignerin hinlegen wird!
Mein Fazit: ein netter Wohlfühlroman für zwischendurch, der von den anschaulichen Beschreibungen von Föhr und New York lebt. Trotz mancher Längen und obwohl ich etwas ganz anderes erwartet hatte, hat mich dieses Buch gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Ein Projekt namens Albion

Wo wir uns treffen
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Der Patriarch der Familie, Philip Brooke, ist gestorben und hinterlässt sein 400 Hektar umfassendes Anwesen im ländlichen Sussex seiner ältesten Tochter Frannie. Gemeinsam mit ihr hatte er die letzten ...

Der Patriarch der Familie, Philip Brooke, ist gestorben und hinterlässt sein 400 Hektar umfassendes Anwesen im ländlichen Sussex seiner ältesten Tochter Frannie. Gemeinsam mit ihr hatte er die letzten zehn Jahre die Renaturierung der riesigen Waldflächen vorgenommen und wollte, dass das Projekt in diesem Sinne weitergeführt wird. Milo, Frannies Bruder, beabsichtigt allerdings auf einem Teil des Landes ein Retreat für reiche Leute errichten, die bereit sind, ein Vermögen für eine Nacht in einem Baumhaus zu bezahlen. Anlässlich der Beerdigung des Vaters kommen die drei Geschwister Frannie, Milo und Isa für ein paar Tage zusammen. Alte Konflikte brechen auf und neue entstehen durch den Besuch einer vermeintlichen Halbschwester aus den USA, die unangenehme Wahrheiten über die Familie ans Licht bringt.
„Wo wir uns treffen“ ist ein sehr vielschichtiger Roman. Die Autorin versteht es hervorragend, die schwierigen Beziehungen der Protagonisten untereinander herauszuarbeiten und gleichzeitig darzustellen, wie die Entwicklung der Personen zu dem, was sie sind, stattgefunden hat. Es werden eine Vielzahl von Themen angesprochen, unter anderem Verantwortung für die Natur und seine Mitmenschen und die Frage, inwiefern die heutige Generation für die Schuld verantwortlich ist, die frühere Generationen auf sich geladen haben.
Ana Hopes Schreibstil hat mir gut gefallen, ihre Sprache ist bildhaft und präzise. Besonders gut gefallen hat mir Frannies Tochter Rowan, die durch ihr Aufwachsen mitten in der Natur und ihr naturwissenschaftliches Interesse vorurteilsfrei an Themen herangeht, mit denen sie bei Gleichaltrigen und ihrer Lehrerin Befremden hervorruft. Ein wirklich lesenswerter Roman, der allerdings teilweise etwas ausufernd ist.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Alles in Ordnung. Wirklich!

Bis die Sonne scheint
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Der Teenager Daniel wächst in den 1980er Jahren als jüngster von vier Geschwistern in behüteten Verhältnissen auf. Der Vater ist Architekt, den Bungalow, in dem Familie Hormann wohnt, hat er selbst entworfen ...

Der Teenager Daniel wächst in den 1980er Jahren als jüngster von vier Geschwistern in behüteten Verhältnissen auf. Der Vater ist Architekt, den Bungalow, in dem Familie Hormann wohnt, hat er selbst entworfen und gebaut. Als Eigentümer einer Massivhausfirma verdiente er bestens, bis die Geschäfte einbrachen. Jetzt ist er insolvent und das Haus steht kurz vor der Zwangsversteigerung. Trotzdem tun die Eltern so, als ob alles in bester Ordnung wäre. Die Konten sind gesperrt, das Geld, das Daniel zur Konfirmation bekommen hat, soll er den Eltern „vorstrecken“, die zur Ablenkung von der ganzen Misere erst einmal ins Möbelhaus fahren und planen, welche Möbel sie als nächstes kaufen. Der Höhepunkt an Absurdität ist erreicht, als sie Brokatuntersetzer für einen auf dem Klavier stehenden Kerzenleuchter erwerben, obwohl auf dem Klavier bereits der Kuckuck klebt. Für mich war es sehr frustrierend zu lesen, mit welcher Vogel-Strauß-Einstellung die Eltern durchs Leben gehen und welche Fehlentscheidungen sie treffen und die Kinder darunter leiden. Daniel kommt mir manchmal erwachsener vor als seine Eltern.
Abwechselnd mit den Kapiteln, die in der Jetztzeit spielen und aus Daniels Sicht erzählt werden, wird das Leben und der Werdegang der Großeltern geschildert. Diese Ausflüge in die Vergangenheit waren interessant, aber für meine Begriffe etwas zu ausführlich, weil sie von der eigentlichen Geschichte ablenkten. Was mir zu diesem Zeitpunkt allerdings auch nicht klar war, ist, dass der Autor hier autobiographisch seine eigene Geschichte verarbeitet hat und es ihm wichtig war aufzuzeigen, wie die Großeltern ihre Nachkommen geprägt haben.
Die Sprache des Autors fand ich genial, wenn er beispielsweise die Mimik des Vaters vor dem Fernseher beschreibt: „Alles konnte mein Vater darstellen, während er … mit dem souveränen Lächeln eines Lebemanns dem Star zwischen den federngeschmückten Tänzerinnen die Showtreppe hinunterfolgte…“. Auch die Atmosphäre der 80er Jahre ist sehr gut beschrieben und hat bei mir viele Erinnerungen wachgerufen.
Ein lesenswertes Buch, ein Stern Abzug, weil ich gegen Ende ein wenig das Interesse verloren habe.

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